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Full text of "Österreichische Kunsttopographie"

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ÖSTERREICHISCHE KUNST- 
TOPOGRAPHIE 



HERAUSGEGEBEN VOM KUNSTHISTORISCHEN INSTITUTE 
DER K. K. ZENTRAL-KOMMISSION FÜR DENKMALPFLEGE 

REDIGIERT VON PROF. DR. MAX DVORAK 



BAND VI 

DIE DENKMALE DES POLITISCHEN BEZIRKES WAIDHOFEN A. D: THAYA 

IN NIEDERÖSTERREICH 



WIEN 1911 
IN KOMMISSION BEI ANTON SCHROLL & Co. 

KUNSTVERLAG WIEN I HEGELQASSE 17 



DIE DENKMALE DES POLITISCHEN 
BEZIRKES WAIDHOFEN A. D. THAYA 



BEARBEITET VON DR. HANS TIETZE 
MIT BEITRÄGEN VON DR. JOSEF BAYER 



1 KARTE, 8 TAFELN, 185 ABBILDUNGEN IM TEXTE 



WIEN 1911 
IN KOMMISSION BEI ANTON SCHROLL & Co. 

KUNSTVERLAG WIEN 1 HEüELÜASSE 17 







1121306 



DRUCK VON RUDOLF M. ROHRER IN BRUNN. 



INHALTSVERZEICHNIS 



Seite 

Vorwort VII 

Literaturverzeichnis IX 

Kuiistgeschiclitliche Übersicht XI 

Denkmälerverzeichnis. Gerichtsbezirk Dobersberg . . . . 1 

Gerichtsbezirk. Raabs 45 

Gerichtsbezirk Waidhofen 115 

Verzeichnis der Abbildungen 181 

Namensregister • 184 

Ortsregister : 188 

Sachregister 190 

Zusätze und Berichtigungen 194 



VORWORT 



Die Bearbeitung des Bandes Waidhofen a. d. Thaya erfolgte durch den Sekretär der Z. K. Dr. Hans Tietze 
auf Grund des von ihm und Frau Dr. Erica Tietze-Conrat aufgenommenen Inventars, dem für einen Teil 
der Gerichtsbezirke Raabs und Waidhofen Vorarbeiten der Herren Oskar Oberwalder und Dr. Josef 
Wüingartni-r zugrunde lagen. Die prähistorische Übersicht schrieb Dr. Josef Bayer. Die historischen 
Einleitungen zu den einzelnen Orten wurden vom Pfarrer Alois Plesser überprüft, die Waffen im Schloß 
Waidhofen von Kustos Dr. Kamillo List beschrieben. Die architektonischen Aufnahmen stammen vom 
Architekten Emmerich Sieqris, die photographischen von Dr. Hans Tietze und dem Photographen Hans 
Makart. 

Die Stadtgemeinde und die Sparkasse Waidhofen a. d. Thaya haben zur Drucklegung des Bandes je 
100 K beigetragen, wofür der geziemende Dank abgestattet wird, der auch sämtlichen Behörden für die 
moralische Unterstützung des Bandes gebührt. 



Spitz, Juli 1911. 



Max Dvofäk 



VERZEICHNIS DER DURCHGEHENDS ZITIERTEN LITERATUR 

UND IHRER ABKÜRZUNGEN 

Arcli. f. ö. O Archiv für österr. Geschichte. Herausgegeben von der historischen Kommission der Akademie der 

Wissenschaften in Wien. 

Bl. f. Landesk Blätter des Vereines für Landeskunde in Niederösterreich. 

Diözcsanblatt Geschichtliche Beilage zum St. Pöltener Diözesanblatt. 1894 ff. 

Fahrnoruber Johann Fahrnoruber, Hosanna in excelsis. Beiträge zur Glockenkunde in der Diözese St Polten. 

Fontes Fontes Rerum Austriacarum. Herausgegeben von der historischen Kommission der kaiserlichen 

Akademie der Wissenschaften in Wien. 

Hippolytus Hippolytus. Theologische Monatsschrift. St. Polten 1858 ff. 

Jb. f. Landesk Jahrbuch des Vereines für Landeskunde in Niederösterreich. 

Jb. Z. K Jahrbuch der Zentral-Kommission für Kunst und historische Denkmale. 

Kiesslino Kiesslino, Altertümliche Kreuz- und Querzüge. Wien 1910. 

Kuefstein Karl Graf Kuefstein, Studien zur Familiengeschichte I. Wien 1910. 

Kunsttopographie Österreichische Kunsttopographie. Herausgegeben von der Zentral-Kommission für Kunst und 

historische Denkmale. I (Krems) 1907; U (Wien Xl-XXI. Bez.) 1908; III (Melk) 1909; IV (Pögg- 
stall) 1910; V (Hörn) 1911. 

M. A. G Mitteilungen der Anthropologischen Gesellschaft in Wien. 

M. W. A. V Monatsblatt des Wiener Altertumsvereines. 

M. Z. K Mitteilungen der Zentral-Kommission für Kunst und historische Denkmale. Wien. 

M. /.. K. N. F M. Z. K. Neue Folge. 

M. Z. K. 3. F M. Z. K. Dritte Folge. 

Piper, Burgen Otto Piper, Österreichische Burgen. Wien 1902 ff. 

Schweickhardt Franz X. Josef Schweickhardt, Darstellung des Erzherzogtums Österreich u. d. Enns. Wien 

1831 ff. 

Top Topographie von Niederösterreich. Herausgegeben vom Verein für Landeskunde von Nieder- 
österreich. 

TscmscHKA Franz Tschischka, Kunst und Altertum im österreichischen Kaiserstaat. Wien 1836. 

Vischer Georo Matth. Visciier, Topographia Archiducatus Austriae inf. modernae. 1672. 

W. A. V Berichte und Mitteilungen des Wiener Altertumsvereines. 

Weiskern Friedrich Wilhelm Weiskern, Topographie von Niederösterreich. Wien 1769. 



VI 



KUNSTGESCHICHTLICHE ÜBERSICHT. 



I. Urgeschichtliche Denkmäler. 



Der politische Bezirk Waitlliofen a. d. Thaya umfaßt mit seinen drei Gerichtsbezirken Dobersberg, Raabs 
und Waidhofen das Flußgebiet der oberen (deutschen) Thaya, die, von Raabs an mit ihrer mährischen 
Schwester vereint, in einer tiefeingeschnittenen, vielfach gewundenen Talfurche gegen Sonnenaufgang wandert. 
Die Höhe unserer Landschaft über dem Meeresspiegel beträgt im Mittel 450 — 500 m. Diesen Zahlen kommt 
bei der Beurteilung der urgeschichtlichen Situation eine nicht zu unterschätzende Bedeutung zu. Unser 
Gebiet liegt niedriger als die politischen Bezirke Pöggstall und Zwettl und höher als der politische Bezirk 
Hörn. Urgeschichtlich erscheint dieses Höhenverhältnis nun deutlich in der Dichte der Urbevölkerung aus- 
gedrückt : Pöggstall und Zwettl ist im Verhältnisse zu Waidhofen ärmer, Hörn reicher an prähistorischer 
Hinterlassenschaft. Dabei darf freilich auch hier nicht außer acht gelassen werden, daß stets der Zufall oder 
der besondere, auf ein Gebiet konzentrierte Fleiß eines Sammlers das Bild urgeschichtlichen Kulturlebens 
einer Gegend gestaltet, das sich zu objektiven Vergleichen nicht ohneweiters eignet. 
Von der hohen Warte aus, die den Ausblick über unseren Erdteil und seine Nachbarschaft gewährt, gewahrt 
man im Diluvium einen Zyklus von Kulturphasen, deren Signaturen in auffallender Gleichmäßigkeit zu 
gleicher Zeit diesen ungeheuren Gebieten aufgeprägt sind — im Gegensatze zur Kulturentwicklung im Alluvium, 
wo sich in der jüngeren Steinzeit und besonders in den vorgeschichtlichen Metallperioden der große altstein- 
zeitliche Kulturkreis infolge der stetig fortschreitenden lokalen Differenzierung der Kultur in stets sich ver- 
engende Kreise auflöst. Dieser Gesichtspunkt muß im Auge behalten werden, wenn man die ältesten Spuren 
des Menschen im politischen Bezirk Waidhofen in ihrer allgemeinen wissenschaftlichen Bedeutung würdigen 
will. Franz Kiessling zu Drosendorf, dem rastlosen Erforscher seines engeren Heimatlandes, ist die Kenntnis 
mehrerer Fundstellen unweit der Thaya bei Drosendorf zu danken, deren diluviales Alter nach dem Urteile 
Hugo Obermaiers außer Zweifel steht 1 ). Drei dieser Fundstellen, nämlich eine bei Trabersdorf und zwei bei 
Nonndorf (Schwarzäcker und Flur „Steinlüß"), liegen im politischen Bezirk Waidhofen a. d. Thaya, und zwar 
im Gerichtsbezirke Raabs. Mit Rücksicht auf die jüngst erschienene erschöpfende Publikation aus der Feder 
F. Kiesslings und H. Obermaiers genügt hier der Hinweis auf die diesen Stationen auf der Fundkarte der 
paläolithischen Ära zukommende Stellung, woselbst sie als doch wohl nur vorübergehende Ruhepunkte dilu- 
vialer Jägerhorden zwischen den Lößstationen des niederösterreichischen Donaugebietes und denen der 
Sudetenländer erscheinen. Wie die auf sieben Tafeln von den genannten Autoren zur Abbildung gebrachte 
Auslese des steinernen Fundmateriales erkennen läßt, ist hier der Wille zur Formengebung fast gänzlich 
an der Materialbeschaffenheit gescheitert, so daß man vergebens nach gut ausgeprägten, führenden Typen 
sucht. Der allgemeine Eindruck, den dieses Ensemble hervorruft, führt aber gewiß im Sinne der Darlegungen 
H. Obermaiers zu der Geneigtheit, in diesen Stationen des Waldviertels Altersäquivalente zu den zahl- 



') Franz Kiessling und Hugo Obermaier: Das Plateaulchnipaläolithikum des nordöstlichen Wald vierteis von Niederösterrekh, 
W. A. G. XLI 1911. 



XII Kunstgeschichtliche Übersicht 

reichen Lößstationen im Donaugebiete Niederösterreichs, die sämtlich dem Aurignacien angehören, zu sehen. 
Ihre zumeist wohl nicht mehr primäre Lagerung im Plateaulehm sowie der gänzliche Mangel an faunistischer 
Begleitung beraubt sie jedoch eines Großteiles jener Bedeutung, die den ungestörten Höhlen- und Lößstationen 
im Hinblick auf drei Wissenszweige zukommt. 

In der jüngeren Steinzeit schließt sich der Waidhofener Bezirk kulturell eng an seine im 0. und N. viel reicher 
besiedelte Umgebung an. Die Fundstellen bei Trabersdorf, Eibenstein, Unter-Pfaffendorf, Rabesreith, Zemmen- 
dorf, Zabenreith, Raabs, Unter-Pertholz-Niklasberg, Luden, Fratres und Grossau (vgl. die näheren Angaben 
bei den betreffenden Orten) brachten die bekannten neolithischen Fundinventare, deren Charakter ein gemein- 
europäischer ist, und gewähren einen klaren Einblick in den Kulturbesitzstand der ältesten Ackerbauer 
und Viehzüchter des Waldviertels. Da gibt es verschieden gestaltete Beile und Hämmer aus Diorit, 
Serpentin und anderen geeignetem Gestein, vielbenutzte Klopfsteine und auch auf den Hornstein mit all 
seinen Varietäten fällt noch ein Abglanz seiner einstigen Bedeutung in der älteren Steinzeit, der nun längst 
verrauschten Ära des zugeschlagenen Steines. Aus graphithaltigem, oft mit Quarzkörnern stark vermengtem 
Ton sind Freihandgefäße und andere im Haushalte jener Neolithiker verwendete Objekte hergestellt. 
Als bemerkenswerte Erscheinung verdient hervorgehoben zu werden, daß in unserem Gebiete die jüngeren 
Kulturstufen, nämlich die vorgeschichtlichen Metallzeiten, verhältnismäßig sehr schwach vertreten sind. 
Diese Beobachtung gilt auch für die ganze hochgelegene Nachbarschaft. Es waren gewiß verschiedene Lebens- 
bedingungen, die den Menschen der jüngeren Steinzeit und den der Bronze- oder Hallstattperiode bei der 
Wahl seiner Heimat beeinflußt haben. Drückt sich eine gewisse Unsicherheit in der älteren Zeit aus, wo 
der Neolithiker die hochgelegenen und entlegenen Gebiete bevorzugt — und in diese Zeit fällt ja auch 
der Brauch, in Pfahlbaudörfern über dem Seespiegel zu wohnen — , so gewinnt man den Eindruck fried- 
licher, gesetzmäßiger Kulturentwicklung in der Bronze- und Hallstattzeit, deren Menschen in die fruchtbaren 
Ebenen herabstiegen, die der Mensch von heute noch bevorzugt. Nur aus wenigen Orten des politischen 
Bezirkes Waidhofen sind metallzeitliche Funde bekannt, so aus Ober- und Unter-Reith, Wieshof, Blumau, 
Aigen, aus der Umgebung von Waidhofen und Raabs 2 ). Der Zeit nach Christi Geburt, wahrscheinlich dem 
frühen Mittelalter, gehören die Erdbauten bei Luden (der „Schanzgraben") und Nonndorf bei Grossau 
(„Danzhof") an. 

Bevor wir aus dem prähistorischen Dunkel in die Helle der Weltgeschichte eintreten, gedenken wir dankbar 
der jahrzehntelangen, überaus verdienstvollen Tätigkeit F. Kiesslings, die allein ermöglichte, den politischen 
Bezirk Waidhofen a. d. Thaya im Rahmen des Gesamtbildes urgeschichtlicher Entwicklung als einen Gebiets- 
abschnitt zu erkennen, der an der allgemeinen urgeschichtlichen Entwicklung in einem seiner geographischen 
Lage entsprechenden Verhältnis naturgesetzmäßig partizipiert. 



2 ) Die bei den einzelnen Fundorten angeführten Fundstücke stellen zumeist nur eine Auslese dar. 

Josef Bayer. 



II. Denkmäler des Mittelalters und der Neuzeit. 

Der politische Bezirk Waidhofen a. d. Thaya dürfte in kunstgeschichtlicher Hinsicht zu den mindest belang- 
reichen Niederösterreichs gehören. Kaum irgend ein Monument kann mehr als bloßes Lokalinteresse bean- 
spruchen, denn höchst spärlich nur sind die Fäden, die von hier zu größeren Entwicklungsvorgängen herüber- 
führen. Aber selbst innerhalb dieser verengerten Sphäre ist das Material spröde und wenig ergiebig; einer- 
seits läßt sich nur wenig in Zusammenhang bringen, anderseits reicht nur Vereinzeltes in etwas frühere 
Kulturen zurück. Einen kulturellen Mittelpunkt hat dieses wenig geschlossene Gebiet nie besessen, auch die 
Schlösser an den Hauptorten des Bezirkes haben diese Rolle nicht gespielt; den meisten Pfarrkirchen wurde 
im XVIII. oder XIX. Jh. eine teilweise oder vollständige Erneuerung zuteil und höchstens unter den zahl- 
reichen Filialkirchen und Kapellen finden sich allenfalls eigenartigere Züge. 

Die Zahl der Kirchen, deren Bau sich bis in romanische Zeit zurückverfolgen läßt, ist allerdings Verhältnis- Architektur. 
mäßig nicht so klein, aber fast immer handelt es sich nur um die allgemeine Anordnung, um Fenster- 
spuren über dem jetzigen Gewölbe, um einen wuchtigen, quadratischen Turm. Nur die Pfarrkirche von 
Oberndorf-Raabs (Fig. 75 f.) besitzt reichere Architekturformen, spätromanisches Detail des XIII. Jhs. an 
den Seitenportalen und rundbogige Langhausfenster über dem gotischen Gewölbe. Auch ihr gotischer Bau 
ist bedeutender als alles sonst im Bezirke Vorhandene; eine dreischiffige Basilikalanlage mit langgestrecktem 
Mittelchore zwischen kürzeren Seitenchören. Die scharfe Trennung des Langhauses von den Chören läßt 
zusammen mit der Stellung des Turmes zwischen dem südlichen Langhaus und Chor vielleicht einen Schluß 
auf die ursprüngliche Gestalt der Kirche zu, deren Seitenschiffe mit Osttürmen abschließen mochten, 
zwischen denen der Chor mit halbrunder oder polygonaler Apsis nur wenig vorsprang. 
Von den übrigen Kirchen sind die von Thaya und die kleinen von Klein-Zwettl (Fig. 19 f.) und Weißenbach 
(Fig. 32 f.) zweischiffig, folgen somit einem in diesem nördlichen Grenzgebiet Niederösterreichs sehr verbreiteten 
Typus; unter ihnen ist die von Klein-Zwettl mit ihrer alten Befestigung und der eindrucksvollen Einfachheit 
des Innern von besonderem Interesse. Weiter wären noch die dreischiffige Basilikalanlage in Weikertschlag 
und die mit sehr anmutigem Detail versehene, jetzt zum Schüttkasten degradierte Spitalskapelle in Oberndorf 
(Fig. 92 f.) sowie die Ruinen der einst hochangesehenen Wallfahrtskirche Rafingberg und der Gaberkirche 
bei Luden (Fig. 72) zu erwähnen. Bei den übrigen gotischen Kirchen zeugt zumeist nur noch der Chor vom 
ursprünglichen Aussehen, während das Langhaus umgeändert ist. 

Auch hier wie anderwärts in Niederösterreich bildet das XVI. Jh. mit seinen bürgerlichen und 
religiösen Wirren einen baugeschichtlichen Einschnitt; am Anfange neuerlicher Bautätigkeit steht die 
Pfarrkirche von Aigen (Fig. 49), die 1599 neu gebaut wurde und deren einheitlicher saalartiger Raum in der 
Wirkung ziemlich stark an das Raumgefühl der zweiten Hälfte des XVIII. Jhs. erinnert. Wie sehr überhaupt 
diese beiden Epochen, die „deutsche Renaissance" und der beginnende Klassizismus, künstlerisch miteinander 
verwandt sind (vgl. auch Kunsttopographie V), wird einem auf Schritt und Tritt klar; die verwandte 
Erscheinung auf ornamentalem Gebiete zeigt die Kanzel in Aigen (Fig. 50), deren zierlichen Knorpelwerk- 
schmuck man auf den ersten Blick um so mehr für sehr späte Rocaille zu nehmen geneigt wäre, als die 
sparsame Art der Anbringung und Verteilung ein sehr ähnliches Empfinden bekundet. 



XIV Kunstgeschichtliche Übersicht 

Von den Barockkirchen sind nur zwei durch stattliche Größe und durch Einheitlichkeit der Erscheinung 
bemerkenswert; die von Groß-Siegharts (Fig. 1321), eine von einer Kuppel beherrschte Zentralanlage mit 
langen Längs- und kurzen Querarmen, eine Vereinfachung eines sonst in Österreich sehr verbreiteten Typus. 
Die andere ist die Pfarrkirche von Waidhofen a. d. Thaya (Fig. 147 f), ein höchst nüchterner, bürgerlicher 
Bau, den der Waidhofener Maurermeister Matthias Fölser 1713 — 1723 aufführte; eigentümlicherweise wurde 
zuerst der Turm, dann die Kirche gebaut. 

Die Profanbauten des Bezirkes sind vielleicht in noch höherem Grade isoliert als die kirchlichen; die statt- 
lichen Ruinen Kollmitzgraben (Fig. 66 ff.) und Eibenstein (Fig. 63 f.), das verfallende Schloß Karlstein 
(Fig. 28 ff.) und das ganz verrestaurierte in Groß-Siegharts (Fig. 135 f.), endlich die Schlösser in Waidhofen 
a. d. Thaya, Weinern und Dobersberg (Fig. 4), deren Grundform die typische des XVI. Jhs. ist und von 
denen das letztgenannte in seiner Innengestaltung vom Beginne des XIX. Jhs. außergewöhnliche Reize 
gewonnen hat. Alle überragt an malerischer Wirkung und an Fülle architektonischer Reize das Schloß Raabs 
(Fig. 98 ff.), dessen mächtige Masse den stattlichen Doppelort an der Vereinigung der beiden Thayaflüsse 
höchst eindrucksvoll beherrscht. 

Skulptur. Von spätmittelalterlichen Skulpturen sind nur einige Holzfiguren und ein paar Grabsteine zu nennen; an der 
Spitze jener stehen die kleine, ziemlich vierschrötige Madonnenfigur in Waidhofen a. d. Thaya (Fig. 158), nach 
Haltung und Faltenwurf etwa ins dritte Viertel des XV. Jhs. gehörig, und die vielleicht noch etwas jüngere 
Madonna in Oberndorf-Raabs (Fig. 85). Zwei schlanke Heiligengestalten in Liebnitz (Fig. 108 f.) mögen an 
böhmische Spätgotik erinnern (vgl. die Stephansstatue in der Stephanskirche in Mauth, Böhmische Kunst- 
topographie IX, 61, Fig. 90), während sonst — bei einem Kriegerheiligen in Liebenberg, der stehenden 
Madonna in Waldkirchen, der sitzenden, schon die Würde und Behäbigkeit der Zeit um 1520 zeigenden 
Madonna in Windigsteig (Fig. 183) und dem grell übermalten Nothelferrelief in der Spitalskirche in Waid- 
hofen a. d. Thaya (Fig. 167) wohl einfach die Entstehung aus einer mehr oder weniger handwerksmäßigen, 
lokalen Kunstübung anzunehmen ist. Etwas bemerkenswerter ist die figurenreiche Pietä in der Kapelle von 
Matzeisschlag (Fig. 129 und 130), deren Ähnlichkeit mit der Pietä in einem Bildstock zwischen Klein- 
Weikersdorf und Mailberg (W. A. V. XXXIV, S. 73) und einer zweiten im Linzer Landesmuseum (M. Z. K. 
N. F. XXVI 96) über bloße zeitliche Übereinstimmung hinausgehen mag. Von den Grabsteinen ist der des 
Jörg von Puchheim (Fig. 89) von 1458 in der Pfarrkirche von Oberndorf-Raabs der bedeutendste; nament- 
lich ist die liebevolle Sorgfalt, mit der jedes kleinste Detail der Rüstung wiedergegeben ist, beachtenswert. 
Ein anderer Grabstein an der Umfriedungsmauer derselben Kirche (Fig. 91) legt schon von der tüchtigen 
Sepulkralplastik am Beginn des XVII. Jhs. Zeugnis ab, von der unser Bezirk noch ein zweites, jetzt ver- 
stümmeltes Denkmal besaß. Das Grabmonument, das Georg Andre und Wolfgang, Freiherren von Hof- 
kirchen, ihren Eltern um 1600 in der neugebauten Kirche von Aigen errichteten (Fig. 51 f.), war ursprünglich 
eine freistehende Tumba mit einer Darstellung der Bestatteten auf dem Tumbadeckel und mit Reliefs an 
den Seiten; das Freigrab der Kuefstein in Maria-Laach steht noch (Kunsttopographie I), ein anderes, mit 
dem Aigener noch ähnlicheres, das des Hans Wilhelm von Losenstein in der Pfarrkirche von Loosdorf (da- 
selbst III), ist wie dieses in seine Bestandteile zerlegt. 

Wenig jünger (1610) ist der Kruzifixus in Oberndorf-Raabs (Fig. 86) als Arbeit aus einer, bei uns zulande sehr 
dürftig vertretenen Zeit immerhin beachtenswert, dann aber klafft eine Lücke bis ins XVIII. Jahrhundert, 
das uns eine Reihe von mehr oder minder dekorativen Figuren mäßig hohen Ranges beschert. Innerhalb 
dieser Gruppe scheinen einige Figuren die in der Übersicht zum V. Bande vermutete Abhängigkeit des nörd- 
lichen Niederösterreich von Mähren zu bestätigen; zwei sehr anmutige Madonnenfiguren — eine von einer 
Verkündigung, die andere mit dem Leichnam Christi — in den Kapellen von Ober-Edlitz (Fig. 19) und Reinolz 
(Fig. 44) zeigen einen Liebreiz, der den eigentlich niederösterreichischer Arbeiten übertrifft. Und der Bild- 
stock mit dem hl. Leopold bei Oberndorf (Fig. 97) zeigt einen jener eleganten Aufbauten von feinster Silhouette- 
wirkung, wie es für die Richtung Winterhaiders charakteristisch ist. Als Gegenbeispiele österreichischer 
Herkunft seien die hl. Elisabeth in Windigsteig (Fig. 184), der hl. Leopold in Waidhofen a. d. Thaya (S. 153), 
der hl. Florian über dem Sakramentshäuschen von Dobersberg (Fig. 2) herangezogen. 



Kimstgeschichtliche Übersicht XV 

Ein eigenartiges Stück ist das Johannes-Nepomuk-Reliquiar aus Holz und Messing im Schlosse Waidhofen 
a. d. Thaya (Fig. 174), ein überaus malerischer, figurenreicher Aufbau, über dessen stilistische Zugehörigkeit nichts 
angegeben werden kann. Der Spätzeit des Jahrhunderts gehört die interessanteste Skulptur unseres Bezirkes 
an, das Grabmonument des 1784 gestorbenen Johann Michael von Grosser in der Pfarrkirche von Groß- 
Siegharts (Taf. VI). Nichts zeigt den bedauerlichen Zustand unserer heimischen Kunstgeschichte deutlicher 
als der Umstand, daß über den Urheber eines so bedeutenden und höchst persönlichen Werkes nichts bekannt 
ist und eigentlich auch nichts gesagt werden kann. Die von Ilg vermutungsweise ausgesprochenen Zuschrei- 
bungen an Zauner oder Fischer sind ein bloßes Herumraten, denn der Jugendstil beider ist ganz anders; 
man vergleiche von jenem das Friessche Grabmonument in Vöslau, von diesem das Grabmal des Bischofs 
Heinrich Johann von Kerens in St. Polten. 

Das Grossersche Grabmal ist in jeder Hinsicht für seine Entstehungszeit ungemein charakteristisch. In 
inhaltlicher Beziehung durch die starke Rührseligkeit der Darstellung und das Streben nach einer neuen und 
originellen Erfindung. Der Abgeschiedene nimmt von den Seinigen, die durch Gebärden und Mienen ihrem 
Schmerz Ausdruck geben, Abschied und folgt dem Totengerippe, das ihm die abgelaufene Sanduhr entgegen- 
streckt, in die Tiefe hinab. Ein poetischer Gedanke ist hier zu bildnerischer Gestaltung gebracht; allegorische 
und Porträtfiguren mengen sich in einer Weise, wie sie der nächsten Generation bereits anstößig erschien. 
Dieselbe an Canovas Christinengrab so oft diskutierte und getadelte Stillosigkeit — als solche erschien jene 
Vermengung allen Theoretikern von den Klassizisten angefangen bis Adolf Hildebrandt — ist auch für die 
formalen Eigenschaften des Grabmals bezeichnend. Den Hintergrund bildet eine Reliefdarstellung; ein Bau- 
werk in einer Landschaft mit Felsen und Bäumen auf eine Relieffläche verkürzt. Davor aber stehen ganz 
frei gearbeitete Figuren, Menschengestalten bilden gewissermaßen ein lebendes Bild. Über diesen klaffenden 
Widerspruch des Werkes hilft die naive Anmut der Erfindung und Formengebung hinweg, unterstützt von 
der Farbigkeit der Komposition, die aus dem Gegensatze zwischen der fröhlichen Buntheit des aus Stuck 
gebildeten Hintergrundes und der Einfärbigkeit der bleifarbenen Figuren vorn einen neuen Reiz zu gewinnen 
versteht. 

Diese Eigenschaften des Werkes erklären sich aus seiner Stellung zwischen Barocke und Klassizismus; ideell 
diesem, formal jenem näherstehend ergibt sich eine sehr persönliche Ausdrucksweise, die der Zauners oder 
Fischers schon deshalb ferne steht, weil diese selbst in ihren Jugendwerken aus der österreichischen Tradition 
ein stärkeres formalklassizistisches Element mitbringen. Dieser eigentümliche Naturalismus in Groß-Siegharts 
ist fremdartig und sollte ich einen bestimmten Meister vorschlagen, so könnte es nur jener rätselhafte 
Merville sein, dessen merkwürdige Reliefs im Chor der Michaeierkirche in Wien (Photographien Wlha 1755, 
1756) in manchen Dingen mit unserem Grabmale übereinstimmen. Auch bei ihnen fällt der schroffe Gegensatz 
zwischen den im höchsten Relief gearbeiteten Vordergrundsfiguren und der ganz bildhaften Relieffläche des 
Hintergrundes und die so wenig österreichische Art auf, den Raum nicht aus den Mitteln des Reliefs zu 
schaffen, sondern aus einer Kombination von fast freier Plastik und Bildgrund zu gewinnen. 
Aus noch späterer Zeit sind noch ein Porzellankruzifix in Oberndorf-Raabs (Fig. 83), Grassis Biskuitbüste 
Antonio Canovas in Dobersberg (Fig. 9) und das daselbst befindliche, von der Ausführung etwas abweichende 
Modell Fernkorns zu seinem Erzherzog-Karl-Denkmal (Fig. 6) hervorzuheben. 

Das Schauspiel, das Architektur und Skulptur bieten, wiederholt sich auch bei Betrachtung der Malerei; Malerei 
auch hier aus älterer Zeit nur ganz vereinzelte Stücke, zumeist niedrigen Ranges, erst aus der Barockzeit 
einige Werke, die größere - und zusammenhängende — Beachtung rechtfertigen. Zu jenen gehören, da die 
mittelalterlichen Fresken im Schlosse Raabs völlig unkenntlich sind, einige Tafeln in der Schloßkapelle 
Karlstein, Erzeugnisse lokalsten Charakters, ein derbes Bild mit der zwischen der hl. Barbara und hl. Katharina 
thronenden hl. Jungfrau in der Pfarrkirche Waidhofen a. d. Thaya (Fig. 159), Zeugnis einer bis zur Zeit- 
Iosigkeit konservativen Kimstübung — wohl der Spätzeit des XVI. Jhs. zuzuschreiben — und endlich ein 
einigermaßen widerspruchsvoller Flügelaltar in Weißenbach (Taf. III; Fig. 38). Das darauf angebrachte 
Doppelwappen Trucknüiller-Haunold weist auf die erste Hälfte des XVII. Jhs. hin. während manche Züge 
der Komposition sowie der Typik für eine frühere Entstehungszeit zu sprechen scheinen; trotzdem nötigt 



XVI Kunstgeschichtliche Übersicht 

namentlich die Faltenbehandlung von einer bloßen Überarbeitung des Flügelaltars im XVII. Jh. abzusehen 
und ihn für ein stark altertümelndes Werk aus der Zeit zu halten, in der der Altar auch seine ornamentale 
Umrahmung erhielt, also um 1630. 

Unter den Malereien des XVIII. Jhs. sind mehrere Deckenfresken am interessantesten. Die ältesten sind die 
in der Pfarrkirche von Groß-Siegharts, 1727 von einem Maler Carolus ausgeführt, den eine nicht ganz unglaub- 
würdige Tradition mit dem Steyr-Garstener Freskanten Carl von Reslfeld (Fig. 135 u. Taf. V) identifiziert. Es 
folgt die Deckenverzierung der Pfarrkirche in Waidhofen a. d. Thaya, die von dem mährischen Maler Daysigner 
(Taf. VII u. Fig. 149 f., 152) herrührt, der auch anderweitig im nördlichen Waldviertel tätig gewesen ist. 
Seine persönlichen Züge und Zusammenhänge mit der mährischen Malerei, aus der er deutlich hervorgegangen 
ist, kommen an dieser Stelle weniger in Betracht als die Stellung der ganzen Dekoration innerhalb der 
allgemeinen Entwicklung. Die einheitliche Deckenbemalung, die wohl als die klassische Dekoration der öster- 
reichischen Barockmalerei angesehen werden kann, ist wieder aufgegeben, um einer Einteilung in Felder, wie 
sie früher üblich gewesen war, Platz zu machen. Die Vergleichung mit den Fresken in Groß-Siegharts ergibt 
den Unterschied, daß hier jedes Feld durch kräftige architektonische Rahmung innerhalb der gesamten 
Decke isoliert und als eingefügter Bestandteil behandelt wird; in Waidhofen a. d. Thaya quillt die steinfarbig 
gemalte Rocaille der Umrahmung in die plastische der Stuckverzierung über, die Darstellung ist nicht von 
einem starren Rahmen umschlossen, sondern die Decke ist gleichsam gesprengt, den Blick auf die geschil- 
derten Szenen zu öffnen. So bleibt hier die allgemeine Tendenz der dekorativen Barockmalerei, die Auflösung 
von Wand und Decke, noch maßgebend, während die sogar etwas jüngeren Fresken in Blumau (Taf. IV u. 
Fig. 57 f.), 1777 von Zoller gemalt, eher altertümlicher, zumindest uncharakteristischer wirken; es sind bei 
aller Fertigkeit doch handwerksmäßige Arbeiten, deren Urheber zum Kreis von Schülern und Nachahmern 
gehört, die sich um Paul Trogers Geraser Tätigkeit sammelten (vgl. Kunsttopographie V). 
Im Empirestil führt die konsequente Fortentwicklung jenes barocken Dekorationsmotivs zur Krise und zum 
Umschlage; die Räume des Schlosses Dobersberg, das geradezu ein Juwel der österreichischen Spielart dieses 
Stiles ist, zeigen höchst charakteristische Beispiele dafür (Fig. 5, 7, 14). Überall ist die Mischung von starker 
Betonung der Wand und von illusionistischem Durchblicke bezeichnend; dieses ist das ablebende, jenes das 
aufkommende Element. Zwischen den Pfeilern eines Gemaches schauen wir durch weinlaubumrankte 
Gitterstäbe ins Weite; seichte Spitzbogennischen öffnen sich, in denen allerhand Gerät steht und lehnt; 
über eine Quadermauer winken die Baumkronen eines anstoßenden Gartens. Obwohl wir es also in all diesen 
Fällen mit einer Erweiterung des Raumes über seine Wände hinaus zu tun haben, so liegt doch ein gewichtiger 
Unterschied gegenüber der Eröffnung in ungemessene Weiten — wie sie die Barockdekoration kennt — vor : 
einerseits handelt es sich jedesmal um Zufügung einer bestimmten Raummenge — Garten, Nische — , ander- 
seits dienen gerade diese Durchblicke dazu, auf die funktionelle Bedeutung der Wand mit allem Nachdruck 
aufmerksam zu machen; die Wand dient nicht als Repoussoir für die Ausblicke, wie das z. B. so oft bei 
den Wanddekorationen Joh. Bergls der Fall ist, sondern die Ausblicke rufen uns deutlich ins Bewußtsein, 
daß wir es mit einer Wand zu tun haben. Dem entspricht die Behandlung, die diese selbst findet. 
Sorgfältig sind Quadern aufgeschichtet, die nach oben ein profiliertes Gesims abschließt; unter ihm bilden 
Bukranien, Masken, Helme und andere klassische Motive einen Fries, dessen Steinfarbe über die struktive 
Solidität keinen Zweifel zulassen. Oder es sind kanellierte jonische Pilaster zur Gliederung verwendet; über 
den Türen zeigen abermals steinfarbene Supraporten die Bestimmtheit des einschließenden Gewändes, denn 
wo ein steinerner Schmuck angebracht werden kann, da muß eine wirkliche feste Wand vorhanden 
sein, die ja hie und da Durchblicke in angrenzende andere Räume, nicht ins Raumlose eröffnen mag. So steht 
der Dekorationsstil, dessen Beispiele wir in Dobersberg kennen gelernt haben, am Anfang einer Entwicklung, 
die durch das XIX. Jh. hindurch bis in unsere Zeit reicht. 

Von einzelnen Gemälden ist noch weniger zu nennen. Aus dem Gebiete kirchlicher Malerei das Hochaltarbild 
in Waidhofen a. d. Thaya von 1721 (Taf. VIII), das von einem sonst nicht bekannten Maler Mölckh her- 
rührt, der vielleicht mit einem um diese Zeit in Wien nachweisbaren Matthias M. identisch ist; mehrere 
Seitenaltarbilder derselben Kirche von dem als Genre- und Landschaftsmaler bekannteren Professor Carl 



Kunstgeschichtliche Übersicht XVII 

Aigen (Fig. 154 und 156); zwei Seitenaltarbilder von Carl Schindler in Oberndorf-Raabs (Fig. 84). Was sonst 
vorhanden ist, erhebt sich keineswegs über das Niveau gewöhnlichster Provinzmalerei. Von Profanbildern 
sind zunächst ein großes Bild, das dem Franz Floris zugeschrieben wird und in der Tat von einem italiani- 
sierten Niederländer stammen dürfte, im Schlosse Waidhofen a. d. Thaya und ein figurenreiches Bild aus der 
antiken Geschichte in der Art des G. de Lairesse in Schlosse Weinern zu nennen. Von Porträts sind die 
höchst dekorativen Bildnisse von Mitgliedern des dänischen Königshauses in Weinern (Fig. 120) und vieles 
im gräflich Grünneschen Schlosse in Dobersberg bemerkenswert; es sind zum Teil Familienbilder, die an 
die engen Beziehungen des Urgroßvaters und des Großvaters des jetzigen Besitzers zu Erzherzog Karl, 
beziehungsweise Kaiser Franz Josef erinnern. Hierher gehören das Porträt des Kaisers von Einsle (1849; 
Taf. I) und die Aquarellminiatur von Kriehuber (1851; Taf. II) und die Skizze Johann Enders zu dem im 
Besitz Erzherzogs Friedrichs befindlichen Bilde : Erzherzog Karl mit den Seinen vor der Weilburg (1832; 
Fig. 18). Aus der Gruppe der Familienbildnisse sind hervorzuheben : Graf Philipp Grünne von Peter Krafft 
(Fig. 15), eine Miniatur von E. W. Thomson (Fig. 11), Fürst Trautmannsdorff von F. Lieder (Fig. 12), Gräfin 
Wallmoden von Johann Ender (Fig. 10) und Graf Karl Grünne, ein Reiterbildnis von dem berühmten 
Schlachtenmaler Albrecht Adam. 

Eigentümlich ist der Bilderbesitz im gräflich Gudenusschen Schlosse in Waidhofen a. d. Thaya. Einige Familien- 
porträts, unter denen nur ein mit F. Lippoldt 1749 bezeichnetes und die Miniaturen der Freifrau Eugenie 
von Bartenstein (Fig. 173) und des Freiherrn Johann Bapt. von Gudenus von Kriehuber hervorzuheben 
sind, und eine ziemlich große Anzahl von Genrebildern und Stilleben aus den Vierzigerjahren des XIX. Jhs.: 
von Einsle, Haier, Moser, Franz X. Petter, Reiter, Zellenberg usw. 

Noch weniger vermag das Kunstgewerbe eine gesonderte Betrachtung zu rechtfertigen, zumal die meisten Kunst- 
Gegenstände ohnedies bereits im Zusammenhange mit der Architektur oder der Skulptur erwähnt wurden. gewerbe. 
Als eine Gruppe für sich repräsentieren sich die Waffen im Schlosse Waidhofen a. d. Thaya (Fig. 176 ff.) und 
die zur Gesamteinrichtung gehörenden Objekte im Schlosse Dobersberg (Fig. 8, 16 f.). Außer diesen besitzt 
aber Graf Grünne in Dobersberg noch einen eigenartigen Schatz, dessen Bedeutung für die Geschichte des 
heimischen Kunstgewerbes an dieser Stelle allerdings nicht erschöpft werden kann; es sind die Original- 
entwürfe zu den Interieurs und Details der von Erzherzog Karl am Anfange des XIX. Jhs. gebauten Weilburg 
bei Baden. Die Beziehungen des Erzherzogs zum Urgroßvater des gegenwärtigen Besitzers machen das Auf- 
tauchen dieser Blätter in Dobersberg erklärlich, die um so interessanter sind, als die ursprüngliche Ein- 
richtung nicht mehr besteht. Außer den sorgfältigen Zeichnungen der dekorativen Skulpturen, die auch in 
Steindruck publiziert wurden, sind namentlich die großen aquarellierten Blätter zu Wand- und Plafond- 
dekorationen von hohem Reize; ihnen gesellen sich Studien zu einzelnen Möbeln — teils aquarelliert, teils 
in feinen Linien gezeichnet — zu, deren Publizierung und ausführliche Erörterung einer anderen Stelle vor- 
behalten bleiben muß. 

Hans Tietze. 



vi III 



VERZEICHNIS 
DER IN DER ÜBERSICHT BESPROCHENEN OBJEKTE 



Aigen, Pfarrkirche XIII 

— Kanzel XIII 

— Grabmal XIV 
Dobersberg, Schloß XIV 

— Empireeinrichtung XVI 

— Skulpturen XV 

— Gemälde XVII 

— Zeichnungen für die Weilburg XVII 

— Statue des hl. Florian XIV 
(Ober-)Edlitz, Madonnenfigur XIV 
Eibenstein, Ruine XIV 
Gaberkirche, Ruine XIII 
Karlstein, Schloß XIV 

— Gemälde XV 
Kollmitzgraben, Ruine XIV 
Liebenberg, Skulptur XIV 



Liebnitz, Skulpturen XIV 
Matzelsschlag, Skulptur XIV 
Oberndorf (Raabs), Pfarrkirche XIII 

— Spitalskirche XIII 

— Skulpturen XIV f. 

— Grabstein XIV 

— Bildstock XIV 

— Gemälde XVI 

— Schloß XIV 

— Fresken XV 
Raabs s. Oberndorf 
Rafingsberg, Kirchenruine XIII 
Reinolz, Skulptur XIV 
(Groß-)Siegharts, Pfarrkirche XIV 

— Schloß XIV 

— Grabmal XV 



(Groß-)Siegharts, Fresken XVI 

Thaya, Pfarrkirche XIII 

Waidhofen a. d. Thaya, Pfarrkirche XIV 

— Schloß XIV 

— Skulpturen XIV 

— Reliquiar XV 

— Gemälde XV ff. 

— Fresken XVI 

— Waffen XVII 
Waldkirchen, Skulptur XIV 
Weinern, Schloß XIV 

— Gemälde XVII 
Weißenbach, Flügelaltar XV 
Windigsteig, Skulpturen XIV 
(Klein-)Zwettl, Kirche XIII 



Gerichtsbezirk Dobersberg 



Dobersberg 

1. Dobersberg; 2. Schuppertholz 



1. Dobersberg, Markt 

Literatur: Top. II 300; M. W. A. V. 1900, 30; Plesser, Kirchen 452; Geschichtl. Beiiag. IX 77; Fahrnohuber 36. 

Archivalien: Pfarrarchiv mit Matriken; Schloßarchiv mit Urbaren des XVII. Jhs. und Graf Grünnesches Familienarchiv; Archiv 
des k. k. Bezirksgerichtes, mit Urbaren von Gilgenberg und Karlstein aus dem XVII. Jh. (Mitteil, der Archivsektion 
der Z. K. VI 251). 

Alle Ansichten: 1. Radierung von G. M. Vischer von 1672. — 2. Tuschzeichnung von P. M. um 1825 (Wien. Landesarchiv 
C IV 229). — 3. Im Schlosse D. in einem Album zwei Ansichten von Gauermann nach Zeichnung von Paul Grügcr. 

D. kommt schon um 1230 im Rationarium Austriae als Markt vor (DOPSCH, Osten. Urbare I). Die Hussiten verwüsteten 1425 die 
Gegend und bestanden 1429 hier ein Gefecht mit den Österreichern (FRIESZ in Gymnasialprogramm von Seitenstetten, 1883, S. 60). 
Die aufständischen Bauern hatten 1~>9H hier einen Sammelplatz, einer ihrer Anführer, Schrembser, stammte aus dem Orte <Bl. f. 
Landesk. 1897, 843, 890), Auch im Dreißigjährigen Kriege hatte der Markt durch die Soldaten und in neuerer Zeit durch Brände 
tu leiden. Kaiser Franz I. verlieh ihm 1832 ein Marktprivilegium (Gemeindearchiv). 




Fig. 1 Dobersberg, Pfarrkirche, Grundriß I : 300 (S. 2) 

Pfarrkirche zum hl. Lambert. 

D. kommt bereits 1254 und im Lonsdorfer Kodex als Pfarre vor. 1531 trug die Pfarre 48 Pfund Pfennige. 



Zur 



Zeit des Luthertums zogen die Pucliheim das von ihren Vorfahren gestiftete Benefizium der Friedhofkapelle 
(Karner) ein und beeinträchtigten die Rechte der landesfürstlichen Pfarre, welche dem Propste von Eisgarn 
verliehen war. 1575 hatte die Kirche eine schöne Monstranze im Werte von hundert Gulden (Wiedemann. 
Reformation und Gegenreformation II 609). 1615 brannte die Kirche ab und wurde vom Zimmermanne Hanns 
Hayttl und dem Maurer Anton Koll von Raabs wieder aufgebaut (Wiedemann, a. a. O., II 602). 1619 nahmen 
Vi l 



Pfarr- 
kirche. 



Gerichtsbezirk Dobersberg 



Be- 
schreibung. 



Fig. 1. 
Äußeres. 

Langhaus. 
Chor. 



Turm. 




Fig. 2 Dobersberg, Pfarrkirche, 
Sakramentshäuschen mit Florianistatue (S. 4) 



die Soldaten Kelche und Kirchenornat weg (BI. f. Landesk. 1896, 
S. 395). Auf einen Neubau dürfte sich die Jahreszahl 1633 be- 
zogen haben, die bis zu dem großen Brande von 1876 an der 
Kirche zu lesen war. 1672 fand der Dechant die Kirche in gutem 
Baustande mit Ausnahme des Turmes, der vor hundert Jahren 
vom „Wildfeuer" (Blitzschlag [?]) zerstört und nicht mehr auf- 
gebaut worden war. Die Kirche hatte drei Altäre, zwei Kelche, 
ein Ziborium und eine Monstranz von Silber und drei Turm- 
glocken. Um 1690 wurde der Turm gebaut, wozu die Steine der 
St. Michaelskapelle Verwendung fanden, und ein neuer Hochaltar 
aufgestellt. Die „Nachträuber" entwendeten 1692 das Ziborium, 
das 1697 durch ein neues ersetzt wurde. Damals war ein neues 
Heiliges Grab vorhanden. 1697 brannte der ganze Ort mit Kirche 
und Turm ab. 1736 wurde die Christenlehrbruderschaft zu Ehren 
des hl. Nepomuk errichtet. Um dieselbe Zeit ließ Pfarrer Johann 
Adam Lehrbaum auf seine Kosten die Kirche mit vier Altären 
versehen. Später erwarb sie Reliquien vom hl. Johann von Ne- 
pomuk 1761, vom hl. Kreuze und von der hl. Theresia 1762 und 
St. Aloisius und Franz Xaver 1763, die in Monstranzen gefaßt 
waren (Dekanatsarchiv Raabs). 1829 wurde der Turm durch Blitz- 
schlag in Brand gesteckt und 1876 Markt und Kirche durch 
Brand verwüstet. 

Beschreibung: Verbindung eines Chores aus dem XV. Jahr- 
hundert mit einem Lang- 
hause, das nach dem 
Brande von 1876 fast 
völlig erneut wurde 
(Fig. 1). 



Äußeres: 

Hellgrün gefärbelt, mit gelblicher Rahmung der Türen, Ortstein- 
fassung der Langhausfassade und des Turmes. Geringer grauer 
Sockel. 

Langhaus: W. Durch den Turm fast ganz verdeckte Giebel- 
front. — S. Ein kleines und zwei größere Segmentbogenfenster, 
profiliertes Abschlußgesims. — N. wie S. Zwei Fenster, Tür mit 
Windfang. 

Chor: Einspringend, vom Kranzgesimse mit umlaufen. N. Ver- 
baut. — 0. In fünf Seiten des Achteckes gebrochen, mit drei 
freien (und einem nördlich in die moderne Anbauerweiterung ein- 
gebauten) einmal gestuften Strebepfeiler, mit Wasserschlag und 
Pultdach; im NO., SO. und S. je ein hohes Fenster wie im Lang- 
hause; im 0. Rundbogenfenster, bis auf ein kleines Rechteck ver- 
mauert. Abgewalmtes Ziegelsatteldach über Langhaus und Chor. 

Turm: Rechteckig, in die Westfassade des Langhauses etwas 
eingebaut, durch drei Simsbänder in vier Geschosse geteilt. Im 
W. Tür, darüber zwei Schlitze; ebensolche im S. Im dritten Ge- 
schosse jederseits quadergefaßtes Rundbogenfenster, ein höheres im 
vierten, darüber rundes Zifferblatt, um das das profilierte Kranz- 
gesims rundbogig ausbiegt. Moderne Dachhaube mit hohem 
Tambur. 




Fig. 3 
Dobersberg, Johannes-Nepomiik-Statuc (S. 5) 




Dobersberg 3 

Anbau: Im N. des Chores, einstöckig, rechteckig, Sakristei und Oratorium enthaltend; östlich moderne 
Erweiterung (Oratoriumstiege); drei kurze Strebepfeiler mit Ziegelpultdächern im N., zwei Fensterchen über- 
einander im W. Ziegelpultdach. 

U m f r i e d u n g s m a u e r: Um den schön gelegenen Friedhof, in dem die Kirche liegt, herumgeführt, an 
der Nordostseite zum Teil von Gebäuden des Pfarrhofes unterbrochen. An der Nordwestecke Portal, hohe 
flankierende Pfeiler mit Pinienzapfenbekrönung, Eisengitter mit Spiralen und flamboyantcm Ornamente. 
Mitte des XVIII. Jhs. 

Inneres: 

Modern ausgemalt, rot und grau marmorierte Wände, im Chore Teppichimitation, ornamentale Malerei an 

der Decke. 

Langhaus: Stattlicher rechteckiger Raum, die Längswände von je zwei Paaren breit voneinander 
gesteifter, durch gemeinsames dreiteiliges Gebälk gekuppelter Pilaster gegliedert, durch einen Eckpilaster 
im W. und einen vollen, mit einem Eckpilaster gekuppelten im 0." eingefaßt. Die Körper der Pilaster enthalten 
zwei längliche Felder um ein Rundfeld. Hölzernes Tonnengewölbe mit gemalten Gurten über den Pilaster- 
deckplatten und jederseits drei einspringenden Stichkappen. 



Anbau. 



Unitriedung»- 
maucr. 



Imufi-v 




Fig. 4 Dobersberg, Schloß, Gartenseite (S. 6) 

Westempore über Flachdecke und zwei schlanken, kannelierten, gemauerten Säulen (modern). Im N. zwei, im 
S. drei hohe Fenster mit fast geradem Segmentbogenabschlusse, die etwas abgeschrägte Laibung in grau 
marmorierter Stuckralinumg mit angedeuteten Ohren, von denen Bandornament und Blütenschnüre herab- 
hängen, profilierte Sohlbank. Im N. kleine, im W. große Tür, beide in seichten Segmentbogennischen, die 
wieder in einer tiefen ebensolchen, beziehungsweise rundbogigen Nische stecken. 

Chor: Etwa in gleicher Höhe, aber schmäler als das Langhaus, gegen das er in einspringendem breitem 
Rundbogen über Deckplatten offen ist. Der um eine Stufe erhöhte Altarraum in fünf Seiten des Achteckes 
geschlossen Ein breites Kreuzrippengewölbejoch mit rundem Schlußsteine, die bimförmig profilierten Rippen 
über runden, gekehlten, spitz zulaufenden Konsolen hoch aufsitzend. Abschlußgewölbe: Halbkuppel über 
profiliertem Gesimse mit drei einspringenden Stichkappen über den Ostschrägen. Im S. und in den seitlichen 
Schrägen je ein Fenster wie im Langhause, über der Rahmung Palmette zwischen Gehängen. Im N. gerahmte 
Tür zur Sakristei. 

Sakra m e n t s h ä u s c h e n: Aus Sandstein. Im N. des Altarraumes mit dem darüber befindlichen Skulp- 
turenaufbau ein Ganzes bildend. Rechteckig über Sohlbank, die oben abgeschrägt und an der Unterseite gekehlt 
und In der Mitte in der Kehle mit einem kunen runden Pfosten besetzt ist. Auf der Abschrägung der Sohl- 
bank steht die etwas vortretende, rechteckige Rahmung auf, die jederseits aus zwei Säulchen über gedrehten 



Chor. 



Sakraments- 



4 



Gerichtsbezirk Dobersberg 



Sockeln und dazwischen einem, durch Kehlen geschiedenen, profilierten Pfosten besteht, die oben zwei 
Rundstäbe und dazwischen einen profilierten Stab durchstoßen. Das rechteckige Gitter besteht aus fünf 
Reihen von je fünf schmiedeeisernen Ornamentfiguren: alternierend aufrechte und gestürzte Granatäpfel; 
Fig. 2. die Reihen sind durch Querbänder geschieden. Um 1500 (Fig. 2). 

Über der Tür zur Sakristei moderne Holzverkleidung der zwei rechteckigen Oratoriumfenster. 

Turm. Turm: Untergeschoß im W. des Langhauses; gewölbt mit großen Türen im 0. und W., letztere in Segment- 

bogennische. 

Anbau. Anbau: Im N. des Chores Sakristei mit Spitztonne, Fenster im W., Tür im 0. und SW. Darüber Oratorium, 
wie unten. Im S. zwei rechteckige Öffnungen in unregelmäßigen Nischen (zum Chore). Östlich moderner 
Stiegenaufgang. 

Einrichtung. Einrichtung: 

Hochaltar. Hochaltar: Holz, marmoriert. Bildaufbau mit Skulpturen, den Ostabschluß des Chores bis zu den seitlichen 
Fenstern und die östliche Stichkappe verkleidend. Zweistufiger Unterbau, an den Flügeln vortretend; der 
Aufbau wird von vorstehenden Säulen vor Pilastern flankiert; die Stellung der Säulen und das über 




Fig. 5 Dobersberg, Schloß, Speisezimmer (S. 7) 



ihnen verkröpfte, dreiteilige Gebälk, das sich über den Mittelteil segmentbogig ausbiegt, vertiefen den Mittelteil 
nischenförmig. Kartuscheaufsatz seitlich von Voluten, nach oben von geschwungenem Gebälke abgeschlossen, 
das zwei Putten mit Kreuz unter Baldachin bekrönen. In das Aufsatzfeld ist das Ostfenster mit moderner 
Verglasung als ovales Bild einbezogen, herum weißer Wolkenkranz mit Cherubsköpfchen vor Glorie, seitlich 
auf dem Seitengebälke zwei große, weißgefaßte Engel. Außerhalb der Säulen über angegliederten Voluten- 
postamenten große Gipsfiguren (weiß gefaßt, mit geringer Vergoldung) der HI. Petrus und Paulus. Um 1725. 

Skulpturen. Skulpturen: 1. Chor über dem Sakramentshäuschen. Weiß emaillierte und vergoldete Holzstatue des 
hl. Florian zwischen zwei Putten mit seinen Emblemen vor einer rosa Draperie mit Cherubsköpfchen und Krone 
(Fig. 2). 
2. Gegenüber an der Südwand, gleicher Aufbau, hl. Donatus. Anfang des XVIII. Jhs. 

Kredenz. Kredenz: Über marmoriertem Holztische ein von sechs kannelierten Pilastern gegliederter Aufbau mit 
rechteckigem Mittelaufsatz mit Baldachin. Vor den äußeren Pilasterintervallen weiß emaillierte Holzstatuetten 
des hl. Josef und der hl. Jungfrau mit dem Kinde. Unter dem Baldachin vergoldeter Holzkruzifixus über 
geschnitztem Fuße mit geschnitzter Rocaille. Um 1750. 



Dobcrsbcrg 



Grabsteine: 1. Vor der Westseite des Turmes drei abgetretene Steinplatten, an der einen — Joannes Fran- 
cisco Stingel - ein Polster in Relief, an der zweiten Polster mit Buch, an der dritten ein Wappen kenntlich. 
2. Im Südosten vom Chore Breitpfeiler mit Segmentaufsatz über Deckplatte, weißer Marmor; ans Aufsatz- 
feld ist ein vergoldetes bronzenes Doppelwappen appliziert; im Pfeiler vier Nägel und eine graue eingelassene 
Inschrifttafel: Rosalia Gräfin Granne geb. Freyjrau von Feltz, 1X1/. 

Ehemalige Fried ho f kapeile zum hl. Michael. 

Auf dem Friedhofe bei der Kirche bestand eine kleine Kapelle, wahrscheinlich ein Karner. Das von den Puchheim gestiftete Bene- 
fizium wurde von Andreas von Puchheim vor 1676 eingezogen. Die Kapelle war schon 1672 eingefallen und wurde 1690 als Material 
für den Kirchturmbau verwendet (Hippolytus 1860, 212). 



Grabsteine. 



Ehemaliger 
Karner. 




Fig. 6 Dobersberg, Schloß, Modell zum Erzherzog-Karl-Denkmal (S. 8) 



Bildstöcke: 1. An der Straße nördlich von der Kirche; in modernisiertem Kapellenpfeiler halbacht- 
eckige Nische, darin auf tischartigem Unterbau polychromierte Holzfigur des knienden hl. Johannes von 
Nepomuk über einem, mit drei Cherubsköpchfen besetzten Wolkensockel; links und rechts zwei fliegende 
Putten. Um 1730 (Fig. 3). 

2. Auf der platzartigen Erweiterung der Straße Pranger; vierseitiger abgekanteter Granitpfeiler über hohem, 
dreistufigen Unterbau; Kegelstutzbekrönung. An einer Seite des Pfeilers Kugel an Kette, an der andern 
Holzarin mit Richtschwert. XVII. Jh. 

3. Straße gegen Hohenau; aclitseitiger Schaft über vierseitigem Sockel, mit Hohlkehle in einen vierseitigen 
Tabernakel übergehend, der an der Vorderseite im Rechtecke offen ist. Vier Flachgiebel mit Kreuz; in der 
Nische polychromierte Holzstatuette: Pietä. XVII. Jh. 

4. Auf dem Wege nach Goschenreith; über Sockel Granitpfeiler mit vierseitigem Tabernakel, Kegelstumpf- 
dach, Kugel. Um 1700. 



Bildstöcke. 



Fig. 3. 



6 



Gerichtsbezi ri,: Dobersberg 



Amts- K. k. Amtsgebäude: An der Straße; einstöckig, grün gefärbelt, mit leicht betontem Mittelrisalit, um 

gebäude. den sich das die Geschosse scheidende Sims verkröpft; darin Rundbogenportal in Rahmung mit Eck- und 

Keilstein, in letzterem Datum 1767. Über dem Mittelrisalit Haubendachfenster mit Zifferblatt (modernisiert). 

Schloß. Schloß: Im Besitze des Grafen Philipp Grünne. Bereits im XIII. Jh. war der größte Teil des Besitzes 

landesfürstlich; daneben wird ein Geschlecht von D. genannt (Friedrich von Tobransperg 1305 in einer Wil- 
heringer Urkunde). Herzog Albrecht V. schenkte D. um 1430 seinem Kriegsobersten Leopold Kreug. Das 
Schloß wurde an Stelle eines Hofes um 1570 durch Siegmund von Puchheim vollständig neu gebaut, der hier 
einen Prädikanten hielt. Vielleicht stammte aus dieser Zeit das Oratorium im Schlosse, welches noch um 
1710 vorhanden war. Auch 1785 war in einem Saale des Schlosses eine Mauernische mit Altar angebracht, die 




Fig. 4. 



Fig. 7 Dobersberg, Schloß, Kleiner Salon (S. 8) 

verschlossen werden konnte (Konsistorialarchiv St. Polten, Miscellanea). Nach verschiedenen Besitzern kam 
es 1802 an Grafen Philipp Grünne, dessen Urenkel gleichen Namens es jetzt besitzt. Das Schloß behielt 
seine aus dem XVI. Jh. stammende Gestalt im wesentlichen bis heute; doch wurde es 1805 vielfach um- 
gebaut, der Turm verlor seine Galerie unter dem Dache und das Innere erhielt seine überaus reiche und 
reizvolle Ausstattung, die es zu einem geschlossenen künstlerischen Eindruck macht (s. Übersicht). 

Beschreibung: Vier Trakte um einen rechteckigen Hof; die Gebäude weiß gefärbelt, mit Sockel-, 
Haupt- und Halbgeschoß, durch horizontale, schwach vortretende Simse gegliedert. An drei Ecken zylindrische 
Türmchen mit spitzem Kegeldach, ein ebensolches in der Mitte der Westfront. In der Südostecke quadra- 
tischer, bis auf den First des Hauptgebäudes abgetragener, von Ortsteinen eingefaßter Turm mit Zwiebel- 
dach über dem profilierten Kranzgesimse. Im Südtrakte rundbogige Durchfahrt zu einem Vorhofe, den 
niedrige Nebengebäude abschließen. An den Südwestturm ist gegen den Garten eine kleine, rechteckige, von 
Säulen getragene Terrasse mit Eisengitter und Freitreppe angebaut (Fig. 4). 




TAFEL I DOBERSBERG, SCHLOSS, PORTRÄT KAISERS FRANZ JOSEF I. VON EINSLE (S. 7) 



Dobenbcrg 



im Innern des Schlosses haben nur einige Neben- 
räume (Stiegenhaus und Vorzimmer) charakteristische 
gratige Sterngewölbe vom Ende des XVI. Jhs. be- 
halten. Der allergrößte Teil der Räume erhielt seine 
Dekoration und Einrichtung um 1805, wovon nur 
weniges um 1860 und später verändert wurde. Einige 
Räume wirken besonders einheitlich, während in 
anderen nur einzelne Bilder und Möbel von all- 
gemeinerem Interesse vorhanden sind. 

Osttrakt: Speisezimmer, mit zwei Fenstern in 
herabgeführten Segmentbogennischen an den Lang- 
seiten und je zwei Türen an den Schmalseiten. Die 
Wände bemalt; um Fenster und Tür kannelierte 





Fig. 8 Dobersherg, Schloß, Uhr (S. B) 



Fig. 9 
Dobersberg, Schloß, BiskuitbOstc Canovas von Grassi (S. 9) 

Pilasterrahmung, Supraports mit allegorischen 
Frauengestalten, steinfarbig auf blauem Grunde. 
Die Supraports schneiden in eine hellviolette Bor- 
düre ein, die mit Kränzen, Thyrsusstäben, Leier usw. 
bemalt ist. Darüber steinfarbener Zahnschnitt unter 
der Flachdecke mit gering ornamentiertem Mittel- 
spiegel. Die Wandpfeiler enthalten Malereien, von 
denen zwei Veduten mit geringer Staffage, eine 
ein Gitter mit Weinlaub (Fig. 5) und die vierte 
eine dreistufige Terrasse mit Blumentöpfen darstellt. 

Gemälde: öl auf Leinwand, oval, Kniestück, Por- 
trät Kaiser Franz Josefs I., stehend, in Generals- 
uniform, mit weißem Mantel. Bezeichnet (rechts 
unten): Ant. Einsle S49 (Taf. I). 

Zur Dekoration dieses Zimmers gehören ferner eine 
Standuhr: schwarzes Gehäuse mit vergoldeten 
Bronzebeschlägen, Ranken, Adler, Maske, guil- 
lochiertes Zifferblatt; Bekrönung: Alabastervase 
mit Goldbronzemontierung. Bezeichnet: Jos. Jessler 
in Wien, 



Osttrakt. 



Fig. 5. 



Taf. I. 



8 



Gerichtsbezirk Dobersberg 



Ein nicht ausgeführtes Bronzemodell des Erzherzog-Karl-Denknials in Wien. Bezeichnet: Modell. Ant. Fern- 
Fig. 6. körn 1847 (Fig. 6; ein anderes Exemplar im Besitze Sr. Kaiserlichen Hoheit des Herrn Erzherzogs Friedrich 
war 1909 in der Erzherzog-Karl-Ausstellung; Hauptsaal 202). 
Eine größere Kollektion Alt-Meißner und Alt-Wiener Schalen. 

Südöstliches Eckzimmer (Kleiner Salon). Die Wände und Fensterlaibungen als gequaderte Mauer gemalt, die 

Fig. 7. mit einem glatten Fries mit steinfarbenen Bukranien, Helmen, Masken, Waffen usw. abgeschlossen ist (Fig. 7); 

in der Mauer mehrere Schlitzfenster mit Durchblick ins Grüne. Über dem profilierten Mauerabschlusse ragen 




Fig. 10 Dobersberg, Schloß, 
Porträt einer Gräfin Wallmoden von Joh. Ender (S. 10) 



teilweise überhängende Baumkronen empor; an einer Seite sitzt auf der Mauer eine Eule, auf die ein Vogel 
zufliegt. Oben Durchblick in den Himmel. In einer Ecknische hellglasierter, kleiner, zylindrischer Ofen, mit 
Stäben und Kränzen besetzt, darauf stehende Figur des Hypnos, Schweigen deutend und eine brennende 
Fackel in der Linken haltend. 

Luster: Holz, geschnitzt und vergoldet. In Form einer flachen Schale mit sechs gebogenen Armen, die in 
Kelche ausgehen; Blattrankenornament. 

Uhr: An der Wand, Holz, vergoldet, über reich ornamentierter mit steilen Blattschnüren besetzter Kon- 
sole; über dem runden Uhrgehäuse zwei Frauengestalten, deren Oberkörper aus Blattranken aufsteigen und 



Dobersberg 



9 



die in den erhobenen Händen eine Fruchtschale halten. Seitlich vom Uhrgehäuse zwei kleine Fruchtaufsätze. 

Auf dem Zifferblatt bezeichnet: Frantz Hohenadel in Wien (Fig. 8). 

Ferner befinden sich in diesem Zimmer: Zwei Marmorbüsten Kaiser Franz Josefs I. und der Kaiserin Elisabeth. 
Bezeichnet: Johann Halbig IS-54. 

Ein Bronzemodell zu dem Erzherzog-Karl-Denkmal in Wien, mit dem ausgeführten übereinstimmend. Be- 
zeichnet: A. Fernkorn inv. fec. Wien ISIS. 

Eine Kollektion von Alt-Wiener Biskuit, darunter zwei antikisierende Vasen mit Maskenschmuck, Blindmarke 
1820; büßende Magdalena, um dieselbe Zeit; neun Büsten von olympischen Gottheiten, Blaumarke 818; 



Rg. 8. 




Fig. 11 Dobersberg, Schloß, 
Miniaturporträt einer Dame von E. W. Thomson (S. II) 



Psyche von Merkur himmelwärts geführt auf weißem Porzellansockel, mit gemalten vergoldeten Ornamenten, 
um 1820. Büste Erzherzog Karls auf blauem Porzellansockel, Blaumarke um 1815; Büste von Canova auf 
gleichem Sockel. Bezeichnet: Grassi F. 1S05 (Fig. 9). Porzellanbüste von Voltaire, unbezeichnet, Meißen. 
Ende des XVIII. Jhs. 

Im S ü d t r a k t, an das Eckzimmer anstoßend, rechteckiges Zimmer mit einer abgeschrägten Ecke; die Wände 
sind bemalt: Gliederung durch weiße Säule Holzsäulen mit ägyptisierenden Ornamenten in Blau, nach oben 
in geflügelte Hermen übergehend, die das mit steinfarbenen Kränzen und Palmetten besetzte Gebälk tragen. 
/.wischen den Säulen hängt eine rosa Draperie mit blauer Bordüre, die dahinter gelegene blaue Wand ver- 

VI 2 



Fig.«. 

Südtrakt. 



10 



Uenchtsbezirk Dobersberg 



Fig. 10. 



hüllend; über einer Tür gemaltes Relief, mythologische Szene. Vor abgeschrägter Wand graublauer zylindri- 
scher Ofen mit Füllhörnern, Kränzen und steilem Blattwerke verziert, zu oberst Vase mit Steinhenkeln. 
Zugehörige Einrichtung in hellbraunem poliertem Holze und dunklen Stäben (Stoffüberzug um 1860). 

Gemälde: 1. Öl auf Leinwand, Kniestück einer Gräfin Wallmoden in gelbem, dekolettierten Kleide mit weißen 
Ärmeln; stehend, an eine Mauerbrüstung gelehnt. Bezeichnet: Joli. Ender 1830 (Fig. 10). 
2. Porträt des Grafen Philipp Grünne, in Uniform bei einem Marmortische stehend, auf dem der Tschako liegt. 
Bezeichnet: Johann Ender 1838. 




Fig. 12 Dobersberg, Schloß, 
Miniaturporträt des Fürsten Trautmannsdorf von F. Lieder (S. 10) 



3. Brustbild des Grafen Philipp Grünne mit Brustharnisch und rotem silbergesticktem Rocke. An der Rück- 
seite ein Zettel mit dem Namen des Dargestellten und Datum 1747. 

4. Öl auf Leinwand; Porträt der Gräfin Rosalie Grünne, in weißem ausgeschnittenem Kleide, mit violettem 
Mantel, Halbfigur, in Landschaft sitzend. Um 1815. 

Porträtminiaturen: 1. Aquarell auf Papier 14-5 x 21 cm; Halbfigur einer jungen Dame in grünem Kleide mit 
Fig. ll. braunen Locken. Bezeichnet: E. W. Thomson pinx. 1817 (Fig. 11). 

2. Pendant dazu; Brustbild eines Offiziers, von demselben, unbezeichnet. 

3. Oval, 17*5 x 21-5 cm; Brustbild des Fürsten Trautmannsdorff in Uniform mit dem Maria-Theresien-Orden. 
Fig. 12. Bezeichnet: Fs. Lieder lithog. Vorzeichnung für Lithographie (Fig. 12). 

4. 25-5 x 19 cm; Ansicht des Franzensplatzes in der Wiener Burg, ohne das Kaiser-Franz-Denkmal, mit reicher 
Fig. 13. militärischer Staffage. Bezeichnet: Wiegand (Fig. 13). 



Dobcrsberg 



II 



Anstoßend kleines Zimmer, dessen Gratgewölbe durch Malerei zu einem Netzgewölbe umgestaltet ist. Die 
Wände mit gotisierenden Spitzbogennischen und Blendwerk bemalt; über der Tür gemalte Lünette mit bunten 
Glasscheiben. In den Nischen verschiedene Geräte stillebenartig zusammengestellt, in einer Fernrohr, Globus, 
Bücher, in einer andern Waffen (Fig. 14), in einer dritten Musikinstrumente (die vierte verstellt). 

Gemälde: öl auf Leinwand; Kruzifixus mit Magdalena zu Füßen des Kreuzes, rechts ziehen Reiter in 
düsterer Landschaft, österreichisches Bild in der Richtung des Hauzinger. 

Uhr: Braunes Holz mit Bronzebeschlägen und vergoldeter Schnitzerei; über einer in der Mitte zurücktretenden 
Staffel auf schwarzem Holzsockel mit weißen Feldern zwei wappenartig gestellte vergoldete Schwäne, die 
ein Postament mit rundem Zifferblatt tragen. Der Pendel als Maske gebildet. 

Lampe: Flache Schale aus Alabaster mit vergoldetem Palmettenfries besetzt. Am Rande geflügelte Bronze- 
köpfe, von denen zwei Arme ausgehen, die in Fischmäuler enden und die Tüllen tragen. Drei Ketten, zu einer 
Mittelrosette vereinigt, tragen die Ampel. 



Fig. 14. 







Fig. 13 Dobersberg, Schloß, Ansicht des Franzensplatzes (S. 10) 



Bett in geschwungener Form, kleine Kommode, zylindrisches Nachtkästchen auf achtseitiger Basis; aus 
politiertem Holze. 

Durch ein Stiegenhaus mit gratigem Sterngewölbe gelangt man in die Bibliothek (südwestliches Eck- Bibliothek, 
zimmer). 

Gemälde: öl auf Leinwand; Porträt des Grafen Philipp Grünne, Kniestück in Uniform. Bezeichnet: Krafft 

pinx. Wien 1811 (Fig. 15). Rg. 15. 

In Mappen eine große Anzahl von Plänen und Detailentwürfen zur Weilburg von Kornhäusl und Klieber 
bezeichnet (s. Übersicht). Ein zugehöriges Aquarell mit einer Ansicht der Weilburg. Bezeichnet: J. Gauer- 
mann cid. 

In einem Album mit Zeichnungen, Lithographien, Stichen zwei Ansichten des Schlosses D. mit der Kirche, 
die eine bezeichnet: Paul Grüger del. J. Gauermann pinx. 

Aquarell: Ansicht der Ruine Rauhenstein. Bezeichnet: Steinfeld pinxit 1920. 

Anschließend Westtrakt: Blaues Zimmer; Tapete und Deckenbespannung blau und drape, um 1850; ent- Westtrakt. 
sprechende Garnitur. Schreibtisch mit Galerie aus verschränkten Spitzbogen. Anfang des XIX. Jhs. 

2» 



12 



Gerichtsbezirk Dobersberg 



Gemälde: Öl auf Holz; 25 x 41-5 cm; Interieur, mit einem schreibenden Herrn. 

Pendant dazu, Dame am Klavier, mit einem Herrn sprechend. Bezeichnet: M. E. de Latour pinxit 1802. 

Dilettantisches Bild. 

Nordtrakt. Durch ein Vorzimmer mit gratigem Sterngewölbe gelangt man in den Nordtrakt. 

Eckzimmer, gewölbt, mit je zwei Stichkappen an den Langseiten. Die Wände einheitlich gemalt: felsige 
Landschaft mit Zelten; an einer Seite auf hohem Postament eine bronzefarbige Diana, oben Durchblick in 
den Himmel. Der Ofen grau, glasiert, mit Empirekränzen und bekrönender Vase. 

Gemälde: Öl auf Leinwand; 18 - 5 X 25; Brustbild Christi als Schmerzensmann, an der Rückseite Aufschrift: 
Knoller. Aus dem Kunsthandel erworben. 




Fig. 14 Dobersberg, Schloß, gotisierende Wandmalerei (S. 11).. 



Nächstes Zimmer; die Wände steinfarbig gemalt, mit Pilastergliederung; in Segmentnischen stillebenartige 
Arrangements von Vasen, Stäben usw. Die Decke mit flachem Vierpaßspiegel mit Kopf zwischen Sternen, 
in Strahlenglorie. 

Toilettegarnitur: Ovaler Spiegel in Holzrahmen mit Goldbronzebeschlägen in Form von Delphinen am Tuche. 
Zugehörig zwei Leuchter in Gestalt nackter Knaben, aus teilweise vergoldeter Bronze, je einen Thyrsusstab 
Fig. 16. tragend, von dem drei Kerzenarme ausgehen (Fig. 16). 

Glasgarnitur: Untertasse aus gerautetem Glase mit Tee- und Milchkanne und Zuckerdose, auch aus gerautetem 
Fig. 17. Glase. Anfang des XIX. Jh. (Fig. 17). 

Gemälde: 1. öl auf Leinwand, großes Format, Halbfigur der Madonna, aus einem Buche betend, über ihr 
die Taube. Mitte des XVIII. Jhs. 




TAFEL II DOBERSBERG, SCHLOSS. 
AQUARELLMINIATUR KAISERS FRANZ JOSEF I. VON KRIEHUBER (S. 13) 



Dobersberg 



13 



2. öl auf Leinwand: 49 x 60 cm; Porträt des Grafen Karl ürünne zu Pferd, Blick auf Wien. Bezeichnet: 
Albrecht Adam 1850. Vgl. über dieses Bild Albrecht Adam, Selbstbiographie, edid. Dr. H. Holland, Stuttgart 

1886, S. 347. 

Aquarelle auf Papier: 1. Erzherzog Karl im Kreise seiner Familie auf der Terrasse der Weilburg bei Baden. 
Bezeichnet: Johann Ender 1832 (Fig. 18). Skizze zu dem Gemälde im Besitze Seiner kaiserlichen Hoheit 
, Erzherzogs Friedrich (Erzherzog-Karl-Ausstellung, Wien 1909, Hauptsaal 310). 



Fig. 18. 




Fig. 15 Dobersberg, Schloß, Porträt des (irafen Philipp Griinne von P. Krafft (S. II) 

2. 29*5 X 38-5 cm; Kniestück, Porträt Seiner Majestät Kaiser Franz Josefs I., vor einem Tischchen stehend, 

mit eigenhändiger Unterschrift vom 24. März 1851 (Taf. II). Bezeichnet: Kriehuber. Tat. IL 

3. 165 x 20cm, oval; Kniestück, Porträt einer Gräfin Salm in einem halsfreiem Kleide und weißer Haube. 
Um 1845. 

Porträtminiaturen auf Elfenbein: 1. 6-5 x 7-5 mi, oval; Kniestück, Dame in weiß dekolettiertem Kleide. 

an ein Postament gestützt. 

2. Pendant dazu; Dame in rotem Mantel. Bezeichnet: Kranwlini. Um 1800. 



14 



Qerichtsbezirk Dobersberg 



3. Rund, Durchmesser 6-8 cm; Dame in grauem Kleide, mit weißem Häubchen. Anfang des XIX. Jhs. 

4. 3-5 x 4-5 cm, oval; Brustbild einer Dame in blauem, dekolettierten Kleide mit weißem Häubchen. Ende 
des XVIII. Jhs. 

5. 8-5 x 11*5 cm; Porträt einer Fürstin Liechtenstein mit ihrem Söhnchen. Bezeichnet: Teltscher. 




Fig. 16 Dobersberg, Schloß, Toilettegarnitur (S. 12) 

Auf dem Schreibtische runde Uhr in Goldbronzemontierung auf einem aus vier Pranken gebildeten Fuß über 
quadratischem Postamente. Bezeichnet: Gaesner Wien. 







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Fig. 17 Dobersberg, Schloß, Glasservice (S. 12) 



In den weiteren Räumen des Schlosses Möbel aus der ersten Hälfte des XIX. Jhs. Zu erwähnen eine Stand- 
uhr; rundes guillochiertes Zifferblatt zwischen vier Holzsäulen. Bezeichnet: Ellforth in Wien. Anfang 
des XIX. Jhs. 

Service aus Silber, große Tasse mit Palmetten und Blüten in der durchbrochenen Bordüre, Kaffee- und Milch- 
kanne, Zuckervase aus Silber, Löffel, vergoldet. Der Schnabel der Kannen mit Löwenmäulern endend, auf 



Schuppertliolz 



15 



dem Deckel ein Schwan. Vorratsstempel von 1811. Meisterzeichen t . . Zugehörig zwei Porzellanschälchen, 

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innen vergoldet, mit Ansicht der Weilburg und darauf bezüglicher Inschrift; Blaumarke und Datum 823. 
Geschenk des Erzherzogs Karl an den Grafen Grünnc im Jahre 1823. 



2. Schuppertholz 

Findet um 1400 als Schuechperichtnltz im Zehenlverzeiclmisse von Herzogenburg Erwähnung (Archiv für österr. Geschichte, IH'>3, -'/;/. 

Kapelle: Weil J . gefärbelt, mit geringem Sockel und hart profiliertem Gesimse. Seitlich je ein gerahmtes 
Rundbogenfenster und jederseits ein ebensolches in der halbrunden Apsis. Über der westlichen Giebelwand 
mit Tür und kleiner Luke aufgesetzter Dachreiter mit jederseits einem rundbogigen Schallfenster und blech- 
gedecktem Zwiebeldach. Zweite Hälfte des XVIII. Jhs. 



Kapelle. 














Fig. 18 Dobersberg, Schloß, Skizze von Joh. Ender zum Familienporträt Erzherzog Karls (S. 13) 



Inneres: Tonnengewölbt, mit gliedernden Gurtbogen. 

Altar: An der Rückwand gemalter Säulenaufbau mit seitlichen Figuren der Heiligen Sebastian und Florian; 
Rocailleornament. Um 1750. 

Skulpturen: Holz, polychromiert, hl. Barbara und ein männlicher Heiliger, sehr rohe Arbeiten aus dem 

XVI. Jh. 

Ebenso: Madonna mit dem Kinde (bekleidet); mit Barockkroneu. Um 1500(?). 

Ebenso: Die Heiligen Josef und Sebastian. Um 1690. 

Bildstock: Auf dem Wege nach Waldkirchen; über Stufe und prismatischem Postamente Granitsäule. 
die über Deckplatte den vierseitigen Tabernakel trägt, dessen Rundbogennischen neue Bilder enthalten. 
Steindach in Form eines Pyramidenstutzes, darauf Steinkugel. An der Vorderseite des Postamentes Datum: 
1766. 



Inneres. 
Altar. 

Skulpturen. 



Bildstock. 



16 



Gerichtsbezirk Dobersberg 



Kapelle. 



Inneres. 
Langhaus. 



Chor. 



Einrichtung. 



Seitenaltar. 



Skulpturen. 



(Nieder-) Edlitz, Dorf 

Literatur: Top. II 474; Schweickhardt V 187; Plesser, Burgen 128; Geschieht!. Beilag. VII 304. (Martersäule) M. W. A. V. 
1887, 55. 

Alte Ansicht : Aquarell im Urbar von 1694 im Schlosse Waidhofen a. d. Thaya. 

Das Stift St. Georgen hatte hier bereits im XV. Jh. Besitz (Archiv IX 244). Die Ortschaft gehörte wahrscheinlich zur Grafschaft 
Raabs, wohin sie auch bis 1776 zugepfarrt war; doch kam sie vor 1369 zum Gute Thaya, von dem sie gegen Ende des XV. Jhs. los- 
gelöst wurde und nun eigenen Besitzern gehörte, die wahrscheinlich ein eigenes Schloß im Orte besaßen. Die Reihe der Besitzer vgl. 
PLESSER a. a. O. Hans Wenzel Peuger zu Weißenbach, der N.-E. 1618 kaufte, verkaufte die Hälfte des Schlosses an Ulrich 
Haut und baute das kleine Schloß Pärifridi (Parafried). Dieses Schlößchen lag im Dorfe, war im Vierecke gebaut und von Mauern 
umschlossen. Das Schloß wurde am Anfange des XVIII. Jhs. aufgelassen und an seiner Stelle 1729 die Kapelle gebaut. 

Kapelle: Weiß gefärbelter Backsteinbau. In der glatten Front, die mit abgerundetem, geschwungenen 
Giebel bekrönt ist, rechteckige Tür, darüber Rundbogennische, im Giebel runde Bodenluke; auf ihm als 
Bekrönung Knäufe und Pinienzapfen. An den Langseiten hart profiliertes Abschlußgesims und zwei hohe 
Rundbogenfenster. Ziegelsatteldach. Angebaut quadratischer Turm mit Rundbogenschallfenstern und blech- 
gedecktem Zwiebeldach über hart profiliertem Kranzgesimse. 

Inneres: 

Langhaus: Weiß getüncht, durch drei Pilasterbündel mit hart profiliertem, dreiteiligen Gebälk in zwei 
Joche geteilt, deren Tonnengewölbe mit beiderseits einspringenden Stechkappen von Gurtbogen eingefaßt 
und getrennt sind. Hölzerne Westempore mit ornamental bemalter Brüstung. Die Haupttür in tiefer Segment- 
bogennische, die Fenster in abgeschrägter Sohlbank. 

Chor (im Untergeschoß des Turmes): Grün gefärbelt, mit gekehltem Rundbogen mit dem Langhause zu- 
sammenhängend. Unregelmäßiges Gewölbe auf profilierten Wandkonsolen, mit jederseits einschneidenden 
Stichkappen an der Rückwand ovales Fenster. 

Einrichtung: 

An der Chorwand, sie verkleidend, der marmorierte Bildaufbau des ehemaligen Hochaltars. Zweite Hälfte 
des XVIII. Jhs. 

Seitenaltar: Bildaufbau, Holz, marmoriert. Hohe Staffel, Mittelteil von Säulen flankiert, deren drei- 
teiliges Gebälk sich im obersten Teil fortsetzt und den Aufbau gerade abdeckt. Darauf von Voluten seitlich 
besetzter Aufsatz, der mit gesprengtem Flachgiebel abschließt. Ende des XVII. Jhs. 

Skulpturen: 1. Modern polychromierte Holzstatuette der hl. Katharina, stehend. Lokale Arbeit vom 
Ende des XV. Jhs. 

2. Polychromierte Holzfiguren der Hl. Johannes von Nepomuk und Anton von Padua, gering. Zweite Hälfte 
des XVIII. Jhs. 



Ortskapelle. 

Skulpturen. 
Fig. 19. 



(Ober)-Edlitz 

1. Ober-Edlitz; 2. Eggmanns 

1. (Ober-)Edlitz, Dorf 

Literatur: Top. II 474; Plesser, Burgen 129; Geschichtl. Beilag. VII 304. 

Hier soll ein altes Schloß im Walde Aistale (genannt 1369) beim Eisgraben bestanden haben, wovon man 1885 Grundmauern bloß- 
legte. Ober-Elz gehörte 1369 zum Gute Thaya, wurde aber 1626 davon abgetrennt und erhielt ein Schlößchen im Dorfe, das nach 
seiner Vereinigung mit der Herrschaft Waidhofen an der Thaya um 1682 wieder aufgelassen wurde. Eine Kapelle wurde 1767 erbaut. 

Ortskapelle: Mit seitlich geschwungenem, oben spitzem Giebel, seitlich Rundbogenfenster mit Eck- 
bändern und geringer Stuckverzierung unter der Sohlbank. Quadratischer Dachreiter mit Zwiebeldach, Knauf 
und Kreuz. Zweite Hälfte des XVIII. Jhs. 

Darinnen Skulpturen: Holz, polychromiert und vergoldet; Statuette einer hl. Jungfrau vor einem Betpult 
kniend (Maria von einer Verkündigung[?]); die Statuette steht auf niedrigem, mit zwei Cherubsköpfchen 
besetztem Postamente, zwischen rahmenden Volutenbändern, unter Baldachin mit Krone. Zierliche, an 
mährische Skulpturen erinnernde Arbeit. Um 1720 (Fig. 19; s. Übersicht). 



(Nieder-)Edlitz. — (Ober)-Edlitz. -■ Eggmans. — Engelbrechts 



17 



2. Eggmans 

Literatur: Geschichtl. Beilag. VII 304. 

Alte Ansicht: Aquarell im Urbar von 1694 im Schlosse Waidhofen a. d. Thaya. 

Wird 1369 als Stegevans genannt (Notizenblatt, 1853, 261). 

Ortskapelle: Gelb gefärbelt; mit halbrunder Apsis und einem auf dem Schindeldache aufgesetzten 
Türmchen mit Zwiebeldach. In der mit geschwungenem, abgerundeten Giebel abgeschlossenen Front unter 
der Tür Runclbogennische, in der Langseite gerahmte Segmentbogennische. XVIII. Jh. 

Altar: Bildaufbau; Holz, polychromiert; von zwei Weinlaub umwundenen Säulen flankiert. Seitlich an- 
gesetztes knorpeliges Riemenwerk. Über dreiteiligem Gebälke gesprengter Flachgiebel mit Riemenwerkaufsatz; 

das Altarbild in drei Seiten geschlossen, Ab- 
schied der Apostelfürsten. Der ganze Aufbau 
aus der Mitte des XVII. Jhs. 

Bildstock: Steinsäule mit dreifachem 
Kreuze als Bekrönung. Errichtet 1694 von 
Veit Schandl. 



Ortskapelle. 



Altar. 




Bildstock. 




Fig. 19 Ober-Edlitz, 
Marienfigur in der Kapelle (S. 16) 



Fig. 20 Engelbrechts. 
Kapelle, Holzskulptur (S. 17) 



Engelbrechts 

Literatur: Top. II 569. 

Erscheint 1369 als Zugehör der Herrschaft Litschau-Thaya. Die Kapelle wurde 1755 von der Gemeinde erbaut, 1764 vom Pfarrer 

in Dobersberg geweiht und 1902 mit Meßlizenz versehen (Geschichtl. Beilag. IX 315, 318, 344). 

Ortskapelle: Weiß gefärbelt, abgerundete Ostapsis, seitliche Segmentbogenfenster und moderner Turm. 

Inneres: Flachgedeckt. 

Skulpturen: Holz, polychromiert. I» Heiliger mit Kirchenmodell. Geringe österreichische Statuette um 

1500 (Fig. 20). 2. Halbfigur der Madonna über Wolken, das Kind haltend. Anfang des XVIII. Jhs. 

VI 3 



Ortskapelle. 

Inneres. 

Skulpturen. 
Fig. 2a 



18 



Gerichtsbezirk Dobersberg 



Ortskapelle. 



Altar. 



Ortskapelle. 



Altar. 



Skulpturen. 



Fratres 

1. Fratres; 2. Schönfeld 

1. Fratres 

Literatur: Top. III 180; Schweickhardt V 10. 

Prähistorische Funde: (Fundort: Diebsgraben) Gefäßbruchstücke von Freihandgefäßen, wahrscheinlich neolithisch; Sammlung 

Kiessling. 
Fratres und das öde Dorf Görings (Gerungs) finden 1575 in einer Grenzbeschreibung Erwähnung (Schloßarchiv Ottenstein, Nr. 920). 

Ortskapelle: Einfacher rechteckiger Bau mit seitlichen Rundbogenfenstern und halbrunder Apsis. Über 
dem geraden Dachgiebel sechsseitiger Dachreiter mit flachbogigen Fenstern und Zwiebeldach. Ende des 
XVIII. Jhs. 

Altar: Kleiner Bildaufbau; kartuscheförmiges Bild in vergoldeter Rocaillerahmung mit seitlichen Voluten, 
auf denen zwei Heilige knien. Altarbild: Bekrönung der hl. Jungfrau durch die hl. Dreifaltigkeit. Um 1750, 
mährisch. 

2. Schönfeld 

Seine erste urkundliche Erwähnung stammt von ungefähr 1260 (DOPSCH, Öslerr. Urbare I). 

Ortskapelle: Ende des XVIII. Jhs. Rechteckiger Bau mit umlaufendem profiliertem Kranzgesimse, 
jederseits einem seitlichen Segmentbogenfenster und einspringender, abgerundeter Apsis, die ebenfalls zwei 
Segmentbogenfenster enthält. Westfront mit Rundbogennische und Luke über der Tür; über dem Giebel 
ein blechverkleideter Dachreiter mit Zwiebeldach. 

Altar: Bildaufbau; Holz, marmoriert, von Säulen, die vor schräg gestellten Pilastern stehen, flankiert. 
Über dem Altarbilde, Mariae Heimsuchung, Putten; zu oberst und seitlich angesetzte vergoldete Ranken. 
Altar Ende des XVIII., Bild zweite Hälfte des XVIII. Jhs., in der Richtung des Brand. 

Skulpturen: Holz, polychromiert; hl. Barbara und eine andere hl. Jungfrau; gute Arbeiten. Mitte 
des XVII. Jhs. 

Gastern 



Ortskapelle. 

Inners. 

Skulpturen. 



1. Garolden; 2. Gastern; 3. Klein-Zwettl 
i. Garolden, Dorf 

Literatur: Top. III 310; Geschichtl. Beilag. VIII 426. 

Die Herzogenburger Zehente in G. waren 1348 an Heinrich Truglinger verpachtet. Nach der Volkssage wäre der Ort einst umfang- 
reicher gewesen. 

Ortskapelle: Geschwungener Giebel mit aufgesetztem Dachreiter mit Zwiebeldach. In der Front gerahmte 
Tür und querovale Luke. An den Langseiten je ein Segmentbogenfenster; abgerundeter Ostabschluß. Ende 
des XVIII. Jhs. 

Inneres: Flachgedeckt. 

Skulpturen: Große polychromierte Holzfiguren der Heiligen Josef und Johannes von Nepomuk, über 
Konsolen, die volutenförmig eingerollt und mit Cherubsköpfchen und Blattwerk verziert sind. Anfang des 
XVIII. Jhs. 
Zwei weitere kleinere Statuen hinter dem Hochaltare, Engel und hl. Frau. Ende des XVII. Jhs., beschädigt. 

2. Gastern, Dorf 

Literatur: Top. III 330; Plesser in Geschichtl. Beilag. VIII 383—425; Fahrngruber 55. 
Archivalien: Pfarrarchiv mit Matriken seit 1670 und Gedenkbuch. 

1112 erlangte das Stift St. Georgen in dieser Gegend Besitz und um 1160 erwarb durch die Grafen von Raabs auch das Benediktiner- 
kloster Garsten in Oberösterreich hier Eigentum; nach ihm wurde der Ort benannt, der um 1177 als ad Garslenses erwähnt wird. Das 
Kloster hatte hier einen Wirtschaftshof, auch bestand ein danach benanntes Rittergeschlecht bis 1342. Die Gegend hatte 1336 durch 
den Krieg mit dem Könige von Böhmen so gelitten, daß Leutold von G. den Pacht für den Herzogenburger Zehent nicht leisten konnte 
(Archiv, 1853, 254). Das Dorf ging 1722 durch Kauf an die Herrschaft Waidhofen an der Thaya über. 



Fratres. — Schönfeld. — Oarolden. — Gastern. — Klein-Zwettl 



19 



Pfarrkirche zum hl. Martin. 

Die ältesten kirchlichen Verhältnisse sind nicht ganz geklärt, eine Kapelle in 0. wird unter Abt Florian 
(1399—1419) erwähnt. Die pfarrliche Abhängigkeit von Thaya dauerte bis 1642; in diesem Jahre dotierten 
auf Betreiben des Besitzers der Herrschaft Weißenbach Truckmüller von Mühlberg die Ortschaften G. f Weißen- 
bach, Ruders, Klein-Motten, Klein-Zwettl, Immenschlag, Eggern einen eigenen Seelsorger. Der Gottesdienst 
war abwechselnd in ü., Weißenbach und Klein-Zwettl, am Patrozinium aber auch in Motten und Eggern 
gehalten. Um 1690 wurde ein Hochaltar aufgestellt. 1782 wurde die Pfarre ganz selbständig. Eine neue Pfarr- 
kirche wurde 1904—1905 gebaut. 

In der modernen Kirche Gemälde mit geschwungenem Abschlüsse; öl auf Leinwand. Apotheose des hl. Martin, 
ringsum mehrere Putten, unten Landschaft mit dem Bettler, der den Mantel emporhält, österreichisch- 
mährisch(?). Um 1740. In schwarzem Rahmen mit Goldleisten. Ursprünglich am Hochaltare. 



Pfarr- 
kirche. 



Gemälde. 



Skulpturen: Holz, polychromiert, unten lebensgroße Gruppe: Erziehung Mariens. Mittelmäßige Arbeit Skulpturen. 

um 1720. 

Bei einem modernen Lourdesaltar zwei kleine adorierende Engel vor Draperie. Anfang des XVIII. Jhs. 

Glocken: 1. Durchmesser 73 cm (Kreuz, S. Maria, St. Martin, St. Johann von Nepomuk): ihr Heiligen, Glocken. 
bittet bei Gott für uns. J. G. Scheichel in Znaym 1763. 

2. Durchmesser 56 cm: x kirn X heiliger x geist X her X . . . iger x got X erfül X uns X genaden X voll 
X 1519. Dicke 5 cm und 38 mm; die Glocke wurde der Sage nach aus der gänzlich zerstörten Pankraz- 
Kapelle zu Klein-Motten hierher gebracht. 

3. (Kreuz, St. Johann E.): Joh. G. Scheichel in Znaym g. m. 1763. 

Im Pfarrhof ein aus der Filialkirche Weißenbach stammendes Portatile. Kleine Steinplatte in Holzrahmen 
mit den gemalten Initialen JHS, kaligraphischem Eckornamente und der Jahreszahl 1-529. Im Rahmen gemalte 
Wappen des Siegmund Truckhmüller und seiner Gemahlin. Mitte des XVII. Jhs. 



3. Klein-Zwettl 



Literatur: Geschichtl. Beilag. VIII, 439—444; M. Z. K. 3. F. VII 17, 60; 3. F. IX 214, 268; M. W. A. V, 1895, 214; Verein f. 

Landesk., 1907, Mai; Fahrnoruber 55. 

Schon vor 1170 erscheint das Sti/t Zwettl hier begütert, dem Herzog Friedrich 1242 alle seine Rechte über das Dorj übertrug. Der 
Ort, der zuerst Münichreit geheißen hatte, führte dann den Namen Zwettlern und seit zirka 1780 den Namen Klein-Zwettl. Der 
ruhige Besitz scheint dem Stifte mehrmals wieder entzogen worden zu sein. 

Filialkirche zum hl. Apostel Jakobus d. Ä. 

Die erste Kirche in Z. wird 1280 erwähnt. Diese Kapelle wurde um 1325 von Thaya aus versehen (Fontes III 516). 
1642 gehört Klein-Zwettl der Gruppe von Orten, die sich an der Dotierung eines eigenen Seelsorgers beteiligten 
(siehe Gastern). 1671 wurde ein Hochaltar aufgestellt; die beiden Seitenaltäre waren 1693 in schlechtem 
Zustande. Von Einrichtungsstücken ist der Hochaltar hervorzuheben, der ein Teil jener Einrichtung der 
Zwettler Stiftskirche ist, die Abt Johann Seyfried 1615 durch den Tischler Johann Rosenauer aus Krems 
und den Maler Josef Kurz verfertigen ließ. Bei der Neueinrichtung der Stiftskirche kam der Altar zirka 1730 
nach Klein-Zwettl (nach freundlicher Mitteilung des Herrn Stiftsarchivars P. Benedikt Hammeri. in Zwettl). 

Beschreibung: Zweischiffige Halle mit schmalem gerade abschließendem Chore und frühgotischem 

Detail auf einem Hügel isoliert gelegen und von Befestigungsmauer und Graben umgeben; XIV. Jh. 

(Fig. 21 und 22; s. Übersicht). 

Äußeres: 

Bruchsteinbau mit schadhaftem grauem Verputz, mit Resten von rot-weißer Ortsteineinfassung, die am 
Chore besser erhalten ist. 

Langhaus: W. Glatte Giebelfront. — S. Geringes Abschlußgesimse, gerahmtes Rundbogenfenster, darunter 
Tür in hölzernem Vorbaue, Segmentbogenfenster in tiefer Nische, schief darüber Rundbogennische. — N. Ein 
rechteckiges und ein Segmentbogenfenster in tiefer Nische. 

3» 



Filial- 
kirche. 



Beschreibung. 

Fig. 21 u. 22. 
Äußeres. 



Langhaus. 



20 



Gerichtsbezirk Dobersberg 



Chor. Chor: östlich vom Langhause, einspringend, rechteckig, mit rotweißer Ortsteineinfassung und ebensolchem 

Pries. — S. Ein teilweise vermauertes Fenster mit zwei einspringenden Nasen. — 0. Zwei übereck gestellte 
Strebepfeiler aus Haustein, über einer Pultschräge einmal verjüngt und mit Pultdach; ein kleines Kleeblatt- 
bogenfenster in stark abgeschrägter Laibung. — N. Ein Strebepfeiler wie im 0., schmales Schlitzfenster in 
stark abgeschrägter Nische. Schindelsatteldach über Langhaus und Chor. 




Fig. 21 Klein- 

Zwettl, Filialkirche 

(S. 19) 

Turm. Turm: Auf dem Chordache aufgesetzter hölzerner achteckiger Turm mit rundbogigen Schallfenstern und 

Schindelpyramidendach. 1908 — 1909 sehr stark erneut. 

Anbau. Anbau: Sakristei, südlich vom Chore, rechteckig, mit Segmentbogenfenster im S., steingerahmter recht- 
eckiger Tür im 0., zu der mehrere Stufen emporführen, und Schindelpultdach. 




Fig. 22 Klein-Zwettl, 

Filialkirche, Grundriß 1 : 250 

(S. 19) 

Umfriedungs- Umfriedungsmauer: Hohe Bruchsteinmauer in Rundung geführt, Kirche und Friedhof einschließend, 
mauer. An der Ostseite rechteckiger Torturm mit Rundbogentor in Segmentbogennische mit den seitlichen kleinen 

Brückenrädern, darüber Segmentbogennische und Zinnenbekrönung im 0. Außen um die Umfriedungsmauer 
der jetzt zum Teil aufgeschüttete Graben. 



Klein-Zwettl 



21 



Inneres: innere*. 

Weißlich gelb getüncht (Fig. 23). Stellenweise mit Spuren alter ornamentaler Bemalung mit roten Rauten Flg. 23. 
auf gelbem Grunde, seit 1910/11 freigelegt. 

Langhaus: Zweischiff ige Halle; die Schiffe von drei achtseitigen Pfeilern geschieden, die über achtseitigen Langhaus. 
Sockeln aufstehen. Den Pfeilern entsprechen an den Wänden Halbpfeiler, die mehrmals gestuft sind und mit 
einer halbachteckigen, dicken Platte über Wulst abschließen. Der östliche Pfeiler an der Nordseite in die unten 
verstärkte Wand zurücktretend, die beiden westlichen abgeschnitten und abgestuft. In jedem Schiffe vier 
Kreuzrippengewölbejoche mit runden Schlußsteinen, die mit folgenden Darstellungen skulpiert sind: im süd- 
lichen Schiffe: 




Fig. 23 Klein-Zwettl, 

Filialkirche, Inneres 

(S. 20) 



1. Wappenschild in Kranz; 2. Rebschere [?] ; 3. Steinmetzzeichen; 4. Kreuz mit den Marterwerkzeugen; 
5. Lamm Gottes mit der Fahne; 6. unkenntlich; 7. Kreuz (unkenntlich); 8. Kelch. Die Rippen birn- 
fönnig profiliert, an den Mittelpfeilern unvermittelt, an den Wandpfeilern über den Deckplatten ab- 
schneidend. Über dem Scheitel des Triumphbogens wurde 1910 eine Inschrift aufgedeckt : Anno domini 
MCCCCIX. Westempore über zwei Kreuzrippengewölben mit runden Schlußsteinen aufruhend, deren 
Rippen flachgedrückt sind und an der Wand einfach verlaufen und in der Mitte der Westwand über 
profilierter spitz zulaufender Konsole vereinigt sind. Die untere Halle öffnet sich in profilierten Kielbogen 
(der nördliche mit Rücksicht auf einen nördlich angebauten Mauerpfeiler verkürzt), die auf abwärts verjüngten 
Konsolen aufsitzen oder an der Wand verlaufen, gegen die Schiffe; der südlichste Tragstein als Kopf gebildet 
(roh, verschmiert). Im S. eingebaute Stiege mit Steinbalustrade. Die Brüstung glatt. Im S. und N. je ein 
(verkürztes) Fenster in Segmentbogennische; im S. außerdem ein höher angebrachtes Rundbogenfenster. 
Darunter Tür in tiefer Nische. 

Chor: Höher und schmäler als das Langhaus, gegen das es sich durch einspringenden Spitzbogen öffnet. 
Gerader Ostabschluß. Zwei Kreuzrippengewölbejoche mit runden Schlußsteinen; die einzelnen derben Rippen 



Cht«, 



22 



Gerichtsbezirk Dobersberg 



Fig. 24. 



Einrichtung. 
Altäre. 



Gemälde. 

Skulptur. 
Kanzel. 

Fig. 24. 

Weihwasser- 
becken. 

Glocken. 



an den Kanten herabgeführt, in der Mitte der Langseiten zu dritt über Runddiensten abschneidend. Im 
N. und S. spitzbogiges, beziehungsweise gerade abgeschlossenes kleines schmales Fenster. Im 0. ein in der 
untern Hälfte vermauertes Spitzbogenfenster mit einspringenden Nasen; alle drei in abgeschrägter Laibung. 
Im S. breite Segmentbogennische. Im N. Sakramentshäuschen, rechteckig vorspringend mit rechteckiger 
Nische, die mit eisernem Rosettengitter geschlossen ist; die seitlichen Stäbe der Rundstabrahmung sind als 
Fialen fortgesetzt und ihnen ein Kielbogen dazwischen vorgeblendet; im Giebelfeld eingeblendetes Maß- 
werk, über den Fialen und auf dem Kielbogen Kreuzblumen. Dieses Sakramentshäuschen (Fig. 24), das 
Spuren ornamentaler Bemalung zeigt, wird von einer gestuften Halbsäule über runder Basis getragen. (Darin 
polychromierte Holzfigur Christi (?), gering. Anfang des XVIII. Jhs.) 



Anbau. Anbau: Südlich vom Chor; kleine gewölbte Sakristei mit Tür im 0., mit gotischem Schlüsselbeschlag. 



Einrichtung: 

Altäre: 1. Hochaltar, Holz, marmoriert und vergoldet. Bildaufbau mit Figuren. Über hoher von Posta- 
menten und Mittelfeld gegliederter Staffel Hauptteil von Säulen flankiert, die mit Weinlaub umwunden sind 

und über hohen mit Riemenwerk ornamentierten Trom- 
meln aufstehen. Über den Kapitalen dreiteiliges Gebälk, 
der Mittelteil mit Cherubsköpfchen besetzt, der oberste 
Teil als gerades Gebälk fortgesetzt. Darauf Kartusche- 
aufsatz mit gesprengtem Flachgiebelabschlusse mit kleinen, 
aufgesetzten Pyramiden, in der Mitte volutengeschmückte 
Konsole, die eine Vase trägt. Altarbild: Hl. Jakobus in 
Landschaft. Mitte des XIX. Jhs. Seitlich sind an den 
Altar Türflügelbauten angeschlossen, über deren ab- 
schließendem Gebälk große, polychromierte Statuen, hl. Jo- 
hannes Evangelist und hl. Jakobus, stehen. 1615, aus 
Zwettl stammend (s. oben). 

2. Seitenaltar, an der Ostwand des Langhauses (südlich); 
Holz, weiß und blau marmoriert, mit geringer Ver- 
goldung. Mittelgroßer Skulpturenaufbau. Über Staffel ein 
von Säulen flankierter Hauptteil, mit Rundbogennische 
und Kämpfergebälk, dessen oberste Deckplatten sich über 
den Mittelteil fortsetzen; darauf Staffel, seitlich mit 
Urnen, in der Mitte mit einem von IHS bekrönten Balda- 
chin besetzt. In der Mittelnische Statue der Madonna mit 
dem Kinde stehend. Mittelmäßige Arbeit vom Ende des 
XV. Jhs. Seitlich von den Säulen unter angesetztem 
Knorpelwerke, über ebensolchen Konsolen Figuren der 
Hl. Stephanus und Petrus; wie der Altar vom Anfange 
des XVII. Jhs.. stark gotisierend. Tabernakelartiger Auf- 
satz auf der Mensa, von Volutenbändern eingefaßt, mit 
geschwungenem Abschlüsse. Mitte des XVIII. Jhs. 

3. Ebenda nördlich, kleiner Skulpturenaufbau, ähnlich 
wie der vorige, nur vereinfacht, mit krautigem Orna- 
mente. Als Ansatz in gesprengtem Volutengiebel Auge 

Gottes auf Postament. In der Mittelnische hl. Dreifaltigkeit, Gott-Vater mit dem Kruzifixus im Schöße; 
außerhalb der Säulen zwei weißgefaßte Engel. Ende des XVII. Jhs. 

Gemälde: Im Chore. Öl auf Leinwand. Erziehung der hl. Jungfrau, sehr schadhaft. XVIII. Jh. Der Holz- 
rahmen marmoriert und vergoldet, mit ausgeschnittenem Riemenreste an den Seiten und oben besetzt, ab- 
schließende Lünette mit Blattwerk, Astragalus und bekrönender Flammenurne. Ende des XVI. Jhs. 

Skulptur: Holz, polychromiert, Statue des hl. Andreas. Mitte des XVIII. Jhs. — Ebenso hl. Leopold und 
hl. Florian über Konsolen, die mit flamboyanter Rocaille verziert sind. 

Kanzel: Stein, weiß übertüncht, aus dem Achtecke konstruiert, mit östlich angebauter steinerner Kanzel- 
stiege mit glattem Gewände, gekehltem Brüstungsabschlusse und abgefaster Wange. Über niederer Basis 
achtseitiger Fuß, der sich mit einer Kehle vergrößert fortsetzt; über Profilierung hohe Brüstung, von der vier 
verschieden große Seiten freistehen. Abschluß durch kräftig profiliertes Gebälk. Ende des XV. Jhs. (Fig. 24). 

Weihwasserbecken: Halbrunde Granitschale, ganz übertüncht. XV. Jh.(?). 

Glocken: 1. (Kreuz, St. Johann von Nepomuk) J. G. Jenichen, Krems 1839. 
2. IESVS — nasarenus — rex — iudaeorum — (XV. oder XVI. Jh.). 




Fig. 24 Klein-Zwettl, Filialkirche, Kanzel, 
hinten Lichthäuschen (S. 22) 



Gilgenberg 



23 



Gilgenberg, Dorf 

Literatur: Top. III 447; Plesser, Burgen 148; 

SCIIWEICKIIARDT IV 217. 

Alte Ansicht : Radierung von 0. M. Vischer von 
1672 (Fig. 25). 

Das Stift St. Georgen besaß hier schon 1112 Zehente 
(Archiv IX 248). Im XIV. Jh. saß hier das Ge- 
schlecht der Pillunger, das das Prädikat „von G." 
führte. Die letzte Erwähnung dieses Geschlechtes 
erfolgt am Anfange des XV. Jhs. Später gehört G. 
den Strasser, Eytzing, Truchseß, Puchheim etc. 
1577 kam die bereits öde Feste G. an Anna von 
Mollart, deren Sohn, Jakob von M., das Schloß 
G. im Tal erbaute. 1708 war der Burgstall noch 
erhalten, gegenwärtig deutet kaum geringes Geröll 
die Stätte der Feste an. 




Fig. 25 Gilgenberg, 
Ansicht von 1672 nach der Radierung von G. M. Vischer (S. 23) 



Kapelle zum hl. Ägidius. 

Die Kapelle wurde 1649 von dem Gutsbesitzer Franz von Barwitz erneut. 1672 hatte die Kapelle einen 
silbernen Kelch und zierliche Paramente, 1693 ein „feines Altarl" (Dekanatsarchiv Raabs). 

Beschreibung: Auf einem Hügel gelegen, der sich gegen W. ein wenig ausstreckt und nach allen 
Seiten steil abfällt (Fig. 26). Gelb mit weißer Gliederung; ovaler kleiner Bau, in der Mitte der Langseiten 

mit einem schmalen Pfeiler besetzt, an der Vorder- 
(West-)seite durch einen breiten Pfeiler abgeflacht; 
darin Rundbogentür mit Keilstein in der Rahmung, 
darüber profiliertes Gesims, auf dem eine Breit- 
nische aufsteht. Vier Segmentfenster; umlaufendes, 
um die Pfeiler verkröpftes Kranzgesimse. Schindel- 
zeltdach mit Haubendachfenster im W. und auf- 
gesetztem tamburartigem Türmchen mit recht- 
eckigen Öffnungen, Pyramidendach, Knauf und 
Kreuz. An der Südseite in der Kapellenwand: 
1681. 

Inneres: 

Gelb gefärbelt, weiß gehöht. Ovaler Zentralraum, 
durch zwei einspringende Pfeiler, die einen ein- 
springenden Gurtbogen tragen, in zwei ungleich 
große Hälften geschieden. Jede gewölbt, mit vier, 
beziehungsweise drei mit Stuckstäben eingefaßten 
Stichkappen. In der Wölbung je eine Rosette in 
Vierpaß, beziehungsweise Rundfeld. Jederseits zwei 
Segmentbogenfenster und eine hohe, ebensolche 
Nische; Westturm. 

Einrichtung: 

Hochaltar: Grün marmorierter, hölzerner Bild- 
aufbau; Hauptteil von Säulen flankiert, von an- 
gesetztem Knorpelwerk gerahmt; die Säulen über 
Postamenten, die Wappenkartuschen tragen: Hahn 
mit Wurm im Schnabel, Initialen F. P. F. V. E. 
beziehungsweise Kugel in ornamentaler Rahmung, 
Initialen C. E. F. V. E. G. F. V. A. R. (Bezieht 
sich auf Franz Plazidus Freiherrn von Eyßelsberg 
und seine Gemahlin Christina Elisabeth, geborene 
Fig. 26 Gilgenberg, Kapelle (S. 23) Freiin von Rothenau, bis 1690; Schloßarchiv 





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Hfesfti 











Fig. 25. 



Kapelle. 



Beschreibung. 
Fig. 26. 



Inneres. 



Einrichtung. 
Hochaltar. 



24 



Gerichtsbezirk Dobersberg 



Skulpturen. 



Schloß. 



Fig. 25. 



Ottenstein, Nr. 905.) Über dreiteiligem Gebälk ein die Altarform wiederholender Aufsatz. Zwei bekrönende 
Putten. Aufsatzbild: Halbfigur Mariae, seitlich polychromierte Holzfiguren der Hl. Rochus und Sebastian. 
Altarbild rundbogig geschlossen: Hl. Benedikt in Landschaft, oben Cherubsköpfchen; gutes Bild um 1770; 
österreichisch-mährisch. Altar aus der zweiten Hälfte des XVII. Jhs. 

Skulpturen: Zwei Wachsreliefs, kleines Hochformat, Halbfigur, Christus als Schmerzensmann, beziehungs- 
weise Maria (mit Stoff bekleidet). Ende des XVII. Jhs., in einfach furniertem Rahmen. 



Schloß: Von Jakob von Mollart Ende des XVI. Jhs. gebaut. Weißgefärbeltes, einstöckiges Gebäude, durch 
ein Simsband horizontal gegliedert. Zwei im rechten Winkel aneinander gebaute Flügel mit Ortsteineinfassung 
und profiliertem Kranzgesimse. An der Hofseite im gebänderten Untergeschoß die Fenster in achteckigen 
Nischen. An der Langseite aufgesetztes Türmchen (Fig. 25). 



Göpfritzschlag 

1. G ö p f r i t z s c h 1 a g; 2. G r i e s b a c h 



Ortskapelle. 



Inneres. 



1. Göpfritzschlag 

Literatur: Top. III 489. 

Der Ort erscheint zuerst um 1230 im landesjiirstlichen Urbare (DOPSCH, Österreich. Urbare I). Im XVIII. Jh. bildete er ein 

eigenes Gut. 

Funde: Hier wurden 1862 im ganzen 21 Münzen von 16 Gattungen aus den verschiedensten Ländern gefunden, der Zeit 
1511—1639 angehörig (Archiv XXXIII 27). 

Ortskapelle: Mit zwei seitlichen, gedrückten Rundbogenfenstern und abgerundetem Ostabschlusse; im 
vorgelagerten Torturm das UntergescholJ von Ortsteinen, das Obergeschoß' von Lisenen eingefaßt; darinnen 
rechteckige Fenster, ovale Luken und gerahmte Rundbogenschallfenster. Anfang des XIX. Jhs. 1905 stark 
erneut. 

Inneres: Gewölbt. 

Auf dem Altar polychromierte Holzskulptur, Madonna mit dem Kinde. XVIII. Jh. 



Bildstock. 



Schloß. 
Fig. 27. 



2. Griesbach 

Literatur: Top. III 674. 

Findet sich um 1400 im Verzeichnisse der nach Herzogenburg zehentpflichtigen Orte (Archiv, 1853, 247). 

In der Kapelle von 1856 lebensgroße polychromierte Holzfigur der Madonna mit dem Kinde, das die Welt- 
kugel hält und die Rechte segnend erhebt. Stark überarbeitete Arbeit um 1500, mit barocken Kronen. 

Bildstock: Eine halbe Stunde südwestlich vom Dorfe an der alten Straße eine aufgerichtete, rohe, vier- 
eckige Granitplatte nach Art eines Grabsteines mit vortretend gearbeitetem ausgezacktem Kreuze über drei- 
eckigem Sockel (XIV. Jh.). 

Illmau 

Literatur: Top. IV 448; Geschichtl. Beilag. IX 351—356. 

Dieses Schloß erscheint von 1348 an im Besitze der Hauser, die es 1369 für ein Gelddarlehen einem Juden verpfändeten. Von 1373 
gehörte es den Puchheim bis 1468, wo es die Gockendorfer erwarben. Der Besitz des Schlosses war wiederholt geteilt, weshalb ver- 
schiedene Besitzer zu gleicher Zeit genannt werden. 1556 folgten die Wochenitzky, 1586 die Sonderndorf, dann Heysperg, Herber- 
stein u. a. Zuletzt 1808 die Grafen Grünne. 

Schloß: Weißes, einstöckiges Gebäude aus drei, im rechten Winkel aneinanderstoßenden Trakten bestehend ; 
in der Mitte der Südseite (Hauptfront) überragender Turm (Fig. 27), dessen Einfahrt mit dem charakte- 
ristischen Gewölbe um 1580 gedeckt ist: Tonne mit Stichkappen und Spiegeln, die Grate mit Schnüren 
besetzt usw. 



Oöpfritzschlag. — Griesbach. — lllmau. — Karlstein 



25 



Darüber ein Saal mit ähnlich charakteristischer Wölbung. Im östlichen Teil des Südtraktes ebenerdiger Raum, 
dessen hohe Wölbung von einem Mittelpfeiler getragen wird. Mehrere Fenster gegen den Hof, klein, recht- 
eckig mit gestuften Steingewänden. 
Vor der Südfront des Gebäudes fragmentarische Mauer mit großem gequadertem Rundbogentor. 




Fig. 27 lllmau, Schloß (S. 24) 



Karlstein, Markt 

Literatur: Top. V 47; Schweickhardt V 100; M. W. A. V. 1888, 18; Tschischka 96; W. A. V. XXIV 221. 
Alte Ansicht: Radierung von G. M. Vischer von 1672 (Fig. 28). 



Rg. 28. 




Fig. 28 Karlstein, 
Ansicht von 1672 nach der Radierung von G. M. Vischer (S. 25) 

K. ist unter dem Namen Chadelstein im Liber de prima jundatione von tili zum erstenmal erwähnt (Archiv IX 147). Friedl von 
Karlstein, wohl der letzte des hier seßhaften eigenen Adelsgeschlechtes, verkaufte das „Haus" K. vor 1345 dem Weikhard dem 
Weißenbeck und Peter dem Tressidler (Geschichtl. Beilag. VIII 433). Es läßt sich nicht mit Sicherheit sagen, ob im XIV. Jh. die 
bekannten Herren von Tyrna K. besessen haben und es 1396 an Georg Hauser abtraten. Bestimmt erschein! als Besitzer Hans der 
VI 4 



26 



Gerichtsbezirk Dobersberg 



Drugsez im Lehensbuche Albrechts 111. 1396 — 1404. Die „Truchseß" blieben im Besitze der Feste bis in die zweite Hälfte des XV. Jhs.; 
1470 folgen dann die Hauser bis 1576 und dann die Puchheim u. a. Schließlich 1840 die van der Staaten. 1441 lag in 
dieser Grenzfestung eine kaiserliche Besatzung (LICHNOWSKY, Habsburg VI, Nachtrag, Nr. 224). 

1645 wurde das Schloß vergebens von den Schweden belagert, 1660 war es eine der Zufluchtsstätten des Viertels ober dem Manharts- 
berge bei Türkengefahr. Im XVI. Jh. faßte der Protestantismus auch in K. festen Fuß. Noch 1630 gab es hier einige Protestanten. 
Die Erzeugung hölzerner Uhren wurde seit der Mitte des XVIII. Jhs. ein spezieller Erwerbszweig der Bewohner in K. und ver- 
anlaßt seine Vergrößerung und Erhebung zum Markte vor 1784 (vgl. Bl. f. Landesk. 1868, 54). Gegenwärtig besteht eine Fachschule 
für Uhrenindustrie. 






















































4- 


1 










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Fig. 29 Karlstein, Schloß, Grundriß 1 : 500 (S. 27) 



Allg.Charakt. 



Die Schloßkapelle, wohl eine Stiftung der Hauser, war 1573 mit Einkünften vom öden Dorfe Rügers ausgestattet. (Urbar im Landes- 
archive zu Wien, Nr. 3948.) Der Dechant fand 1672 die Kapelle zierlich und wohl erbaut, der heiligsten Dreifaltigkeit geweiht 
und mit allen Paramenten überflüssig versehen. 1693 heißt es: am Dreifaltigkeitstage wurde hier Predigt und Amt gehalten, wozu 
Prozessionen von den Pfarren Ober-Grünbach, Puch und Münichreith erschienen (Dekanatsarchiv Raabs). Das Konsistorium gab 
in Wien am 26. Februar 1745 die Erlaubnis, daß hier bei Anwesenheit der Herrschaft täglich mit Ausnahme der höchsten Feste 
Messe gelesen werden dürfe, und zwar für immerwährende Zeiten (Pfarrarchiv Waidhofen an der Thaya). 

Ansehnlicher Gruppenort an der mehrfach gekrümmten deutschen Thaya, am Fuße des Hügels, den das sehr 
stattliche Schloß bekrönt. 



Ortskirche. Moderne Ortskirche von 1898. 

Über dem Hochaltare an der Abschlußwand großes polychromiertes Holzrelief, Halbfigur des segnenden Gott- 
Vaters in Wolken und reichem Kartuschenrahmen aus Knorpelwerk. Mitte des XVII. Jhs. 

Fahne. Fahne: Auf blauem Seidengrunde ovales Leinwandbild, hl. Familie auf dem Wege nach Jerusalem. Um 1770. 



Karlstein 



27 



Schloß: Im Besitze des Grafen Van der Straaten. Geschichte siehe oben. Schloß. 

In der Anlage und vielen Details aus dem XV. Jh.; das Innere vielfach am Ende des XVI. Jhs. umgewandelt 

(Fig. 29). Gegenwärtig in einem halben, höchst malerischen Verfall. Fig. 29. 

Auf dem Schloßberge gelegen, der nach drei Seiten steil abfällt, gegen N; mit dem Plateau zusammenhängt. 
Man betritt den Schloßkomplex mittels einer Brücke, die auf den nördlichen Torturm mündet; diesen 
durchquert eine Rundbogenöffnung in rechteckiger Quaderneinfassung mit seitlichen Resten von Winden- 
löchern. Über dem Tore Ziegelpultdach und aufgesetzter quadratischer Uhrturm mit Zifferblatt und Zwiebel- 
dach (Fig. 30). Jenseits des Uhrturmes gelangt man durch einen kleinen Hof zu dem polygonalen, grau- Fig. 30. 
verputzten Hauptgebäude. Die Fenster in Rahmung mit ausladenden Sohlbänken und Sturzbalken, unregel- 
mäßig an allen Seiten verteilt. An der Nordseite zwei vorkragende Balken, die früher einen Erker trugen, 

wovon die Spuren im Verputze noch sichtbar 
sind. Über dem an derselben Seite gelegenen 
Rundbogenportal in Segmentbogennische hat das 
Fenster ein Rautengitter, darüber aufgesetztes 
Wappen in reicher Rollwerkumrahmung. Die 
Ostseite ist von zwei Futtermauern gestützt, die 
Südfront, unter der der Fels besonders schroff 
abfällt, besteht aus einem breiten und zwei ein 
wenig schräg gestellten Seitenflügeln. An mehre- 
ren Stellen Spuren ornamentaler Bemalung und 
Konsolen ehemaliger Erker. Über den einzelnen 
Gebäudetrakten eigene Schindel- und Ziegelsattel- 
dächer. An die Nordwestecke des Gebäudes ist 
ein hoher zylindrischer, ungegliederter Bruchstein- 
turm mit wenigen Schießscharten angebaut. 

Der Innenhof von dreieckiger Grundform. Über Innenhof. 
der Einfahrt in der abgeschrägten Nordecke 
(Fig. 31) ein durch beide Stockwerke reichender, Fig. 31. 
vorspringender, rechteckiger Erker in ein Fenster 
Breite, von zwei Konsolen und einem Rundbogen 
getragen. An dem sich anschließenden Westtrakt 
im nördlichen Teil Reste von Sgrafittomalerei, 
während der südliche Teil unten eine große ge- 
drückte Rundbogennische, darüber eine von Holz- 
pfeilern gestützte Loggia enthält. In der Ecke 
dreimal im rechten Winkel gebrochene Freitreppe 
zum Halbturme, der den westlichen Teil der 
langen Südseite einnimmt und mit Schindelspitz- 
dach gedeckt ist (Fig. 32). Im östlichen Teil Fig. 32. 
rund vortretende, unten abgestufte Verstärkung, 
die von einem Erker über zwei Konsolen und 
gedrückten Rundbogen überschnitten wird. In 
dem Erker kleines Breitfenster mit skulpiertem, 
steinernen Steinornamente unter der Sohlbank. 
Darunter kleine Tür in flachem Kleeblattbogen- 
abschlusse mit reich verstäbtem und verschnit- 
tenem Gewände, östlich davon eine gleiche, nur 
größere (zur Kapelle), deren einfassende Stäbe auf gedeckten Sockeln stehen. Zu dieser Tür führt ein 
unregelmäßiger, das südöstliche Eck des Hofes einnehmender Freitreppeneinbau, der unter der kleinen Tür 
von profiliertem Gebälke über zwei mehrfach gekerbten Konsolen getragen wird (Fig. 33). Über der größeren Fig. 33. 
Tür verglaste Nische, darin Statuette des hl. Johannes von Nepomuk (XVIII. Jh.). Unter den Fenstern sind 
im Südtrakte zwei mit verstäbten Laibungen und weit vorkragenden Sohlbänken hervorzuheben, östlich vom 
Treppeneinbau (am Südtrakte) noch drei vorkragende Balken (Erkerkonsolen[?)). Darunter Brunnen mit 
Drehwinde, das Becken von achtseitiger, steinerner, abgedeckter Brüstung eingefaßt. 

Von den Innenräumen ist die im Südtrakte gelegene Kapelle zu nennen; rechteckig mit Abschrägung Kapelle. 
im NW., reiches Sterngewölbe mit kleinen runden Rosetten in den Schlußsteinen und leeren Wappenschildern 
an mehreren Stellen. Die birnförmig profilierten Rippen vereinigen sich zu zwei und drei und stehen auf kurzen 
gedrehten Wandsäulchen auf, die durch ein schmales Band untergeteilt sind; der spitze Ablauf der Wand- 
säulchen ist mit doppeltem Zahnschnitt besetzt. Eingebaute Westempore in der ganzen Breite der Kapelle. 
oben durch eine Tür im NW. zugänglich; von zwei Sterngewölbejochen getragen, deren Rippen auf Wand- 




Fig. 30 Karlstein, Hauptzugang mit Torturni (S. 27) 



28 



Gerichtsbezirk Dobersberg 



und Eckträgern aufruhen. Diese Halle öffnet sich in zwei Spitzbogen mit reich verstäbtem Gewände gegen 
das Schiff; zwischen ihnen achteckiger Pfeiler mit Würfelkapitäl; die Stirnseite glatt, die Brüstung zwischen 
zwei Gesimsen und durch Vertikalstäbe, die die Gesimse durchbrechen, in sechs Felder geteilt. 
Im S. Tür mit flachem Kleeblattbogenabschlusse in Segmentbogennische; ein rechteckiges Fenster in großer 
Nische, ein weiteres im N. 
Einrichtung. Einrichtung: 

Altar. Altar: Holz, polychromiert und vergoldet, Bildaufbau mit Skulpturen. Über Staffel ein von Säulen flan- 

kierter Aufbau, über dreiteiligem Gebälke gebrochener Flachgiebel und ein die Altarform verkleinert wieder- 
holender Aufsatz, der ein Bild der thronenden hl. Dreifaltigkeit (um 1760[?]) enthält. Außerhalb der Säulen, 
die mit Knorpelwerkornament verziert sind, stehen unter angesetzten Knorpelwerkbaldachinen Figuren der 
Heiligen Antonius von Padua und Stephanus, vor den Säulen zwei fliegende Gewandengelchen. 
Auf der Mensa zwei kleine, verglaste Schreine in vergoldeten und geschnitzten Rahmungen, darin polychro- 
mierte Wachsgruppen des hl. Peregrinus, beziehungsweise hl. Johann von Nepomuk. Um 1730. 




Fig. 31 Karlstein, Schloßhof, Nordwestecke (S. 27) 



Fig. 32 Karlstein, Schloßhof, Südwestecke (S. 27) 



Reliquiar. R e 1 i q u i a r: Holz, vergoldet, reich geschnitzt, mit fünf kleinen und einem großen ovalen Feld, ein Bildchen, 
beziehungsweise Reliquie enthaltend. Um 1750. 

Missale. Missale: Von 1651 in goldgepreßtem Ledereinbande mit Darstellung des Kruzifixus zwischen Maria 
und Johannes. 

Gemälde. Gemälde: 1. Öl auf Leinwand, hl. Dreifaltigkeit über der Weltkugel thronend, vor der drei Cherubsköpfchen 
fliegen. Um 1760. 

2. Auf Holz, zwei an beiden Seiten bemalte kleine Bildchen in Hochformat; auf Goldgrund, a) Lucia und 
Ursula (?) — (an der Rückseite) Andreas und Jakobus, b) Elisabeth und Agnes (?) — Bartholomäus und 
Johannes Evangelist. Alle Heiligen sind vor einer Mauer stehend dargestellt. Donauschule, um 1525. 
An der Emporenbrüstung gewebter Behang mit zwei Wappen und Streublumen, bunt auf Grün. Mitte des 
XVIII. Jhs. 

Von den übrigen Räumen sind im Nordtrakte zwei Zimmer mit Kassettendecke hervorzuheben; ferner im 
Südtrakt eine Reihe von Zimmer, die noch Reste der ursprünglichen Ausstattung zeigen. 1. Über der Kapelle 



Karlstein — Kautzen 



29 



ein kleines Zimmer mit umlaufender gemauerter und stukkierter Lambri; diese wird von dreiteiligem Gebälke 
abgeschlossen, in dessen Attikateil mehrere Konsolchen in Volutenform erhalten sind. Die Türen sind von 
weiblichen Hermen beziehungsweise Pilastern eingefaßt. Spuren von Malerei. 

Kamin: Von zwei als Löwenpranken gebildeten Steilvoluten flankiert, von dreiteiligem Gebälke gegliedert, 
in dessen Attika Riemenwerkornament; geschwungener gestufter, von Voluten flankierter Aufsatz mit Gebälk- 
abschluß. Im Aufsatzfelde relifiertes Riemenwerk in Masken auslaufend. Ende des XVI. Jhs. 

Westlich davon ein Zimmer mit Holzbalkendecke; Tür von je zwei gekuppelten Halbsäulchen über gemein- 
samer, prismatischer, hoher Basis zwischen Deckplatten flankiert, hohes dreiteiliges Aufsatzgebälk; eine zweite 
Tür ähnlich gebildet, statt der Säulchen Steilvoluten; kleiner in der Attika, das Abschlußgebälk tragend. 



Kamin. 




Kautzen, Markt 

Literatur: Top. V 69; Schweickhardt IV 213; Pfarrer 
Leopolo Bittermann in Geschichtl. Beilag. IX 301 
bis 356; Fahrnoruber 96. 

Archivalien: Pfarrarchiv mit Matriken seit 1716 und Ge- 
denkbuch. 

Funde: In Klein-flerharts und Triglas finden sich Erdställe 
(Mitt. d. Vereines f. Landesk. 1909, 379). 

K. wird zuerst im Liber de prima fundatione des Stiftes 
fierzogenburg genannt, wonach dieses um 1112 in „villa 
Chawzen" Besitz hatte (Archiv IX 250). 1620 wurde der Ort 
von den böhmischen Kriegsscharen geplündert. — Die Er- 
hebung zum Markte scheint um 1770 erfolgt zu sein (Ge- 
schichtl. Beilag. IX 319). 

Pfarrkirche zum hl. Jakobus d. Ä. 

Als Pfarre wird K. schon im XIV. Jh. unter dem 
Patronate des Pfarrers von Dobersberg erwähnt 
(Hippolytus 1863, 149), der Pfarrer 1341 aus- 
drücklich genannt. Zur Reformationszeit verlor die 
Pfarre ihre Selbständigkeit und wurde wieder mit 
Dobersberg vereinigt und mit diesem den Pröpsten 
von Eisgarn zur Verbesserung ihrer Einkünfte 
überlassen. Nach dem Visitationsbericht von 1611 
war der Pfarrer noch verheiratet; erst nach dem 
Visitationsbericht von 1630 war der Katholizismus 
völlig hergestellt. 1716 kam es zur Neubestif- 
tung der Kirche in K., aber erst 1784 wurde es 
wieder selbständige Pfarre. 1787 wurde ein Zubau 
an der Westseite gemauert. Nach dem Brande 1805 wurde sie in den beiden folgenden Jahren wieder her- 
gestellt. Pfarrer Dr. Johann Steger ließ 1868 — 1870 um zirka 10.000 fl. die beiden Seitenschiffe anbauen, 
worauf Bischof Dr. Josef Feßler von St. Polten am 26. Oktober 1870 die Kirche mit drei Altären weihte. 

Beschreibung: Barockisierte dreischiffige Basilikaanlage, durch verschiedene moderne Zubauten des 
ursprünglichen Charakters beraubt. Etwas über dem Orte gelegen (Fig. 34). 

Äußeres: 
Weiß verputzt, mit dunkelgrauem Sockel. 

Langhaus: W. Glatte Giebelfront mit zwei rechteckigen Fenstern; der Turm aufgesetzt. — N. und S. 
Mit den vortretenden neuen Seitenschiffen, die je drei Rundbogenfenster enthalten; westlich davon der freie 
Teil des Mittelschiffes mit unregelmäßig verteilten Fenstern und einer Tür im S. Ziegelsatteldach über 



Fig. 33 Karlstein, Schloßhof gegen Osten (S. 27) 



Pfarr- 
kirche. 



Beschreibung. 
Fig. 34» 

Äußeres. 
Langhaus. 



30 



Gerichtsbezirk Dobersberg 



Langhaus und Chor und eigene blechgedeckte Satteldächer über den Seitenschiffen; quadratischer Dach- 
reiter. Turm mit jederseits einem Rundbogenfenster. Profiliertes Gesims, Zwiebeldach. 



0. Gerade abgeschlossen; 



Chor. Chor: N. und S. Ein Segmentbogenfenster in vermauerter Spitzbogenlaibung. 

vermauertes Spitzbogenfenster mit Resten von Maßwerk. 

Anbauten. Anbauten: 1. Im S. des Chores; Gerätekammer. Rechteckig, mit rechteckigen Fenstern in Pultdach. 
2. Im N. des Chores; Sakristei, modern. Umfriedungsmauer. 

An dem südlich einmündenden Stiegenaufgang flankierende Pfeiler mit skulpierten Kreuzen und über Deck- 
platten Pinienzapfen auf geschwungenen Postamenten. Datiert: 1758. 

Inneres. Inneres: 

Gelblichweiß gefärbelt, die Decke blau. 

Langhaus. Langhaus: Aus drei Schiffen bestehend; das mittlere etwas höher und bedeutend breiter als die seitlichen, 
von denen es jederseits durch zwei freistehende achteckige Pfeiler mit abgeschrägter Sockeln, profiliertem 
Abschlußgesimse und quadratischen Deckplatten sowie zwei quadratische Wandpfeiler getrennt ist. Das Mittel- 




Fig. 34 Kautzen, Pfarrkirche, Grundriß 1 : 250 (S. 29) 



Westempore. 



Chor. 



Anbauten. 



schiff ragt in westlicher Richtung um den Emporenraum über die Seitenschiffe hinaus. Den Mittelpfeilern 
entsprechen außen in den Seitenschiffen Wand- und Eckpfeiler. Die Schiffe sind von Klostergewölben gedeckt, 
die durch Gurtbogen (über den Pfeilern) voneinander getrennt sind. 

Westempore: Das die Seitenschiffe überragende Joch des Mittelschiffes einnehmend; der östliche Teil 
auf Flachtonne zwischen zwei Gurten und tiefen gedrückten Rundbogen aufruhend, der westliche Teil in 
drei Teile zerfallend, von denen der südliche durch die Emporenstiege verbaut, der mittlere mit einem Kloster- 
gewölbe gedeckt ist und sich im Rundbogen gegen die untere Emporenhalle und in fast flachem Segmentbogen 
gegen den nördlichen Teil öffnet, der mit einer Flachtonne gewölbt ist und sich im Segmentbogen gegen die 
Halle öffnet. Die eigentliche Empore vom Langhause durch breiten, gedrückten Rundbogen (wie unten) 
geschieden. In den Seitenschiffen je drei große Rundbogenfenster, im S. unter dem mittleren rechteckige 
Tür in Segmentbogennische.. Unter der Empore zwei rechteckige Fenster und eine Breitluke (aus einer 
Segmentnische ausgebrochen) und im S. Haupttür in Nische; auf ihr im N. und S. ein kurzes Segment- 
bogenfenster. 



Chor: Um zwei Stufen erhöht, etwas schmäler als das Mittelschiff 
gedrückten Bogen geschieden. Klostergewölbe. Im N. und S. ein 
Tür. — 0. Gerade abgeschlossen. 



und in etwa gleicher Höhe; durch breiten 
Segmentbogenfenster und eine gerahmte 



Anbauten: ImS. 
2. Sakristei; Modern. 



des Chores (Gerätekammer). Kleiner, modern gewölbter Raum mit Fenster im S. 



Kautzen. — Merkengersch. — Goschcnreith. — Riegers 



31 



Einrichtung: Modern, 1869—1870. Einrichtung. 

Glocken: 1. Durchmesser 82 cm (Kreuz, St. Johann von Nepomuk): Geg. von J. G. Jenichen, Krems 1H4H. Glocken. 

2. (Kreuz): /. Christoph Flos in Crembs a. 1682 g. m. Diese Glocke kam von der abgerissenen St. Pankraz- 
Kapelle zu Klein-Motten als Geschenk des Grafen Grünee an die Pfarrkirche. 

3. (Kreuz, Maria-Zeil): Jenichen, Krems 1839. 

Bildstock: Vor der Kirche. Über geschwungenem Postamente auf Würfelbasis Sandsteinstatue des Bildstock. 
hl. Donatus über Wolken mit Cherubsköpfchen kniend. Erste Hälfte des XVIII. Jhs. 




Fig. 35 j Merkengersch, Kapelle (S. 31) 



Merkengersch 

1. Merkengersch; 2. Goschcnreith; 
3. R i eg e rs 

1. Merkengersch, Dorf 

Literatur: Top. VI 515. 

Prähistorische Funde: Nukleus, Schaber, mehrere bearbeitete 
Abfälle aus Hornstein und Halbopal, Bruchstück eines 
Meißels aus grünem Schiefer. 

Das Stift St. Georgen empfing schon 1112 hier Zehente; auch sind 
aridere Herrschaften hier begütert. Der hier bestehende Schellings- 
hof war einst ein Dorf und dann ein Adelsitz (Abbildung von 
G. M. Vischer, 1672; vgl. Bl. f. Landesk. 1899, 333). 

Ortskapelle: 1736 gebaut. Der Glockengießer 
Ferdinand Drackh in Krems stellt 1728 eine Gebet- 
glocke für M. um 106 fl. her. 

Die Front von Pilastern eingefaßt; über dem um- 
laufenden, profilierten Kranzgesimse geschwungener, 
abgerundeter Giebel; seitlich je ein Rundfenster. 
Einspringender abgerundeter Chorabschluß. Hölzerner 
Dachreiter mit Schindelzwiebeldach (Fig. 35). 

Inneres: Flachgedeckt. 

Skulpturen: Holz, polychromiert; hl. Sebastian, 
Anfang des XVII. Jhs. Madonna mit dem Kinde, 
Mitte des XVIII. Jhs. 

Bildstock: Achtseitiger Granitpfeiler; über ge- 
kehlter Kapitälplatte vierseitiges Tabernakel mit 
einer tiefen Nische und Satteldach. XVII. Jh. 



Ortskapelle. 



Rg- 35. 
Inneres. 

Skulpturen. 

Bildstock. 



2. Goschenreith, Dorf 

Ortskapelle: Weiß getünchter Bau mit geschwungener Giebelwand, darinnen rechteckige Tür; in den Ortskapelle. 
Langseiten zwei gerahmte Segmentbogenfenster; abgerundete Apsis. Auf dem Schindelsatteldach vierseitiger 

Dachreiter mit Schindelzwiebeldach. Ende des XVIII. Jhs. 



3. Riegers 

In der Ortskapelle von 1851 Statuette der Madonna mit dem Kinde über Wolken.; um 1740. — Kleine 
Pieta über Sockel mit flamboyanter Rocaille. Um 1760. 

Bildstock: In einem erneuten Breitpfeiler polychromierte Holzfigur des hl. Florian. Anfang des 
XVIII. Jhs. 



Ortskapelle. 



Bildstock. 



32 



Gerichtsbezirk Dobersberg 



Ortskapelle. 



(Klein-)Motten 

1. Klein-Motten mit Grünau; 2. Ruders; 3. Weißenbach 

1. Grünau, Rotte 

Ortskapelle: Rechteckig, mit abgeschrägtem Chore; Schindelsatteldach, mit kleinem, hölzernem Dach- 
reiter mit verziertem Zeltdache. XIX. Jh. 



Ortskapelle. 



2. Ruders, Dorf 

Ortskapelle: Rechteckig, mit abgeschrägtem Chore; Schindelsatteldach mit kleinem, hölzernem Dach- 
reiter, darauf Zeltdach. Anfang des XIX. Jhs. 





WEISSENPACH 




Fig. 36 Weißenbach, 
Ansicht von 1672 nach der Radierung von G. M. Vischer (S. 32) 



3. Weißenbach, Dorf 

Literatur: Geschichtl. Beilag. VIII 429; M. W. A. V. 1895, 172; W. A. V. 1891, 180; M. Z. K. N. F. XXVII 105; 3. F. II 389; 
Fahrngruber 55. 
Fig. 36. Alte Ansicht: Radierung von G. M. Vischer, 1672 (Fig. 36). 

Schon 1112 besaß das Stift St. Georgen hier einige Häuserzehente; sonst gehörte das Dorf zur Herrschaft W. und kam mit dieser an 
Heidenreichstein. 1142 wird es als der Sitz eines adeligen Geschlechtes genannt (Hetel von W. 1142). Dieses Geschlecht ist bis zum 
Ende des XIV. Jhs. nachweisbar, dann begegnen wir nach einer langen Lücke den Peuger als Gutsbesitzern, von denen Johann Wenzel 
Peuger am Anfange des XVII. Jhs. einen lutherischen Prediger hält. 1628 kam W. an Alexander Truckhenmüller von Miillpurgk, 
dessen Nachkommen es bis 1706 besaßen. Über die Reste des ehemaligen Schlosses, das 1787 aufgelassen wurde, siehe unten. 

Filialkirche. Filialkirche zum hl. Andreas. 

Diese Kirche ist eine von den fünf Vikariatskirchen des Gasterner Pfarrgebietes und besaß 1544 noch pfarr- 
liche Rechte, 1611—1616 hielt der Gutsbesitzer hier einen lutherischen Prediger. 1689 sagt Dominik Rudolf 
Truckenmüller aus, er habe die Kirche neu eindecken, renovieren, pflastern und mit neuen Altären, Kirchen- 
fahnen, Stühlen und Meßkleidern versehen lassen. 1901—1904 erfolgte eine umfassende Renovierung der 
Kirche. 

Beschreibung. Beschreibung: Zweischiffige Hallenanlage mit schmalem, in den Seiten des Achteckes gebrochenem 
Fig. 37. Chor. Um 1400. Interessante Einrichtungsstücke, zumeist aus dem XVII. Jh. (Fig. 37). 




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(Klein-)Motten mit Grünau. Ruders. — Weißenbach 



33 



Äußere s: 

Unverputzter von Hausteinen eingefaßter Bruclisteinbau mit umlaufendem, oben gekehltem Steinsockel, der 

an den Türen herabgeführt ist. 

Langhaus: W. Rechteckige Front. — N. Spitzbogentür in profilierter Laibung; zweiteiliges Spitzbogen- 
fenster mit gekehlter Laibung und geringem Maßwerke. — S. Zwei Fenster wie im N. und ein drittes größeres; 
breite Spitzbogentür in profilierter Laibung. — 0. Rechteckige, den Chor in der Höhe und Breite fiberragende 
Front. Modernes Satteldach mit Dachreiter. 

Chor: In fünf Seiten des Achteckes gebrochen, vom Sockel mitumlaufen. Im S. ein, im 0. drei zweiteilige 
Spitzbogenfenster mit einfachem Maßwerke. Modernes Dach. 

Anbau: Südlich vom Chore, rechteckig, mit Tür im 0. und Fenster im S. Satteldach. 

Inneres: 
Weißlichgelb verputzt, die Gliederung grau hervorgehoben. 



Langha 
denen an 
gewölbe in 




u s: Zweischiffige Halle; die Schiffe durch zwei achtseitige Pfeiler über niederen Sockeln geschieden, 

den Wänden Halbpfeiler entsprechen; die Seiten durch Eckpfeiler eingefaßt. Drei Kreuzrippen- 

jedem Schiffe; die kräftigen Rippen unvermittelt auf den oben abgeschrägten Pfeilern verlaufend. 

Im östlichen Jochpaar sind die vom Schnittpunkte zum 
Triumphbogen (nach innen) laufenden Rippen durch einen 
breiten, von der Westwand gegen 0. laufenden Zwickel ver- 
kürzt. Westempore in der Breite beider Schiffe in der 
Tiefe des westlichen Joches eingebaut und auf zwei Kreuz- 
rippengewölben lastend, deren Rippen an den Ecken ver- 
laufen, in der Mitte der Westwand vereinigt über poly- 
gonaler, gestufter, spitz zulaufender Konsole aufsitzen; die 
untere Halle öffnet sich in zwei abgefasten Spitzbogen 
gegen die Schiffe. Die Brüstung mit einfach profilierter 
Deckplatte abgeschlossen. 

Im N. ein und im S. drei zweiteilige Spitzbogenfenster mit 
geringem Maßwerke. Beiderseits abgerundete Tür in einer 
Nische. 

Fig. 37 Weißenbach, Filialkirche, Grundriß 1 : 250 (S. 32) Chor: Um eine Stufe erhöht, schmäler und niedriger als 

das Langhaus, durch einen breiten, einspringenden, beider- 
seits gekehlten, abgerundeten Bogen geschieden. In fünf Seiten des Achteckes geschlossen; ein rechteckiges 
breites Kreuzrippengewölbejoch und ein Abschlußgewölbe aus fünf dreieckigen und einer viereckigen Stich- 
kappe (zwischen Scheidebogen und westlichem Joch schmaler Zwischenraum). Die Rippen über oben ge- 
kehlten Runddiensten aufsitzend. In den Schrägen und im S. drei, beziehungsweise ein zweiteiliges Fenster 
wie im Langhause. 

Einrichtung: 

Hochaltar: Holz, marmoriert; Skulpturenaufbau, über hoher Staffel eine von Säulen mit Strümpfen 
aus Knorpelwerk flankierte Rundnische; über dreiteiligem Gebälkabschlusse gebrochener Flachgiebel und 
Aufsatz, der die Altarform verkleinert wiedergibt. In der Mittelnische hl. Andreas, Holz, polychromiert; außer- 
halb der Säulen über angeschlossenen Konsolen unter angesetztem Knorpelwerke die Figuren des hl. Petrus 
und hl. Paulus. Hinter den Giebelschenkeln Statuetten von zwei hl. Jungfrauen. Mitte des XVII. Jhs. Vor 
dem Gebälke Kartusche in Knorpelrahmen mit Wappen. 

G e in aide: Flügelaltar; Tempera auf Holz, mit Goldgrund; aus einem breiteren Mittel- und zwei schmäleren 
an beiden Seiten bemalten Flügelteilen bestehend (Taf. III). Mittelbild: Krönung Mariae, Gott-Vater und 
Christus auf einer Steinbank sitzend, über deren Rücklehne viele Engel sichtbar sind; die Taube oben im 
Goldgrunde. Zwischen den Sitzenden kniet Maria; zwei Wappen des Siegmund Truckhmüller und seiner 
Gemahlin, geb. Haunoldin, in den unteren Ecken. Linker Flügel innen: hl. Sigismund (?) mit Buch und 
Hellebarde; rechter Flügel: hl. Elisabeth mit Speiseschüssel. Krug und Krüppel; außen: hl. Andreas — 
hl. Antonius Seraphicus (Fig. 38). Stark zurückgebliebene Arbeit aus der ersten Hälfte des XVII. Jhs. 
Über dem Mittelteile und unter demselben Knorpelwerkaufsatz, im unteren verschränkte Buchstaben. 
Um 1630. 

2. Mariahilf, in entpolychromiertem, reich geschnitzten Holzrahmen mit Blattrankenwerk. Ende des XVII. Jhs. 

3. Öl auf Leinwand. Madonna mit dein Kinde und dem kleinen Johannes über Wolken thronend; um sie 
Glorienschein und Engel. Unten knien zwei Stifter und eine junge Dame mit zwei eingewickelten toten 

VI 5 



Äußeres. 
Langhaus. 

Chor. 
Anbau. 
Inner». 

Langhaus. 



Chor. 



Einrichtung. 
Hochaltar. 



Gemälde. 
Taf. III. 



Fig. 38. 



34 



Gerichtsbezirk Dobersbere 



Kindern. Laut Inschrift Votivbiki des Sigismund Truckmiller de Millburg, Dom. in Weißenbach. Gutes Bild 
um 1650; sehr schadhaft. 

4. Öl auf Leinwand, Grabtafel. Grablegung Christi in Landschaft von einer Architektur mit Bogen über 
gewundenen Säulen gerahmt. Inschrift auf Siegmund Trukmüller von Mühlburg'und seiner Gattin, geb. Hau- 
noldin 1659. 




Fig. 38 Weißenbach, Filialkirche, Flügelaltar, Außenbilder (S. 33) 



Weißenbach. — Münichreith 



35 



Skulpturen: Holz, polychromiert. Statuette der hl. Jungfrau mit dem Kinde. Um 1500, sehr gering. 

2. Hl. Jungfrau, stellend, mit dem Kinde auf dem Arme, von Rosenkranz umschlossen. Anfang des XVIII. Jhs. 

3. Hl. Erasmus als Bischof mit dem Pastorale und der Spindel; auf einer mit Rocaille geschnitzten Konsole. 

Figur um 1700, Konsole um 1760. 

Kanzel: Stein, übertüncht, aus dem Achteck konstruiert, mit Steinstiege, mit glatter, mit Kehle abge- 
schlossener Brüstung. Über Basisplatte Fuß, darüber verbreiterte Konsole und darüber zwischen zwei Gesimsen 
die mit drei ungleich großen Seiten freie Brüstung. XVI. Jh. (vgl. die Kanzel in Klein-Zwettl; siehe S. 22). 

Glocken: 1. (S. S. Frixitas, Kreuz): Adalbert Pemer in Budweis 1892. 
2. David Wesnitzer in Wien 1G36. 



Ruine: Geschichte siehe oben. 

Reste einer Umfriedungsmauer aus Bruchstein, darinnen zwischen Mauerschutt im W. ein stehen gebliebener 
Malierpfeiler und im W. drei im rechten Winkel aneinander stoßende Mauerreste mit Fenstern. Ganz von 
Grün überwachsen. 




Skulpturen. 



K.mnl. 



Glrcken. 



Ruine. 



Fig. 39 Münichreith, Pfarrkirche, Grundriß I : 200 (S. 36) 



Münichreith 

Literatur: Top. VI 900; Plesser, Kirchen, 311; Fahrngruber 134; M. Z. A. N. F. VI, LXXXIV; Schweickhardt V III. 
Archivalien: Pfarrarchiv mit Matriken und Gedenkbuch. 

Schon seil 1112 hatte das Stift St. Georgen in dieser Gegend Zehentrechte. Die Gründung des Ortes aber erfolgte durch das ober- 
österreichische Benediktinerstift Garsten, das durch Kenrad II., Burggrafen von Nürnberg und Grafen von Raabs, (um IlSö) einen 
großen Teil des Raabser Waldes erhielt. Die Vogtei kam um 1235 an den Landesfürsten. Garsten behielt seine hiesigen Besitzungen 
bis 1529. Im Dreißigjährigen Kriege wurde der Ort schwer heimgesucht, der Pfarrer mußte 1646 der großen Gefahr wegen in das 
Schloß Karisteln flüchten (QeschlchH. Beilag. V 334) 

Pfarrkirche zum hl. Bartholomäus. 

Die Pfarre wurde um 1330 von Raabs abgetrennt, die Kirche angeblich 1335 geweiht (Geschichtl. Beilag. V330); 
tatsächlich erscheint die Pfarre bereits im Pfarrver/cichnisse des XIV. Jhs. Im XVI. Jh. waren auch hier die 
kirchlichen Verhältnisse zerrüttet und der Ort eine Zeitlang, besonders durch Einfluß der Puchheim, in prote- 
stantischen Händen. Sogar um 1630 gab es noch Protestanten. 1629 wurde M. als Vikariat mit Ober-Grilnbach 
vereinigt und blieb es bis 1810. 1672 hatte die Kirche nur einen Altar und eine Mauernische als Sakraments- 
liäuschen. 1691 wurde die Monstranz geraubt und eine neue von Herrn von Heißenstein gestiftet. An den 



Pfarr- 
kirche. 



36 



Gerichtsbezirk Dobersberg 



Beschreibung. 
Fig. 39. 



Kirchenwänden hingen damals noch die gemalten Flügel von einem alten Altar. 1781 wurde die Kirche ver- 
größert, 1784 ein Oratorium für 200 Personen an sie angebaut. Selbständige Lokalie wurde M. erst 1810. 
1832 wurde die Kircheneinrichtung von Maierhofer in Waidhofen restauriert, 1860 ein neuer Tabernakel und 
ein Altarbild angeschafft. 1864 erfolgte eine abermalige Vergrößerung der Kirche, 1903 eine Neuausmalung 
des Innern. 

Bei einer Entfernung der Kirchenstühle 1720 fand man zwei Grabsteine des Hans Hauser von Karlstein f 1535 
und des Troyanus Schelhamer, Verwalters der Herrschaft Karlstein, f 1603. 1829 waren diese Grabsteine 
bereits verschwunden. 

Beschreibung: Verbindung eines gotischen Chores mit barockem Langhause und Erweiterungsbau 
von 1784 und 1864; Westturm. Der ursprüngliche Eindruck durch die moderne Bemalung und Einrichtung 
ganz verloren gegangen. Erhöht über dem Orte gelegen (Fig. 39). 



Außers. 



Langhaus. 



Chor. 



Turm. 



Anbauten. 



Inneres. 



Langhaus. 



Chor. 



Äußeres: 

Gelb gefärbelt, mit grauem, umlaufenden Sockel und 
geringem Abschlußgesimse. 

Langhaus: W. Durch den Turm verbaut; jeder- 
seits von ihm zwei ovale Luken übereinander. N. und 
S. Zwei gerahmte Fenster mit abgesetztem Rund- 
bogen; im N. moderner Stützpfeiler, an den sich ein 
hölzerner Anbau anschließt, im S. rechteckige Tür. 
— 0. Glatte Giebelwand über dem Chore. Ziegel- 
satteldach. 

Chor: Im N. und S. verbaut; im 0. dreiseitig ge- 
schlossen, mit zwei pultbedeckten Strebepfeilern mit 
Wasserschlag und zwei Spitzbogenfenstern in ge- 
kehlter Laibung mit erneutem Maßwerke. Abgewalm- 
tes Ziegelsatteldach. 

Turm: Im W. vom Langhause, wenig eingebaut, 
quadratisch; durch zwei Simse in drei Geschosse ge- 
teilt, mit Lisenen eingefaßt. Im W. und S. Tür, im 
W. ein querovales und ein steilovales Fenster. Im 
Obergeschosse jederseits ein kleines (im S. vermauer- 
tes), darüber ein großes Rundbogenfenster. Über pro- 
filiertem Kranzgesimse, das in der Mitte jeder Seite 
über dem Zifferblatte ausgebogen ist, blechgedecktes 
Zwiebeldach mit Knauf und Kreuz. 

Anbauten: 1. Oratorium im S. vom Chor, ein- 
stöckig, rechteckig, mit abgerundeten Kanten; im S. 
Tür, darüber Fenster, im 0. ein kleines, darüber ein 
größeres Fenster. Ziegelwalmdach. 
2. Sakristei, im N. vom Chore, modern. 




Fig. 40. Münichreith, Ehemalige Annakapelle, 
jetzt Wohnhaus (S. 37) 



Inneres 



Modern figural und ornamental ausgemalt. 

Langhaus: Rechteckig, die Längsseiten von jederseits vier Pilastern gegliedert, über deren dreiteiligem 
Gebälk gedrückte Gurte die drei rechteckigen Klostergewölbejoche der Decke trennen. Im W. Holzempore 
über Flachdecke; die Empore mit einspringenden, tiefen Rundbogen überwölbt. Im N. und S. je zwei Fenster 
mit abgesetztem Rundbogenabschlusse; im S. Haupttür in Segmentbogennische; im W. gedrückte Rund- 
bogenöffnung über drei Stufen zum Turmuntergeschosse. 

Chor: In gleicher Höhe, aber schmäler als das Langhaus, gegen das es sich im Rundbogen öffnet. Der Altar- 
raum in fünf Seiten des Achteckes gebrochen. Ein rechteckiges Kreuzrippengewölbejoch und ein Abschluß- 
gewölbe aus fünf dreieckigen und einer viereckigen Stichkappe, mit zwei runden Schlußsteinen. Die birn- 
förmig profilierten Rippen sitzen auf halbachteckigen Deckplatten von Wandsäulen auf, die mit Wulst und 
Kehle über runden Basen enden. In den seitlichen Schrägen Spitzbogenfenster mit erneutem Maßwerke, im 
N. gedrückte Segmentbogentür mit abgefasten Kanten. Im S. je eine große und eine kleine gedrückte Rund- 
bogenöffnung zum flachgedeckten Erdgeschosse unten und Oratorium darüber. 



Mlinichreith. — Peigarten. — Rappolz 



37 



Turm: Untergeschoß, im W. des Langhauses. Läutwerk mit Tür im W. und Öffnung gegen das Lang- Turm. 

haus. 

Anbauten: 1. Im S. des Chores; einstöckig, durch eingebaute Stiege verbunden, unten Erweiterung der Anbauten. 
Kirche, darüber Oratorium, beide flach gedeckt. Im S. Tür mit Oberlicht, darüber Fenster, zwei weitere 
im 0. 

2. Im N. des Chores; Sakristei, modern. 

Einrichtung: Modern. Einrichtung. 

Im Langhause vor der Tür abgetretener Grabstein mit Wappenrelief. 

Glocken: 1. Partmes (Bartholom.) Ist Mein Nomen. — Paul Peker — 1667. In Gotes Namen Heb Ich on, — Glocken. 
Des Herrn Wort Pleipt EWIG ST AN; — AUS DEM FAEIR PIN ICH GEFLOSSEN — HANS NE1BAUER 
VON IGLAU H. M. GOSSE. (Auf dem Schwengel /. N. R. I. 1762.) 

2. (Kreuz) — bloß Jahreszahl : 1697. 

3. (Kreuz): Ferd. Vötterlechner in Crems 1761 g. m. 

Ehemalige Annakapelle: Diese Kapelle soll zur Zeit dez Luthertums zur Abhaltung des katholischen Gottesdienstes ge- Ehemalige 
dient haben. Die Entweihung wurde 1786 angeordnet und das Gebäude in ein Wohnhaus umgestaltet. Annakapelle. 

Einstöckiger, rechteckiger Bau, nach 0. in den Seiten des Achteckes geschlossen (Fig. 40). Die Strebepfeiler Fig. 40. 

sind abgeschlagen. Die Gruft dient als Keller. 



Peigarten, Dorf 

Literatur: Plesser, Kirchen, 322; Schweickhardt IV 215. 

Alte Ansicht: Radierung von G. M. Vischer, 1672. 

Ein hier ansässiges Geschlecht gleichen Namens erscheint zuerst 1201. Nach dem Aussterben dieses um 1375 folgen die Dachsner, 
zu deren Zeit 1386 bereits eine Kapelle genannt wird. 1401 wurde das Lehen in ein freies Eigen umgewandelt. 1476 fand ein 
Kriegszug gegen P. statt (ADLER, 1890, 183). Um 1492 setzten sich böhmische und ungarische Söldner hier fest. Ober die Kapelle 
berichtet der Visitationsbefund von 1541, daß das Bene/izium von dem lutherischen Gutsbesitzer Luther von Inpruck eingezogen worden 
sei; das Benefizium wurde auch nicht mehr zurückgestellt. Das Schloß wurde 1644 um 6342 jl. vom Kloster Lilienfeld gekauft, das 
es renovieren ließ. Während der kurzen Aufhebung des Klosters im Jahre 1789 wurde P. an Privatleute verkauft. 1812 wurde die 
Amtskanzlei von hier nach Dobersberg verlegt, da P. in den Besitz des Grafen Philipp Grünne übergegangen war. Gegenwärtig ist 
das Schloß verpachtet und wird als Teppichjabrik benutzt. 

Schloß: Einstöckiges, einfaches Gebäude mit vier Trakten um einen rechteckigen Hof. 

Von Innenräumen ist die Kapelle hervorzuheben. Aus zwei tonnengewölbten Räumen mit Stichkappen 
bestehend, die durch einen Gurtbogen getrennt sind. Reiche Stuckverzierung : Baldachine, Fruchtbukette. 
Gittermuster, in der Mitte Rosette. Anfang des XVIII. Jhs. An einem Pfeiler Sakramentshäuschen, quadratisch, 
in profilierter Rahmung mit Blättern in den Ecken, von einem Baldachin mit zwei verschmierten Wappen 
bekrönt. 



Schl.ß. 



Rappolz, Dorf 

Literatur: 

Um 1584 dienten hier 27 Häuser zur Herrschalt Weikertschlag (Schloßarchiv Oltenstein). 

Ortskapelle: Wurde 1764 zu Ehren der hl. Anna erbaut und mit Meßlizenz versehen (Dekanatsarchiv 
Raabs). Einfacher Bau mit jederseits zwei Rundbogenfenstern, halbrunder Apsis mit zwei weiteren Rund- 
bogenfenstern und einer runden Luke; Ziegelwalmdach; Turm in der Front. XVIII. Jh.. stark erneut. 
Das Innere tonnengewölbt, mit Kappen, der Chor mit Halbkuppel. 

Altar: Holz, marmoriert und vergoldet; von Säulen gefaßte Segmentbogennische, darunter unter Glas 
Gruppe der Pieta, über den Säulen Gebälktrümmer mit gesprengtem Segmentgiebel um ein Aufsatzbild : 
Anna mit Maria. Außerhalb der Säulen Skulpturen in Weiß und Gold, hl. Brigitta und hl. Blasius(?). 
Um 1740. 

Statuette: Holz, polychromiert und vergoldet, stehende Figur der Madonna mit dem Kinde; stark 
zurückgebliebene Arbeit aus der Mitte des XVI. Jhs. 

Bildstock: Granitpfeiler über Postament: Steindach mit modernem Eisenkreuze. 1761. 



Ortskapelle. 



Altar. 



Statuette. 



Bildstock. 



38 



Oerichtsbezirk Dobersberg 



Pfarr- 
kirche. 



Reibers 

1. Reibers; 2. Reinolz 

1. Reibers, Dorf 

Literatur: Pfarrer Engelbert Hetzendorfer in Geschichtl. Beilag. VII 1 — 40; Fahrngruber 168; M. Z. K- 3. F. V 165. 

Archivalien: Pfarrarchiv mit Matriken seit 1785 und Oedenkbuch. 

Funde: Erdställe an mehreren Orten. 

Der Ort scheint nach der Namensform ebenso wie Rudolz und Reinolz vor 1112 von Bayern oder Schwaben gegründet worden zu 
sein. Um 1581 gehörten hier 25 Häuser unter die Herrschaft Dobersberg (Schloßarchiv Ottenstein). 

Pfarrkirche zum hl. Georg. 

Soll von zwei Fleischhauern von Zlabings in Mähren erbaut worden sein und erhielt 1496 von Rom einen 
Ablaßbrief (Geschichtl. Beilag. IX 249). War angeblich einst von Wallfahrern besucht, hatte 1693 einen 
silbernen Kelch, drei schlechte Altäre, eine Turmglocke und zweimal im Jahre Gottesdienst (Dekanats- 
archiv Raabs). 




I NI 1 



Fig. 41 Reibers, Pfarrkirche, Grundriß 1 : 250 (S. 38) 



Beschreibung. 
Fig. 41. 

Äußeres. 



Langhaus. 



Chor. 



Der Ort war damals zu Waldkirchen inkorporiert. 1785 wurde er Pfarre. Die Kapelle wurde verlängert, der 
Plafond gehoben. Zuerst erhielt die Kirche ein Altarbild aus Wien, wahrscheinlich aus einem aufgehobenen 
Kloster stammend, das aber den Leuten nicht gefiel. Es war eine Kreuzigung „im altdeutschen Stil"; der 
jetzige Altar wurde von einem Bildhauer in Zlabings verfertigt, von dem auch die Kanzel herrührt. Nach 
dem Tode des ersten Pfarrers 1796 wurde R. wieder nach Waldkirchen eingepfarrt und erst 1821 wurde 
die Lokalie wieder errichtet. 

Beschreibung: Einschiffige, saalartige Landkirche vom Ende des XVIII. Jhs. mit niedrigem, halbrund 
abschließenden Chore und modernem Westturme (Fig. 41). 

Äußeres: 

Lichtgelb gefärbelt, mit hohem, grauen Sockel und weißen Rahmungen der Fenster, mit drei Keilsteinen 
und Tropfen unter der Sohlbank, weißer Lisenengliederung und hart profiliertem Kranzgesimse. 

Langhaus: W. Giebelfront durch den Turm bis auf zwei schmale Streifen verbaut. — N. Vier gedrückte 
Rundbogenfenster, das westliche zur Emporenstiege zum Teil vermauert, darunter Tür. Östlich angebaute 
moderne Sakristei, das Fenster verkürzend. — S. Vier gedrückte Rundbogenfenster. — 0. Über den Chor 
überragende, glatte Giebelwand. Ziegelsatteldach. 

Chor: Schmälere und niedrigere Ostapsis mit jederseits einem gedrückten Rundbogenfenster, einfach gefaßt, 
und einem vom Chorabschlußgesimse mitumlaufenen Anbaue im 0. Abgewalmtes Ziegeldach in das des 
Anbaues fortgesetzt. 



Reibers 



39 



Turm: Im W. des Langhauses, zweigeschossig, modern. Turm. 

Anbauten: 1. Im N. des Langhauses, moderne Sakristei. Anbauten. 

2. Im 0. des Chores, rechteckiger Bau mit Tür und querovalem Oberlicht im N. 

Inneres: Innerei. 

Gelblich und weiß gefärbelt, der Chor mit geringer, ornamentaler Malerei. 

Langhaus: Rechteckig, mit geringer Lisenengliederung, die sich an der Flachdecke fortsetzt, diese in Langhaus. 
zwei Felder mit Spiegel in Kartuscherahmen teilend. Westempore über Flachdecke, die Brüstung von Feldern 
gegliedert. Im NW. eingebautes, abgerundetes Treppenhaus mit Tür. Jederseits drei große Fenster mit 
gedrücktem Rmulbogenabschlusse; ein viertes im S. über der Empore. Tür in Segmentbogennische im W., 

eine zweite kleinere im N. 




Fig. 42 Reibers, Pfarrkirche, Hochaltar (S. 39) 

Chor: Um eine Stufe erhöht, schmäler und niedriger als das Langhaus, gegen das es sich im Rundbogen 
öffnet. Chor halbrund mit jederseits einem gedrückten Rundbogenfenster. 

Tur m : Untergeschoß, Vorhalle im W. des Langhauses. Modern. 

Anbau: Im N. des Langhauses, Sakristei. 

Einrichtung: 

Hochaltar: Skulpturenaufbau hinter freistehender, erneuter Mensa, Holz, marmoriert. Der Aufbau ver- 
kleidet den Ostabschluß, dessen Rundung er sich anpaßt. Der Hauptteil ist durch vier Säulen auf akanthus- 
geschmückten Konsolen in ein breites Mittel- und zwei schmale Seitenfelder geteilt. In ersterem der hl. Georg 
von Engeln auf Wolken aufwärts getragen, in letzterem Statuen der Heiligen Antonius von Padua und An- 
tonius der Eremit. Über dem von den Säulen getragenen, dreiteiligen Gebälk Kartuscheaufsatz mit hl. Drei- 
faltigkeit in Wolken und von Engeln umgeben, die auch vor dem Gebälke und an den kurzen seitlichen Giebel- 
schenkeln angebracht sind (Fig. 42). Chronogramm 1758 (?). 



Chor. 

Turm. 
Anbau. 

Einrichtung. 
Hochaltar. 



Rg. 42. 



40 



Gerichtsbezirk Dobersberg 



Gemälde. 
Glocken. 



Allg.Charakt. 
Fig. 43. 

Kapelle. 
Äußeres. 



Gemälde: Öl auf Leinwand; hl. Georg den Drachen erstechend; um 1830. 

Glocken: 1. Durchmesser 76cm (Kreuz, St. Jakob). 

2. (Kreuz, St. Georg) beide von J. G. Jenichen, 1833. 

3. (Kreuz, St. Maria) — Jenichen 1848. 

2. Reinolz, Dorf 

Erscheint um 1230 im landesfürstlichen Urbare (DOPSCH, a. a. O., I). 

Anmutiges an einem Teich gelegenes Gruppenörtchen (Fig. 43). 

Kapelle: Am Scheidebogen war die Jahreszahl 1758 angebracht, die wohl die Zeit der Erbauung angibt. 

Äußeres: Rechteckig, gering profilierter Sockel und hart profiliertes Kranzgesims. Im S. Tür, darüber 
Rundbogennische und über dem Gesimse Flachgiebel. Im 0. und W. Rundbogenfenster. Im N. halbrunde 
Apsis. Schindeldach, kleiner hölzerner Dachreiter mit offener, zum Teil verschalter Laterne und Zwiebeldach. 
Mitte des XVIII. Jhs. 




Fig. 43 Reinolz, Gesamtansicht (S. 40) 

Inneres. Inneres: Flachgedeckt, mit bunten, linearen Stuckornamenten im Langhause und der Ostapsis. Um 1780. 
Im Langhause jederseits kurzes Rundbogenfenster in Segmentbogennische; zwei kleinere im Chore. 

Einrichtung. Einrichtung: 

Altäre. Altäre: 1. Hochaltar; Holz, marmoriert und vergoldet, von zwei Säulen flankierter Bildaufbau mit 

dreiteiligem Gebälkabschlusse; seitlich rahmendes Knorpelwerk angesetzt. Bild : Hl. Michael; darüber 
Inschriftskartusche in Knorpelwerkrahmen. Um 1640. 

2. Seitenaltäre (zwei); Holz, marmoriert und vergoldet; mit dem Hochaltare übereinstimmende Bildauf- 
bauten; über dem Gebälk gesprengter Segmentgiebel, zwischen den Giebelschenkeln ein Postament mit be- 
krönender Glorie. Die Säulen mit Kapitalen (gleich jenen des Hochaltars in Weißenbach) aus länglichen, 
gespitzten Blättern, um die in der Mitte ein Band gebunden ist. Angesetztes Knorpelwerk. Die Bilder gering; 
guter Hirte, beziehungsweise hl. Antonius von Padua. Um 1640. 
Gemälde. Gemälde: Öl auf Leinwand, hl. Michael den Luzifer herabstürzend. Gutes Bild um 1760, österreichisch- 
mährisch. 

Skulpturen. Skulpturen: Holz, polychromiert und vergoldet, Pietä, graziöse Arbeit, mährisch. Um 1750 (Fig. 44). 
Fig. 44. Ebenso hl. Rosalia, liegend, unter der Rechten den Totenkopf; in vergoldetem Schrein mit gering ornamen- 
tierten Holzleisten. Anfang des XVIII. jhs. 



Reinolz. — Groß-Taxen. — Waldhers. — Waldkirchen 



41 



Schönfeld s. Fratres 



Schuppertholz s. Dobersberg 



Groß-Taxen 



Literatur: Geschichtl. Beilag. IX 303 ff.; Schweickhardt IV 211. 

Heinrich Dagsner erscheint 1347. Karl Taxner erhielt 1362 von Herzog Albrecht die Herrschaft T. als freies Eigen. Ursula Dachsner 
brachte das Gut 1534 den Woytich zu, die es mit kurzer Unterbrechung bis 1732 behaupteten. 1S08 kam es zur Herrschaft Dobers- 
berg. Der Ort soll einst bedeutender gewesen, aber 1618 verwüstet worden sein (Geschichtl. Beilag. IX 327). 

Bildstock: Polychromierte Statue der Immakulata Ober hohem, 
verzierten Postamente mit Doppelwappen. Anfang des XVIII. Jhs. 

Schloß: Einstöckiger, aus vier Flügeln bestehender Meierhof; 
an der Westseite angebautes Wohngebäude, dessen Obergeschoß 
mit Lisenen gegliedert und mit Feldern unter den Fenstern ver- 
sehen ist. Mansardenschindeldach. — An der Südseite quadrati- 
scher, etwas überragender Torturm mit vorkragendem Oberstock. 
Schindelpyramidendach. Anlage des XVII. Jhs., die Fassadierung 
zum Teil aus dem XVIII. Jh. 

Ein Gemach — jetzt Küche des Wirtschaftspächters — diente einst 
als Kapelle. Karl Ignaz Guldenmüller, Edler von Guldenstein, ließ 
sie einrichten und erwirkte ihr 1733 Meßlizenz. Sie besaß ein Bild 
der hl. Dreifaltigkeit und einen silbernen Kelch und war 1785 noch 
in Gebrauch (Geschichtl. Beilag. IX 314, 327; Konsistorialarchiv 
St. Polten, Miscellanea). 

Waldhers 

Wird um 1400 unter den seit 1112 nach Sl. Georgen (Herzogenburg) zehenl- 
pftichtigen Orten angeführt (Archiv, 1853, 248). 

In der modernen Ortskapelle bekleidete, sehr geringe Holzstatuette 
der Madonna mit dem Kinde. XVIII. Jh. 

Waldkirchen 

Literatur: Fahrngruber 218. 

Archivalien: Pfarrarchiv mit Matriken und Gedenkbuch. 
Die seit 1112 zum Kloster St. Georgen (Herzogenburg) gestifteten Zehente dieser 
Gegend waren um 1400 zum Amte Waldkirchen vereinigt und zeitweilig (1303 
bis 1341) an ein nach diesem Orte benanntes Geschlecht x-erpachtet. Wegen des 
Krieges mit Böhmen blieb 1336 Konrad von W. mit dem Zehentpachle in Rück- 
stand (Archiv, 1853, 248, 254) Das Dorf gehörte schon 1372 größtenteils zum 
Gute Gilgenberg (LICHNOWSKY, Habsburger, VI. Nachtrag Regest. 1026 b). 

Pfarrkirche zum hl. Martin. 

Im Jahre 1188 überließ Bischof Theobald von Passau das Vorschlagsrecht für Besetzung der Kirchen in 
Waldkirchen, Kirchberg (Niklasberg) und Fistritze (Bistritz in Böhmen) dem Wichard von Weikertschlag 
(Moiuimenta Boica XXVUI a 259). Eine Pfarre hier wird ausdrücklich 1282 genannt (O. ö. U. B. III 550). 
Wahrscheinlich wurde sie von Weikertschlag losgetrennt. Der 1576 eingesetzte Pfarrer trat zum Luthertume 
über, wurde aber 1582 auf Ersuchen der Frau Anna Molart als Patronin von Melchior Khlesel durch einen 
katholischen Priester ersetzt, der die Gemeinde wieder zum alten Glauben zurückführte (Wiedemann, Reform. 
und Gegenreform. II 615). Auch 1590 heißt es : die Molart sehen auf gute Ordnung in der Kirche; aber trotzdem 
war der Pfarrer verheiratet. 1610 waren Kirche und Pfarrhof abgebrannt, aber bald wieder aufgebaut 
(Geschichtl. Beilag. 1 191, 196). Der Dechant fand 1652 bei der Visitation viele Bäume und Sträuche im Fried- 
VI 6 




Fig. 44 Reinolz, Kapelle, Pietä (S. 40) 



Bildstock. 

Schloß. 



Pfarr- 
kirche. 



42 



Gerichtsbezirk Dobersberg 



Beschreibung. 



Fig. 45. 



hofe und in der Mitte der St. Martinskirche einen entweihten Altar, der dieselbe verunzierte (Konsistorial- 
archiv St. Polten, Miscellanea). 1672 war die Kirche in gutem Baustande, mit drei Altären und Geräten gut 
versehen, doch wurde in diesem Jahr eine kupferne Monstranz entwendet. Um 1697 wurde die neue Sakristei 
erbaut und eine Orgel angeschafft, da bisher keine vorhanden gewesen war. Der Chor war gewölbt, das Lang- 
haus mit Holzdecke versehen, die von zwei Holzpfeilern gestützt wurde. 1713 wurde eine Stiftung zum Kirchen- 
turme gemacht, um 1734 der Pfarrhof gebaut und 1765 heißt es : Die Kirche sei schön geschmückt und mit 
drei Altären versehen; der Hochaltar sei vor wenigen Jahren neu hergestellt und konsekriert worden (Dekanats- 
archiv Raabs; Konsistorialarchiv St. Polten). 

Beschreibung: Verbindung eines Chores vom Anfange des XV. Jhs. mit einem Langhause, dessen 
jetzige Form von 1729 datiert, das aber an der Außenseite auch ältere Spuren zeigt. Der an der Westseite ein- 
gebaute, dominierende Turm von 1715 (Fig.45). Der Inneneindruck durch die Restaurierungen von 1904 bis 
1908 bestimmt. Vom Friedhofe umgeben, zu dem mehrere Stufen emporführen, am Ostende des Dorfes gelegen. 




Fig. 45 Waldkirchen, Pfarrkirche, Grundriß 1 : 250 (S. 42) 



Äußeres. Äußeres: 

Grau-weißlich verputzter Bau. 

Langhaus. Langhaus: Mit umlaufendem, hart profilierten Kranzgesimse und Resten eines profilierten Sockels. 
W. Größtenteils durch den Turm verbaut, an den sich die geschwungenen Giebelschenkel beiderseits anlehnen; 
an den beiden Ecken je ein nach vorn gestellter geschwungener Stützpfeiler. — S. Drei Rundbogenfenster in 
weißer Rahmung, über jedem ein vermauertes Rundbogenfenster (unter der ehemaligen Flachdecke situiert, 
infolge der Einwölbung von 1729 außer Verwendung gesetzt). Unter dem mittleren Fenster Torvorbau mit 
großer Rundbogentür im S., über dieser kleine Rundbogennische mit Statuette des hl. Johannes von Nepomuk. 
Erste Hälfte des XVIII. Jhs. — N. Wie S., ohne Torvorbau; am Ostende pultbedachter Stützpfeiler. — 
0. Den Chor ein wenig überragende, glatte Giebelfront. — Ziegelsatteldach. 

Chor. Chor: Schmäler und niedriger als das Langhaus, von dessen Kranzgesims umlaufen; rechteckig. Im N. 

durch Anbau 1, im S. durch Anbau 2 zum Teil verbaut, hier ein Rundbogenfenster. Der gerade Ostabschluß 
mit zwei einmal gestuften Strebepfeilern mit Pultdach und ein Rundfenster. Abgewalmtes Ziegelsatteldach. 

Turm. T u rm : In der Mitte der Westfront des Langhauses eingebaut, von Sockel und Kranzgesims mit umlaufen. 

Untergeschoß mit Ortsteinfassung im Verputze. — W. Große Tür mit profiliertem Sturze, darüber Fenster 
mit Sturz und Sohlbank, ein gleiches im N. und S. Das hohe Obergeschoß mit abgeschrägten Kanten, die 
Seiten von Pilastern eingefaßt; im W. Rundbogennische, im N. und S. Fenster mit Sturz und Sohlbank. Oben 
jederseits Rundbogenschallfenster in Rahmung mit Eckbändern und Keilstein, im W. unter dem Schaufenster 
Zifferblatt. Profiliertes Abschlußgesims. Blechzwiebeldach mit Knauf und Kreuz. 

Anbauten. Anbauten: 1. Im S. des Chores, Sakristei, modern. 

2. ImN. des Chores, Hl. Grab, rechteckig, mit einem Rundbogenfenster im 0. und zweien im N. Ziegelpultdach. 



Waldkirchen 



43 



Fig. 46 
Wakl.kirchen, Pfarrkirche, Hochaltar (S. 43) 



Fig. 47 Waldkirchen, Pfarr- 
kirche, Madonnenfigur (S. 44) 



Turm. 



Anbauten. 



Inneres: Innere». 

Modem ausgemalt. 

Langhaus: Rechteckiger Raum, dessen Längswände jederseits von zwei Wand- und zwei Eckpfeilern Langhau*. 
gegliedert werden, auf deren profilierten (zum Teil abgemeißelten) Deckplatten das Tonnengewölbe mit 
jederseits drei einspringenden Zwickeln aufruht. Die zwischen den Pfeilern nischenartig vertiefte Fenster- 
wand ist von einem breiten, gleichfalls auf den Deckplatten aufstehenden Rundbogengurt abgeschlossen. 
Westempore über Tonne, die durch Stichkappen in drei Gratgewölbe aufgelöst ist, und zwei wuchtigen vier- 
seitigen Pfeilern aufsitzend. Die untere Halle öffnet sich in drei Rundbogen gegen das Schiff. Die Stirnwand 
glatt mit aufgesetzter Holzbrüstung zwischen profilierten Gesimsen; in der Brüstung zwölf schmälere und 
ein mittleres breiteres Bild in profilierter Rahmimg mit geschwungenem Abschlüsse, Halbfiguren der Apostel, 
in der Mitte Christus mit der Weltkugel, alle mit Aufschriften versehen. Um 1680. 
Im N. zwei, im S. drei Fenster mit gedrücktem Rundbogenabschlusse; im W. 
große Tür, eine zweite in Segmentbogcnnische im S. 

Chor: Um eine Stufe erhöht, gleich hoch, aber schmäler als das Langhaus, 

gegen das er sich im Rundbogen öffnet. Ein etwa quadratisches Kreuzrippen- 

gewölbejoch mit rundem Schlußstein, mit (erneuter) Rosette. Die stark vor- 
tretenden, flachgedrückten Rippen 
sind an den Ecken weit herab- 
geführt und verlaufen zugespitzt. 
Im N. und S. Tür, im 0. ver- 
mauertes Spitzbogenfenster, dar- 
über kleines Halbrundfenster, im 
S. Fenster wie im Langhause. 

Turm: Untergeschoß. Westlich 
vom Langhause, mit einem grati- 
gen Gewölbe, große Tür im 0. 
und W., letztere in Segment- 
bogennische. 

Anbauten: 1. Im S. des 
Chores Sakristei, rechteckig, flach- 
gedeckt, mit Tür im W. und N. 
und Breitfenster im 0. Modern. 

2. Im N. des Chores Hl. Grab; 
rechteckig, zweiGrabgewölbejoche, 
im N. Tür, im S. zwei Rundbogen- 
fenster. 

Einrichtung: ^[\ 

Hochaltar: Bildaufbau mit , 

Skulpturen; Holz, lichtgrün ge- 
färbelt und vergoldet, mit appli- 
zierten Ornamenten. Zweistufiger 
Sockel, der an den Flügeln vor- 
tritt, darauf der Wandaufbau, 
jederseits zwei flankierende Säulen, 
die äußere vortretend und so den Aufbau vertiefend. Über jedem Säulenpaar dreiteilige, bewegte Gebälk- 
trümmer; darüber Kartuscheaufsatz, den die nach oben verbreiterte Rückwand bildet; seitlich abschließende 
Voluten, nach oben geschwungener Segmentbogen. Im Aufsatze Öffnung, darin die Taube des Hl. Geistes 
in Glorie (das Licht des Ostfensters durchströmend), herum Gott-Vater und Gott-Sohn, großer Wolken- 
kranz mit Cherubsköpfchen, auf dem oberen Abschlüsse drei Putten. Auf dem Säulengebälke je ein 
Putto und Halbfigur des hl. Petrus, beziehungsweise Paulus. In den Säuleninterkolumnien große Figuren der 
Heiligen Augustin und Ambrosius. 

Altarbild : Hl. Martin reicht dem Bettler den zerschnittenen Mantel hin, über dem Heiligen mehrere 
Putten. Altar um 1740. 1856 und 1906 renoviert (Fig. 46). Dazugehörig sechs Leuchter und drei Kanon- Fig. 46. 
tafeln aus Weißblech mit flamboyanten Ornamenten; um 1760; ebenso die Verkleidung des neuen Taber- 
nakels angeblich von einem Bischof Graf Lamberg in Passau gestiftet. 

Gemälde: Unter der Empore zwei Pendants, öl auf Leinwand, Halbfiguren des hl. Petrus und hl. Hie- Gemikte. 
ronymus. Mittelmäßige Arbeiten, XVI11. Jh. 

6» 





44 



Gerichtsbezirk Dobersberg. — Waldkirchen 



Skulpturen. Skulpturen: In Anbau 2. 1. Holz, polychromiert und reich vergoldet; Madonna das Kind haltend, unter- 
lebensgroß; die Madonna steht und trägt das Kind im linken Arme, mit der Rechten hält sie den rechten 
Fuß des Kindes; das Kleid fällt in einem Bausche mit tief eingeschnittenen Falten herab; das Kind greift 
mit der Rechten nach seinem linken Fuße. Die Köpfe sind durch neue Übermalung ihres ursprünglichen Ein- 
Fig. 47. druckes beraubt. Österreichisch, Beginn des XVI. Jhs. (Fig. 47). 

2. Ebenda. Holz, polychromiert, mit geringer Vergoldung; Erziehung Mariae, unterlebensgroße Figuren der 
hl. Anna, stehend, neben ihr die kleine Maria in einem Buche lesend; darin Spruch und Datum 1747, 
renoviert 1899. 

Kanzel. Kanzel: Holz, grün gestrichen und vergoldet. Rechteckig, mit Stiege im 0., in deren Brüstung in fur- 
nierter Rahmung zwei Bilder auf Holz eingefügt sind : hl. Vitus im Kessel, betend, hinter ihm Landschaft 
und Reiter vor Himmelsstrahl vom Pferde stürzend. 

Die Brüstung der Kanzel ist mit gedrehten Säulchen an den drei freien Kanten eingefaßt, von zwei weiteren 
an der Vorderseite gegliedert; die Säulchen sind mit Blattkapitälen und Strümpfen versehen und stehen auf, 
mit Blattornamenten besetzten Volutenkonsolen auf, um die sich unten und oben ein schmales Gesims ver- 
kröpft. Zwischen den Konsolen applizierte Cherubsköpfchen; in den drei Feldern der Vorderseite und dem 
breiteren der Westseite eingelassene Bilder auf Holz mit abgesetztem Rundbogenabschluß, die vier Evangelisten 
in ganzer Figur darstellend. Über den Säulchen abschließendes ornamentiertes dreiteiliges Gebälk. Der Schall- 
deckel an der Unterseite mit vertieftem von Konsolenfries getragenem Felde, daran appliziert die Taube. 
Über geschwungenen Bogen, die sich in der Mitte zu einer Konsole vereinigen, Statuette des guten Hirten, 
weiß gefaßt mit Gold und Silber; der Schalldeckel mit vergoldeten, krautigen Ornamenten ganz überkleidet. 
Um 1670. 

Chorstuhl. Chorstuhl: Lichtes Holz; die Rückwand mit kurzen Säulchen flankiert, die von drei runden Kapitalen 
übereinander bedeckt sind; dreiteiliger Gebälkabschluß, das Gebälk furniert mit applizierten Rosetten in der 
Mitte. Aufsatz aus durchbrochenem, krautigem Rankenornamente um eine Wappenkartusche (Hoyos- 
Alliancewappen, nicht ausgefüllt). Die Rückwand und Vorderwand des Pultes durch Blütengehänge in drei 
Felder geteilt, die (gleich den Rahmungen der Bilder an der Emporenbrüstung) mit Stäben gerahmt sind 
und nach unten rundbogig abschließen. Auf der Deckplatte der Pultwand gedrechselter Rundstab zwischen 
gedrechselten Kugeln an den Ecken. Um 1680. 

Paramente. Paramente: 1. Vespermantel; aus rosa Seide, mit kleinen gestickten Blumen. Ende des XVIII. Jhs. 
2. Kasel; große Blumen in Rot, Blau und Grün, auf Goldbrokat, im Spiegel Wappenschild mit Krone 
und den Buchstaben F. E. S. Um 1760. 

Grabsteine. Grabsteine: Innen. Mehrere ganz abgetretene zum Teil mit Wappen oder Kelchen skulpierte Platten 
im Pflaster. Eine davon mit skulpiertem Kreuze; Theresia Barbara Jorin 1710. 

Außen. Im N. des Langhauses Granitplatte mit großem, skulpiertem Kreuze und unleserlicher Inschrift. 
XVIII. Jh. 

Darüber Kehlheimer Platte; Franz Schießl 1800. 
Daneben Granitplatte mit kleinem, skulpierten Kreuze; Matthäus Löfler 1734 und Anna Löfler 1745. 

Glocken. Glocken: (Kreuz, schmerzhafte Maria, St. Johann von Nepomuk): J. G. Jenichen, K. 1829 — auf Kosten 
aller Pfarrgemeinden und der besonderen Wohlthäterin Magdal. Schießl unter dem H. H. Pfarrer Ant. Maschek. 

2. (Maria Himmelfahrt, St. Florian, St. Johann von Nepomuk, St. Donatus): In honor. B. V.M. in coelum 
assumptae. — Sub adm. R. D. Jacobo Loeffler tunc temp. parocho. — Joh. G. Scheichel in Znaym a. 1766 g. m. 

3. Durchmesser 50 cm, dm. 30 cm, Höhe 90 cm, Dicke 4 cm und 35 mm. lucas — marcus — iohannes — 
matheus — 1892. (1492) ist stellenweise rauh, wie vom Feuer erhitzt; Kronenbögen schon zur Hälfte durch 
neuangeschraubte ersetzt. 

Pfarrhof. Pfarrhof: Ausgedehntes Gehöfte, über einer Tür gemaltes Wappen Hoyos-Sprinzenstein und Datum 
20. September 1753. 

Gemälde. Gemälde: Öl auf Leinwand; (2) Porträts des Herrn Franz Josef und der Frau Maria Elisabeth Schiessl, 
Halbfiguren, er am Klavier, sie vor einem Tisch, auf dem das Gebetbuch liegt. Gute lokale Arbeit. Um 1785. 



Weißenbach s. (Klein-)Motten 



Klein-Zwettl s. Gastern 




Fig. 48 Aigen, Pfarrkirche (S. 46) 



Gerichtsbezirk Raabs 



Aigen 
1. Aigen; 2. Liebenberg; 3. P f a f f e n sc h 1 a g 

1. Aigen 

Literatur: Top. I 24; Geschichtl. Beilag. I 259—270; IX 62; Fahrnoruber 13. 
Archivalien: Pfarrarchiv mit Matriken seit 1693 und Gedenkbuch. 

Prähistorischer Fund: Stark verrostetes Eisenzeug, Glas- und Tonpcrlen von einem gelegentlich eines Straßenbaues gemachten 
Funde in der Sammlung Kiessling in Drosendorf. 

Der Name des Ortes erscheint zuerst 1112 (Archiv IX 216). Um 1584 unterstanden hier vier Holden den Puchheim auf Raabs, 

zwei den Hojkirchen in Drösidl (Schloßarchiv Ottenstein). 

Pfarrkirche zum hl. Jakobus d. Ä. 

Die Pfarre erscheint im XIV. Jh. Bis 1372 gehörte das Kirchenlehen von „Aigen in der Raabser Gegend" dem 
Georg von Liebenberg. 1416 schenkt Albrecht von Puchhaim dem Pfarrer Andreas zu A. ein Drittel Körner- 
zehent. In der zweiten Hälfte des XVI. Jhs. waren in A. protestantische Pastoren, von denen einer Paul 
Hillemeir (gest. 1596) in der Kirche begraben liegt. 1599 ließen Georg Andre und Wolfgang Freiherren von 
Hofkirchen die baufällige Kirche, wo sich die Gruft ihrer Ahnen befand, abbrechen und eine neue bauen; sie 



Pfarr- 
kirche. 



46 



Gerichtsbezirk Raabs 



ließen auch ihren Eltern in der Kirche ein Marmorgrab errichten, worüber eine Marmortafel mit langer In- 
schrift Aufschluß gibt. Der Dechant Prandner von Raabs meldet 1693 : „Die Kirche in Aigen ist bei gutem 
Bau und inwendig schön, hat zwei Altäre, der vordere ist fein, mit schönem Tabernakel. Vor dem Hochaltare 
ist eine Gruft und auf derselben ein großes Epitaphium aus Marblstein mit einem eisernen Gitter umfangen, 
in welcher die Hofkirchsche und Losensteinsche Familie, die früher das Gut Drösidel besessen hatte, begraben 
liegt. Dieses hohe Monument steht so ungereimt da, daß man den vordem Altar und den Priester bei der 
Messe schwerlich sehen kann. Dieses Gebäude sollte darum weggeräumt und die Bilder neben die Mauer 
gesetzt werden, aber die Gruft bleiben" (Dekanatsarchiv Raabs). Dieses stattliche Monument stand bis 
1823 in der Kirche, wurde dann zerlegt und die Teile eingemauert. 

Seit 1652 erscheint A. wieder als katholische Pfarre, jedoch mit Puch vereinigt. Seit 1692 steht sie unter dem 
Patronate von Altenburg und wird seit 1718 von dortigen Stiftskapitularen besetzt. 1748 brannten Kirche 
und Pfarrhof nieder, darauf erfolgte eine Restaurierung, wobei 1755 der Hochaltar neu aufgestellt wurde. 
Zwischen 1769 und 1776 wurde der jetzige Kirchturm begonnen, aber erst unter dem nächsten Pfarrer voll- 
endet. Unter Pfarrer Isidor Egger (1785 — 1806) wurde eine umfassende Restaurierung der Kirche vorgenommen, 




E 



Fig. 49 Aigen, Pfarrkirche, Grundriß 1 : 250 (S. 47) 



deren Kosten durch den Verkauf von sieben Kupfersärgen aus der Gruft gedeckt wurden. 1824 wurde der 
Kreuzweg von Jakob Preitschopf in St. Polten gemalt, 1825 die Kirchhof mauer hergestellt, 1834—1835 
wurde der Kirchturm neu gedeckt. 

Beschreibung. Beschreibung: Einheitlicher, saalartig wirkender Raum vom Ende des XVI. Jhs. mit den für diese 
Zeit charakteristischen, gotisch fortentwickelten Gewölben. Etwas über dem Orte gelegen mit einem der West- 
Fig. 48. seite vorgebauten spätbarocken Turm (Fig. 48). 

Äußeres. Äußeres: 

Gelb gefärbelt mit weißen Fensterrahmen und gliedernden Teilen; rötlicher Sockel. 

Langhaus. Langhaus: W. Glatte Giebelfront, durch den Turm in der Mitte und die Turmstiege südlich davon ver- 
baut. — S. Gering profiliertes Kranzgesims; drei gemauerte Strebepfeiler mit je einem profilierten Sockel- 
(der beim westlichen fehlt), Wasserschlag und Pultdach aus Stein. Zwei abgerundete Fenster in hohen Spitz- 
bogenlaibungen. Inschrifttafel : Laus Deo Exstructum Anno 1599. — N. Zwei Strebepfeiler, ein Fenster wie 
im S., der östliche Teil verbaut. Ziegelsatteldach. 

Chor. Chor: Einspringend; vom Sockel und Kaffgesimse des östlichen Langhauspfeilers umlaufen; dieses nur 

bei den Fensterlaibungen abbrechend, Im S. und N. je ein, am dreiseitigen Ostabschlusse zwei Strebepfeiler. 



Aigen 



47 



Im S. Fenster wie im Langhause, in den Schrägen Spitzbogenfenster in abgeschrägter Laibung. Im SO. und 
NO. je eine, an drei Seiten steingerahmte Luke unter dem Sockel, im 0. Tür zur ehemaligen Gruft. 

Abgewähltes Ziegelsatteldach. 

T u r m : Im W. des Langhauses vorgebaut. Quadratisch, durch profiliertes Gesims in zwei Hauptgeschosse Turm. 

geteilt. Das Untergeschoß über gebändeltem Sockel, mit Ortsteinen eingefaßt, im W. Tür, darüber gerahmtes 
Fenster. Das Obergeschoß durch ein Sims in zwei Stockwerke geteilt, die durch gemeinsame Lisenen ein- 
gefaßt werden; im unteren je ein gerahmtes ovales Fenster, im oberen rundbogiges Schallfenster, darüber 
rundes Zifferblatt, über dem das profilierte Kranzgesims ausbiegt. Blechgedecktes Glockendach. 

Anbau : Im N. vom Chore, Sakristei; rechteckig, im N. ein pultgedeckter Strebepfeiler, im 0. und N. je Anbau. 
ein Fenster in profilierter Rahmung, das nördliche vermauert. Schindelpultdach. 




Fig. 50 Aigen, Pfarrkirche, Kanzel (S. 48) 



Inneres: Inneres. 

Grünlich gefärbelt, die gliedernden Teile weiß gehöht (Fig. 49). Fig. 49. 

Langhaus: Rechteckiger Raum, die Längswände durch einen Mauerpfeiler geteilt, dessen Kanten von Langhaus. 
skalpierten Blattranken eingefaßt werden; über seinen profilierten Deckplatten liegt das Tonnengewölbe mit 
jederseits zwei einspringenden Zwickeln, deren Scheitel durch die Verkleidung der Decke verwischt werden. 
Die Stichkappen werden von reliefierten, stark übertünchten Bändern eingefaßt, durch Transversalbänder 
halbiert, beziehungsweise geschieden; alle diese Bänder enden bei dem großen Mittel- und den zwei ange- 
schlossenen, kleinen östlichen und westlichen Spiegeln. Nur das mittlere Transversalband durchstößt die doppelte 
Rahmung des großen Spiegels und umschließt im Gewölbescheitel ein Kreisfeld. An den inneren Rahmen des 
Mittelspiegels schließt sich ein flacheres Band an, das in den Ecken und in der Mitte der Seiten einen Halb- 
kreis dreiseitig einschließt. An die äußere Rahmung schließen sich nach außen flachere Zacken an. Der Mittel- 
spiegel ist mit den äußeren durch Bänder, die im Gewülbescheitel laufen, verbunden. Cherubsköpfchen zwischen 
den Mittelspiegelrahmen, je zwei Rosetten in den Kappen. 

Westempore: Gemauert, östlich auf zwei vollen und zwei Wandsäulen aufruhend, die auf quadratischen Westempore. 
Basen aufstehen und mit ebensolchen Deckplatten über zwei Wülsten abschließen. Tonnengewölbe, in das 
drei einander im Scheitel berührende Stichkappenpaare einschneiden; die gedrückten Öffnungen der unteren 



48 



Gerichtsbezirk Raabs 



Chor. 



Halle nach 0. und zum südlichen Fenster ebenso wie die entsprechenden Bogen an den Wänden mit Perl- 
stäben eingefaßt. Die Kreuzgrate und ein den ganzen Gewölbescheitel durchlaufender Grat gekordelt zwischen 
Perlstäben. Einfach gekordelte Grate halbieren die Zwickel, die ein Flechtband trennt; an den Schnittstellen 
im Scheitel Rosetten. An der Brüstung zwischen zwei gekehlten Gesimsen perlstabgerahmte Felder mit 
Rosetten. Im N. ein, im Süden zwei hohe Rundbogenfenster in großen Spitzbogennischen. Im W. Tür in 
Segmentbogennische. Im S. Segmentbogennische. 

Chor: Um eine Stufe erhöht, einspringend, aber höher als das Langhaus, gegen das er durch einen Rund- 
bogen über einspringendem Mauerpfeiler offen ist. Ein zweiter Pfeiler schließt den Chor zum Altarraum ab; 
beide gleich denen im Langhause ornamentiert. Auch über diesem Pfeiler ein Gurtbogen, wie der Triumph- 
bogen jederseits mit einem Cherubsköpfchen besetzt und mit Perlstab eingefaßt. Das Chorjoch gratgewölbt 
mit ornamentierter Stuckeinfassung der trennenden und der jede Kappe halbierenden Grate, den Scheitel des 
Gewölbes bildet ein doppelt gerahmter runder Spiegel mit Doppeladler in der Mitte. Das Gewölbe ruht auf 




Fig. 51 Aigen, Pfarrkirche, 
Tumbendeckplatte vom Hofkirchen-Grabmal (S. 49) 



Turm. 



Anbau. 



vier Konsolen auf, die unter ausladenden Deckplatten herzförmig spitz zulaufen. — Der Altarraum ist in 
drei Seiten des Achteckes geschlossen, die Mittelschräge ist von übereckgestellten Pfeilern, die gleich den 
obigen ornamentiert sind, eingefaßt. Drei einspringende, dreieckige Stichkappen, deren Spitze durch den 
Mittelspiegel abgeschlossen wird, der aus einem rechteckigen Mittelteil besteht, an den sich jederseits ein 
hufeisenförmiger Spiegel anschließt. Im S. Fenster wie im Langhause, im N. Tür zur Sakristei; in den drei 
Ostschrägen je ein Spitzbogenfenster in abgeschrägter Laibung. 



Turm: Untergeschoß, westliche Vorhalle gratgewölbt 
gerahmte Tür mit profiliertem Sturzbalken. 

Anbau: Sakristei im N. des Chores, rechteckig. 



mit Tür in Segmentbogennische im W.; im 0. 



Einrichtung. Einrichtung: 

Althar. Altar: Modern. 

Gemälde. Gemälde: 14 Kreuzwegbilder, Öl auf Leinwand; 59 - 5x69n/7; von Jakob Preitschopf in St. Polten 
1824 gemalt. 

Skulpturen. Skulpturen: Zwei polychromierte Holzstatuetten, St. Leonhard und hl. Johannes von Nepomuk. 
Um 1740. 



Aigen 



49 



Kanzel: Gemauert, graudrap gestrichen, mit Vergoldung. In Form eines Viertelkreises, von einer Säule Kanzel. 
getragen; im 0. angeschlossen Freitreppe, deren profiliertes Abschlußgesims in das der Brüstung übergeht. 
In die Brüstung sind drei Rundbogen in schmaler Rahmung schwach eingeblendet, darinnen vergoldetes 
Knorpelwerk in leichtem Relief. Am abgerundeten Ablauf Inschrift. Anfang des XVII. Jhs. (Fig. 50). Fig. 50. 

Grabsteine: 1. An der Ostwand des Langhauses. Rote Marmorplatte mit den liegenden Gestalten eines Grabsteine. 

Ritters in voller Rüstung und einer Dame; zu Füßen Helm und Handschuhe. Gute Arbeit um 1600 

(Fig. 51). Fig. 51. 

2. Daneben. Rote Marmorplatte mit Relief : in der oberen Hälfte Inschrifttafel in Knorpelwerkumrahmung 

mit Rollwerk, in der unteren zwei Rundbogen über Konsolen, darin weißes Wappenrelief. Um das Ganze graue 

Steinrahmung mit Flachgiebel und seitlich angesetzten Voluten: Cristof von Echtzeil zu Dresidel etc. 1647 

und seine Frau Maria, geborene Binauerin 1054. 




Fig. 52 Aigen, Pfarrkirche, Wappenhalter vom Hofkirchen-Grabmal (S. 49) 



3. Neun runde gelbe Kehlheimerplatten mit skulpierten Wappen in Rollwerkumrahmung mit Umschriften: 
einmal Putto auf Totenkopf stehend, zwei Wappenschilde haltend (Fig. 52). Fig. 52. 

Alle diese Bestandteile gehörten zu dem bis 1823 mitten in der Kirche stehenden Freigrabe; die Namen der 
Beigesetzten sind : Wolf Freiherr von Hofkirchen, Georg Andreas von H., Margareta von H. geb. Herrin 
von Losenstein, Anna Dorothea von H., geb. Gräfin von öttingen, Wilhelm und Eva von H. Die lange 
Inschrift, die über die Aufrichtung des Grabes und den Neubau der Kirche berichtet, trägt die Jahreszahl: 
tS99. 

Außen vor der Westtür des Turmes vier rote Steinplatten, ganz abgetreten mit Spuren ursprünglich ange- 
brachter Wappenschildchen. 

Glocken: 1. (Marienbild) : Anno 1695 g. m. Mathias Prininger in Crembs. Glocken. 

2. (Kreuz): 1755 g. m. Ferd. Vötterlechner in Crembs. 

Privathaus Nr. 4: Einstöckiges, rechteckiges Gebäude, durch zwei Gesimse gegliedert, auf deren oberem Privathaus. 
die gerahmten Fenster aufstehen; in der Mitte der Hauptfront rundbogiges Portal. Hohes Ziegelmansarden- 
dach mit Bodenluken. XVIII. Jh. 

vi 7 



50 



Oerichtsbezirk Raabs 



2. Liebenberg 

Literatur: Top. V 1119; M. W. A. V. 1896, 72; Geschieht!. Beilag. IX 175; Sommerfrische Raabs, 1901, 140. 

S. erscheint 1112 zum erstenmal als Lybenberch. Ein Geschlecht, das sich nach dem Ort benennt, erscheint 1188 mit einem Ulrich von 
L. (Monumenta Boica XXVIII a, 128). Von dem Schlosse dieses Geschlechtes sind nur geringe Spuren übrig geblieben. 

Kapelle. Kapelle zum hl. Sebastian: 

Über die älteste Geschichte dieses Kirchleins, dessen Baufonnen auf das XIII. Jh. hinweisen, ist nichts bekannt. 
Im XIV. Jh. erscheint L. als eigene Pfarre unter dem Patronate der Meissauer (Kerschbaumer, St. Polten 
I 299). 148.4 wurde diese Kirche zum hl. Johann Evangelisten, mit Altar auf der rechten Seite, geweiht 
(Geschichtl. Beilag. IX 175). Während der Reformationszeit ging die Pfarre ein und L. blieb fortan mit Aigen 
vereinigt, obwohl die Kirche noch 1684 als Pfarrkirche galt. 

Der Seitenaltar wurde von den Raabser Bürgern zur Pestzeit um 1682 und der Hauptaltar vom Edlen von 
Guarient auf Raabs 1703 gespendet (Dekanatsarchiv Raabs). 




Fig. 53 Liebenberg, Kapelle (S. 50) 



Beschreibung. Beschreibung: Großer Kapellenbau; romanische Anlage mit unaufdringlichen Abänderungen aus dem 
XVIII. Jh. Östlich vom Dorfe im Walde gelegen, über dessen Baumwipfel das hohe Kirchendach und der hohe 
Fig. 53. Turm emporragen (Fig. 53). 

Äußeres. Äußeres: 

Weiß angeworfener Bruchsteinbau. 

Langhaus. Langhaus: Rechteckig. W. Glatte Giebelfront mit verschaltem Rundfenster, darüber Luke. — S. Tür 
in profilierter Rahmung mit Ohren, darüber Segmentbogennische; darüber Spuren einer Sonnenuhr. Östlich 
großes steilovales Fenster. — N. Fenster wie im S. — 0. Überragende Giebelwand, in den aufgesetzten vier- 
seitigen Dachreiter übergehend; dieser mit jederseits kleiner Rundbogenöffnung in abgeschrägter Laibung. 
Schindelzeltdach. Am Langhause Ziegelsatteldach. 

Apsis. A p s i s : Einspringend und bedeutend niedriger als das Langhaus; halbrund, mit kleinem, steilovalen Fenster 

im N. und S. Halbes Ziegelkegeldach. 



Liebenberg. — Pfaffenschlag. — Blumau 



51 



Inneres: 

Weiß gefärbclt. 

Langhaus: Rechteckiger, sehr hoher Raum, mit zwei verwischten rechteckigen Gratgewölbejochen von 
einem tief einspringenden Gurtbogen getrennt. Holzempore. Im östlichen Felde der Nord- und Südseite ein 
sehr großes, steilovales Fenster, im S. im westlichen Felde Tür in Segmentbogennische. Im W. verschaltes 
kleines, rundes Fenster. Im N. kleine, spitzbogige Sakramentsnische in profilierter Rahmung. 

A p s i s : Um eine Stufe erhöht; einspringend, niedriger als das Langhaus, 
gegen das sie in hohem Rundbogen sich öffnet. Halbrund mit Kuppel- 
gewölbe und jederseits einem steilovalen Fenster in Rundbogennische. 

Einrichtung: 

Über dem Hochaltare ursprünglich Altaraufsatz, Halbfigur Gott-Vaters in 
Wolkenglorie; Holz, weiß, mit Vergoldung. Erste Hälfte des XVIII. Jhs. 

Skulpturen: Holz, polychromiert. 1. Figuren der Heiligen Sebastian 
und Rochus, langgestreckte Körper. Erste Hälfte des XVII. Jhs. 

2. Statuette eines hl. Ritters mit Rüstung, Barett und Mantel. Gut erhal- 
tenes Stück aus dem dritten Viertel des XV. Jhs. (Fig. 54). 

3. Statuette des hl. Sebastian mit langem Mantel und Locken. Zweite 
Hälfte des XVI. Jhs. Aufgelöste gotische Motive. 

4. Statuette eines Jünglings, stark beschädigt. Letztes Viertel des XV. Jhs. 

Taufbecken: Stein, weiß gestrichen. Über quadratischer Basis mit 
Wulst und Eckknollen runder Fuß und runde Schale mit oben skulpiertem 
Wulst. XIV. Jh. 

Ruine: (Geschichte siehe oben.) Am Westausgange des Waldes; am 
Eingange des Ortes hohe Bruchsteinmauer, isoliert aufragend. 

3. Pfaffenschlag, Dorf 

Literatur: Plesser, Kirchen, 325; Schweickhart IV 73. 

Hier erscheint 1312 ein Hof, der 1619 von den Soldaten abgebrannt und dann als Schloß wieder 
hergestellt wurde. In demselben wurde 1672 mit päpstlicher Vollmacht eine Kapelle ein- 
gerichtet, die 1785 mit dem Schlosse abgebrochen wurde. Der Meierhof dient nun als Scheuer. 

Kapelle: Gelb gefärbelt, mit grauem Sockel, weißen Lisenen und hart 
profiliertem Kranzgesimse, seitlich je ein gerahmtes Segmentbogenfenster. 
Einspringende Apsis; eingebauter, quadratischer Westturm mit Rundbogen- 
schallfenster und Schindelzwiebeldach. 

Inneres: Flach gedeckt, Halbkuppel über der Apsis! 

Altar: Schwarzer Holzaufbau mit vergoldeten Voluten und Blattwerk; 
Kanontafeln fai geschwungenenRahmen. Mehrere Kerzenhälter. Allesuml780. 

Skulpturen: Holz, polychromiert; Madonna mit dem Kinde über 
einem mit Köpfchen verzierten Sockel. Anfang des XVIII. Jhs. — Johannes 
von Nepomuk. Geringe Arbeit aus der Mitte des XVIII. Jhs. 



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Innere*. 
Langhaus. 

Apsis. 
Einrichtung. 

Skulpturen. 
Fig. 54. 

Taufbecken 
Ruine. 



Kapelle. 



Inneres. 
Altar. 

Skulpturen. 



Fig. 54 Liebenberg, Kapelle, 
Skulptur (S. 51) 



Blumau 

Literatur: Top. I 179; M. W. A. V. 1895, 240; Oeschichtl. Beilag. IX 70. 

Archivalien: Pfarrarchiv mit Matriken und Gedenkbuch. 

Prähistorische Funde: Zwei Ringe und ein Bruchstück aus Bronzedraht, Reste eines angeblich größeren Fundes beim Bau der 
Franz-Josefs-Bahn (Sammlung Kiessling). 

Der Name erscheint zuerst im zweiten Stiftsbriefe von Geras. Zu Ende des XV. Jhs. ist der Ort im Besitze der Herren von Kattau 
auf Siegharls. Seit 1722 ist der Markt mit der Herrschaft Groß-Siegharts vereinigt, welche schon um 1581 hier 32 Untertanen hatte 
(Schloßarchiv üttenstein). 



52 



Gerichtsbezirk Raabs 



Pfarr- 
kirche. 



Beschreibung. 
Fig. 55 u. 56. 



Pfarrkirche zum hl. Johannes d. T. 

Die Pfarre kommt um 1230 (Monumenta Boica XXIX b 217) und im Pfarrverzeichnisse des XIV. Jhs. bereits 
vor, dürfte aber älter sein, vielleicht schon zur Zeit der Vereinigung mit Geras um 1155 bestanden haben. 
Die gegenwärtige Kirche wurde um 1750 unter Abt Paul Gratschmayr neu gebaut und zeigt nahe Verwandt- 
schaft mit der von demselben Abt erbauten Kirche in Japons (Kunsttopographie, V, S. 228). Die Deckenfresken 
malte 1777 Zoller um 350 fl. Die Orgel stammt von 1740. 

Beschreibung: Einschiffige Spätbarockkirche mit einheitlicher Gliederung und Deckenbemalung in 
Langhaus und Chor; der Turm östlich angebaut (Fig. 55 und 56). 




Fig. 55 Blumau, Pfarrkirche (S. 52) 



Äußeres. 



Langhaus. 



Chor. 



Turm. 



Anbau. 



Äußeres: 

Grau verputzt mit weißen Lisenen, geringem Sockel und gekehltem Kranzgesimse an den Langseiten. 

Langhaus: W. Giebelfront mit rechteckiger Tür in profilierter, gering ornamentierter Rahmung; in dem 
Giebelfelde über weißem Simsbande Rundluke. — N. und S. je drei Segmentbogenfenster in leicht vortretender 
Rahmung mit Tressenornament im Parapett; im N. das östliche Feld durch die Sakristei verbaut. 

Chor: Einspringend, niedriger als das Langhaus, im N. und S. ein Fenster wie im Langhause, der N. zum 
Teil durch den Anbau, der 0. durch den Turm verbaut. Ziegelsatteldach über Langhaus und Chor. 

Turm: Im 0. an den Chor angebaut, quadratisch, durch ein profiliertes Gesims in Kirchenhöhe in ein von 
Lisenen eingefaßtes Unter- und ein von Pilastern eingefaßtes Obergeschoß geschieden. Das Untergeschoß 
durch horizontalen Sims in zwei Teile geteilt. Im unteren im S. gerahmte Tür und darüber breitovale Luke, 
im oberen an den drei freien Seiten Fenster mit Rundbogenabschluß, das nördliche vermauert. Im Ober- 
geschosse jederseits ein Rundbogenschallfenster, darüber rundes Zifferblatt, um das das breite Kranzgesims 
sich nach oben und unten ausbiegt. Blechgedecktes Glockendach mit Knauf und Kreuz. 

Anbau: Im N. vom Langhause und Chore; rechteckig, mit zwei Fenstern im N. und einem im 0. und Tür 
im W. Schiefergedecktes Walmdach. 




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Blumau 



53 



Inneres: Inneres. 

Grünlichweiß gefärbelt, mit rotmarmoriertem Sockel und Pilastern mit ausladenden Deckplatten; die Decke 

mit ornamentaler und figuraler Malerei. 

Langhaus: Stattlicher, rechteckiger Raum, mit Abrundung gegen den einspringenden Triumphbogen Langhaus, 
im 0. Die Längswände von vier mit Pilastern besetzten Mauerpfeilern gegliedert und eingefaßt, zwischen 
denen die drei Fensterfelder als seichte Rundbogennischen erscheinen. Drei von Gurtbogen gerahmte Kloster- 
gewölbc, die in ovalem Felde figurale Szenen enthalten: (östlich) 1. Namengebung Johannis (Fig. 57), der Fig. 57. 
von einer Frau in phantastischer Zeittracht zu dem auf einem Faltstuhl sitzenden greisen Zacharias ge- 
tragen wird; links auf einem Lager hl. Elisabeth, um die sich zwei Frauen bemühen; Abschluß durch 
Architektur und Draperie, oben Gewölk und Cherubsköpfchen. (Im mittleren Joch) 2. Taufe Christi im 
Jordan (Fig. 58), herum drei große Engel mit den Gewändern Christi, oben der hl. Geist in Gestalt der Taube Hg. 58. 
in einem Kranz mit Cherubsköpfchen. (Westlich) 3. Hinrichtung Johannis (Taf. IV), der Henker legt das Tafel IV. 
Haupt des Heiligen einem Pagen auf eine Schüssel, über einer Treppe Salome mit einer Dienerin und einem 
zweiten Pagen, auf der andern Seite der Leichnam des Heiligen, daneben Kreuzstab mit Schriftband : Ecce 
agnus dei; oben Putto mit Märtyrerpalme und zwei Cherubsköpfchen. Rechts unten bezeichnet : F. Zoller 
pinxit A. 1777 (siehe Übersicht). In den Zwickeln der Gewölbe um die bronzefarbene Bildumrahmung stein- 
farbene Muscheln mit Blumen; an den Gurten Bandornament und Rosetten. 




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Fig. 56 Blumau, Pfarrkirche, Grundriß 1 : 200 (S. 52) 



Im W. gemauerter Emporeneinbau über vollen und Wandpfeilern und drei von Gurtbogen getrennten Kloster- 
gewölben; das nördliche durch das eingebaute Treppentürmchen verbaut. Die Brüstung mit einfachen Feldern 
wird von zwei profilierten Simsen eingefaßt und von Postamenten, den Fortsetzungen der unteren Pfeiler, 
gegliedert. Die untere Halle öffnet sich in drei Rundbogen gegen das Schiff, von denen der mittlere der größte, 
der nördliche bis auf eine ovale gerahmte Luke vermauert ist. Im W. rechteckige Tür in Segmentbogennische, 
im N. und S. je zwei große Segmentbogenfenster mit gering ornamentierter, gemalter Rahmung, im S. ein 
drittes im östlichen Felde. 

Chor: Um eine Stufe erhöht, einspringend, der Triumphbogen mit einem Pfeiler und Deckengurt wie im 
Langhause besetzt. Ein fast quadratisches Klostergewölbejoch, etwas niedriger als das Langhaus. Fresko: 
Heimsuchung (Fig. 59), hl. Elisabeth und hl. Maria begrüßen einander über einer Stiege, von den Hl. Josef 
und Zacharias begleitet; oben Engel und Cherubsköpfchen. In den Zwickeln Blumenvasen. Gleichfalls von 
Zoller. Im N. und S. je ein Fenster wie im Langhause; im N. Tür zur Sakristei; im 0. zum Turm. 

Anbau: Im N. des Chores, Sakristei; rechteckig, Spiegelgewölbe mit einspringenden abgerundeten Kappen 
über den Fenstern. Im SW. eingebaute Kanzelstiege. Im N. zwei, im 0. ein rechteckiges Fenster in Segment- 
nische. Im S. und W. Tür in ebensolcher Nische. 



Chor. 
Fig. 59. 

Anbau. 



54 



Gerichtsbezirk Raabs 




Fig. 57 Blumau, Pfarrkirche, Deckenfresko von Zoller (S. 53) 




Fig. 58 Blumau, Pfarrkirche, Deckenfresko von Zoller (S. 53) 



Blumau 



55 



Einrichtung: 

Altäre: 1. Hochaltar; Holz, marmoriert; Bildaufbau mit Skulpturen. Über zweigeschossiger Staffel 
Mittelbau von je drei Säulen flankiert, von denen die mittlere vortritt. Kämpfergebälk mit ausladendem 
Abschlußgesims, auf dem seitlich über Voluten adorierende Engel knien; in der Mitte Kartuscheaufsatz mit 
Cherubsköpfchen und drei Sclmuickvasen über dem Segmentgiebel. Unter dem modernen Aufsatzbild Auge 
Gottes in Glorie. Seitlich von dem modernen Altarbilde in den Interkolumnien polychromierte Figuren der 
Heiligen Zacharias und Elisabeth, Sebastian und Johannes von Nepomuk. Der sehr stark erneute Altar stimmt 
vollkommen mit dem in Japons (s. Kunsttopographie V 231) überein. Mitte des XVIII. Jhs. 
2. und 3. Seitenaltäre in den Ostschrägen des Langhauses. Holz, marmoriert. Skulpturenaufbau. Über hohem 
Unterbaue Mittelteil von Säulen flankiert, deren ausladendes Gebälk den Volutenkartuscheaufsatz trägt: 
auf diesem (mit modernem Aufsatzbilde) vier Putten, davor zwei Schmuckvasen. Seitlich von der modernen 



Einrichtung. 
Altäre. 




Fig. 59 Blumau, Pfarrkirche, Deckenfresko im Chore von Zoller (S. 53) 



Skulptur in der mittleren Runclbogennische polychromierte Holzfiguren (nördlich) der Heiligen Joachim und 
Anna, (südlich) des hl. Augustin und hl. Norbert. Beim südlichen Altar einfacher Tabernakel mit Relief des 
hl. Norbert an der Tür. Mitte des XVIII. Jhs., stark erneut. 

K i r c h e n b ä n k e : In zwei Reihen, aus lichtbraunem Holz mit geschnitzten Blattranken in den aus- 
gezackten Wangen. Mitte des XVI11. Jhs. 

Glocken: 1. Durchmesser 76 cm: f XPC (Christus) * vincit 
hilf f uns f Johannes Baptist (sorgfältigst ausgeführte Majuskeln. 
59 cm, Dicke am Schlage 55 mm, an den Anschlagstellen 45 mm. 
ist übrigens gut erhalten. 

2. Durchmesser 50 cm; oberer Durchmesser 26 cm, Höhe 38cm, Dicke 40 und 34 mm. Mattheus, Johannes, 
Lucas, Marcus (Majuskel des XIV. Jhs.). 

3. (Kreuz): Ferd. Vötterlcchner in Crembs g. m. 1760. 



* XPC * regnat * XPC imperat f Maria * 
XIV. Jh. Oberer Durchmesser 42 cm, Höhe 
Die Glocke wurde schon einmal gewendet. 



Kirchen- 
bänke. 

Glocke. 



56 



Gerichtsbezirk Raabs 



Pfarrhof. 



Gemälde. 



Skulptur. 
Karner. 



Inneres. 



Bildstöcke. 



Pfarrhof: Einfaches, einstöckiges Gebäude, mit zumeist modern hergestellten Innenräumen; einige 
Decken stukkiert mit geringem Rankenornament. Der Speisesaal flach gedeckt, mit Stuckverzierung, in 
der Mitte Wappen des Prämonstratenser Ordens und des Prälaten Paul Gratschmayr in gemeinsamer 
Kartusche. Mitte des XVIII. Jhs. 

Gemälde: Vier Bilder, Öl auf Leinwand, der Evangelisten mit ihren Attributen. Ende des XVIII. Jhs. 
Großes Bild des hl. Norbertus mit einem Putto, der die Monstranz hält. In schwarzem Rahmen mit geschnitztem, 
vergoldetem Aufsatze. Mitte des XVIII. Jhs. 

Vier Porträts von Prälaten von Geras, jeder in einem Lehnstuhl sitzend dargestellt: Michael Walner, Paul 
Gratschmayr (bez. 1746), Friedrich Urtica und Nicolaus Zandt. Mitte des XVIII. Jhs. 

Skulptur: Auf der Stiege polychromierte Holzstatue des hl. Paulus. Mitte des XVIII. Jhs. 
Kam er: Südöstlich von der Kirche; quadratischer Bruchsteinbau mit schadhaftem, gelben Verputze 
und Resten weißlicher Quadernbemalung. An jeder Ecke ein schräg gestellter, einmal abgestufter, pultgedeckter 
Strebepfeiler. Im 0. apsisartige Ausbauchung in zwei Drittel Höhe mit eigenem, halbem Kegeldache und 
Rundnische. Im W. über grasbewachsenen Steinstufen zugängliche Tür, darüber vermauertes rechteckiges 
Fenster. Im S. Segmentbogenfenster über vermauertem, rechteckigen Fenster. Im N. niedrig angebrachte, 
steingerahmte Segmentbogentür, in den unteren Raum führend. Schindelzeltdach (Fig. 55). 

Inneres: 

Modern ausgemalt; ein quadratisches Kreuzrippengewölbejoch, die Rippen mit Perlstab zwischen zwei Eier- 
stäben besetzt, in den Ecken auf spitz zulaufenden, ebenso ornamentierten Konsolen aufsitzend. Runder 
Schlußstein mit Rosette in Perlstabrahmung. Ebenso sind die Rundbogenabschlüsse der Wände und die Rund- 
bogennische an der Ostwand eingefaßt. Anlage um 1400. Ende des XVI. Jhs. neu ornamentiert. 

Bildstöcke: 1. Pranger; auf dem Hauptplatze, sechsseitiger, neu verputzter Pfeiler mit sechsseitigem 
Schindelpyramidendache und Steinkugelbekrönung; an der Vorderseite Steinkugel an Kette. XVII. Jh. 
2. Am Südende des Hauptplatzes; über Stufe profilierter Sockel, darauf kreuzförmiges Postament, über dessen 
Deckplatte die von schmalen Wolkenstreifen umwundene Säule steht. Über dem Blattkapitäle Gruppe der 
hl. Dreifaltigkeit, Gott-Vater und Christus neben einander thronend, darüber, an einem Draht befestigt, die 
Taube. Herum vierseitige Balustrade, auf deren vier Eckpostamenten je eine stark zerstörte unkenntliche 
Heiligenfigur. An der Rückseite des Säulenpostamentes F. J. Z. E. C. Z. A. 1717. 



Drösiedl 

Literatur: Top. II 350; Burger 132; Plesser, Kirchen 459; Schweickhart V 166; Geschichtl. Beilag. IX 79. 
Alte Ansicht: Ölgemälde im Stift Altenburg (Kunsttopographie V, S. 318) 

Das nach diesem Orte benannte Geschlecht findet sich von 1283 bis 1454 und erwarb auch andere Güter. Albrecht Herzog von 
Österreich gibt 1369 dem Niklas dem Drösiedler den Meierhof zu Dr. und zwei Lehen zwischen diesem Hofe und dem Schlosse als 
Widern der Kapelle, die Niklas stiften und bauen will. Dr. gehört dann verschiedenen Besitzern, unter denen die Herren von Hof- 
kirchen (1437—1613 bezw. 1640) besonders zu nennen sind. In den böhmischen Kriegen wurde Dr. ganz zerstört, David Christian 
Freiherr von Haffner ließ das Dorf wieder erbauen 
und gründete auch ein Spital und baute 1673 
eine Kapelle in Form des Hl. Grabes in Jerusalem, 
die 1682 und 1689 einen Ablaß erhielt, aber um 
1730 mit dem Spitale aus unbekannten Gründen 
wieder einging. 1694 kam Dr. durch Kauf an 
Stift Altenburg. 

Neben dem Schlosse bestand einst eine eigene Ka- 
pelle zum hl. Georg mit Turm, die nach 1437 von 
Japons aus mit Messen versehen wurde (Geschichtl. 
Beilag. IX 177) und am 19. März 1459 einen Ablaß 
erhielt. Im XVI. Jh. galt sie als Pfarrkirche und 1672 
war sie „herrlich geziert" (Dekanatsarchiv Raabs). 
Nach 1700 war diese Kapelle mit drei Altären und 
vielen Paramenten versehen. 1785 sollte die Kapelle 
erweitert und hier eine Pfarre errichtet werden; doch 
wurde die Pfarre in Ludweis gegründet und die Ka- 
pelle in Dr. außer Gebrauch gesetzt, abgebrochen 
und im Erdgeschosse des Schlosses eine Kapelle 
eingerichtet. Fig. 60 Gutshof Drösiedl von W. (S. 57) 




Drüsiedl. 



Kibenstein 



57 




Fig. 61 Gutshof Drösiedl, Hof (S. 57) 



Schloß, im Besitze des Stiftes Altenburg. Schloß. 

Über die älteren Besitzer siehe oben. In dem Kodex 
14.763 der Hofbibliothek in Wien befinden sich zwei 
Inventare von Dr. von 1611, beziehungsweise 1615. In 
ersterem wird das Schloß mit dem Meierhofe auf 1500 fl. 
geschätzt, im zweiten das Schloß wie dasselbige inwendig 
mit seinen Zimmern, Geweiben, Khellern und andern mehr 
darinnen vorhanden Gemachen und ainem rings umbSchloss 
geführten Graben, Zwinger und Mauer ein- und umbfangen 
und erpaut worden, darinnen ein Herr mit seinen not- 
wendigen Zimbern zu der Bewohnung wohl versehen ist 
etc. auf 2000 fl. angeschlagen. 

Hauptgebäude, vier um einen quadratischen Hof gele- Beschreibung. 
gene gleich gestaltete Trakte, weißlich verputzt, mit 
zwei Hauptgeschossen, mit hohen Fenstern mit Sohl- 
bänken und Sturzbalken, und zwei Sockelgeschossen; 
von einem tiefen Graben umgeben, den jetzt in der Mitte 
der Westseite eine feste Brücke überquert. Diese führt 
zu einem Rundbogenportale in rechteckiger Rahmung 
mit Löchern für die Brückenwinde. Im schadhaften Ver- 
putz Spuren eines monochrom gemalten Ortsteinfrieses 
unter dem profilierten Kranzgesimse. Ziegelsatteldächer 
mit hohen Kaminen (Fig. 60). Fig. 60. 

Die Einfahrt im Westtrakte sowie die Stiegenhäuser mit 
charakteristischen Gewölben vom Ende des XVI. Jhs., 
Netz- und Gratgewölbe mit ornamentierten (übertünchten) 
Bändern eingefaßt. 

Der Hof an der West- und Ostseite in allen drei Geschossen 
in Laubengänge aufgelöst (Fig. 61), alle rundbogig, grat- Fig. 61. 
gewölbt, die beiden oberen des Osttraktes netzgewölbt, das mittlere überdies mit Rosetten und Maskerons 
besetzt. Der unterste Laubengang über kräftigen, vierseitigen Pfeilern auf profilierten, steinernen Deck- 
platten; die Pfeiler an den Stirnseiten als Pilaster fortgesetzt, in dem darüber gelegenen Geschoß als 
Postamente mit einspringenden, dreiseitigen Feldern die Balustrade gliedernd. Diese besteht aus schlanken 
Balustern. Über den Postamenten des ersten und zweiten Geschosses Säulen. 

Im W. vor dem Hauptgebäude großer, rechteckiger Meierhof mit niedrigen Ställen und Nebengebäuden an 
drei Seiten, die mauerartig wirken; der dem Schlosse gegenüberliegende Westtrakt ist von zwei Ecktürmen 
mit leicht überragenden Mansardendächern eingefaßt und enthält in der Mitte einen quadratischen Glocken- 
turm mit Rundbogenfenstern, Zifferblättern und blechgedecktem Glockendache über dem profilierten Kranz- 
gesimse. Die Ostseite des Hofes ist gegen den Graben durch eine zinnengekrönte Mauer abgeschlossen, auf 
der Büsten und Vasen stehen. In der Mitte, dem Schloßportale gegenüber, rundbogiges Hofportal mit Eck- 
bäiidern und Keilstein in rechteckiger Rahmung mit einem Aufsatze, der mit zwei seitlichen Fruchtkörben 
und einer bärtigen Büste in der Mitte bekrönt ist (Anfang des XVIII. Jhs.). In der Mitte des Meierhofes 
ein von vier Bäumen umstandenes (neues) Bassin. Daneben Trümmer einer steinernen, ausgebauchten Bassin- 
brflstung, mit skulpiertem Wappen, das eine Armbrust im Schilde und als Helmzier enthält (Ende des 
XVI. Jhs.). 

Eibenstein 

1. Eibenstein; 2. (U n t e r-) R e i t h 

1. Eibenstein, Dorf 

Literatur: Top. II 515; Scuweickiiardt V 8; Franz X. K'essling, Die drei Thayaburgen, Buchenstem, Eibenstein und Unter- 
Thyrnau; Ders., Kreuz- und Querzüge; Plesser, Kirchen 469; Gcschichtl. Beilag. IX 97; Fahrngruber 42; Alphons 2ak 
in Bl. f. Landesk. 1895, 172—462; 1904, 154. 

Archivalien: Pfarrarchiv mit Matriken und Gedenkbuch (ältere Urkunden im Stifte Geras). 

Prähistorische Funde: Neolithische Einzelfunde: Kugelförmiger Behaustem aus Quarzit, Hammer aus Diorit, Meißel aus 

Serpentin, Spinnwirtel aus Talgstein (Sammlung Kiessung). 
VI 8 



58 



Gerichtsbezirk Raabs 



Allg.Charakt. 



Pfarr- 
kirche. 



Der Ort kommt im zweiten Stiftsbriefe von Geras 1242 vor, der den verloren gegangenen ersten von 1160 bestätigt; sein Alter dürfte 
demnach bis in die Mitte des XII. Jhs. zurückreichen. Der Name des Ortes hängt wahrscheinlich mit einem Ivo oder Ibo zusammen, 
der der Besitzer der am andern Thayarand gelegenen Feste E. gewesen wäre. Der Name eines Geschlechtes, das sich nach E. benannte, 
erscheint 1194 (Riwin und Leopold von Iwenstein. MEILLER, Babenberger-Regesten 7 5 f.) und isi dann bis in die erste Hälfte des 
XVI. Jhs. nachweisbar (Friedrich von E. 1282, Fontes 2, XXI 26); Heinrich von E., 1522—1529, scheint der letzte dieses Ge- 
schlechtes gewesen zu sein. Um diese Zeit war die Burg bereits in andere Hände übergegangen und wurde später definitiv mit der 
Herrschaft Drosendorf vereinigt. Die benachbarten Adelssitze Lechstein und Wickenstein (Vingenstein) sind längst verödet (M.f. 
Landesk. 1903, 175; Bl. f. Landesk. 1899, 337). 

An einer Krümmung der Thaya in einer Talweitung gelegen, von der auf . einem ziemlich steilen Hügel 
gelegenen Pfarrkirche überragt; auf dem hart ansteigenden, felsigen, rechten Thayaufer, vom Nadelwalde 
durchwachsen, die Ruine. 

Pfarrkirche zum hl. Ägidius. 

Die Gründung der Pfarre fällt zumindest in das XIII. Jh., da bereits 1300 ein Petrus Plebanus de E. genannt 
wird (Archiv IX 252). Dieser ältesten Zeit gehört der Chor der jetzigen Kirche in seiner ursprünglichen 
Anlage an; ein rundbogiges Schlitzfenster in stark abgeschrägter Laibung ist vom Sakristeiboden aus sichtbar. 




Fig. 62 Eibenstein, Pfarrkirche, Grundriß 1 : 200 (S. 58) 



Im XV. Jh. wurden mehrere Stiftungen errichtet, so 1439 eine Wochenmesse am St. Katharinenaltare; auch 
erwirkte Wolfgang Müller 1467 und 1475 Ablässe von Rom für jene, welche zum Baue und Schmucke der 
St. Ägidius-Pfarrkirche in E. beitragen. 1494 fand eine Rekonziliation der Kirche statt. Von 1569 bis 1731 
war E. als Filiale der Pfarre Drösendorf zugeteilt. Abt Nikolaus Zandt von Geras stellte 1730 die Kirche 
wieder her, baute neben derselben einen neuen Pfarrhof und sandte nun wieder eigene Seelsorger aus dem 
Stifte dahin (Bl. f. Landesk. 1895, 303, 313, 322, 398). 

Beschreibung. Beschreibung: Im Kerne romanische Anlage mit rundbogigem Schlitzfenster an der Nordseite der 
Chores und der teilweise lesbaren Jahreszahl 12.3 an der Ostwand. Der gegenwärtige Chor aus dem XV. Jh., 
Fig. 62. das Langhaus von 1730, der Turm aus der Mitte des XVIII. Jhs. (Fig. 62). 

Äußeres. Äußeres: 

Gelblich verputzt, mit weißer Gliederung und geringem, grauen Sockel. 

Langhaus. Langhaus: W. Glatte Giebelfront, durch den Turm und Anbau 3 in der Mitte verbaut. — S. und N. 
je zwei gerahmte Rundbogenfenster. 

Chor. Chor: Einspringend; etwas niedriger als das Langhaus. Im S. ein Fenster wie im Langhause. — 0. Glatte 

Giebelfront mit gerahmtem Rundbogenfenster. — N. Verbaut. Schindeldach über Langhaus und Chor. 



Eibenstein 



59 



Turm: In die Westfront des Langhauses eingebaut, quadratisch, durch zwei profilierte Gesimse in drei Stock- Turm. 

werke getrennt. Die Kanten abgeschrägt und etwas vertieft, die Seiten von Lisenen eingefaßt. W. Rechteckige 
Tür in weißer Segmentbogenrahmung mit Keilstein und Ohren, darunter Tropfen. Darüber grahmtes Fenster. 
Im zweiten Stocke rundes, gerahmtes Fenster. Im dritten Stocke an jeder Seite gerahmtes Rundbogenfenster, 
darüber Zifferblatt, um das sich das profilierte Kranzgesims ausbiegt. Schindelgedecktes Zwiebeldach. 

Anbauten: 1. Sakristei, nördlich vom Chore, dessen Ostflucht fortsetzend; gerahmtes Fenster im 0., Anbauten. 

N. von Anbau 2 verbaut. 

2. Totenkammer, nördlich von Anbau 1, mit gerahmter Tür im 0. Schindelpultdach über 1 und 2. 

3. Emporenstiege, südlich vom Turm, westlich vom 
Langhause, von Lisenen eingefaßt; gerahmtes Fenster 
im S. Schindelpultdach. Umfriedungsmauer. 
Der allseits steil abfallende Kirchenhügel ist zum Teil 
mit Futtermauern gestützt, zum Teil mit einer Mauer 
abgeschlossen. Im W. segmentbogiges Haupttor unter 
Flachgiebelabschluß. 

Inneres: Inneres. 

N. Ausgemalt, mit ornamentalem Stukko an der 
Deckenbordüre und am Triumphbogen. 

Langhaus: Kleiner, rechteckiger Raum; über Langhaus, 
profiliertem Gesimse und Kehle Flachdecke mit 
großem Mittelspiegel in profiliertem Kartusche- 
rahmen. Westempore Holz über Flachdecke und 
zwei Säulen. Im N. und S. je zwei kurze Rund- 
bogenfenster. Im W. Segmentbogenöffnung zum 
Turmuntergeschosse. 

Chor: Um eine Stufe erhöht, einspringend, nie- Chor. 

driger als das Langhaus, gegen das er sich in ge- 
rahmtem Rundbogen über Eckbändern öffnet. Ein 
Kreuzrippengewölbejoch mit Blattwerk am großen, 
runden Schlußstein ; die birnförmig profilierten Rippen 
in halber Wandhöhe abgemeißelt. Im S. ein Fenster 
wie im Langhause. Im N. Tür zur Sakristei. An der 
geraden Ostwand (unter dem Altarbilde) die Jahres- 
zahl 12.3. Im N. Sakramentsnische, spitzbogig in 
Rahmung, die sich über den Scheitel fortsetzt und 
in eine Kreuzblume ausläuft. Rechteckiges, weiß- 
getünchtes Eisengitter, darüber in der Lünette ein- 
geblendetes Kleeblattmaßwerk. 




Fig. 63 Eibenstein, Ruine (S. 60) 



Turm 

hauses. 



Untergeschoß, Vorhalle im W. des Lang- Turm. 



Einrichtung: Einrichtung. 

Hochaltarbild an der Ostwand des Chores; öl auf Leinwand; hl. Ägidius, zu seinen Füßen die geflohene 
Hirschkuh, hinter ihr nachstürmende Jäger n'iit Hunden, oben großer Engel und Putten. Bezeichnet : 
Preitsclwpf pinx. 1827 gemalt. 

Seitlich vom Bilde weißgefaßte Holzstatuetten der Hl. Johannes von Nepomuk und Nikolaus mit Buch. 
Mittelmäßige Arbeiten aus der zweiten Hälfte des XVIII. Jhs. 

Seitenaltar; Skulpturenaufbau aus Holz, marmoriert und vergoldet. Über Staffel, die von schräg gestellten 
Volutenkonsolen eingefaßt wird, Aufbau mit seitlichen Pilastern mit Blütengehängen und Deckplatten. Der 
Mittelteil setzt sich in einen Aufsatz fort, der kartuscheförmig gestaltet und jederseits von Volutenbändern 
abgeschlossen wird. In der gerahmten Mittelnische moderne Figur; auf den seitlichen Konsolen polychromierte 
Holzfiguren der Heiligen Joachim und Anna. Um 1760. 

Kanzel: Holz, marmoriert und vergoldet ; viereckig. Die Kanten von übereck gestellten Balustern mit Kanzel. 
Blütengehängen besetzt, von vorladender Deckplatte abgeschlossen. Auf dem Schalldeckel Volutenornament 
und Statuette des hl. Michael. Um 1730. 



60 



Gerichtsbezirk Raabs 



Glocke. Glocke: Bilder, entsprechend der Aufschrift : S. Floriane, S. Aegydi, S. Donate, sanctissima virgo Maria, 

orale p. n. — Gegossen v. Joh. G. Scheichel in Znaym a. 1768. 
Ruine. Ruine: Gegenüber vom Orte am rechten Thayaufer gelegen, über zwei ungebahnte Fußsteige zugänglich, 

Fig. 63 u. 64. sonst steil zum Flusse abfallend (Fig. 63 und 64). Unverputzter Bruchsteinbau. Das rundbogige Hauptportal, 
das in einer rechteckigen Nische mit abgeschrägter Laibung steht, führt in einen schmalen langgestreckten 
Hof. Schief gegenüber von diesem Eingange liegt eine Küche, deren Kaminanlage wohl erhalten ist. Rechts 
vom Haupteingange stehen die Baulichkeiten des Palas, deren Untergeschoß zumeist, deren obere Stock- 
werke stellenweise erhalten sind. Im Untergeschosse mehrere flachbogige Tür- und Fensternischen mit ab- 
geschrägten Laibungen; im ersten Geschoß eine segmentbogige Tür in rechteckiger Nische mit abgeschrägter 
Laibung im S. und vier rechteckigen Schlitzfenstern mit stark abgeschrägten Nischen. Im zweiten Geschosse 
im S. Tür wie im ersten, an den übrigen Wänden sechs steingerahmte rechteckige Fenster in tiefen Flach- 
bogennischen mit abgeschrägter Laibung. Im S. der Berchfrit dreigeschossig von mächtiger Mauerstärke; 
die Südmauer soll 1867 in die Thaya gestürzt sein. An der Ostseite ist die Kapelle an der halbkreisförmigen 
Apsis erkennbar; aus der Kapelle führt eine schmale Tür in einen sie von der Küche (siehe oben) ab- 
trennenden Vorraum. (Genaue Beschreibung und Ausmessung siehe Franz X. Kiessling, Die drei Thayaburgen 
Eibenstein usw., Wien 1895.) 





Fig. 64 Eibenstein, Ruine, Grundriß, 1 : 400 (S. 60) 

2. (Unter-) Reith, Dorf 

Literatur: Kiessling, Drei Thayaburgen; derselbe Kreuz- und Querzüge. 

Prähistorischer Fund: Schön patinierter Schaftlappenkelt von der Flur „Schatzäcker" (2. Bronzezeitalter). Sammlung Kiessling. 

In diesem Dorfe tauschte Kaloch von Eibenstein 1375 vom Abte zu Geras ein Lehen ein. Beide Dörfer, Obern- und Nidern-Reidi, 
verkaufte der Hauser vor 1574 dem Hans Georg Kuefsteiner zu Primmersdorf (Bl. f. Landesk. 1895, 264, 365). 

Ortskapelle. Ortskapelle: Modern; darinnen Bild, Öl auf Leinwand; 92 x 133 cm; der zwölfjährige Jesus im Tempel. 
Geringes lokales Erzeugnis, um 1800. 

Skulpturen. Skulpturen: 1. Holz, polychromiert und vergoldet, Immakulata in Glorie. Erste Hälfte des XVIII. Jhs. 

2. Holz, polychromiert; hl. Johannes von Nepomuk. Anfang des XVIII. Jhs. 

3. Holz, polychromiert; hl. Isidor; stark zurückgebliebene Arbeit vom Ende des XV. Jhs. 

Eilends, Dorf 

Literatur: Top. II 540; Fahrngruber 30. 

Zehente in E. hatten 1455 die Hofkirchen auf Kollmitz zu Lehen (Notizenblatt 1854, 113). 

Kapelle. Kapelle zu den Hl. Florian und Sebastian. 

Gelb angeworfen, mit weißer Lisenengliederung, umlaufendem Sockel und profiliertem Kranzgesims. An den 
Langseiten je ein Segmentbogenfenster; einspringende Ostapsis mit zwei schmalen Fenstern mit Segment- 
bogenabschluß. Ziegelsatteldach, im 0. abgewalmt. Im W. rechteckige, gerahmte Tür, darüber Rundbogen- 
nische mit Statuette (Holz, polychromiert) der Immakulata; darüber breitovales Fenster. 
Über dem Kranzgesims aufgesetzte Giebelmauer mit einer runden und zwei rechteckigen Luken. Aufgesetztes, 
quadratisches Türmchen mit rechteckigem Fenster in jeder Seite. Blechgedecktes Zwiebeldach. 



(Untcr-)Reith. — Eilends. — Orossau 



61 



Marmorierung an den Wänden und der Decke sowie an seitlichen Pfeilern. Ein Flachkuppelgewölbe mit 
Himmelfahrt Christi, unten die Apostel; geringe Malerei. Mitte des XIX. Jhs. In den vorderen Zwickeln 
Blumenkörbe. Westempore mit hölzerner Balustrade über gemauertem Treppentürmchen, jederseits ein breites 
Fenster mit Segmentbogenabschluß. Im W. Tür und breitovales Fenster. Zwei kleine, den ersteren ähnliche 
Fenster in der abgerundeten Ostapsis, über denen je eine Kappe in die Halbkuppel einschneidet. 

Altar: Bildaufbau; Holz, braun marmoriert, mit vergoldeten Ornamenten. Der Mittelteil von seitlichen 
Steilvoluten eingefaßt, auf denen polychromierte Holzstatuetten der Heiligen Sebastian und Florian stehen. 
Über ausladenden Deckplatten Aufsatz mit Auge Gottes in Glorie, seitlich adorierende Engel, zu oberst Wappen 
von Geras. Altarbild : Kruzifixus mit Maria und Johannes. Um 1760. 

Glocken: 1. Joh. Jos. Pfrenger(7) in Wien g. in. 1754 — Herr Dominicus Hajek von Walästetten, Kais. 

Reichslwfratli. 

2. Gegossen von Barbara Korrentsch, Wien 1845. Gestiftet von Frau Rosalia Feidl von Eilends. 



Altar. 



Glocken. 



Grossau 

1. Grossau; 2. Süßenbach 

1. Grossau, Dorf 

Literatur: Top. III 705; Schweickhardt V 155; M. Z. K. 3. F. I 121; Plesser, Ruinen 150; Fahrnoruber 69; Kiesm.iv,. 
Kreuz- und Querzüge. — (Georgenkapelle) Plesser, Kirchen 477. 

Alte Ansicht: Radierung G. M. Vischcr 1672. 

Prähistorische Einzelfunde in der Sammlung Kiessling. 

Die Ortschaft entstand aus zwei ursprünglich getrennten, erst in der zweiten Hälfte des XVI. Jhs. vereinigten Orten, in denen das 
Stift St. Georgen seit seiner Gründung begütert war. Zu Beginn des XIII. Jhs. begegnen wir Adeligen, die sich nach G. nennen. 
Das Geschlecht scheint zu Anfang des XVI. Jhs. ausgestorben zu sein. Auch landesfürstlicher Besitz war in und um G. vor- 
handen. Das ältere Schloß lag an der Thaya auf einem Felsen und diese Gegend wird noch heute „Öden-Großau" genannt. 
Im hiesigen Schlosse ist seit 1865 eine Landes-Ackerbauschule untergebracht (Jahrbuch für Landesk. 1869, 34). 

Pfarrkirche zum hl. Laurenz. 

Bis zum Jahre 1784 war G. nach Raabs eingepfarrt; in diesem Jahr erhielt es seine eigene Lokalkaplanie. 

Eine Kirche bestand hier 1672 (Vischers Abbildung). Sie galt 1765 als öffentliche Kirche und wurde 1784 

zur Pfarrkirche erhoben (Dekanatsarchiv Raabs). 1785 bis 1790 wurde die Kirche gebaut, die Orgel kam 

1789 aus der Friedhofkirche auf der Landstraße in Wien. 1887 kam ein neues Hochaltarbild. 1891 erfolgte 

eine Restaurierung der Kirche. 

Beschreibung: Einfache saalartige Spätbarockkirche mit aufgesetztem Westturme und größtenteils 

moderner Einrichtung (Fig. 65). 

Äußeres: 

Grau verputzt, mit geringem, grau angeworfenen Sockel, umlaufendem Kranzgesimse; Lisenengliederung und 
Rahmung an Türen und Fenstern, mit geringem Ornamente unter den Sohlbänken, weiß. 

Langhaus: W. Rechteckige, gerahmte Tür, darüber ovales Fenster mit vier Keilsteincn: über dem Gesims 
aufgesetzter Turm, an den sich zwei kurze Giebelschenkel anlegen. — S. Tür, darüber kleines Rundbogen- 
fenster, weiter östlich zwei größere, gedrückte Rundbogenfenster. — N. wie S., ohne die Tür; im östlichen 
Teile verbaut. 

Chor: Einspringend; S. größtenteils verbaut. — 0. Dreiseitig geschlossen, mit Fenster wie im Langhause 
in den beiden seitlichen Schrägen. — N. Durch einen geringen Anbau verbaut, darüber Fenster wie oben. — 
Ziegeldach über Langhaus und Chor. 

Tur m : Über dem Westgiebel des Langhauses aufgesetzt, quadratisch, aus einer unteren Staffel mit ovalem 
Fenster im W. und einem von Pilastern gerahmten Hauptgeschoß bestehend; darinnen jederseits rundbogiges 
Schallfenster, über dem das Kranzgesims im Halbkreise ausbiegt. Blechgedecktes Glockendach. 

Anbau: Im S. des Chores. Einstöckig. Sakristei und Oratorium enthaltend. Von den Gesimsen der Kirche 
mitumlaufen. Im W. rechteckige Tür, im S. und 0. zwei Fenster übereinander; im S. gemalte Sonnenuhr. Ziegel- 
dach, in das des Chores übergehend. 
Geringe Anbauten im N. des Chores und Langhauses. 



Pfarr- 
kirche. 



Beschreibung. 
Fig. 65. 
Äußeres. 



Langhaus. 



Chor. 



Turm. 



Anbau. 



62 



Gerichtsbezirk Raabs 



Inneres. Inneres: 

Modern ausgemalt (1903). 

Langhaus. Langhaus: Rechteckiger Turm mit abgerundeten Ecken, jederseits von einem seichten, mit drei Pilastern 
besetzten Mauerpfeiler gegliedert. Darüber profiliertes, um die Pilaster verkröpftes Kranzgesimse. Flachdecke 
über Kehle. Westempore über einem von Gurten gegliederten Klostergewölbe, gegen das Langhaus und gegen 
die Vorhalle unter dem Turme im gedrückten Rundbogen offen. Der westlichste Teil des Langhauses nördlich 
mit eingebauter Stiege. Jederseits ein kleines und zwei größere Rundbogenfenster. Im W. und S. Tür. 

Chor. Chor: Um eine Stufe erhöht, stark einspringend und niedriger als das Langhaus. Durch einen einspringenden 

gedrückten Rundbogen über Deckplatten abgetrennt, die als Gesims um die abgeschrägten Ecken des Chores 
und Langhauses fortgesetzt sind. Entsprechend ist auch der Chorraum von dem dreiseitig abgeschlossenen 
Altarraume abgetrennt. Ein Klostergewölbejoch und ein Abschlußgewölbe. Im N. und in den Schrägen je ein 
Fenster wie im Langhause. Jederseits rechteckige Tür. Sakristei. Südlich vom Chore Klostergewölbe. 



Einrichtung. 



Orgel. 



Modern. 



Einrichtun 



Orgel: Die Pfeifenkästen in grau und rot marmorierter Holzverkleidung, mit vergoldeten, geschnitzten 
Ornamenten und zwei großen musizierenden Engeln. Zweite Hälfte des XVIII. Jhs. 




Fig. 65 Grossau, Pfarrkirche, Grundriß 1 : 200 (S. 61) 



Kasel. K a s e 1 : Aus rotem Samt mit Blumen in Goldstickerei. Zweite Hälfte des XVIII. Jhs. Der Tradition nach 

wurde die Kasel aus dem Brautkleide einer Gräfin Kaiserstein verfertigt. 

Vier Baldachinträger; Holz, polychromiert; an jeder Stange eine dreiseitige, von Steilvoluten eingefaßte 
Laterne; auf dieser Strahlenkranz aus Messing mit versilbertem Relief an beiden Seiten, und zwar jedesmal 
eine hl. Nonne, die einmal das Jesuskind, das andere Mal eine Tafel mit den Buchstaben J. H. S. hält. Erste 
Hälfte des XVIII. Jhs., der Tradition nach aus einem aufgehobenen Wiener Kloster stammend. 

Glocken. Glocken: 1. Durchmesser 70cm (Kreuz, St. Johann von Nepomuk): Jon. G. Jenichen, Krems 1833. 

2. (St. Anton E. [?], Wappen): Ferd. Angerer g. m. in Wien 1780. 

3. (Kreuz, St. Laurentius [?]) : Ig. Begl in Zneymb 1750 g. m. 

Bildstöcke. Bildstöcke: 1. Auf dem Wege gegen Drosendorf. Kapellen^rtiger Breitpfeiler; von hart profilierten 
Pilastern eingefaßte, gerahmte Rundbogenöffnung mit Keilstein, Attika, ausladendem Gebälke und rund- 
bogigem Abschlüsse. Darinnen Statue des hl. Johannes von Nepomuk über Wolken, links und rechts je zwei 
Putten. An den Wänden Spuren von Malereien; Abschluß der Nische durch ein Eisengitter. Um 1730. 
2. Am Südausgange des Ortes; vermauerte Tabernakelsäule auf würfelförmiger Basis mit abgeschrägten Ecken; 
an der Vorderseite Tabernakelnische zwischen zwei Wulstgesimsen mit vier im Kreise angeordneten Giebeln 
und Eisenkreuz. XVII. Jh. 



Grossaii. — Süßenbach. 



Ober-Grünbach 



63 



G e o r g e n k a p e 1 1 e im Grossauer Walde: 

Ruine; eine Viertelstunde nordwestlich von Modsiedl entfernt. 

Am 9. März 1375 belehnte Herzog Albrecht in Wien den Pillung d. Ä. von St. Gilgenberg mit dem Holze 
am St. Georgenberg, wo also schon damals eine Kapelle bestanden haben muß. Urkundlich erscheint die 
Kapelle zuerst 1501. Als die Kapelle verfiel, stellte sie Dechant Johann Simon Prandtner von Raabs 1687 
wieder her und machte 1701 zu ihrer Erhaltung und Vergrößerung eine Stiftung. Auch wurde eine Einsiedelei 
dabei eingerichtet. 1708 strömten zur eremitischen Kirche zum hl. Georg viele Leute zusammen, war die 
Kirche im Chore gewölbt, im Langhause mit Decke versehen und wohnte in der daneben stehenden Hütte 
ein Einsiedler. Vor 1765 wurde die Kirche renoviert (Dekanatsarchiv Raabs). 1746 bis 1748 wurden für 
Reparaturen und Erweiterungen 400 fl. ausgegeben. Die Kapelle wurde 1786 geschlossen, nachdem die Ein- 
siedelei schon 1777 ausgestorben war. 
Die Ruine im Walde über dem Tale der mährischen Thaya gelegen. 

Der Bau aus Backstein mit Ziegeleinlagen war rechteckig, mit eingezogener halbrunder Apsis; die Grundmauern 
sind noch zu sehen, die westliche Giebelwand fast ganz erhalten. In dieser rechteckige Öffnung (Tür «»der 
Fenster [?]), darüber schmales hohes, rundbogig geschlossenes Fenster, das möglicherweise auf eine ältere 

Anlage deutet. 

Ehemaliges Schloß. 

Bildete sich wahrscheinlich aus jenem Hofe, welcher 1360 mit Bewilligung der Herrscha/t Drosendorf mit einem Graben umfangen 
wurde (Geschichtl. Beilag. VIII 281). Er gehörte damals dem Ritter Konrad von Weitra, während die Grossauer auf der Feste an 
der Thaya hausten. Im XV. Jh. folgten hier die Kling und Krumicher. Von den folgenden Besitzern seien die Andlau 1689 — 1790 
besonders hervorgehoben. Zu ihrer Zeit bestand 1708 auch bereits die Schloßkapelle mit Meßlizenz, die 1784 zum Privat- 
gebrauche der Herrschaft belassen wurde (Dekanatsarchiv Raabs). Franz Josef Freiherr von Andlau ließ 17-5S nächst dem Dorfe G. 
auf dem Wege nach Raabs ein Kreuz aufrichten und verpflichtete sich, dasselbe zu erhalten (Pfarrarchiv Raabs). 

2. Süßenbach 

Literatur: Plesser, Kirchen 363. 

Prähistorischer Fund: Frühgeschichtliche Wohnstelle. 

Ulrich Grossauer von Grossau erhielt 1372 die Hardeggschen Lehen in diesem Dorfe. Es ging durch viele Hände, bis es in der 

zweiten Hälfte des XVII. Jhs. mit Grossau vereinigt wurde. 1438 und 1456 wird eine Kirche in S. erwähnt, über die alle sonstigen 

Nachrichten fehlen (Landesarchiv in Wien, Urkunde, Nr. 4698). 

Kapelle: 

Äußeres: Gelb gefärbelt, rechteckig mit Lisenengliederung; seitliche Segmentbogenfenster, einspringende 
Apsis; vorgelagerter Westturm, durch zwei profilierte Gesimse in drei Geschosse gegliedert, die sich nach 
oben verjüngen; im Untergeschosse Tür, darüber Rundbogenfenster, im zweiten Geschosse Rundfeld, herum 
vier diagonal gestellte Palmetten, im dritten Stocke jederseits ein rundbogiges Schallfenster; blechgedeckte 
Kuppel. Um 1840. 

Inneres: Gratgewölbt. 

Einrichtung: 

Altar: Holz, schwarz, mit Vergoldung, von Pilastern flankiert, über dreiteiligem Gebälke Baldachin zwischen 
Figürchen; seitlich angesetztes geschnitztes Ornament, Voluten, Blattwerk, Rosettengitter. Anfang des 
XVIII. Jhs. 

Skulptur: Gnadenbild aus Wachs, bekleidet, Madonna mit dem Kinde; in verglastem Schreine, schwarz 
mit Gold, mit angesetztem, geschnitzten Ornamente in flamboyanten Formen. Um 1750. 

Bildstock: Weg nach Weikartschlag; in moderner Ortskapelle Doppelwappen aus Stein in Voluten- 
rahnumg. Datiert 1689. 

Ober-Grünbach, Dorf 

Archivalien: Pfarrarchiv mit Kirchenrechnungen seit 1641, Matriken seit 1676, Urbar von 1664 nach dem Urbar von 1561. 
Literatur: Top. III 738; Pfarrer Pius Schönbauer in Geschichtl. Beilag. V 320— 347; Fahrngruber 144; Geschichtl. Beilag. IX 128; 

M. W. A. V. 1896, 67. 
Um 1380 bestand im Orte ein landesfürstlicher Lehenhof. Im Dreißigjährigen Kriege wurde die Gegend, besonders 1619 und 1645, 
hart mitgenommen, ebenso 1679 von der Pest schwer heimgesucht. 



Georgen- 
kapelle. 



ehemalige* 
Schloß. 



Kapelle. 
Äußeres. 



Inneres. 
Einrichtung. 

Altar. 



Skulptur. 
Bildstock. 



64 



Gerichtsbezirk Raabs 



Pfarr- 
kirche. 



Beschreibung. 



Pfarrkirche zum hl. Vitus. 

Der Ort erscheint bereits im XIV. Jh. als selbständige Pfarre, deren Verleihung dem Landesfürsten zustand. 
Im XV. Jh. ist sie mit Raabs vereinigt. Im XVI. Jh. ist Gr. größtenteils protestantisch. Kaiser Ferdinand II. 
ließ die Pfarre wieder herstellen und mit katholischen Priestern besetzen. Damit wurden 1630 Münichreith 
(bis 1810) und Speisendorf (bis 1784) vereinigt. Pfarrer Johann Christoph Scholz (1764 — 1767) war von seiner 
früheren Pfarre Abersdorf in Schlesien durch den König von Preußen vertrieben worden, weil er Gedichte auf 
Maria Theresia gemacht hatte. Die Kirche hatte 1672 drei Altäre und war in gutem Baustande. Um 1710 
wurde der Pfarrhof gebaut; 1765 heißt es: Die Kirche sei alt und klein (Dekanatsarchiv Raabs). 1783 
entstand in derselben durch Blitzschlag ein Brand und wurden darauf Oratorien und Turm gebaut. Am 
30. Mai 1865 verwüstete ein Brand den Ort mit 30 Häusern, Schule und Pfarrhof und auch die Kirche; 
der Turm stürzte ein, die Glocken schmolzen, Altäre, Kanzel, Orgel und Monstranz gingen zugrunde, nur 
zwei Kelche wurden mit Lebensgefahr aus der Sakristei gerettet. Der erhobene Schaden belief sich auf 
64.500 fl. Da die Kirche, welche nur 400 Personen aufnehmen konnte, zu klein war, beschloß man, sie 
wesentlich zu vergrößern, wodurch die Kosten um 3000 fl. erhöht wurden. Der Bau kam 1868 zu- 
stande unter Leitung des Baumeisters Franz Hornek von Waidhofen an der Thaya und kostete ungefähr 
12.000 fl., wovon 3300 fl. durch Sammlung aufgebracht wurden. Am 9. Juni 1869 konsekrierte Bischof Josef 
Feßler von St. Polten die unvollendete Kirche mit dem Hauptaltare zum hl. Vitus, welchen nebst der Kanzel 
der akademische Bildhauer Anton Kargel in Wien hergestellt hatte. Auch Glocken und Orgel mußten neu an- 
geschafft werden. Der Aufbau des Seitenaltars wurde 1871 vom Tischler Anton Schlögl in O.-G. verfertigt 
und vom Maler Albert Ketterer in Alberndorf staffiert und mit Bildern des hl. Sebastian und hl. Rochus 
versehen. 

Beschreibung: Spätgotische dreischiffige Basilikaanlage mit einspringendem Chore und Ostturme. 
Durch starke Modernisierung und ganz moderne Einrichtung um die ursprüngliche Wirkung gebracht. 



Äußeres. Äußeres: 

Modern verputzter Bau. 

Langhaus. Langhaus: W. Giebelfront mit Mitteltür, darüber Rundfenster, südlich zwei Spitzbogenfenster, da- 
zwischen Spitzbogentür, östlich eingebaut der Turm; im N. drei Spitzbogenfenster; westlich davon setzt ein 
Anbau die Flucht fort. 

Chor. Chor: In fünf Seiten des Achteckes geschlossen, an den Kanten Strebepfeile;, vier Spitzbogenfenster, das 

östliche vermauert. Ziegelsatteldach über Langhaus, Chor und Anbauten. 

Turm. Turm: Im 0. des Langhauses eingebaut, zweigeschossig, mit gekuppelten Spitzbogenschallfenstern und 

Schieferdach. 

Umfriedungs- Umfriedungsmauer: Östlich Portal: Zwei Mauerpfeiler, auf deren Ziegelabschluß Steinstatuen 
mauer. der Hl. Sebastian und Vitus stehen. Anfang des XVIII. Jhs. 



inneres. Inneres: 

Modern ausgemalt. 

Langhaus. Langhaus: Dreischiffig; das Mittelschiff etwa doppelt so breit und bedeutend höher als die Seitenschiffe, 
mit denen es jederseits durch zwei hohe und einen niederen Spitzbogen (unter der Empore) kommuniziert. 
Im Mittelschiffe drei Sterngewölbejoche, in den Seitenschiffen je drei Kreuzrippengewölbejoche. Die Rippen 
über runden, spitz zulaufenden Konsolen. 

Hölzerne Hölzerne Westempore: Darunter Tür. In den Seitenschiffen je drei, beziehungsweise zwei Spitz- 
Westempore, bogenfenster und eine Tür. 

Chor. Chor: Ein schmales, rechteckiges Kreuzrippengewölbejoch zwischen zwei einspringenden, abgerundeten 

Spitzgurten; östlich davon der Chor in Breite und Höhe des Mittelschiffes, mit einem um eine Stufe er- 
höhten, in fünf Seiten des Achteckes geschlossenen Altarraum; ein Sterngewölbe und ein Abschlußgewölbe. 
Im N. Tür, darüber zwei Oratoriumfenster, im S. große, gedrückte Rundbogenöffnung zu einem Erweiterungs- 
bau, darüber breites Oratoriumfenster. In den Schrägen und im S. des Altarraumes hohes Spitzbogen- 
fenster (das östliche vermauert). 



Ober-Grünbach. — Kollmltzgraben 



65 



Einrichtung: Einrichtung. 

Modern. 

Grabsteine: In dem Zementpflaster unter der Empore ist eine Steinplatte mit einigen Buchstaben Grabsteine. 

sichtbar : RT. USflDIEf..— XIV. Jh. 

Im Erweiterungsbau südlich vom Chore im Fußboden graue Steinplatte: Jose/ Strehle, Pfarrer von Ober-G. 1738. 

Bildstock: Über achtseitigem Sockel Säule, in gekehltes Kapital übergehend, an dessen Vorderseite Bildstock. 
ein verwitterter Wappenschild zu sehen ist; vierseitiger Tabernakel mit Kielbogenöffnung an der Vorderseite. 
Die innere Nische mit Kreuzrippengewölbe. Vierseitiges Steindach mit Eisenkreuz. XVI. Jh. 




Fig. 66 Ansicht der Ruine Kollmitzgraben 
nach der Vischerschen Radierung von 1672 (S. 65) 



Kollmitzgraben, Dorf mit Schloßruine 

Literatur: Top. V 303—314; Schweickhardt IV 63; Plesser, österr. Burgen, III 97—108; M. Z. K. 1882, S. CXV. 

Alte Ansicht: Radierung von G. M. Vischer 1672 (Fig. 66). — Kolorierter Stich von A. Kopp von Felsenthal 1814. — Stich Fig. 66. 

von Hummitzsch nach Collar 1840. 

Prähistorische Funde: Fundstücke in der Sammlung Kiessling. 

Diese bedeutende Burg erscheint erst gegen Ausgang des XIII. Jhs. und hatte 1362 auch das Landgericht mit Stock und Galgen. 
Als 1451 Jursik von Puedebuat und Golijzet mit großem Volke in Österreich einfallen wollte, schloß Hans Ho/kircher au/ Kotlmitz 
mit den Herren von Velait und Pernslein einen Bund und mahnte auch die Städte Krems und Stein, sich mit den Herren, Rittern 
und Städten zur Abwehr zu rüsten (Stadtarchiv Krems). Laurenz Hofkircher nahm 14S1 böhmische Söldlinge in diese Burg auf. 
1620 war Kotlmitz mit kaiserlichen Truppen besetzt. Die Ho/kircher besaßen vom Anfange des XV. Jhs. bis zur Konfiskation 
wegen Rebellion im Jahre 1620 diese Burg, welche 1642 von der Lehenschaft befreit wurde. 1693 — 7705 gehörte sie dem Kloster 
Pernegg; das hier auch eine Kapelle hatte und ging dann an die Gutsbesitzer von Raabs über, welche sie verfallen ließen (Bl. für 
Landesk. 1901, 196). Nach 1800 wurden die Dächer abgetragen und die Böden und Decken eingeschlagen, um der Hausklassensleuer 
zu entgehen (KIESSLING, Poigreich, 79). 

R u ine: Sehr ausgedehnte Anlage (Fig. 67), deren ursprünglicher Kern der nordöstliche Berchfrid mit dem Ruine, 

angeschlossenen Gebäude gewesen sein dürfte. Die volle Ausdehnung der mittelalterlichen Anlage als unregel- Fig. 67. 
mäßiges, gegen NW. zugespitztes Rechteck ist gut erkennbar, während die östlichen Gebäude erst jüngeren 
Datums sind. Vgl. die Abbildung bei Vischer (Fig. 66). 

An einem scharfen Knie der Thaya gelegen, zu der der von W. her zugängliche Burghügel an den drei 
anderen Seiten steil abfällt; die Zufahrtstraße ist von starken Subkonstruktionen getragen und von zwei 
kräftigen, schrägen Pfeilern gestützt. Man betritt die Burg, deren gut erhaltene, hie und da mit Backsteinen 
ausgeflickte Bruchsteinmauern Reste von Verputz zeigen, durch einen an der Südwestecke gelegenen, 
nach außen halbrund vortretenden Torturm; das quaderngefaßte Spitzbogentor ist mit Resten von Krabben 
besetzt, darüber Windenlöcher und steingerahmte Luken. Im Innern des Turmes sind die Balkenlöcher von 
zwei Zwischendecken erkennbar sowie die inneren, sich sehr erweiternden Öffnungen der Fensterluken gut 
sichtbar. Die Öffnung gegen den Hof ist rundbogig. 

VI 9 



66 



Gerichtsbezirk Raabs 




Kollmitzgrabcn 



67 



Der große Burghof steigt gegen N. mit glatten Felsblöcken ziemlich stark an; an der Südseite liegt ein 
langgestrecktes Gebäude, von dessen hofseitigen Mauern nur Reste erhalten sind, während sich die Außen- 
mauern mit rechteckigen Fenstern und Luken in gutem Zustande befinden. Am Ostende des Gebäudes ist 
auch ein Teil der Innenmauer gut erhalten und zeigt Quaderung in Verputze; gegenüber ein halbrund vor- 
tretender Mauerturm mit schmalen, nach innen sich stark erweiternden Nischen und einem großen, recht- 
eckigen Fenster, von dessen gotisch profilierter Steinrahmung ein Stück erhalten ist. 
An der Nordseite des Hofes liegt, mit dem Eingangsturme durch eine hohe, gut erhaltene Wehrmauer ver- 
bunden, ein großes, regelmäßiges, rechteckiges Gebäude, dessen vier aufrecht stehenden Hauptmauern die 




Fig. 68 Kollmitzgraben, 
Blick auf den Berchfrid und die östlichen Teile der Burg (S. 67) 

Balkenlöcher einer Zwischendecke, Türen und Fenster sowie die Widerlager des Dachstuhles erkennen lassen 
(Fig. 69). Nördlich schließt sich unmittelbar ein halbrunder Mauerturm mit Balkenlöchern und Schlitzen Fig. 69. 
an. Jenseits von ihm setzt sich die Wehrmauer — an der Innenseite zur Aufnahme eines Wehrganges ab- 
geschrägt — fort und endet bei dem, die Nordwestecke bildenden, sehr kräftigen Rundturm (Fig. 69), dessen 
oberstes verjüngtes Geschoß durch eine in der Höhe der Wehrmauer angebrachte, jetzt nur mittels einer 
Leiter zugängliche, steingerahmte Spitzbogentür zugänglich ist; über der Tür steingerahmtes Fenster. Von 
diesem Turme führt die hier ziemlich niedrige Wehrmauer in südöstlicher Richtung zu einem runden Berch- 
frid, aus dessen Zinnenkranz ein Baum aufsteigt (Fig. 68). An diesen Turm lehnt sich ein niedriges, unregel- Fig. 68. 
mäßig gebrochenes Gebäude mit rechteckigen, steingerahmten Fenstern und tonnengewölbten Räumen. 

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68 



OerichtshczirU Raabs 













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Fig. 69 Ruine Kollmitzgraben, Gebäude an der Nordseite des Hofes und Nordwestturm (S. 66) 




Fig. 70 Böhmische Mauer bei Kollmitzgraben (S. 69) 




Fig. 71 Böhmische Mauer, Grundriß 1 : 1000 (S. 69) 



Kollmitzgraben. — Luden 



69 



Südlich davon ein rechteckiges Gebäude, das den Burghof gegen 0. abschließt; an seiner Westseite stein- 
gerahmte Rundbogentür, darüber drei Steinkonsolen als Träger eines ehemaligen Erkers (siehe Fig. 66); ein 
ähnlicher, dessen Konsolen gleichfalls noch vorhanden sind, befand sich an der Südseite des Gebäudes. Durch 
den tonnengewölbten Hauptraum dieses Gebäudes gelangt man in den östlichen Teil der Burg, dessen 
Südmauer zum Teil abgestürzt ist, an dessen Nordseite und Ostende sich zahlreiche Reste von Backstein- 
mauern mit rechteckigen Türen und Fenstern in Segmentbogennischen, mit Resten von Verputz und weißer 
Stuckierung vom Anfange des XVIII. Jhs. befinden. Diese Gebäude dürften erst der Zeit des Pernegger 
Besitzes (um 1700) ihre letzte Gestalt verdanken; allerdings befanden sich bereits früher an ihrer Stelle Bauten, 
wie die — diesmal sehr zuverlässige — Vischersche Abbildung zeigt. 

Böhmische Mauer: Etwa fünf Minuten westlich von der Ruine befindet sich die „böhmische Mauer" 
(Fig. 70 und 71), eine zirka 160 m lange Befestigungsmauer aus Bruchstein mit unregelmäßigen, rechteckigen 
Zinnen. An den beiden Enden und in der Mitte springt je ein überragender, nach innen offener Turm recht- 
eckig vor; im mittleren ein Spitzbogentor in Quadernrahmung mit Windenlöchern. Die Innenseite tritt mit 
einer kräftigen Abstufung als Wehrgang vor. Jenseits des südwestlichen Turmes setzt sich die Mauer 
noch ein kurzes Stück fort und bricht dann über dem jäh zur Thaya abfallenden Felsen ab. 



Böhmische 

Mauer. 

Fig. 70 u. 71. 



Liebenberg s. Aigen 



Liebnitz s. Speisendorf 



Lindau s. Oberndorf 



Luden, Dorf 
Gaberkirche 

Literatur: Plesser in Bl. f. Lanclesk. 1900, 473; Kiessling, Denkstätten deutscher Vorzeit im Waldviertel, 1891, S. 26. 

Prähistorischer Fund: In der Nähe des Dorfes ein unter dem Namen „Schanzgraben" bekannter ringförmiger Tumulu* 
(Kiessling, Denkstätten). 

Vielleicht an Stelle einer älteren Verschuldung entstand hier eine kleine Feste, auf welcher ein danach benanntes Geschlecht 1327 
bis 1405 erweisbar ist. Die Feste war 1551 bereits öde und ging damals an die Gemeinde Luden über. Die Kapelle blieb noch 
längere Zeit aufrecht. 

Beschreibung: Ruine einer einschiffigen, gotischen Kirche aus der ersten Hälfte des XV. Jhs., mitten Beschreibung. 
im Walde gelegen, von überaus malerischer Wirkung, besonders des ganz von Ebereschen durchwachsenen 
Innenraumes (Fig. 72). Fig. 72. 



Äußeres: 

Bruchsteifibau mit Spuren vom Verputze. 

Langhaus: Westwand zum Teil erhalten, mit 
segmentbogiger Türöffnung; Südwand vollständiger, 
mit einem westlichen, quadratischen, steingefaßten 
Fenster und einem östlichen, schmalen, spitzbogigen, 
mit einspringenden Nasen; darüber zwei segment- 
bogige Öffnungen. Von der Nordmauer nur die 
Grundmauer erhalten. 

Chor: Einspringend, in fünf Seiten des Achteckes 
geschlossen. Die Südwand mit einem Spitzbogen- 
fenster wie im Langhause (ohne die seitliche Stein- 
rahmung) und die Südost- und Ostschräge erhalten, 
darin je ein breites großes Spitzbogenfenster mit 
Steinmaßwerk. 

Inneres: 

Der Ansatz von drei zusammengefaßten Rippen in 
der Mitte und zwei einzelnen in den Ecken der Süd- 
wand erhalten. Reste des Triumphbogenansatzes. 
Im Chore an den Kanten Rippenansätze und Reste 
der Wölbung. 

Östlich von der Kirche, isoliert, Rest einer hohen 
Bruchsteinmauer (Umfriedungsmauer [?)). 




Äußeres. 



Langhaus. 



Chor. 



Inneres. 



Fig. 72 Gaberkirche (S. 69) 



70 



Derichtsbezirk Raabs 



Ludweis, Markt 

Literatur: Top. V 1056; Burger 133, 223; Fahrngruber 119; Plesser, Kirchen, 523; Geschichtl. Beilag. IX 177. 

Archivalien: Pfarrarchiv mit Matriken seit 1784 und Gedenkbuch. 

Der Name erscheint 1242 zuerst als Ludwigs und ist von einem Ludwig abzuleiten (Archiv 1849, S. 18). Der Ort bildete einst ein 
eigenes Gut mit einem Schlosse, von welchem heute nicht einmal der Platz angegeben werden kann. Als erste Besitzerin erscheint 
Frau Hadeweich von Schauenberg, die es 1300 dem Heinrich von Wallsee verkauft. In der Folge teilt es die Besitzer und Schicksale 
von Kollmitz (siehe dort). Am Anfange des XVI. Jhs. wurde das Schloß in L. aufgelassen, das seither, wie gesagt, spurlos ver- 
schwand. 1481 hatten die böhmischen Soldaten eine Schanze aufgeworfen (LINK, Annalen II 263). 1825 vernichtete ein Brand die 
eine Seite des Ortes, darunter auch Pfarrhof und Schule. 1867 brannten abermals 20 und 1870 wieder 18 Häuser ab. 

Allg.Charakt. Längenort aus einem oberen und einem unteren Teil bestehend; die beiden Häuserzeilen erweitern sicli in 
der Mitte zu einem Ortsplatze, in dessen Mitte eine kleine Häuserinsel durch das Rathaus mit dem angebauten 
Spritzenhause gebildet ist. Vor dem Rathause steht der Pranger, etwas weiter östlich die Johannes-von- 
Nepomuk-Säule. 

Pfarrkirche zum hl. Ägidius. 

In kirchlicher Beziehung gehörte L. ehemals zur Pfarre Japons. Die hiesige Kapelle wurde laut Urkunde von 
1242 wahrscheinlich schon um 1155 dem Stifte Geras übergeben. Da sie jedoch innerhalb der Feste lag und 
diese daher in Kriegszeiten nicht gut verschlossen werden konnte, erbaute Weichart von Winkel außerhalb 
der Burg eine neue Kapelle, die er 1353 dem Abte von Geras übergab. Nach 1437 wurde hier von den 
Dressidlern ein Kaplan gestiftet (Geschichtl. Beilag. IX 177). Noch 1544 war diese Stiftung besetzt, aber 
bald darauf zogen sie die Hofkircher an sich und die Strein überließen sie um 1600 an lutherische Prädikanten. 
1786 wurde hier eine eigene Lokalie vom Stifte Altenburg als Besitzer der Güter Ludweis-Drösidl errichtet. 
Aus dem herrschaftlichen Meierhofe wurde nun Pfarrhof und Schulhaus. Die Kirche erhielt 1835 eine neue Orgel. 

Beschreibung. Beschreibung: Verbindung eines gotischen Chores mit einem spätbarocken Langhause mit Westturm. 



Pfarr- 
kirche. 



Äußeres. Äußeres: 

Gelb verputzt. 

Langhaus. Langhaus: W. Giebelfront mit vorgebautem Turme und südlich davon angebauter Emporenstiege. — 
S. und N. je zwei Segmentbogenfenster; N. zum Teil durch - den Anbau verbaut. Ziegelsatteldach. 

Chor. Chor: Einspringend, niedriger als das Langhaus, in fünf Seiten des Achteckes gebrochen. Im S. Fenster 

wie im Langhause. Im N. Sakristeianbau. Abgewalmtes Ziegeldach. 

Turm. Turm: Westlich vor dem Langhause, dessen Hauptportal enthaltend. Dieses ist rechteckig in Steinrahmung 

mit Tressen, zwei Wappenschilden und Jahreszahl 1655. Darüber zwei rechteckige Fenster, oben jederseits 
Rundbogenschallfenster. Modernes Blechdach. 

Anbau. Anbau: Nördlich vom Langhaus und Chor, rechteckig, mit Tür im N. und Fenster im 0. Modernes 

Ziegeldach. 
Inneres. Inneres: 

Einfach ausgemalt. 

Langhaus. Langhaus: Rechteckig, flachgedeckt mit hölzerner Westempore und je zwei Segmentbogenfenstern im 
N. und S., Segmentbogentür im W. 

Chor. Chor: Um eine Stufe erhöht, einspringend, in gedrücktem Rundbogen offen; abgerundet mit Halbkuppel- 

gewölbe mit einspringenden Zwickeln. Fenster im S. und Tür im N. 

Anbau. Anbau: Nördlich von Langhaus und Chor, rechteckig, flachgedeckt. 



Einrichtung. Einrichtung: 

Hochaltar. Hochaltar: Holz, Tabernakel mit zwei Putten und Engeln über der Mensa. Um 1700; 1900 restauriert. 
Darüber Altarbild, hl. Ägidius in Halbfigur. Anfang des XIX. Jhs. 

Gemälde. Gemälde: Dreiseitig geschlossen, Öl auf Leinwand, hl. Josef, sterbend, zwischen Maria und Christus, 
mehrere Putten. Zweite Hälfte des XVII. Jhs. 



Ltidwels. — Modsicdl. — Lindau 



71 



Tauf st ein: Holz, marmoriert, mit geringen Empireornamenten. Ende des XVIII. Jhs. 

Glocken: 1. (S.Maria): Ferdinand Drackli g. m. in Krembs 1737. 

2. (S. Maria): Gegossen bei Barbara Korrentsch in Wien 1845. 

3. (Taufe Christi): Joannes, Maria et Anna Dauber dono obtulerunt 1845 — gleichfalls gegossen bei B. Kor- 
rentsch. 

Bildstöcke: 1. Auf dem Hauptplatze; Pranger; über runder Basis achtseitiger Pfeiler, der mit einem 
Gesims in einen verjüngten übergeht (gemauert, grau verputzt). Darauf Sandsteinfigur eines Offiziers in 
Rüstung, das gezogene Schwert in der Rechten, zur Linken ein Schild. 1706 errichtet. 
2. Auf prismatischem Sockel Säule aus grauem Sandstein, mit Blattkapitäl, darauf Figur des hl. Johannes 
von Neponnik. Anfang des XVIII. Jhs. 



Taufstrin. 
Glocken. 



Bildstöcke. 



Modsiedl, Dorf 

Literatur: Top. VI 699. 

In M. erwarb um 1112 das Stift St. Georgen an der Traisen Zehente; auch Geras und der Landesjürst waren hier begütert. 

Ortskapelle: Erbaut 1765 (Konsistorialarchiv St. Polten). Rechteckiger Bau mit einspringender, halb- 
runder Apsis und vorgelagertem Westturme. Auf dem Altare Kreuzigungsgruppe, Holz, polychromiert und 
vergoldet; österreichisch. Datiert 1767. 

Bildstock: An der Straße nach Grossau; Tabernakelpfeiler aus Sandstein; in den abgefasten Kanten 
vertikaler Rundstab. Über profilierter Deckplatte Tabernakel mit Pyramidenstumpfdach mit Kreuz. XVII. Jh. 

Niklasberg s. (Unter-)Pertholz 



Ortskapelle. 



Bildstock. 




Fig. 73 Obemdorf (Raabs), 
Ansicht von 1672 nach der Radierung von G. M. Vischer (S. 72) 



Oberndorf bei Raabs 

1. Lindau; 2. Oberndorf bei Raabs 

1. Lindau, Dorf 

Literatur : Top. V 1000; (Münzfund) M. Z. K. 3. F. VII 155. 

Münzenfund: Hier wurden 1908 in einem Walde 168 Goldmünzen aus der Zeit des Dreißigjährigen Krieges gefunden (Reichspost 
vom 17. April 1908). 

Der Ort kam um 1112 an das Stift St. Georgen. Außer diesem erscheint 1369 die Grafschaft Litschen hier begütert. Auch nannte 
sich ein adeliges Geschlecht nach L. (Rapot von Linda 1204 urkundlich genannt). Seit dem XVI. Jh. gehört L. zur Herrschaft Raabs. 



72 



Gerichtsbezirk Raabs 



Kapelle. Ortskapelle von 1824: Modern gefärbelter, rechteckiger Bau mit einspringendem, halbrunden Ostab- 
schlusse und eingebautem Westturme. Im S. und N. je ein flachbogiges Fenster, im 0. ein kleines Rund- 
fenster. Abgewalmtes Satteldach. Im Turme jederseits rundbogiges Schallfenster, im W., über der rechteckigen 
Haupttür, Rundfenster. Schindelzwiebeldach mit Knauf und Kreuz. 

Inneres. Inneres: 

Flachgedeckt, weiß gefärbelt, der halbrunde Ostabschluß um eine Stufe erhöht. 

Gemälde. Gemälde: Öl auf Leinwand. 1. Madonna mit dem Kinde auf einem Throne sitzend. Kopie des XIX. Jhs. 
nach einem Gnadenbilde des XVI. (eine ältere Kopie desselben Gnadenbildes befindet sich in der Kapelle 
in Hollenbach). 
2. Maria Magdalena. Lokale Arbeit vom Anfange des XIX. Jhs. 




Fig. 74 Oberndorf (Raabs) mit der Pfarrkirche (S. 73) 



Fig. 73. 



2. Oberndorf, Dorf (mit Pfarrkirche) und Schloß Raabs 

Literatur: Geschieht!. Beilag. 1271—319; IX 219—229; Sommerfrische Raabs; Tschischka 105; Reil 189 ff.; Schmidls öster- 
reichische Blätter für Literatur und Kunst, 1847, 665 ff., 688 ff., 709 ff., 713 f. siehe auch unter Raabs. — (Gemälde 
im Schlosse) Chmel, Der österr. Geschichtsforscher, II 577 — 586. 

Archivalien: Pfarrarchiv Raabs mit Matriken vom XVII. Jh. an, Gedenkbuch und Urkundenbuch (bis 1345 hinauf) von Pfarrer 
Anton Seelhammer 1830 und Urkunden. — Schloßarchiv Raabs mit Grundbüchern von 1550 an und Protokollen und 
Urkunden von 1545. 

Alte Ansichten: 1. Radierung von G. M. Vischer 1672 (Fig. 73). — 2. Kolorierter Stich von L. Janscha um 1800. — 3. Kolo- 
rierter Stich von 1814 in Kopp von Felsenthal, II. Band. — 4. Aquarell von Hauptmann Viehbock um 1815 (Wien, 
Landesarchiv D XXII 282). — 5. Aquarell um 1825 (daselbst D XXII 5). — 6. Aquarellierte Bleistiftzeichnung um 1830 
(daselbst D XXII 6). — 7. (Spitalskirche) Tuschzeichnung von Johann Schindler um 1825 (daselbst G XXXVIII 321). 

Funde: Angeblicher Fund eines Steinhammers beim Gasthaus Eder; Aufbewahrungsstelle unbekannt. 



Oberndorf bei Raabs 



73 



Dieser Vorort zu Raabs wird 1229 als Sitz eines ritterlichen Geschlechtes (Konrad von Oberndorf) genannt (Fontes III 111). Das 
Freihaus bestand noch 1701 und führt heute Nr. 24. Dazu gehört gegenwärtig auch die Anhöhe mit der Pfarrkirche, Pfarrhoj und 
Schule und dem Schlosse Raabs, welches 1366 als „Raabs auf dem Berge ober dem Markte" erscheint (Geschichtl. Beilag. IX 221), 
ebenso die darunter an der Straße gelegene Häuserreihe, genannt „die Kette". Diese Häusergruppe bildete einst mit dem Schlosse 
ein befestigtes Bollwerk zum Schutze des Thayaüberganges am rechten Ufer, entsprechend dem gleichfalls befestigten Markte jenseits 
des Flusses. Ein Tor beim herrschaftlichen Schaukasten bestand bis 1X77 und je eines beim Pfarrhofe und der Spitalkirche bis 
1869 (Sommerfrische Raabs 55). Größere Brände waren 1718, wobei auch der Pfarrhof mit dem Archive vernichtet wurde, und 
1735 (a. a. O. 86). 

Von der im' Ortsgebiete auf einer Anhöhe über der Thaya gelegenen Feste Widersberg sind nur mehr spärliche Reste zu sehen (Bl. f. 
Landesk. 1899, 340; M. f. Landesk. 1904, 183). 

Oberndorf liegt am rechten Thayaufer und bildete von alters her mit dem gegenüberliegenden Raabs eine 
Einheit, jetzt auch eine aufblühende Sommerfrische. Den ganzen Ort dominiert das Schloß, dessen Hügel 




Allg.CharakL 



Fig. 75 Oberndorf (Raabs), Pfarrkirche, Grundriß 1 : 300 (S. 75) 



nach drei Seiten steil abfällt, während von W. her die Zufahrt erfolgt. An der am Burghügel hinanfüh- 
renden Straße zieht sich der Ort entlang, an dessen oberem Ende die stattliche Kirche mit den zugehörigen 
Gebäuden gelegen ist (Fig. 74). 

Pfarrkirche zu Mariae Himmelfahrt. 

R. ist eine der ältesten Pfarren der Diözese St. Polten; wahrscheinlich fällt ihre Errichtung schon in die 
Zeit der ersten Babenberger. Dementsprechend war das Gebiet der Pfarre noch im XVII. Jh. sehr groß und 
umfaßte bis zu 33 Ortschaften. Als erster bekannter Pfarrer von Ragicz wird ein Marchward 1189 gelesen 
(0. Ö. U. B. II 419). König Ottokar von Böhmen wendete das Patronat der Pfarre mit der Grafschaft 
Rnkz 1268 dem Wocko von Rosenberg zu. An den Pfarrer Ortolf von Toppel erinnert noch die Turmglocke 
von 1343. Im XV. Jh. wurden folgende Stiftungen errichtet : 1418 ein Kaplan am St. Peter- und Paulaltare 
auf der rechten Abseite der Unser-Frauen-Pfarrkirche, 1472 ein Jahrtag zur Gottesleichnamszeche und 1493 
eine Frühmesse auf dem Unser-Frauen-Altare, wobei auch ein Katharinenaltar genannt wird. 1526 erscheint 
noch ein St. Ursulaaltar mit Benefizium. Hans Hauser hatte etwas früher eine Stiftung zum Karner 
vi 10 



Fig. 74. 

Pfarr- 
kirche. 



74 



Gerichtsbezirk Raabs 



gemacht. Der Pfarrer hatte damals zwei Kooperatoren und einen Kaplan an der Seite und die Pfarreinkünfte 
wurden 1544 auf jährlich 134 Pfunde geschätzt und überragten die aller Pfarren auf dem Lande in 
Niederösterreich und sogar einiger Stifter, wie Klein-Mariazell und Geras (Archiv, XXX 10). Daraus erklärt 
es sich auch, daß die Schloßbesitzer selbst, die Freiherren von Puchheim, nach diesen Einkünften lüstern wurden 
und beim Landesfürsten die Belehnung mit der Pfarre (1531 — 1560) durchsetzten. Infolgedessen finden wir 
einen Teil der kirchlichen Einrichtung im Nachlaßinventar des Andreas von Puchheim 1561 (siehe auch 
Geschichte des Schlosses) angeführt : In ainem Sackhl ein Silber übergulter Kelch samt seiner Paten. Zwei 
Par zinnen Opferkandl. Ain Silber übergultes Kreizl, darauf Unser Herrn Pildnus am Creitz hanngendt. 
Ain messinges Rauchjas. Mer ain rotsammetes Mesgewandt sambt einer Zugehorung. Als sie dann ge- 
zwungen wurden, die Pfründe wieder herauszugeben, suchten sie als eifrige Lutheraner den katholischen 
Priestern durch beständige Neckereien und selbst Gewalttaten den Aufenthalt zu verleiden. Als Ausfluß dieser 
Verfolgungssucht ist es auch zu betrachten, daß die Puchheim, als am 15. Mai 1586 Hans Adam von Hof- 
kirchen auf Kollmitz und andere Adelige den Niklas von Puchheim, der ihnen bis zur Schloßeinfahrt entgegen- 




xjus—f— i— t— t— f— 1-4 t t f r y t f -r- 4 ^ p - j_¥ . 
Fig. 76 Oberndorf (Raabs), Pfarrkirche, Längenschnitt 1 : 250 (S. 75) 



gegangen war, meuchlings ermordeten, den Pfarrer Anton Stromair als „Verräter und Kundschafter" bezeich- 
neten und diese ungerechtfertigte Beschuldigung 1597 in einer noch vorhandenen Marmortafel verewigen 
ließen. Pfarrer Daniel Lippetz (1598— 1619) ließ die Wandgemälde an der Kirche anfertigen und gab 1619 in 
der Kriegsgefahr einen silbernen Ornat und eine große silberne Monstranz zur Aufbewahrung in das Schloß; 
aber Karl von Puchheim soll letztere 1622 in Wien um 1500 fl. verkauft haben. Das Stift Geras genoß die 
Pfarre 1628 bis 1668. Unter Pfarrer Johann Ferchl (1668—1681) wurden eine Orgel und Paramente gekauft, 
der Taufstein gefaßt und ein St. Sebastiansalter errichtet. Sein Nachfolger Johann Simon Prandter (1681 bis 
1702) stiftete 1698 die Erzbruderschaft zum hl. Rosenkranz mit neuem Altare und bestimmte, daß von 
seinem Nachlasse der Turm erhöht, eine neue Kuppöl darauf gemacht, die Kirche innen und außen repariert, 
eine große Glocke angeschafft und sein Wappen in der Kirche zum Gedächtnisse angebracht werde. 1705 
wurden die verfügten Arbeiten durchgeführt; damals bestanden sechs Altäre: zu Maria Himmelfahrt, Peter 
und Paul, von der Rosenkranzbruderschaft, zum hl. Andreas und hl. Josef und ein neuer zu Ehren der seligsten 
Jungfrau. Vor 1708 opferte die Frau von Kapeller zwei silberne Kandelaber. Der Karner war 1734 der 



Obermlorf bei Raabi 



75 



hl, Magdalena geweiht und mit schlechtem Altare versehen (Dekanatsarchiv Raabs). 1778 wurde der Hoch- 
altar in Wien hergestellt; es arbeiteten daran der Tischler Joh. Wilh. Killian und der Bildhauer Joh. Friedr. 
Schroth. Das Bild, das von einem akademischen Maler herrührt und in der Akademie ausgestellt war, wurde 
von Kaiserin Maria Theresia gestiftet. Ein Jahr später wurde die Wandverkleidung errichtet, die mehrere 
Nischen verdeckt und der auch das Sakramentshäuschen zum Opfer fiel; gleichzeitig arbeiteten Joh. Krumpas 
in Zlabings das steinerne Speisgitter und der Schlosser Jos. Peschen in Raabs dessen eiserne Mitteltüren. Die 
Seitenaltäre im Chore folgten 1780 nach; sie wurden gleichfalls in Wjen um 700 fl. gearbeitet; an Stelle des 
Kreuzaltars befand sich früher der Marienaltar mit dem Gnadenbilde (jetzt auf Altar 6). Pfarrer Anton Gruber 
1807—1817 spendete der Kirche einen silbernen Kelch und Rauchfaß und ließ Kanzel und Orgel staffieren. 
1820 Vergrößerung und Erneuerung der Sakristei; 1910/11 umfassende Kirchenrestaurierung. 

Beschreibung: Die jetzige Kirche ist eine Anlage des XIII. Jhs.; spätromanische Formen an den Sciten- 
schiffportalen und den Fenstern über dem gotischen Gewölbe des Langhauses (s. Fig. 76) wahrnehmbar; 




Beschreibung. 



Fig. 77 Oberndorf (Raabs), Pfarrkirche, Querschnitt 1 : 250 (S. 75) 



im XV. Jh. in eine dreischiffige Pfeilerbasilika mit dreichörigem Abschlüsse umgewandelt. Den Inneneindruck 
bestimmt der Unterschied zwischen dem dunklen Langhause und dem hellen Chor, den Außeneindruck die 
malerische Verbindung der drei Chöre und die isolierte Stellung auf dem Kirchenplatze. Von der Innen- 
einrichtung ist die einheitliche Ausstattung des Chores (um 1780) hervorzuheben (Fig. 75—77). 

Äußeres: 
Grauweiß und bläulich verputzt. 

Langhaus: Glatte, gestutzte Giebelwand, im obersten Teil etwas zurücktretend. Jederseits von einem 
niedrigen, übereck gestellten Strebepfeiler eingefaßt, der nach einem steinernen Wasserschlag gestuft 
und mit steinernem Pultdache abgedeckt ist. In der Mitte Spitzbogentür mit überaus reich profilierter Laibung 
in rechteckig vortretender, mit Blechpultdach gedeckter Rahmung. Darüber hohes, rechteckiges Fenster, 
mehrere geringe Luken. — S. Niedrig, mit einem östlichen, einmal gestuften Strebepfeiler mit Wasserschlag 
und Ziegelpultdach; zwei weitere westliche über der ziegelgedeckten Pultschräge in den rechteckigen, mit 
ZiegelpuTtdach gedeckten Torbau einbezogen. Darinnen über zwei Stufen Tür in Spitzbogennische, von zwei 
Säulen über runden Basen flankiert. Darauf Deckplatten, Kehle zwischen zwei Wülsten, als Gesims die Tiefe 
der Tür umlaufend; die Spitzbogenlünetten von Kehle und derbem Rundstab eingefaßt, mit eingeblendetem. 
flachen Kleeblattmaßwerke und in der Mitte einem Kreuze, das mit abgerundetem Balken auf halbrunder 

10» 



Fig. 75—77. 
Äußeres. 

Langhaus. 



76 



Gerichtsbezirk Raabs 



Scheibe aufsteht. Zwei kurze Rundbogenfenster in weißer Rahmung; in der Mitte der einfachen Vergitterung 
reichgebildeter schmiedeeiserner Dorn. Hart profiliertes Abschlußgesims. — N. Im östlichen Drittel ein 
wenig gestuft vortretend, mit einem Strebepfeiler besetzt; dieser mit Quadersteinen eingefaßt, sehr schmal, 
fast bis zum Kranzgesimse reichend, einmal gestuft; der Sockel und Wasserschlag setzen sich nach 0. fort 
und umlaufen den nördlichen Chor mit seinen Strebepfeilern. Zwei Fenster wie im S.; zwischen ihnen unter 
Vorhaus kielbogig geschlossene Tür, von zwei Rundstäben mit einer Kehle dazwischen eingefaßt. Das Vorhaus 
etwa quadratisch, mit Ortsteineinfassung an den Kanten; im N. gerahmte Segmentbogenöffnung, darüber rundes 




Fig. 78 Oberndorf (Raabs), Pfarrkirche, Mittelschiff gegen die Empore (S. 80) 



Choranlage. 



Oberlicht; Ziegelwalmdach. Das Innere des Vorbaues mit umlaufendem, bei den Öffnungen abbrechenden 
Kranzgesimse, das mit Perlstab und Blattfries ([.->] stark übertüncht) skulpiert ist. Charakteristisches Grat- 
gewölbe vom Ende des XVI. Jhs., mit skulpierten Bändern und verschiedenen Rosetten in den Zwickeln; 
unter dem Gesims, wo das Gewölbe aufsitzt, fast unkenntliche Cherubsköpfchen. — Sehr hohes Ziegel- 
satteldach mit Knauf und Kreuz und mehreren kleinen Dachfenstern. 

Chor: Drei Chöre, von denen der mittlere die beiden seitlichen an Höhe und Länge überragt. 

Mittelchor: S. Im westlichen Teile durch den Seitenchor verbaut, dessen Dach fast bis zum gekehlten, 
den ganzen Mittelchor umlaufenden Kranzgesimse hinaufreicht. Im östlichen Felde etwa in halber Höhe von 



Oberndorf hei Raabs 



77 



der Sakristei eingenommen; darüber ein sehr hohes (abgerundetes) Spitzbogenfenster in abgeschrägter Laibung, 
zwischen zwei Strebepfeilern, die fast bis zum Kranzgesimse reichen, wie die weiteren am Chore mit Ort- 
steingliederung im Verputz; eine Pultschräge und steinernes Pultdach. Der östliche ist übereck gestellt; seine 
untere Hälfte tritt im 0. kenntlich vom Anbaue geschieden hervor; er ist einmal gestuft; von Sockel mit pro- 
filierter Steindeckung und am Ablaufe gekehltem Kaffgesimse wie der übrige Mittel- und Nordchor um- 
laufen. Ostabschluß dreiseitig, mit drei (freien) Strebepfeilern an den Kanten gleich dem oben beschriebenen 
gestaltet; drei zum Teil vermauerte Fenster wie das südliche. Im südöstlichen Felde unter dem Kaffgesimse 




Fig. 79 Oberndorf (Raabs), Pfarrkirche, Mittelchor (S. 80) 



Fresko; in dunkelvioletter Rahmung großer Kruzifixus, links und rechts Maria und Johannes, ober ihnen 
zwei fliegende Putten; oben Aufschrift: ... LIPPUS Camus Sacellanus et Parochus in Raabs. Anfang 
des XVII. Jhs. 

Am anstoßenden Strebepfeiler Schutzmantelmadonna mit Repräsentanten der weltlichen und geistlichen 
Stände. Der untere Teil zerstört. In der östlichen Schräge in einer architektonischen Umrahmung Erzengel Michael 
den Satan herabstoßend (um 1600). Darüber undeutliche Jahreszahl 1520. An den anstoßenden Strebe- 
pfeilern die Heiligen Katharina und Barbara. Über ihnen je ein gemaltes, dreiseitiges Fenster mit einem 
Cherubsköpfchen. — N. Die westliche Hälfte durch den nördlichen Strebepfeiler verbaut; ein Strebepfeiler 
und ein Fenster wie im 0. Das Kaffgesims im letzten Felde kräftig im rechten Winkel zum Nebenchore herab- 
geführt. Abgewalmtes Ziegeldach das Langhausdach überragend. 



78 



Gerichtsbezirk Raabs 



S ü d c h o r : Der westliche Teil vom Turm eingenommen. Östlich davon drei, zweimal abgestufte, pult- 
bedachte Strebepfeiler, der östliche etwas schräg gestellt, vom Sohlbankgesims mitumlaufen. Die Südost- 
kante breit abgeschrägt, im 0. ein breiter Strebepfeiler, in den Anbau einbezogen. Im S. ein Fenster wie im 
Langhause und ein schmales kleines Rundbogenfenster; im 0. zwei Luken. Über gekehltem Gesimse Ziegel- 
walmdach. 

Nordchor: Wie der Südchor; das Sohlbankgesims die Fortsetzung des Gesimses im Mittelchore bildend. 
Am westlichen Felde, dem Turme im S. entsprechend, zwei mächtige, zweimal abgestufte pultbedachte Strebe- 




Fig. 80 Oberndorf (Raabs), Pfarrkirche, nördlicher Seitenaltar (S. 81) 



Turm. 



pfeiler. Weiter östlich zwei weitere Strebepfeiler, ein dritter übereck gestellt. Zwei Rundbogenfenster wie 
am Langhause. — 0. In fünf Seiten des Achteckes geschlossen, die Südostschräge gerade gerichtet. Im 0. 
ein vermauertes, im NO. ein erhaltenes zweiteiliges Spitzbogenfenster mit Steinmaßwerk; im Verputze sind 
an der Nordseite weitere Spitzbogenfenster erkennbar. Ziegelwalmdach. 

Turm: Zwischen das südliche Seitenschiff und den südlichen Seitenchor eingebaut. Quadratisch; im S. zwei 
vom Sockel mitumlaufene, mächtige, den Südchor überragende, dreimal gestufte Strebepfeiler mit steinernen 
Pultdächern. Der freistehende Teil des Turmes von Steinfarben gemalten Pilastern eingefaßt, von ebensolchen 
Gesimsen gegliedert; über dem untern Gesims herabhängende Draperie mit Kartusche unter Cherubsköpfchen 



Oberndorf bei Raabs 



79 



mit Jahreszahl MDCCV. Darüber ovales Bild der Immakulata unter Muschelbekrönung, darüber kleines recht- 
eckiges Fenster in breiter Rahmung. Im 0. und W. je drei Fenster übereinander. Zuoberst jederseits rund- 




Fig. 81 Oberndorf (Raabs), Pfarrkirche, Hochaltar und die Seitenaltäre im Chore (S. 81) 



bogiges (seit 1910 spitzbogiges) Schallfenster mit Eckbändern und Keilstein: über reich profiliertem 
Kranzgesimse seit 1910 Ziegelpyramidendach. 



80 



Gerichtsbezirk Raabs 



Anbau. Anbau: Südlich vom Mittelchore, östlich vom Südchore. Rechteckig mit abgerundeten Kanten, weiß ver- 
putzt mit Resten von gotischer ornamentaler Malerei, weiße Blattranke auf rotem Grunde. Im S. und 0. 
Fenster. 
Umfriedungs- 
mauer, 
inneres. Inneres: Gelb gefärbelt, die Rippen und Pfeiler und Gurtbogen weiß hervorgehoben. 



Langhaus. 



Fig. 78. 



Chöre. 
Fig. 79. 



Umfriedungsmauer: Weiß verputzt; Hauptportal im W. mit Giebelaufsatz über rundbogiger Toröffnung. 



Langhaus: Dreischiffig. Das Mittelschiff etwa doppelt so breit und hoch wie die Seitenschiffe, gegen 
die es jederseits in drei Rundbogen offen ist, die von so mäßiger Größe sind, daß das Langhaus als einheit- 
licher Raum erscheint, dessen wirksame Lichtquelle die Fenster der Chorschrägen sind. Die breiten recht- 
eckigen Kreuzrippengewölbejoche mit sehr kleinen runden Schlußsteinen; die birnförmig profilierten Rippen 
jederseits im W. zu zweien, dann zweimal zu dreien vereinigt, hoch oben in die verdickte Fortsetzung einer 
halbachteckigen Konsole mit spitzem, profilierten Ablaufe verlaufend; im 0. verläuft die einfache Rippe 
an der Ecke. An die westliche Travee schließt ein breiter, fast spitzer Gurtbogen an (Fig. 78). Westempore 
über Tonnengewölbe mit zwei tief einspringenden, spitzen Stichkappen; unter der nördlichen tiefe Rund- 
bogennische. Die Stirnseite in der Mitte geschwungen, vorladend, mit einer Brüstung zwischen Gesimsen, mit 
geringen gliedernden und einfassenden Postamenten, in denen Kar- 
tuschefelder seicht vertieft sind. Die Empore wurde 1768 an Stelle 
einer höheren, hölzernen errichtet, von der Seitenemporen ins 
Schiff liefen. Im W. Rundbogentür in Segmentbogennische und 
über der Empore hohes, rechteckiges Fenster. 
Die Seitenschiffe in der Ausdehnung des Langhauses. Das südliche 
mit drei Kreuzrippengewölbejochen, beim westlichen die ab- 
schließende Transversalrippe fehlend, daran ist eine kurze fast 
spitze Tonne und ein weiteres Kreuzrippengewölbe geschlossen; 
dieses ohne Transversalrippen, mit kleinem, glatten, schildförmigen 
Schlußstein, die nordwestliche Rippe durch einen rechteckigen 
Stiegeneinbau (mit abgeschrägter Kante und Tür und Fenster im 
0.) zum Teil verdeckt. Die birnförmig profilierten Rippen schneiden 
einzeln und jederseits zweimal, zu dreien vereinigt, hoch an der 
Wand ab. Drei kurze Fenster mit gedrücktem Rundbogenabschluß, 
eine um zwei Stufen vertiefte Tür in Segmentbogennische. 
Im nördlichen Seitenschiffe vier steilere Kreuzrippengewölbejoche 
mit zwei kleinen Schildchen als Schlußsteinen. Die Rippen sind 
birnförmig profiliert und vereinigen sich im W. zu zweien, bei den 
folgenden dreimal zu dreien und schneiden an der verdickten Fort- 
setzung eines Runddienstes ab, der (verschieden) kurz herabgeführt 
ist und spitz zulaufend endigt. Der mittlere Dienst an der Süd- 
seite ist mehrmals gestuft. An das westliche Joch schließt sich ein 
kurzes Gurtgewölbe an. Im N. Tür; zwei Fenster wie im S. (Vom 
Boden sind die Spuren romanischer Rundbogenfenster erkennbar.) 




Fig. 82 Oberndorf (Raabs), Pfarrkirche, 
Maria vom Seitenaltare im Chore (S. 82) 



( 



Chöre: Mittelchor (Fig. 79), mehr als doppelt so hoch und 
fast doppelt so breit wie die Seitenchöre, gegen die er sich jeder- 
seits in einem Rundbogenfenster und einer sehr hohen Rund- 
bogenöffnung in beiderseits abgeschrägter Laibung öffnet. Der Mittelchor ist höher als das Langhaus, gegen 
das er in spitzem Gurtbogen offen ist, in seiner östlichen Hälfte um eine Stufe, im Altarraume, der in 
fünf Seiten des Achteckes geschlossen ist, um eine weitere Stufe erhöht. Vier Kreuzrippengewölbejoche, ein 
Abschlußgewölbe aus fünf dreiseitigen und einer vierseitigen Stichkappe; fünf große, runde Schlußsteine, 
glatt, mit einem Loche in der Mitte. Die birnförmig profilierten Rippen verlaufen in Bündeln auf halb- 
achteckigen Wanddiensten; das westliche Paar steht auf einem Kaffgesims auf, das nächste wird von diesem 
umlaufen und endet kurz unter ihm mit einer spitz zulaufenden, mit einem Wulste besetzten Konsole. Die 
übrigen Dienste sind abgemeißelt, beziehungsweise brechen über der Chorverkleidung ab. In den Ostschrägen 
und im N. und S. des Altarraumes je ein sehr hohes, zweiteiliges (abgerundetes) Fenster in profilierter 
Spitzbogenlaibung; das östliche ganz, das südliche in der unteren Hälfte vermauert. 
Südlicher Chor : In der Breite des Seitenschiffes, gegen das er sich in spitzem, breiten Gurte öffnet, bedeutend 
kürzer als der Mittelchor, mit dem er durch ein Rundbogenfenster und eine Öffnung (siehe oben) zusammen- 
hängt. Der Abschluß des Seitenchores durch eine eingezogene Zwischenmauer abgetrennt und mit der Sakristei 
vereinigt (siehe unten). Ein Kreuzrippengewölbejoch im W., dessen Transversalrippen fehlen, mit rundem, 
übertünchten Schlußsteine, Halbfigur eines Heiligen mit Buch. Daran schließen sich nach kurzem Zwischen- 
räume zwei weitere Kreuzrippengewölbejoche; das östliche durch die Zwischenmauer verkürzt. In den Schluß- 
steinen Blattrosetten. Die Rippen verlaufen einzeln oder in Bündeln an den Wänden. Zwei Fenster wie im 
Seitenschiffe, in der Ostwand Tür. 



Obernclorf bei Raabs 



81 



Nördlicher Seitenchor (Fig. 80): Vom Schiffe durch sehr spitzen Gurtbogen mit abgcfasten Kanten geschieden. 
Stark überhöht, in der Länge des (vollen) südlichen Chores, mit einem Abschlüsse in fünf Seiten des Acht- 
eckes. Drei Krcuzrippengewölbejoche und Abschlußgewölbe aus fünf dreieckigen und einer viereckigen Stich- 
kappe. Die runden Schlußsteine Skulpiert (vom W. nach 0.): Blattwerk, Rosette, Halbfigur eines Gewandengels, 
Lamm Gottes mit der Kreuzesfahne; alle übertüncht. Die Rippen bimförmig profiliert, im W. an der Wand 
abschneidend, die folgenden zu dritt vereinigt auf halbachteckigen Diensten herabgeführt, von dem an der 
untern Seite gekehlten Sohlbankgesims umlaufen und gleich denen des Mittelchores endend. Die Rippen des 
Ostabschlusses schneiden über dem Gesims ab. Zwei Fenster wie im Schiffe, im NO. und 0. hohes zwei- 
teiliges Spitzbogenfenster mit einfachem Maßwerke und profilierter Laibung; das östliche vermauert. Im 
N. eingeblendete Spitzbogenarkade; im westlichen Joche sind vier, im nächsten drei vereinigt, denen sich 

zwei einzelne im 0. anschließen. Kleeblattabschlüsse, die Rahmung profi- 
liert, die mittleren Konsolen eingezogen. Bei der östlichsten Nische ist 
die linke Rahmung abgemeißelt; darinnen Spitzbogennische (ehemals Sakra- 
mentshäuschen). 

Sakristei: Im S. des Mittelchores. Sie besteht aus einem östlichen, etwa 
quadratischen, gratgewölbten Raum mit einem Fenster im 0., an den sich. 
durch einen abgerundeten Spitzgurt verbunden, ein etwas größerer, quadra- 
tischer Raum anschließt, dessen flaches Gratgewölbe durch zwei weitere, die 
Kappen halbierende Grate bezeichnet wird; im Schnittpunkte Rosette. Im 
S. Fenster, im N. Tür zum Chore; die Südwestkante abgeschrägt. Durch 
eine große Rundbogenöffnung im W. ist jetzt der Ostabschluß des südlichen 
Seitenchores zu der Sakristei einbezogen. Dieser in fünf Seiten des Acht- 
eckes mit überhöhtem Gewölbe aus fünf dreieckigen und einer viereckigen 
Stichkappe mit Rosette im runden Schlußstein. Die Rippen in etwa halber 
Wandhöhe gekehlt und spitz zulaufend, die beiden östlichen sind abgemeißelt. 
Im 0. und SO. vermauerter schmaler, spitzbogiger Fensterschlitz in abge- 
schrägter Laibung; der östliche etwa kürzer mit einspringenden Nasen. Im 
S. Rundbogenfenster, im W. Tür ins Seitenschiff. 



r.g. ho. 




Einrichtung: 

Altäre: Der Hochaltar und die beiden Seitenaltäre im Chore sind 
mittels einer hölzernen Wandverkleidung zu einer einheitlichen, 1778 — 1780 
hergestellten Dekoration (s. o.) zusammengefaßt (Fig. 81). Holz, grün, grau 
marmoriert mit vergoldeten Zieraten. Der Hochaltar Bildaufbau mit Skulp- 
turen vor freistehender Mensa mit Tabernakel. Der Aufbau nimmt die 
ganze Höhe des Altarraumes ein. Über sehr hohem, zweigeschossigen Po- 
stamente, dessen Flügel schräg vorspringen, Hauptteil von kannelierten 
Säulen, die schräg vor Pilaster gestellt sind, eingefaßt; im unteren Drittel 

Kder Kannelüren vergoldete Stäbe; reiche Kompositkapitäle, darüber ein mit 
Goldleisten gehöhtes, dreiteiliges Gebälk, dessen oberstes Gesims von liegenden 
^^ Blattkonsolen getragen wird. Über dem Mittelteil ein gleichfalls von Kon- 
1^ ^ solen getragener Segmentgiebel vor einem Aufsatze, der fast ganz von der 

fcmg Gruppe der hl. Dreifaltigkeit über Wolken mit Cherubsköpfchen bedeckt 

wird; seitlich von dieser je ein großer adorierender Engel. — Seitlich von 
den flankierenden Säulen sitzen auf den auspringenden Postamentflügeln 
überlebensgroße, polychromierte und vergoldete Figuren von Moses und 
Aron. — Altarbild: Himmelfahrt der hl. Jungfrau, von großen und kleinen 
Engeln getragen; unten die Apostel um den Sarkophag. 
Auf der sarkophagartigen Mensa Tabernakel, aus einem rechteckig vor- 
springenden Unterbau, dessen Seitenfelder Reliefs der Passionswerkzeuge ent- 
halten, und einer darauf gesetzten, rund vorspringenden Exposition bestehend, die, mit Halbsäulen und Pilastem 
gegliedert, über dreiteiligem Gebälk Flammenurnen trägt und mit Kuppeldach mit Laterne abschließt. Die 
Rückwand wird von einer reichen Draperie mit gemaltem Goldornamente und Fransen gebildet, die mit 
Schnüren zu vier Bauschen zusammengerafft ist; seitlich davor auf Postamenten mit Klipeusschmuck große 
adorierende Putten. Zugehörig sechs große Leuchter mit Empirekränzen und Festons und zwei herzförmige 
Reliquiare in Rankenrahhnuing. 

Die Seitenaltäre sind etwa halb so groß wie der Hochaltar, überragen aber die Wandverkleidung. Beide 
sind gleich aufgebaut. Bildaufbau mit Skulpturen. Über Postamentaufbau mit Klipeusomament schwach 
vortretender Aufbau von zwei Pilasterbündeln flankiert, deren vergoldete Basen mit Blattkranz und Perl- 
schnur, deren Kannelüren im untern Drittel mit Goldstäben besetzt sind, an den äolischen Kapitalen sind 
Festons durch die Voluten gezogen. Dreiteiliges gerades Gebälk, der oberste Teil von glatten Konsolen getragen. 
VI 11 



Fig. 83 Oberndorf (Raabs), Pfarr- 
kirche, Porzellaukruzifix auf der 
Kredenz (S. 83) 



Sakristei. 



Einrichtung. 
Altare. 

Hg. 81. 



82 



Gerichtsbezirk Raabs 



Darauf rechteckige, zurücktretende Staffel, mit Kränzen ornamentiert und rechteckiger Aufsatz, der von Füll- 
hörnern eingefaßt wird, an die sich nach außen weißgefaste Schmuckvasen anschließen. Über dem Abschluß- 
gebälk Segmentgiebel mit Muschel im Giebelfelde und Bekrönimg aus Cherubsköpfchen und Kreuz. Im Auf- 
satzfelde zwei Cherubsköpfchen und Auge Gottes in Glorie, beziehungsweise Altar und Kelch auf dem Buche 
mit sieben Siegeln. Zugehörig breiter Tabernakel mit Segmentgiebelabschluß, an der Vorderseite mit Draperie 
und Kanontafel in vergoldeter Räumung besetzt; seitlich zwei Urnen als Kerzenhälter auf Postamenten. 




Fig. 84 Oberndorf (Raabs), Pfarrkirche, Seitenaitarbild von Job. Schindler (S. 84) 



Südlicher Altar: Johannes Nep., unten Brückensturz und Ansicht von Prag. Seitenfiguren die HI. Florian 
und Donatus. — Nördlicher Altar: Kreuzigung Christi, mit einem Reiter zu Füßen des Kreuzes. Seiten- 
Fig. 82. figuren Maria (Fig. 82) und Johannes. 

Der Hochaltar ist mit den Seitenaltären durch Wandverkleidung verbunden, die jederseits durch Paare ge- 
kuppelter Pilaster gegliedert werden; diese denen an den Seitenaltären entsprechend, nur einfacher gestaltet. 
Über den Kapitalen vortretendes, profiliertes, die Verkleidung abschließendes Gebälk. Das östliche Feld in 
längliche und kurze gerahmte Rechtecke gegliedert mit davor gesetztem Rundbogenbilde in ornamentiertem, 
vergoldeten Holzrahmen. Im N. unterlebensgroße Figur des hl. Augustin, auf ein Buch weisend, das auf rot- 
gedecktem Tische liegt; ober ihm große Engel das Flammenherz haltend, unten Putto mit dem Bischofsstabe. 
Im S. hl. Ambrosius, der große Engel einen Bienenkorb, der Putto ein Buch haltend. Unter dem Bilde staffel- 
artig hervortretender Aufbau über dem umlaufenden, nach Feldern gegliederten Sockel. Davor im N. rund- 



Oberndorf bei Raabs 



83 



bogig vorspringender Kredenztisch, im S. Session. (Auf ersterem Porzellankruzifixus an Holzkreuz über einem 
Porzellanpostament in Form einer Säulentrommel mit Totenkopf und Knochen; Marke SB (Fig. 83).) Im 
westlichen Felde über den gerahmten Türen je ein Breitfeld und darüber Gesims, über dem ein rechteckiges, 
weißes Feld ein kartuscheförmiges Supraport in vergoldetem Rocaillerahmen enthält; im nördlichen hl. Hiero- 



Fig. 83. 




Fig. 85 Oberndorf (Raabs), Pfarrkirche, Madonnenskulptur (S. 84) 



minus, büßend, hinter ihm Engel mit Posaune; im südlichen hl. Gregor sitzend, neben ihm die Taube, links 
fliegt ein Putto mit den Schlüsseln. 

Zugehörig Altarlampe; aus Weißblech, rund, mit Rosetten und Festons geschmückt, mit gekerbtem, in Quaste 
endigenden Ablaufe, an drei mit Blattwerk besetzten Volutenhenkeln mittels Ketten aus ovalen Gliedern 
getragen. 

4. und 5. Im 0. des Mittelschiffes, an den Triumphbogen angelehnt. Bildautbau. Holz, rot und grau 
marmoriert, sehr klein. Das rundhogig geschlossene Bild über Staffel von jederseits einem gekuppelten 
Bündel kannelierter Pilaster eingefaßt, nach oben von Flachgiebel abgeschlossen. Im N. Erziehung Mariens. 
die hl. Anna in Landschaft in einem Lehnstuhl sitzend, neben ihr die kleine Maria mit aufgestecktem Haare, 

II« 



84 



Gerichtsbezirk Raabs 



Zeittracht und barfüßig, in einem Buche lesend; rechts Tischchen mit Handarbeitskorb, hinten Ausblick in 
Landschaft; oben Wolken mit Cherubsköpfchen. Von Joh. Schindler, um 1833. 

Im S. Tod des hl. Josef; Maria und Christus an seinem Lager, oben Wolke mit Cherubsköpfchen. Bezeichnet: 
Fig. 84. Joh. Schindler 1833 (Fig. 84). 

6. ImOstabschlusse des Nordchores. Skulpturenaufbau, Holz, marmoriert und vergoldet. Hauptteil über hohem 
Unterbaue, von zwei Säulen jederseits flankiert, über denen dreiteilige Gebälktrümmer liegen; darauf Aufsatz 
die Altarform wiederholend, mit Segmentgiebel und angesetztem, flamboyanten Ornamente abgeschlossen. 
Im Ausfatzfelde kartuscheförmiges Bild, Gott-Vater in Wolken und die Taube des Hl. Geistes. In der Haupt- 
nische große polychromierte Holzfigur, Madonna stehend, das Kind im linken Arm haltend; schwach aus- 
Fig. 85. geprägte Y-Haltung, das Haar schematisch gewellt; um 1480 (Fig. 85). Herum große und kleine adorierende 
Engel. Auf der freistehenden Mensa geschwungen vorladender Tabernakel mit geschnitzter, flamboyanter 

Rocaille. Der Aufbau um 1680, um 1760 zum Teil neu 

| ^ m ^^^^^— 1 ornamentiert, auf einem Säulenpostament Kartusche mit 

Monogramm JAS (verschlungen) und 1852; auf dem gegenüber- 
liegenden gemaltes Wappen 
mit Vogel Phönix im Schilde 
> V und als Helmzier. 

Gemälde: 1. Am Ost- 

abschlusse des südlichen 

Seitenschiffes als Aufsatz 

über der Tür, in ihre Holz- 
verkleidung einbezogen : 

grünlich marmoriert, über 

Sockel flankierend Pilaster- 

paare, darauf Sturzbalken 

mit Zahnschnitt und Kon- 
solen; als Aufsatz das Bild, 

Öl auf Leinwand, Beweinung 

Christi, Maria, Magdalena, 

Johannes und die beiden 

Träger um den Leichnam. 
Bezeichnet: Preitschopf 

pinx.Von Pilasterngerahmt, 

mit Flachgiebelabschluß. 

Die Einfassung von Mair- 

hofer aus Waidhofen. 

2. Öl auf Leinwand, rund- 
bogiggeschlossen, Sebastian 
und Rochus, stehend, dazwi- 
schen die liegende hl. Rosa, 
oben kleinfigurig hl. Drei- 
faltigkeit in Glorie. Schwa- 
ches Bild, aus der Mitte 
des XVIII. Jhs., vom 
ehemaligen Sebastianaltar 
stammend. 
3. Vier Hochbilder, allegorische Frauengestalten, stehend und sitzend, in Landschaft, die Stärke, Gerechtigkeit, 
Frömmigkeit und Mäßigung darstellend. Ende des XVIII. Jhs. 

Heiliges Grab, auf Schablonen aus Holz gemalt, seitlich zwei Engel als Wächter, der Hintergrund als Land- 
schaft. Über dem Grabe Auf Satzbild, Christus am Ölberge. Aufschrift: Ward errichtet im Jahre 1824. Von 
Breitschopf aus St. Polten gearbeitet. 

Fahnen; verschiedenfarbige Seidenstoffe, darauf Bilder auf Leinwand, zum Teil mit geringen Blechaufsätzen. 

1. Schusterinnung, mit den Hl. Crispinus und Crispinianus, 1820. 

2. Bäcker, mit den Hl. Sebastianus und Rochus, zirka 1820. 

3. Weber, mit dem hl. Severin und der Krönung Mariae, 1804. 

Skulpturen. Skulpturen: Großer Kruzifixus, Holz, polychromiert, stark gotisierend, oben Inschriftsband mit / N RI. 
Unten steht das Kreuz auf einer kleinen Konsole auf, die vorne mit einem Cherubsköpfchen besetzt ist, nach 
Fig. 86. unten mit geschnitztem Volutenwerke in eine Traube ausläuft (Fig. 86). Von 1610. Renoviert 1900. 

2. Große Figur des hl. Johannes von Nepomuk, Holz, polychromiert, über einer mit geschnitzten Blumen 
ornamentierten Volutenkonsole. Gering. Mitte des XVIII. Jhs. 





Fig. 86 Oberndorf (Raabs), Pfarrkirche, 
Kruzifixus (S. 84) 



Fig. 87 Oberndorf (Raabs), Pfarr- 
kirche, Statuette des hl. Michael (S.85) 



Oberndorf bei Raabs 



85 



3. (Im Pfarrhofe aufbewahrt) zwei sehr kleine vergoldete Holzskulpturen, Schutzengel mit dem Kinde und 

hl. Michael, Lucifer herabstürzend, über geschwungenen Sockelchen. Erste Hälfte des XVIII. Jhs. (Fig. 87). Fig. 87. 

Kanzel: Holz, grün und rot marmoriert, mit vergoldeten Appliken in flamboyanter Rocaille besetzt. Kanzel. 
Rechteckig, abgerundet, der Ablauf geschwungen; die Brüstung unten vorladend, mit starkem Wulste vom 
Ablaufe getrennt, die Kanten mit vergoldeten Steilvoluten besetzt. An der Vorderseite Relief: Guter Hirte, 
darunter kartuschefürmiges Wappen mit Volutenbändern besetzt, zuobert Engel mit Tuba. 1770; 1808 staffiert. 

Orgel: Pfeifenkasten und Spielorgel grau-rot marmo- Orgel. 

riert; stark bewegter Sockel und dreiteiliges Gebälk mit 
applizierter Rocaille, reiches geschnitztes, flamboyantes 
Ornament. Weiß gefaßte Vasen und musizierende Putten 
auf der Spielorgel, deren Ablauf mit weißen und ver- 
goldeten Voluten- und Spiralornamenten und einem Che- 
rubsköpfchen geschmückt ist. Zirka 1770. 

Taufkessel: Rote zwölfseitige Steinschale mit ein- Taufkoscl. 
gezogenen Kanten, die sich geschwungen in einen ab- 
wärts verjüngten Fuß fortsetzen, der einmal gebrochen 
und darüber mit Wulst besetzt ist. XV. Jh. Sechsseitiger, 
glockenförmiger Holzdeckel, die Kanten mit Voluten über 
Leisten; drei Seiten bemalt: Anbetung der Hirten, Be- 
schneidung und Taufe Christi. Sechsseitige Deckplatte 
und Pinienzapfen als Bekrönung. Um 1670; (unter De- 
chant Ferchl angeschafft). 

Opferstock: Holz ; über balusterartig geschwungenem Opferstock. 
Fuß, der an drei Seiten mit flamboyanter Rocaille besetzt 
ist. Um 1760. 

Monstranz: Kupfer, vergoldet. Breitovaler, durch Monstranz. 
Ränder viergeteilter Fuß mit breitem, flachen Rande; ge- 
triebene Rocaille um blanke Schildchen; ebenso ist der 
birnförmige Nodus verziert. Der Behälter ist mit bunten 
Glasflüssen besetzt; darüber unter Baldachin Halbfigur 
Gott-Vaters, seitlich je ein adorierender Engel, unten die 
Taube und ein Ährenbündel. An der Lunula zwei Cherubs- 
köpfchen. Am Rande Aufschrift: M B M. 1770 (Fig. 88). Fig. 88. 

G r a b s t e i n e (W. A. III 115f.): Innen: Im Mittelschiffe: Grabstein. 

1. Rote Steinplatte mit skulpiertem Relief in vertieftem, 
runden Felde. Siwilla Fuggerin 1551. Das Grabmal ist 
an dem östlichen Pfeiler an der Südseite angebracht. — 
An der Ostseite desselben Pfeilers 

2. rote Platte, mit 1 in gemeinsamer, weiß übertünchter 
Rahmung mit profiliertem Gebälkabschlusse. In vertieftem, 
fast die ganze Platte einnehmenden, rechteckigen Felde 
Hochrelief Ritter in voller Rüstung, liegend, das lockige 
Haupt auf einem Polster, in der Rechten Fahne mit Kreuz 
und Drache; unten, links und rechts, zwei Wappen. Das 
untere Ende der Platte mit den Füßen des Ritters ab- 
gebrochen. Randschrift: Anno dni MCCCCLVIII ist 
gestorben und hie begraben her Jorig von Puchhaim an 
Montag vor sand Larenkentag (Fig. 89). Fig. 89. 

3. Im nördlichen Seitenschiffe an der Nordseite; graue über- 
tünchte Steinplatte mit Randschrift um ein fast die ganze 
Platte einnehmendes, gering vertieftes Feld mit skulpiertem 
Wappenrelief. Umschrift auf Georg Dressiedler 1459. 

4. Ebenda Platte, grau mit langer schwarzer Inschrift, die zum Chronogramme gehörigen Buchstaben rot; 
unten skulpiertes Wappen. Johannes Jakob Baron Hoffmann, 173'J (W. A. V. III 116). 

5. Gegenüber; rote Platte, in der unteren Hälfte seicht vertieftes Feld mit Relief, Doppelwappen, in einem 
Halbfigur eines bärtigen Mannes mit Stirnbinde und Kronreif, die vergrößert als Helmzier wiederkehrt: 
Anno dni MCCCCLXXXXUI iar am pfintstag zu Mitterfasten ist gestorben der wolgebome her her Lorent; 
Hofkirclwr von Kolmiintz und ligt pegraben mit frave EUsabet sein egernael . . . seine V Kindern de got genedig 
sei amen. 













jlCjÄ^jJ 




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HM 



Fig. 88 Obermlorf (Raabs), Pfarrkirche, Monstranz (S. 85) 



86 



Gerichtsbezirk Raabs 



6. Daneben kleinere, rote Tafel, in der unteren Hälfte rundbogiges, vertieftes Feld mit skalpiertem Wappen, 
gleich jenem bei 5 beschriebenen. Apolania geb. von Hofkyrchen Freiin zu Kholmuz verehelicht mit Leopold 
von Lembach; 1542. 

Daneben Wandgrab, grau und braun marmorierter, kartuscheförmiger Aufbau aus reichem Volutenornament, 
nach unten mit weißem Totenkopfe, nach oben mit Wappenschild unter weißem Rankenwerke und Helmzier 




Fig. 89 Oberndorf (Raabs), Pfarrkirche, Grabstein (S. 85) 



endend; seitlich über Voluten zwei Putten mit Stundenglas, beziehungsweise Handampel; in der Mitte über 
breitem Postament herabhängende Draperie, schwarz, mit Inschrift in Goldbuchstaben: Rudolphus Baron 
Rg- 90. Andlau 1725 (Fig. 90). 

Außen : Im N. an der Umfriedungsmauer sehr hohe, schmale, gelbliche Steinplatte, unten Inschrift, 
Bibelzitat, zwischen zwei profilierten Gesimsen, darüber vor rundbogig geschlossenem Felde Relieffigur eines 
stehenden Ritters in Rüstung mit langem Barte, rechts unten neben ihm der Helm, links Wappen. Um 1610. 
Fig- 91. (Fig. 91) W. A. V. III 117. 



Oberndorf bei Raabs 



87 



2. Durchmesser 1*02 m. Siebenerin, aucli Toplerin. Durchmesser 58, Höhe 81, Dicke 85 und 62 
f NAZARENUS f REX f 1UDE0RUM f TITULUS f TR/UMPHALIS f NOSTRI f 
sfO — REX f GLORIE f VENI — - f CUM — PACE f 10ANNES ET PAULUS 



Glocken: 1. Durchmesser 1-22»/. Prandtnerin (Kreuz, S. Maria, S.Josef, S. Georg): Johann Achamer 
Kays. Sf.(uckgießer) /'// Wienn g. m. u. I7<)~> — Johann Simon Prandtner, gewester Döchant und Pfarrer 
Raps. 

mm. f IHESUS 
SALVATORIS 
HEC — OPA - 
FUSA — EST — C0AD/UT0RI0 (A ?) — DN1 — ORTOLFI — DE — TOPIL — TU NC — PLEBANI 
ANNO — DOMINI — M — CCC — XXXX — /// (1343). Gotische Majuskelschrift. 
Dreipaß: Symbole der vier Evangelisten. Herrliches Stück!!! 

3. Meßglocke (Kreuz, S. Maria) : Joh. Achamer g. m. in Press- 
bürg, 170- r >. 

4. (Kreuz, hl. Familie): J. ü. Scheichl in Znaym g. m. Franc. 
Danin, chartopoeus — et Theresia uxor fieri fecerunt a. 177:',. 



'lenken. 



Kleine Bildlein im 





Fig. 90 Oberndorf (Raabs), Pfarrkirche. Grabmal 
des Rudolf von Andlan (S. 86) 



Fig. 91 Oberndorf (Raabs), Pfarr- 
kirche, Grabstein (S. 86) 



Spitalskirche zu Ehren aller Heiligen. 

Jetzt als herrschaftlicher Schüttkasten verwendet. 

Kirche und Spital wurden von dem Benefiziaten von St. Peter und Paul bei der Pfarrkirche in R., Jakob 
Zlabinger, am Anfange des XVI. Jhs. gegründet und der Grundstein am 21. September 1511 von Abt Paul 
von Geras gelegt. Unter den Wohltätern für den Bau dieser Kirche werden besonders erwähnt der Pfarrer 
von Raabs, Georg Huber, der selbst mit seinen Priestern Steine brach, Hans Hauser auf Karlstein und viele 
andere. Die Ausgaben betrugen über 425 Pfund, wovon der Steinmetzmeister von Neukirchen 100 Pfund, die 
Steinbrecher in Burgschleinitz 57 Pfund etc. erhielten. Die Kirche war zuerst zu Ehren aller Heiligen gewidmet 
und wurde später dem Hl. Geist geweiht. Nikolaus von Puchheim zog diese Kirche 1574 ein und ver- 
wendete sie als Strohmagazin, 1586 mußte er ihre Wiederherstellung geloben, doch wurde sie erst nach dem 
Verlaufen des Protestantismus dem katholischen Gottesdienste zurückgegeben. Noch 1675 war sie entweiht 
und vor 1718 zerstörte der Herrschaftsverwalter ein Monument in ihr (Dekanatsarchiv Raabs). Die Kirche 
enthielt einen Hochaltar und zwei Seitenaltäre und konnte dank ihren Emporen 600 Menschen fassen. Sie 



Spitals- 
kirche. 



88 



Gerichtsbezirk Raabs 



hatte einen hölzernen Dachreiter mit einer Glocke. Die Kirche wurde schon vor 1786 entweiht, geschlossen 
und als Hafer- und Heumagazin verwendet. 

Beschreibung. Beschreibung: Einschiffige, spätgotische, netzgewölbte Kapelle mit einheitlichem Langhause und 
Chorraume. Das Innere durch zwei Dippelboden tmtergeteilt, aber mit vorzüglich erhaltenem, zierlichen Detail 
Fig. 93. und Resten der ursprünglichen, ornamentalen Bemalung (Fig. 93). 

Äußeres. Äußeres: 

Grau verputzter Bruchsteinbau mit Hausteineinfassung an den Kanten. Unverputzter, dem gegen W. und 0. 
abfallenden Terrain angepaßten Sockel, der mit einem profilierten Steingesims abgedeckt ist und an den 
Fig. 92. Türen im rechten Winkel hinabsteigt (Fig. 92). 

Langhaus. Langhaus: W. Gestutzte Giebelfront, rechteckige, zum Teil vermauerte Tür und Kielbogenfenster in 
abgeschrägter Steinrahmung. — S. Tür in gedrücktem Kleeblattbogenabschlusse mit Kehle zwischen ver- 
schnittenen Stäben und vorspringenden Ecksteinen. 
Zwei zweiteilige Spitzbogenfenster mit Steinmaßwerk 
und ohne Mittelpfosten, zum Teil vermauert und eine 
quadratische Luke. — N. Ein Fenster wie im S. und ein 
hoch angebrachtes rechteckiges in Steinrahmung. 
Über gekehltem Gesimse abgewalmtes Schindelsatteldach 
über Langhaus und Chor. 

Chor. Chor: Einspringend, in fünf Seiten des Achteckes ge- 

schlossen; im S., SO. und 0. zweiteiliges Spitzbogenfenster 
mit reichem Steinmaßwerke und abgeschrägter Sohlbank, 
zum Teil vermauert. 



Anbau. Anbau: Im N. vom Chore, rechteckig, mit Rundfenster 

im N. und rechteckigem im 0. ; Reste von linearerSgraffito- 
malerei. Pultdach. 

inneres. Inneres: 

Einschiffiger Langhausraum und Chor, jetzt durch zwei 
eingezogene Dippelboden untergeteilt. Weiß gefärbelt, 
mit Resten ornamentaler Bemalung, der in fünf Seiten des 
Achteckes gebrochene, einspringende Chor rosa getönt. 
Durch jederseits zwei Pfeiler in drei spitzbogige Felder 
geteilt. Diese Pfeiler rechteckig, in der oberen Hälfte 
durch Emporeneinbauten verbunden und durch recht- 
eckige Öffnungen durchbrochen. Netzgewölbe mit ver- 
schnittenen Rippen, sich unvermittelt in das Abschluß- 

Fig. 94. gewölbe des Chores fortsetzend (Fig. 94). Die Rippen sind 
zierlich birnförmig profiliert und sitzen zu Bündeln ver- 
einigt mit polygonalen, mit Wülsten besetzten Konsolen 
auf halbrunden, bis zum Boden reichenden Diensten an 
den Stirnseiten der Pfeiler auf. Die Dienste stehen über 

rundem Wulste auf halb zehneckigen Sockeln mit eingezogenen Seiten auf, darunter Wulst und Pultschräge. 
Als Schlußsteine Wappenschilde, einer mit einem Kelche, einer mit einem Sterne und einer mit unleser- 
lichen Ziffern oder Buchstaben. Ein weiterer Wappenschild mit drei Garben in einer Stichkappe. 
Westempore in der ganzen Breite und in der Tiefe des ersten Joches über eingebaute Steinstiege zugänglich. 
Sie ruht auf einem breiten Kreuzrippengewölbe, das im S. durch den Stiegeneinbau, im N. durch eine spitze 
Tonne zur vollen Breite gebracht ist. Die Rippen verlaufen an der Wand und am westlichen Pfeilerpaare. 
Die untere Halle öffnet sich mit einem aus zwei Stäben und zwei Kehlen kräftig profilierten Rundbogen gegen 
das Schiff. Die Stirnseite ist in den Zwickeln mit spätgotischem Pflanzenrankenwerke mit Blumen bemalt 

Fig. 95. (Fig. 95). Darüber Reste der Steinbrüstung und ihrer vertikalen Gliederung durch Pfosten. Die Empore setzt 
sich durch die beiden Joche als Seitenempore fort. Diese Seitenemporen werden von tiefen Gurtbogen getragen, 
die zwischen die Pfeiler eingebaut und von zweimal gekehlten Rahmungen eingefaßt sind. Die obere Emporen- 
öffnung in profilierter Rahmung. Ornamentale Bemalung wie an der Westempore; ebenso die Reste der Brü- 
stungen. Im W. vermauerte Tür, darüber breites Oberlicht in gemeinsamer Segmentbogennische. Darüber ein ver- 
schaltes, kleines Kielbogenfenster in Segmentbogennische. Im S. Tür in flachem Kleeblattbogenabschlusse in 
Segmentbogennische, zwei zweiteilige, zum Teil vermauerte Spitzbogenfenster mit verschiedenem, steinernen 
Maßwerke; im N. ein ebensolches Fenster und über der Empore ein rechteckiges in Segmentbogennische. 




Fig. 92 Oberndorf (Raabs), ehemalige Spitalskirche (S. 88) 



Obcrndnrf bei Raabs 



89 



Chor: Einspringend, die Flucht der Emporen fortsetzend. Das Gewölbe setzt das des Langhauses fort. Die 
Rippen enden hoch an der Wand auf runden Konsolen, die in mehreren polygonalen Abstufungen nach ab- 
wärts verjüngt sind. Im S., SO. und 0. ein Fenster wie im Langhause, zum Teil vermauert. 

Anbau: Nördlich vom Chore, kleiner tonnengewölbter Raum mit unregelmäßig einspringenden Zwickeln; 
im N. rundes Fenster, im 0. steingerahmte Luke. Im S. Segmentbogenöffnung. 

Ehemaliger Karner zur hl. Katharina. 

Der erste Hinweis auf diesen Karner dürfte die 1429 erfolgende Erwähnung sein, daß der Pfarrer Lehensherr über drei Kapellen 
sei; eine von diesen dürfte der Karner gewesen sein. 1S00 stiftet die Mutter des Besitzers von Karlstein, Hans Hauser, eine 
Wochenmesse für diesen Karner. Die Lehensherrschajt darüber verkauften die Hauser an die Puchheim, denen jedoch 15S6 aus- 
drücklich ein daraus erfolgendes Recht auf den Karner selbst bestritten wurde, da weder sie noch die Hauser ihn gebaut halten. In 
späterer Zeit wurde in der Kapelle nur am Katharinentag Gottesdienst gehallen. Um 1786 wurde die Kapelle abgebrochen, die Gruft 
verschüttet. Bei Errichtung einer Baumschule stieß man 1856 auf die alten Grundmauern. 

B i I d s t ö c k e: 1. Granit, über Stufe und Sockel achtseitiger Pfeiler mit profilierter, quadratischer Deckplatte, 
die mit vier Schildchen besetzt sind, an denen in undeutlichen, gotischen Ziffern die Jahreszahl 1535 sichtbar 
ist. Darauf vierseitiger Tabernakel mit drei rechteckigen Blechbildern in Nische; vierseitiges Steindach mit 
neuem Eisenkreuz. Anfang des XVI. Jhs. 

2. Gegenüber der Spitalskapelle; grauer Sandstein; über Stufe geschweifter, hoher Sockel mit Feldergliederung 

zwischen Deckplatten; darauf auf Wolken 
kniend hl. Leopold, neben dem ein Putto das 
Kirchenmodell hält. Um 1700 (Fig. 97). 
3. Weg nach Pfaffendorf. Achtseitiger Taber- 
nakelpfeiler auf hohem Sockel; jederseits 
Nische und kreisförmige Erhöhung unter 
dreieckigem Giebel mit einspringenden Nasen. 
Pyramidendach. In der Südnische Reste einer 
Inschrift mit unleserlicher Jahreszahl. XVI. Jh. 

Schloß Raabs, Besitz Sr. Exzellenz 
Philipp Reichsgrafen Boos von Waldeck 
und Montfort. 

Die Herren von R. sind eines der wichtigsten, 
österreichischen Geschlechter zur Zeit der 
Babenberger. Die Identifizierung des mittel- 
alterlichen Rakoucz oder Rachaz mit dem 
Orte R. erfolgte erst 1847 durch Grübl in 
Schmidls Blätter a. a. 0. Der Ortsname (für 
den Wald) erscheint zuerst 1074, nachdem 
die Markgrafen von Österreich schon seit 1048 begütert vorkommen. Von zirka 1100 an beginnt R. die 
militärisch wichtige Rolle zu spielen, die seiner Lage an der Vereinigung der beiden Thaya und an der Grenze 
entspricht. Von etwa 1112 an kommen die Grafen von R. häufig als Burggrafen von Nürnberg vor. Der letzte 
des Geschlechtes ist Konrad (gest. 1192), dessen Tochter Sophie mit Friedrich von Zollern vermählt war; 
daher gehören die Grafen von R. zu den Ahnherren der Hohenzollerm. König Ottokar von Böhmen überließ 
die Grafschaft Raabs 1260 dem Wocko von Rosenberg, dessen Sohn Heinrich mußte sie 1282 dem Grafen 
Albrecht von Habsburg abtreten. Dieser verpfändete sie an die Meißau; 1358 kam sie an die Puchheim, 
die R. bis 1701 besaßen und dem Schlosse die jetzige Gestalt gaben. 

Für das große Ansehen dieser Herrschaft spricht der Umstand, daß in der tschechischen Sprache heute noch 
Österreich Rakousy und die Österreicher Rakouski, also Raabser, genannt werden (Bl. f. Landesk. 1878, 
100). Wiederholt hatte die Burg Gelegenheit, sich als Grenzfeste zu bewähren. Schon 1 100 wurde sie von Herzog 
Bretislav von Mähren durch sechs Wochen belagert und dem rechtmäßigen Besitzer Gottfried zurückgegeben 
(Bl. f. Landesk. 1878, 100). Die böhmischen Adeligen benutzen sie um 1282 zum Stützpunkte gewaltsamer 
Unternehmungen gegen Österreich, mußten sie aber im nächsten Jahre herausgeben. Winter, Niederösterreich. 
Weistümer II 224; Hormayer, Taschenbuch, 1813, 279). Um 1385 eroberten böhmische Adelige. Nikolaus von 
Ostiowa und andere das Schloß ohne Anmeldung der Fehde auf heimtückische Weise und die Puchheim 
vi 12 




^tjipnjirtfpt . 



Flg. 93 Obenulorf (Raabs), ehemalige Spitalskirche, Grundriß 1 : 200 (S. 88) 



Chor. 



Anbau. 



Ehemaliger 
Karner. 



Bildstöcke. 



Fi ß . 07. 



Schloß. 



90 



üerichtsbezirk Raabs 



mußten es durch Belagerung zurückgewinnen (Landesarchiv in Linz, Puchheimer Index). Auch um 14(37 erfolgte 
eine Belagerung desselben (Kurz, Österr. Militärverfassung 425). Über die Einrichtung des Schlosses Raabs 
im XVI. Jh. gibt ein „Inventari der varenden hab weiland des Herrn Andre von Buechheimb" vom 27. Juni 
1561 einigen Aufschluß; von einzelnen Objekten seien genannt : Ain schlahende Uhr in ainem gemalten Allmail, 
daran des Herrn von Bucham unnd der Frauen Wappen gemallt. — Ain Straussen Ay in Silber übergult, ein- 
gefasst. — Item ain cristallen Glas mit Silber übergult. — Ain niderlendische gemosirte Zinkhandl sambt seinem 
gießbeckh. — Zwei schwartze Truhen darin ligendt alle Farben und Malerei. — In den oberen Zimmern. In 




Fig. 94 Oberndorf (Raabs), Ehemalige Spitalskirche, Querschnitt 1 : 125 (S. 88) 



einer neu gemalten stubn zween disch. Ein nürnberger isch Debbich. — In der Capeila : Ain rotsamates Mess- 
gwandt mit ainem gülden Kreitz auf dem ruckh mit Heilligen und P.ildern aufgepieckht sambt desselben Zu- 
gehorung. Ain Silber übergulter Kelch sambt seiner Paten in ainem weißen Sackhel, darauf ain Corporaltaschen, 
ain Silber übergultes Kriegl, darauf unsers Herrn Bildnus am Kreiz hanngendt. Sechs messene Leichter auf drei 
Altaren. Auf ainem Altar ein groß messinges Kreitz daran unnseres Herrn Bildnus am Kreitz hanngenndt. Zwei 
zinnene Opferkandl. (Wien, Hofbibliothek, Hs. 14.788.) Durch die Puchheim wurde das Schloß in die krie- 
gerischen Ereignisse verwickelt. Herzog Maximilian von Bayern richtete am 16. September 1620 zwei große 



Oberndorf bei Raabs 



91 



Kanonen gegen das Schloß, das sicli beim vierten Schusse ergab („Der Hausfreund", Beilage zur Kremser 

Zeitung vom 6. Juli 1901). Im XIX. Jh. hat das Schloß einen vielfachen Besitzerwechsel durchgemacht, der 

auch für die alte Einrichtung kaum günstig gewesen sein dürfte. 

(Fig. 98 und 99). In der jetzigen Form nur in der sehr charakteristischen Anlage dem Mittelalter zugehörend, Fig. w u. yy. 

sonst zumeist in Formen des XVI. Jhs., aber in den folgenden Jahrhunderten vielfach verändert. 

Die Schloßkapeile zum hl. Klemens wird 1493 genannt, hatte 1509 einen Kaplan, war aber 1544 ohne solchen 

(Geschieht!. Beilag. IX 220, 225, 226). 1569 wurden ihre Stiftungsgüter verzeichnet (Schloßarchiv Raabs). 

1765 heißt es: Die schön geschmückte Schloßkapelle sei mit ewiger Meßlizenz versehen (Dekanatsarchiv 

Raabs). 

Beschreibung: Auf einem steilen, in der Richtung von W. nach 0. ziehenden Felsrücken gelegen, Beschreibung. 
der nach N., 0. und S. steil abfällt, nach W. allmählich ins Terrain übergeht. Am Rande des Burghügels 




Fig. 95 Oberndorf (Raabs), ehemalige Spitalskirche, Gewölbe (S. 88) 



läuft eine Bruchsteinumfriedungsmaticr in verschiedener Höhe, zum Teil mit erneuter Zinnenbekrönung und 
verschieden hohen Rondells. Das Schloß repräsentiert sich nach außen als ein grau verputzter, mächtiger 
Trutzbau unorganischen Charakters und mit unregelmäßigen Vorsprüngen, die eine dem Fels entsprechende 
Verbreiterung gegen W. hervorbringen. Der älteste Teil des Schlosses ist der östlichste, der ziemlich schmal 
zulaufend, über dem steilen Felsen endet. An seiner Ostseite ist ein halbrunder Turm angebaut, der bis zu etwa 
zwei Dritteln Höhe des Gebäudes reicht und oben einen Söller trägt. Auf dem Ostgiebel des Gebäudes vier- 
seitiger, erneuter Dachreiter mit zwei Rundbogenfenstern an jeder Seite. 

Die lange Südfront glatt, dem Felsen entsprechend geschwungen und vorspringend (Fig. 98). In zwei Stockwerken 
unregelmäßig verteilte Fenster, zum Teil mit steinernen Fensterkreuzen. In dieser Front ragen zwei Stein- 
balken unregelmäßig hervor (Träger eines ehemaligen Erkers oder Abtrittes). Weiter westlich ein vorkragender 
Erker über sechs Konsolen mit gekerbtem Ablaufe und gedrückten Rundbogen; die Fenster mit profilierten 
Sturzbalken, über ihnen profiliertes Gesims. Unmittelbar westlich von diesem Erker springt die Front in 
Form eines halbrunden Turmes vor; diese Ausbauchung wird von einer mächtigen, bis an das Straßenniveau 

12« 



Fig. 98. 



92 



Gerichtsbezirk Raabs 



herabreichenden Subkonstruktion aus unverputztem Bruchsteine getragen, aus der drei Träger eines ehe- 
maligen Erkers vorragen, und enthält zwischen den abschließenden Simsen zwei Reihen von Fenstern. Jenseits 
des Turmes setzt sich die Südfront fort und ist in diesem Teil unter dem Kranzgesimse mit einem Konsolen- 
fries besetzt; gegen W. rundet sich das Gebäude ab und endet mit fünfseitigem, mächtigen Bruchsteinturme, 
der mit seiner scharfen Kante gegen W. gestellt ist. Im Zwickel zwischen dem Turme und dem Gebäude ist 
ein kleines Treppentürmchen eingebaut. Weiter gegen W. schliefst sich eine mit Zinnen bekrönte Mauer an, 
die zu dem kleinen, nach W. abgerundeten Vorturme mit spitzem Ziegelkegeldach führt. Zirka 20 m gegen W. 
endet die südliche Umfriedungsmauer mit dem Verwalterhause, dessen Front unregelmäßig gestuft und stark 
erneut ist. An seiner Ostecke wenig überragender Rundturm mit Ziegeldach, an seinem Westende ein mit 
dem Oberstocke vorspringender, von Konsolen gestützter Gebäudeteil. Daran schließt sich über hoher Futter- 
mauer ein ganz mit Grün überwachsener, rundbogiger Laubengang, der bis zu dem Torvorbau reicht; der 
Laubengang steht auf einem, von Balkenenden getragenen Gesimse und ist mit ebensolchem Gesimse abge- 





Fig. 96 Oberndorf (Raabs), ehemalige Spitalskirche, ornamentale Bemaluug 
an der Westempore (S. 89) 



schlössen; die stark gedrückten Rundbogen ruhen auf profilierten Deckplatten, die von profilierten, den Rund- 
bogen begleitenden Stäben durchbrochen werden. 

Das Torgebäude ist mit seiner Front gegen W. gestellt. Gequaderter Putzbau mit rundbogigem Haupt- 
portal mit Volutenkeilstein, daneben Fußtürchen, über jedem ein von Konsolen getragener Sturzbalken. 
Über ähnlich gestaltetem Abschlußgesimse Aufsatz in zwei von profilierten Gesimsen getrennten, von Voluten 
eingefaßten Stockwerken und Segmentabschluß mit Kuppelbekrönung. Im oberen Stockwerke Rundfenster 
mit vier Keilsteinen, im unteren zwei rechteckige, gerahmte, mit Konsolen unter den Sohlbänken; schmiede- 
eiserne Gitter von der Mitte des XVIII. Jhs. Seitlich ist der Aufsatz von Postamenten aus zwei, im rechten 
Winkel aneinander stoßenden Voluten eingefaßt, darüber stark profilierte Akroterien. — Weiter gegen W. 
erstreckt sich über dem Felsen die Parkmauer, an die die mit Zinnen und Schießscharten versehene, west- 
liche Abschlußmauer anstößt. 

Die Nordseite, von dem östlichen Gebäudeende beginnend, stuft sich viermal ab und erreicht so die Breite 
des Felsrückens im W. Der östliche Trakt wird von drei, dreimal gestuften Strebepfeilern gestützt; er bildet 
mit der Ostseite der zweiten Stufe und einer niedrigen Bruchsteinmauer am Felsrand einen kleinen, etwa 



Oberndorf bei Raabs 



93 



dreieckigen Hof (Fig. 100). Die weiteren Abstufungen stehen über dem Felsen auf. Der westliche Gebäudeteil Fig. 100. 
ist durch gelblichen Verputz hervorgehoben und geht in rechtem Winkel in den äußersten, westlichen, von 
Ortsteinen eingefaßten Flügel über; über Zahnschnitt Kranzgesims; überragendes Ziegelwalmdach mit 

hohen Kaminen. 

Der nördliche Abhang des Felsens ist mit Bäumen bewachsen und endet an der Thaya mit langem, eben- 
erdigen, direkt aus dem Wasser aufsteigenden Bruchsteinbau mit kleinen Luken und Schindeldach. 

Durch den Torvorbau an der Südwestseite gelangt man in die Vorburg. Rechteckiger, langgestreckter Hof, Hof. 

an der Nordseite Stallungen, an der Südseite eine in Rundbogen aufgelöste, efeuüberwachsene Mauer. An 
der östlichen Schmalseite schließt das Verwalterhaus an, das mit den Gebäuden an der Nordseite durch einen 
Schwibbogen verbunden ist. An diesem Hause ist eine rötliche Kalksteinplatte in grauer Umrahmung ein- 
gemauert mit einer von Georg Ehrenreich von Puchhaimb am 
1. Juli 1597 gesetzten Inschrift zur Erinnerung an die Er- 
mordung seines Vaters Niklas am 15. Mai 1591. 

Man gelangt nun über einen tiefen Graben mittels einer festen, 
über zwei Bogen gespannten Brücke zum Vorplatze, an 
dessen Südseite ein an die äußere südliche Umfriedungsmauer 
angebauter Turm steht. Er ist mit Zinnen bekrönt, gegen 
W. und S. abgerundet; an seiner Ostseite Freitreppe. — Das 
eigentliche Schloß springt mit einem hoch überragenden, derb 
verputzten, fünfseitigen Bruchsteinturm, der ein hohes Zelt- 
dach trägt, nach W. vor. An ihn schließt sich ein senkrecht auf 
die Front des Hauptgebäudes stehender Flügel an (Fig. 101). Fig. 101. 

Das Hauptgebäude mit Ortsteinen eingefaßt, dreigeschossig, 
über einem mit Simsen abgeschlossenen Sockel; die Fenster 
in Steinrahmung mit ausladenden Sturzbalken und Sohl- 
bänken; über Zahnschnitt profiliertes Kranzgesimse und 
Satteldach, über der Westfront aufgesetzter Uhrturm mit 
profiliertem Gesims und blechgedecktem Zwiebeldach. Haupt- 
portal an der Westseite, rundbogig, darüber gemalte Attika 
zwischen schmalen Pilastern, darinnen Wappen in steinfarbig 
gemaltem Blumenkelche. Anfang des XIX. jhs. Darüber Auf- 
satz mit einem, von zwei Konsolen getragenen Flachgiebel, 
der von drei Vasen bekrönt ist; im Giebelfelde in Relief zwei 
mit den Schweifen verflochtene Drachen, auf denen Putten 
reiten; um 1570. Durch die Durchfahrt, mit diamantierter 
Decke um quadratischen Mittelspiegel, der ein polychromiertes 
Reliefwappen enthält, gelangt man in den Hof. 

Längliches Rechteck, die Wände fast gänzlich von Grün über- 
wachsen. Unter dem profilierten Kranzgesimse Triglyphenfries, 
an den Wänden gemalte Lisenengliederung und zwei Sonnen- 
uhren von 1705; an der Ostwand stark schadhafte, gemalte 
Draperie. ImO. um vier Stufen erhöhtes Portal mit gedrücktem 
Rundbogen über seitlichen Pilasterbündeln, die über Würfel- 
kapitälen einen Aufsatz und darüber einen kräftig ausge- 
bogenen Sturzbalken tragen. Im Giebelfelde zwei leere, von 
Ranken umgebene Wappenschilde, zweite Hälfte des XVI. Jhs. 
In der Türlünette schmiedeeisernes Gitter, Palmettenfächer 
und Ranken. Um 1730. Die kleine Stiege wird von zwei wappenhaltenden Sandsteinlöwen flankiert. 
Daneben ein zweites Rundbogenportal mit aufgelegtem Rocaillerankenwerk auf den Türflügeln und recht- 
eckigem Oberlichte mit Eisengitter, um 1770. In der Südwestecke des Hofes Wendeltreppe mit Kehle und 
Rimdstab an der Spindel, um 1550. 

Von den Iiiiieiiräumen sind zunächst drei östliche des Oberstockes von Interesse. Im mittleren eine Tür in Inncnräumc. 
flachem Kleeblattbogenabschltisse mit monochrom gemalter Umrahmung, darin Doppelwappen Puchheim- 
Seeberg. Die zweite Tür in diesem Räume mit schön profilierter Steinumrahmung. In diesem und in dem 
östlichsten Zimmer geringe Spuren von figuralen Wandmalereien aus dem XVI. Jh. (Vielleicht sind das die 
Zimmer, die im Inventar von 1561 als neu gemalt bezeichnet sind; siehe oben.) Das dritte Zimmer dieser 
Flucht hat eine einfache Stuckdecke aus dem XVIII. Jh. 

Bibliothek: Charakteristisches Gewölbe um 1560 mit profilierten Stuckbändern an den Graten und Bibliothek, 
rundem Mittelmedaillon, das das Puchheimsche Wappen enthält. In diesem Zimmer ein weißer Steinkamin 




Fig. 97 Oberndorf (Raabs), Bildstock mit 
hl. Leopold (S. 91) 



94 



Oerichtsbezirk Raabs 



mit einer, von zwei eingerollten Konsolen getragenen Attika; über profiliertem Abschlußgebälk eingezogener 
Kaminmantel mit bemaltem Reliefwappen Puchheim-Seeberg und Datum 1554. — Von hier gelangt man 
in einen kleinen Mittelhof mit einem kleinen modernen Laubengang, daran zwei alte Türen mit rauten- 
förmig gelegten Eisenbändern und Rosetten in den Rauten; eine datiert 1555. 




Fig. 98 Schloß Raabs von Süden (S. 91) 

Kapelle. Kapelle: Im 0., zu ebener Erde. Rechteckig, mit Flachdecke über profilierter Kornische und geringer 
Kehle. Alle Wände bemalt. Seitengliederung durch je zwei gekuppelte Pilaster mit Steilvoluten als Kämpfern. 
An der Ostwand um die seichte Altarnische eine Draperie, die von zwei großen Engeln zur Seite gehalten 




Fig. 99 Schloß Raabs, Grundriß 1 : 1080 (S. 91) 



wird. Im Scheitel steinfarbene Putten, die ein Doppelwappen Kaiserstein-Bartenstein halten. An der Nord- 
wand großes, ovales Fenster; an der Südwand entspricht diesem ein ovales Bild, dessen gemalte Festonrahmung 
von steinfarbenen Engeln und Putten gehalten wird. Das Bild, Öl auf Leinwand, zeigt die Heiligen Karl 
Borr., Ignatius(?), Rochus und Rosa in Anbetung vor der hl. Dreifaltigkeit, zu deren Füßen Maria thront; 



Obemdorf bei K<ialw 



95 



lim 1770, Art des Wagenschön. Au der Decke Mittelbild, Himmelfahrt Christi, von I-'. üeylhig 1836 gemalt; 
in den Ecken zur ursprünglichen Dekoration gehörige, gemalte, steinfarbene Kartuschen mit den drei christ- 
lichen Tugenden, in der vierten, sehr zerstörten, kirchliche Embleme. Die Dekoration aus der Mitte des 
XVIII. Jhs. Westempore nach unten mit vortretendem Wulste abgeschlossen, mit kräftig eingezogenem 
Mittelteile. Im N. rechteckige, steingefaßte Tür, darüber ein Fenster, im S. Tür zur Sakristei. 




Fig. i(X) Schloß Raabs von Nordosten (S. 93) 



Einrichtung: 

Altar: Holz, polychromiert; Skulpturenaufbau; Kruzifixus zwischen Maria und Johannes; den Hinter- 
grund bildet ein durchbrochenes, vergoldetes Rankenwerk in Gold und Grün. Ende des XVII. Jhs. 

Gemälde: 1. Öl auf Leinwand; Jesus als Knabe mit dem Kreuze, in ganzer Figur, stehend. Ende des 
XVIII. Jhs. 

2. Im Vorräume zum Oratorium; 130 x 173 a»; zwei Pendants, Johannes der Täufer und Hieronymus, stark 
nachgedunkelte, schadhafte Bilder. Zweite Hälfte des XVIII. Jhs. 

Skulptur e n : Weiß gefaßte Holzstatuen der Heiligen Johannes von Nepomuk. Florian, Simon, Gregor, 
auf Steinkonsolen mit Reliefkartuschen an der Vorderseite. Zweites Viertel des XVIII. Jhs. 



Einrichtung. 
Altar. 

Gemälde. 



Skulpturen. 



96 



Gerichtsbezirk Raabs 



Ferner enthalten Stiegenhäuser, Vorzimmer und zum Teil auch die Wohnräume Flachdecken mit Stuck- 
verzierung in leichtem Relief, Ranken und Riemenwerk, mit Tressen und Rosettengittern. Um 1730. Im 
Untergeschosse mehrere Räume mit Gewölben aus der Mitte des XVI. Jhs. 




Fig. 101 Blick vom Vorhofe auf das Schloß Raabs (S. 93) 



Glockenturm. 



Pfarr- 
kirche. 



(Unter-) Pertholz 

1. (Unter-) Pertholz; 2. Zirnreith mit Niklasberg 

1. (Unter-)Pertholz 

Prähistorische Funde: Meißelbruchstück aus grünem Schiefer, Bohrlochkern aus Diorit, kratzerartiger Hornstein-Nukleus, 
Klingenbruchstück aus lichtem Hornstein mit Retouchen, retouchierter Eckstichel aus Hornstein und durchlochte Scheibe aus 
graphitiertem Ton. 
Hier waren um 1230 schon bei 20 Häuser dem Landesfürsten dienstpflichtig (DOPSCH I). 

Glockenturm: Quadratisch, über ziegelgedecktem Simse verjüngt; Rundbogenfenster, profiliertes Ab- 
schlußgesims, Pyramidendach. 1878, renoviert 1897. 

2. Zirnreith mit Niklasberg 

Literatur: Greisl, Die Pfarre N. in Niederösterreich, 1910; Fahrngruber 141 f.; Plesser, Kirchen, 313; Geschichtl. Beilag. IX 

192; Bl. f. Landesk. 1899, 342, 143; Schweickhardt V 19. 
Prähistorische Funde : Einige Absplisse aus lichtem Hornstein ; Sammlung Kiessling. 

Pfarrkirche zum hl. Nikolaus. 

Diese auf einem Berge gelegene Kirche erscheint 1188 unter dem Namen Kirchberg. Damals überließ der 
Bischof von Passau dem Wichard von Weikertschlag das Präsentationsrecht der Kirchen Waldkirchen, Kirch- 



(Untcr-)Pertholz. — Zirnrcith mit Niklasberg 



97 



berg und Fistritz (Neu-Bistritz in Böhmen). Vor 1353 kam die Benennung Pfarre Perchtolds (nach dem größeren 
Orte bei der Kirche) oder St. Niklasberg (nach dem Patrozinium) in Gebrauch; in jenem Jahre wird der erste 
Pfarrer Scyfried genannt. Die Pfarre gehört unter das Stift Geras und umfaßte anfangs des XV. Jhs. auch 
einen Teil von Großau, Süßenbach und Schaditz. Durch die lutherische Bewegung und die Kriegszeiten ging 
die Pfarre ein und wurde Filiale zu Weikertschlag. 1757 baute das 1783 aufgehobene Stift Pernegg, das die 
Pfarre seit 1680 besaß, Kirche und Pfarrhof neu auf und errichtete wieder eine selbständige Pfarre. 
Um 1855 wurde der Turm neu gebaut und die Kirche renoviert; 1900 Renovierung der Kirche. — 
Eine Viertelstunde nordwestlich bestehen im Walde „Heitzenhof" Reste der „Albrechtskirche", über welche 
keine geschichtlichen Nachrichten vorhanden sind. 

Beschreibung: Einfaches Barocklanghaus von 1757 mit gotischem Chore, an dem noch die romanische 
Apsis vorhanden ist (Fig. 102). 

Äußeres: 
Gelb gefärbelt, mit umlaufendem, grauen Sockel. 

Langhaus: W. Rechteckige Front, mit Ziegeln abgedeckt, darüber aufgesetzter, etwas zurücktretender 
Giebel mit Bodenluke. Die'südliche Hälfte durch den Turm verbaut. S. und N. mit hart profiliertem Abschluß- 
gesimse, zwei Runclbogenfenstern. Im S. ein kurzes Fenster und rechteckige Tür, unten Vorbau. 0. Den Chor 
überragende glatte Giebelfront. Ziegelsatteldach. 




Fig. 102. 
Äußeres. 



Langhaus. 



Fig. 102 Niklasberg, Pfarrkirche, Grundriß 1 : 200 (S. 97) 



Chor: Rechteckig, einspringend, niedriger als das Langhaus, mit Tür und Rundbogenfenster im S. und 
Anbau im N. Ziegelsatteldach. Im 0. einspringende, bedeutend niedrigere, halbrunde Apsis, mit zwei spitzbogigen 
Fensterschlitzen im SO. und einem Segmentbogenfenster in schräger Laibung im S. Schindelkegeldach. 

Turm: Im W. des Langhauses, dreigeschossig, mit Ortstein-, Lisenen- und Pilasterrahmung, Rundbogen- 
fenster. Blechgedecktes Zwiebelglockendach. Mitte des XIX. Jhs. 

Anbauten: 1. Im N. des Chores, bis zu dessen halber Höhe reichend, mit Segmentbogenbreitfenster im 
0. und Schindelpultdach, 

2. Im S. des Langhauses, Torhalle, rechteckig, mit Rundbogenöffnung im S., darüber Simsband und Flach- 
giebel. Ziegelsatteldach. 

Umfriedungsmauer: Um Kirche und Friedhof, geringe, zum Teil unverputzte Bruchsteinmauer. 



Chor. 



Turm. 



Anbauten. 



Umfriedungs- 
mauer. 



Inneres: 

Einfach gefärbelt. 

Langhaus: Flachdecke über umlaufendem Gesims; im N. 
Tür in Segmentbogennische. Neuere Holzempore, 
vi 



zwei, im S. drei Rundbogenfenster und eine 



13 



Inneres. 
Langhaus. 



98 



Gerichtsbezirk Raabs 



Chor. 



Anbau. 

Einrichtung. 
Altäre. 



Fig. 103. 



Skulpturen. 
Fig. 104. 



Glocken. 



Pfarrhof. 





^ m 










fiJr 



Fig. 103 Niklasberg, Pfarr- 
kirche, St. Sebastian vom 
Hochaltare (S. 98) 



thronende hl. 



Dreifaltigkeit, 



Chor: Um eine Stufe erhöht, einspringend, niedriger als das Langhaus, von 
dem er durch einen einspringenden, abgefasten Spitzbogen getrennt ist. Über 
dem Scheitel dieses ist an der Langhausseite das Wappen des Stiftes Geras gemalt. 
Ein etwa quadratisches Kreuzrippengewölbejoch mit rundem Schlußsteine, die 
Rippen in halber Wandhöhe abschneidend. Im N. Tür in gedrücktem Kleeblatt- 
bogen geschlossen, in rechteckiger, profilierter Rahmung (zur Sakristei); im S. 
Tür, darüber Fenster wie im Langhause. 

Im 0. Rundbogenöffnung über Deckplattengesims, in den einspringenden und 
niedrigeren, halbrunden Ostabschluß. Halbkuppelgewölbe, im S. ein größeres 
Fenster in schräggeführter Nische, im 0. zwei weitere Fensterschlitze. 
Im N. Sakramentsnische, rechteckig, mit Rosettengitter verschlossen, in Stein- 
rahmung: abgerundete Spitzbogenrahmung über abgeschrägter Sohlbank; mit 
zwei im Scheitel verschnittenen Rundstäben besetzt; im Giebelfelde einsprin- 
gende Nasen. 

Anbau: Im N. des Chores, Sakristei, mit spitzer Tonne gewölbt, mit segment- 
bogigem Breitfenster im 0., Tür im S. und Kanzelstiege im W. 

Einrichtung. 

Altäre: 1. Hochaltar; Bildaufbau mit Skulpturen, aus Holz, marmoriert, mit 
geringer Vergoldung. Staffel mit seitlich vortretenden Postamenten mit Appliken 
aus spitzem Blattwerke in furnierten Rahmungen; darauf Hauptteil mit zwei 
flankierenden, gedrehten Säulen, deren dreiteiliges Gebälk im Mittelteile appli- 
zierte Rosetten hat, im Oberteile mit furnierten Leisten besetzt ist, stark 
ausladet und sich gerade durch den Aufbau fortsetzt. Darauf Aufsatz, die Altar- 
form wiederholend, mit angesetztem, rahmenden Rankenwerke und bekrönendem, 
gebrochenen Flachgiebel und Auge Gottes in Glorie über Postament. Aufsatz- 
bild rundbogig geschlossen : hl. Dominicus, die Erdkugel haltend, ober ihm 
Seitlich auf den Deckplatten der Säulen Statuetten der Hl. Augustin und 
- Altarbild: hl. Nikolaus, modern.* Seitlich von den Hauptsäulen — auf 

große, braungestrichene Figuren 



Norbert, braun gestrichen. 

Türstürzen, die zur Chorwand übergreifen und Umgangstüren herstellen 

der Hl. Sebastian (Fig. 103) und Rochus. Der Aufbau um 1660, die Skulpturen um 1774 An der Rückseite 



des Altars alte Aufschrift : Johanes Penina von Jamite 

2. Seitenaltar, an der Ostwand des Langhauses (südlich). 
Bildaufbau aus Holz, seit 1910 modern. Altarbild mit 
geschwungenem Abschlüsse, in dunklem Rahmen mit 
Goldleiste, Christi Auferstehung, ein Engel entfernt die 
Sarkophagplatte, vorne die Wächter. XVIII. Jh. 

Skulptur: Holz, polychromiert; unterlebensgroße 
Gruppe der Pietä. Mitte des XV. Jhs. (Fig. 104). 

Weihwasserbecken aus Stein, gelb gestrichen. Über acht- 
seitigem Fuße achtseitige Schale. XV. Jh. 

Glocken: 1. Durchmesser 59 cm, Durchmesser 

34 cm, Höhe 50 cm. — Ohne Bilder und Inschriften. 
XV. Jh. 

2. Durchmesser 45 cm, Durchmesser 29 cm, Höhe 

35 cm. f ihesus f cristus * salus f nostra f deo * gratia 
S. Nicklas — XXX (1530). 

Pfarrhof: Einstöckiges, stattliches Gebäude, durch 
weiße Lisenen und Simse gegliedert. Über dem pro- 
filierten Abschlußgesims Giebel mit ovalen Bodenluken. 
Die Fenster in einfacher Rahmung, Hofeinfahrt. Rund- 
bogentor mit geschwungenem Giebel. Zweite Hälfte des 
XVIII. Jhs. 

Im Pfarrhof Gemälde; Öl auf Leinwand; Halbfigur des 
Herrn Petrus Gröbner, Abtes von Pernegg, Erbauers des 
Pfarrhofes in N. Gutes österreichisches Bild, um 1760. 



Renovatum Ao 1774. — Ren : Sept. Ao 1867: 




Fig. 104 Niklasberg, Pfarrkirche, Holzskulptur, 
Pietä (S. 98) 



Pfaffenschlag s. Aigen 



Raabs 99 

Pommersdorf s. Speisendorf Primmersdorf s. Zabernreith 



Raabs, Markt 

Literatur: Schweickhardt IV 40; Hippolytus 1858, 124 ff.; 1859, 221 ff.; Geschichtl. Beilag. I 271—319; M. Z. K. 3. F. II 118, 
208; 3. F. V 69, 359; Pranger M. Z. K. 3. F. VII IG; W. A. V. III 115;V80;M. W. A. V. 1896, 57 ff.; Reil, Wanderer, 
189 ff.; Kopp von Felsenthal, Historisch-malerische Darstellung von Österreich, II 229 f.; Fahrngruber 163 f.; Plesser, 
Kirchen, 326; Winter, Niederösterreichische Weistümer, II 224 — 238; Sommerfrische Raabs an der Thaya, Raabs 1901; 
F. Kiessling, Eine Wanderung im Poigreiche; derselbe, Kreuz- und Querzüge. 205 Seiten. (Herren von Raabs) Chmel, 

österreichischer Geschichtsforscher, II 576 ff.; Schmidl, öster- 
reichische Blätter für Literatur und Kunst, 1847, 665. 688, 
709, 713; Wendrinskv in Bl. f. Landesk. XII 97, 169, 361 ; XIII 
118 ff.; Mitteil, des Inst. f. österr. Geschichtsf. 1910, LH. 

Archivalien: Gemeindearchiv mit landesfürstlichen Marktprivilegien 
von 1448, 1512, 1535 f.; Banntaiding von 1533, Gedenkbuch 
seit 1580; Verzeichnis der Schuhmacher-Meisterstücke von zirka 
1500 (Mitteilungen der Archivsektion der Z. K. VI 256). Archiv 
des k. k. Bezirksgerichtes mit Grundbüchern. 

Der Name Raabs findet sich als Rögacz zur Bezeichnung des Waldgebietes 
zuerst im Jahre 1074 (siehe unter Oberndorf bei Raabs, Schloß). Als 
Markt erscheint der Ort um 1230 im landesfürstlichen Urbar und es dienten 
damals 61 Hofstätten und eine Mühle jährlich 22 Talente (DOPSCH 
a. a. O., I). Kaiser Friedrich Hl. verlieh ihm 1448 den Simonimarkt 
(eigentlich St. Ursula), Kaiser Maximilian I. 1512 den Pfingstmarkt 
(Pfingstdienstag) und König Ferdinand I. 1535 den Josef i markt (Montag 
nach Oculi), außerdem wurde ein Wochenmarkt an jedem Donnerstag 
gehalten. Im Jahre 1472 erscheint der Ort mit eigenem Siegel begabt. 
Dasselbe stellt eine Kirche mit Turm über dem Dache und daneben 
einen Festungsturm, dazwischen erhöht einen weißen Schild mit dunklem 
Querbande vor Inschrift: s. raez (Sommerfrische Raabs, 168 ff. Abbildung 
des Wappens auf dem Titelblatte). Der Markt war auch befestigt und 
das Winkeltor bei der Winkelmühle wird 1550 genannt (Schloßarchiv 
Raabs). An der hohen Ringmauer befanden sich einige Türme und zwei 
befestigte Tore, das Spitzertor gegen W. und das Ufertor gegen O. 
Letzteres, ein starker viereckiger Turm mit Uhr und Sturmglocke, wurde 
1859 abgebrochen. In seiner Nähe stand der Pranger mil steinerner 
Rolandsfigur (beide abgebildet in Sommerfrische Raabs, 99). Auch der 
1561 genannte steinerne Marktmelzen ist nach 1830 verschwunden. 




Fig. 105 Raabs, Rolandspranger (S. 100) 



Pfarrkirche und Schloß Raabs siehe unter Oberndorf bei Raabs 

Am linken Thayatifer gelegener Markt, den die Situation im schmalen Tale an den Fluß herandrängt; 
mit dem gegenüberliegenden Oberndorf durch eine Brücke zusammenhängend und eigentlich seit alter Zeit 
eine Einheit mit ihm bildend. Der ursprüngliche, ummauerte Ortskern ist — namentlich von der gegen- 
überliegenden Höhe — gut erkennbar, obwohl der Markt nach allen Seiten darüber hinausgewachsen ist. 

Stadtbefestigung: Bruchsteinmauer, mit Ziegeln ausgeflickt, teilweise mit Resten von Verputz; 
Zinnen und die Mauerverstärkung des inneren Wehrganges sind zum Teil noch erhalten. Am wichtigsten 
für das Ortsbild ist die Südwestecke, wo sich ein gut erhaltenes Stück an der Thaya entlang zieht und bei 
der Brücke mit einem halben Rondell, in der Ecke mit einem überragenden Rundturme mit erneutem Zinnen- 
kranz, Schlitzen und Schlüsselscharten endet. Von diesem Turme führt ein weiteres, gut erhaltenes Stück 
senkrecht gegen N. An der Nordseite des Marktes ist ein weiteres Stück der alten Befestigung ziemlich 
erhalten, kommt aber, hinter Häusern und zwischen Gärten geführt, für das Ortsbild nicht in Betracht. 
Endlich existiert noch ein Turm an der Thaya — ursprünglich die Südostecke der Befestigung bildend — 
rund, mit stark abgeschrägten Scharten in zwei Geschossen und mit modernem Kegeldache; innen zu Wirt- 
schaftszwecken adaptiert. 

13* 



Allg.Charakt. 



Stadt- 
befestigung. 



100 



Gerichtsbezirk Raabs 



Bildstöcke. Bildstöcke: 1. Pranger. Seit zirka 20 Jahren fragmentiert und nicht mehr aufgestellt. Das wichtigste 
Stück befindet sich im Gemeindehaus, eine verstümmelte, ganz gerüstete und .behelmte Figur ohne Arme 
und Beine, Stein, mit Resten von Bemalung. Weitere Fragmente sollen in Privatbesitz zerstreut sein. Zweite 

Fig. 105. Hälfte des XVI. Jhs. (Fig. 105). 

2. Neben der Thayabrücke nach Oberndorf. Über profilierter Basis hoher, geschwungener Sockel mit drei- 
seitigem Gebälkabschlusse, der sich an der Vorderseite um eine runde Laterne herumbiegt. Darauf über 
Wolken grau gestrichene Sandsteinfigur des hl. Johannes Nep. mit zwei Putten. Anfang des XVIII. Jhs. 

3. Auf dem Platze Immakulatasäule. Über Stufe graues prismatisches Postament zwischen profilierten Deck- 
platten mit leicht vertieften Feldern in dunklem Marmor. Darauf Säule mit vergoldeter Basis und Blatt- 
kapitäl mit Cherubsköpfchen. Auf diesem modern polychromierte Statue der Immakulata über Weltkugel mit 
Schlange. Herum Brüstung im Quadrate, an drei Seiten gemauert, an der Vorderseite Balustrade. Um 1700. 

4. Weg nach Modsiedl; viereckiger, abgefaster Tabernakelpfeiler mit Flachbogenöffnungen an drei Seiten des 
Tabernakels; über schmalem Gesimse geschwungene, vierseitige Bedachung mit Steinkreuz. XVII. Jh. 

5. Straße nach Eibenstein. Über vierseitigem Sockel vierseitiger, abgefaster Granitpfeiler, der in einen vier- 
seitigen, an der Vorderseite mit Rundbogennische durchbrochenen Tabernakel mit Steinsatteldach übergeht. 
XVII. Jh. 

Ehemalige Ehemalige St. Jakobskirche. 

St. Jakobs- Sie stand im Nordosten des Marktes außerhalb der Ringmauer an der Straße nach Grossau. Schon 1296 verliehen zehn Kardinäle 
kirche. den Besuchern dieser Kirche einen vierzehntägigen Ablaß. Einen weiteren Ablaß erhielt die Kirche 1500 von Papst Alexander VI. 

In der Reformationszeit zog Nikolaus von Puchheim die Kirche an sich und errichtete bei ihr eine lutherische Pfarre, welche er 1574 
dem Prädikanten Leonhard Zeiler verlieh. 1586 mußten die Puchheim die Pfarre wieder auflassen. Hierauf blieb die Kirche öde. — 
Auf der Kirche befand sich ein blecherner Turm mit einer Glocke, die Freiherr von Unverzagt, der das Schloß 1645 — 1652 innehatte, 
in dieses übertragen ließ. Adolf Ehrenreich Graf von Puchheim ließ die Kirche wieder instand setzen," stellte um 1660 einen neuen 
Hochaltar und neue Fenster her , wollte die Kirche wieder konsekrieren lassen, starb aber früher zirka 1667. Franz Anton von Quierant 
ließ die Kirche sogleich nach der Erwerbung von Raabs 1701 angeblich wegen Baufälligkeit niederreißen und das Material zu ver- 
schiedenen Bauten verwenden. Der Pfarrer von Raabs Johann Jakob Freiherr von Hoffmann erhob 1703 Einsprache gegen die 
Demolierung der Kirche und führte deswegen 25 Jahre lang einen vergeblichen Prozeß bei der niederösterreichischen Regierung. 

Privathäuser. Privathäuser: Hauptplatz Nr. 20. Grünlich-gelb gefärbeltes, einstöckiges Haus mit weißen Fenster- 
läden. Das gequaderte Untergeschoß durch breites profiliertes Simsband vom oberen, glatten geschieden. Die 
unteren Fenster in glatter Rahmung mit Feld und Rauten, 
die oberen mit gerilltem Parapett. In der Mitte breites, von 
zwei Halbsäulen flankiertes Tor, darüber hölzerner, recht- 
eckiger Vorsprung, Breiterker über zwei Konsolen. Darüber 
vor dem Ziegelsatteldache Aufsatz mit Triglyphen und ab- 
schließendem Flachgiebel mit Stuckempirekranz im Giebel- 
felde. Anfang des XIX. Jhs. 

Nr. 46. Grünlich-gelb gefärbeltes, einstöckiges Haus mit Sims 
zwischen dem gequaderten Untergeschosse und dem von 
kannelierten Pilastern mit Blattkapitälen gegliederten Ober- 
geschoß. Im Untergeschoß ein von Halbsäulen flankiertes 
Tor, imObergeschosse Breitfenster über dem Tore. Die Fenster 
mit Sohlbank und geradem, profilierten Sturze. Um 1825. 

Radi 

1. Radi; 2. Träbings 

1. Radi, Dorf 

Literatur: Schweickhardt IV 76; Geschichtl. Beilag. I 270. — (Denk- 
säule), Der niederösterreichische Landesfreund, VIII 46. 

Die Herzogenburger Zehentrechte in Radel reichen bis 1112 hinauf 

(Archiv, 1849, 245). 1251 findet sich Heinrich von Rädl. Das Geschlecht 

bestand noch 1512. 

Das kleine Gut kam 1705 zu Liebenberg und Raabs. Der Meierhof 

wurde um 1870 abgebrochen. 

Eine Kapelle wurde hier 1745 erbaut und dazu eine Messe gestiftet. 

Kapelle. In der erneuten Kapelle Altar, Skulpturenaufbau, Holz, poly- 
chromiert. Über niedriger Staffel mit appliziertem Ornamente 




Fig. 106 Radi, Kapellenaltar (S. 101) 



Radi. — Träbings. — Schweinburg. — Liebnitz 



101 



Kruzifixus zwischen Maria und Johannes. Das Kreuz ist seitlich und oben mit geschnitztem und durchbrochenem 
Ohrmuschel- und Blattwerk so reich besetzt, daß dieses die Rückwand des Aufbaues bildet. Um 1700 (Fig. 106). Fig. 106. 

Bildstock: Straße nach Sauggern; auf Würfelsockel ein an den Kanten abgefaster Schaft, der mit drei- Bildstock. 
eckigen Zapfen aus dem Vierecke ins Achteck übergeht. An Stelle des ursprünglichen Tabernakels modernes 
Eisenkreuz. Datiert 1539. 

2. Träbings 

Gehörte zu jenem Zeheiügebiete, das Bischof Udalrich von Passau 1112 nach St. Georgen an der Traisen stiftete (Archiv, 1853, 245). 
1303 nannte sich Wetzt Dressidler von Trebings (Geschichtl. Beilag. Vllt 463). 

Ortskapelle: Rechteckiger Bau mit eingezogener, halbrunder Ostapsis, aufgesetztem Westturme und Ortskapelle. 

zwei Flachbogenfenstern. 

Altar: Figurenaufbau; Holz, polychromiert und vergoldet; in der Mitte des Aufbaues Rundnische mit Altar. 

Muschelornament, von Rankenwerk eingefaßt. Abgestufte Seitenteile mit je zwei gedrehten Säulchen, über 
deren Kapitalen dreiteiliges Gebälk liegt. Über der Nische, das Säulengebälk verbindend, halbrunder Giebel- 
sturz mit Rosetten und Kartuschenornament. In der Nische: Maria mit Kind; in den Seitenteilen hl. Mönch 
und hl. Nonne. Anfang des XVIII. Jhs. 
Zwei gleichzeitige Holzleuchter, deren dreiteiliger Fuß und Knauf von Blattwerk gebildet ist. 

(Unter-) Reith s. Eibenstein 



Schweinburg 

Literatur: Plesser, Burgen, 1004, 15. 

Schon 1335 erscheint ein Simon von Sweinbort und 1368 ein Wernhard der Sweinworter. 

Kapelle: Rechteckig, mit eingezogener, halbrunder Apsis, aufgesetztem Westturme und vier Flachbogen- 
fenstern. 

Altar: Bildaufbau mit Skulpturen, Holz, polychromiert, mit vergoldeten Appliken in flamboyanter 
Rocaille. Das Bild, von Säulen und angeschlossenen Voluten flankiert, unter Baldachin mit Krone, stellt 
den Tod des hl. Josef dar; seitlich davon Statuen von zwei männlichen Heiligen. Mitte des XVIII. Jhs. 

Rahmen: Holz, naturfarben; unten Predella, an der zwei Postamente vortreten; darüber rundbogig 
geschlossener Rahmen mit angesetztem Rankenwerke und zwei Cherubsköpfchen. Im Scheitel das Andlau- 
uiul Kirchbergsche Wappen. Laut Inschrift an der Predella 1698 von Rudolph Frh. von Andlau und seiner 
Gemahlin Anna Isabella, geb. von Kirchberg gestiftet. 

Speisendorf 

1. Liebnitz; 2. Pommersdorf; 3. Speisendorf 
1. Liebnitz 

Literatur: Top. V 831 ; M. Z. K. 3. F. IX. 155; M. W. A. V. 
1896, 60. (Ruine Buchenstein) Plesser, Burgen, 97; 
Kiesslinc, Drei Thayaburgen, Wien 1895, 51. 
Alte Ansicht: Radierung von O. M. Vischer, 1672. 
Das Stift St. Georgen erscheint bereits 1112 im Dorfe Lymbtz 
begütert. Im XIII. und XIV. Jh. erscheint ein Geschlecht, das 
sich von L. benennt (1208 Ecchehardus von Lidimize, MEILLER, 
Babenberger Regesten 87, Reg. 93). Der Sitz dieses Geschlechtes 
soll der Tradition nach nicht das neben der Kapelle befindliche 
Schloß, sondern die am andern Ufer gelegene Ruine ( Buchenstein) 
gewesen sein; siehe unten. 
Der Name Buchenstein, welcher vor 1384 und um 1400 vorkommt, ist wahrscheinlich in Burgstein richtigzustellen und bedeutet 
einen Felsen, auf dem eine Burg bestanden hat, enthält also nicht den eigentlichen Namen der Burg, die eben wahrscheinlich auch 
Liebnitz geheißen hat. 




Fig. 107 Liebnitz, Kapelle, Grundriß 1 : 200 (S. 102) 



Kapelle. 
Altar. 

Rahmen. 



102 



Gerichtsbezirk Raabs 



Kapelle. Kapelle zum hl. Laurenz. 

Die Erwähnung des Hofes eines Klerikers in L. im Zehentverzeichnisse des Stiftes St. Georgen von 1396 (in 
einer Bestätigung von 1596) gestattet vielleicht auf den Bestand einer Kapelle zu schließen (Archiv IX 246). 
Eine Stiftung in der Kapelle wird in das Jahr 1496 verlegt (Geschichtl. Beilag. IX 176); auch im Pfründen- 
verzeichnisse von 1429 wird die Kapelle genannt. 1544 wurde das Benefizium mit einem Kelche, den die 

Gemeinde um 15 Pfund gekauft hatte, ein- 
gezogen und das Benefiziatenhaus von der 
Herrschaft einem Holden übergeben. Gegen 
Ende des XVI. Jhs. erfolgt die Wiederher- 
stellung der Stiftung. 1784 kam L. an die 
neue Pfarre Speisendorf. 1796 überließ Graf 
Auersperg die Kapelle der Gemeinde um 
100 fl., bei welcher Gelegenheit Turm und 
Dach der Kapelle erneut wurden. 

Beschreibung: Romanische Anlage 
mit seitlichen Rundbogenfenstern und ein- 
gezogener Ostapsis. Im XVII. Jh. — wohl 
um 1660 — umgebaut (Fig. 107). 



Beschreibung. 

Fig. 107. 
Äußeres. 



Inneres. 



Langhaus. 



Chor. 

Einrichtung. 

Fig.108u.109. 
Gemälde. 




Äußeres: Großer, rechteckiger, unge- 
gliederter Bau, grau-weiß gefärbelt. W. Giebel- 
front, im unteren Teile verbaut, mit aufge- 
setztem, vierseitigen Dachreiter mit Rund- 
bogenschallfenstern und einem in der Mitte 
jeder Seite nach oben rund ausbiegenden 
Kranzgesimse. 

Im S. drei, im N. zwei Rundbogenfenster und 
ebensolche Tür über vier Stufen zwischen 
gemauerter Brüstung. 0. Ein rechteckiges 
Schlitzfenster in abgeschrägter Laibung. 
Abgewalmtes Satteldach. 

Inneres: 

Grünlich gefärbelt mit weiß gemalten Pi- 
lastern. 

Langhaus: Großer, hoher, rechteckiger 
Raum mit Tonnengewölbe mit je zwei ein- 
springenden Zwickeln über jederseits drei 
profilierten Deckplatten. Jederseits zwei 
Rundbogenfenster, im N. Rundbogentür. 
Hölzerne Empore. 

Chor: Einspringende, halbrunde, um eine 
Stufe erhöhte Ostapsis mit Halbkuppelge- 
wölbe und Rundbogenfenster im S., recht- 
eckigem Schlitzfenster im 0. 




Fig. 108 Liebnitz, Kapelle, 
hl. Laurentius (S. 102) 



Fig. 109 Liebnitz, Kapelle, 
hl. Jüngling (Otto [?]) (S. 102) 



Einrichtung: 

Auf dem modernen Hochaltar von 1911 zwei 

Statuetten. Holz, polychromiert, hl. Lauren- 
tius und hl. Otto(?). österreichisch (böhmisch beeinflußt), um 1500 (Fig. 108 und 109; siehe Übersicht). 
Madonna mit Kind (bekleidet). Gute Arbeit. Ende des XV. Jhs. 

Gemälde: Öl auf Leinwand, Breitbild, Teppich mit Quasten, in der Mitte hl. Laurentius, links und rechts 
Wappen des Franz Leopold Truckmüller von Mühlburg von Weißenbach und seiner Gattin Anna Isabella, 
1666. — Öl auf Holz, hl. Laurentius, gering. Auf dem Rahmen : Johannes Suannitzer 1685. 



ücbnitz. — Pommersdorf. — Speisendorf 



103 



Ruine: Am gegenüberliegenden Thayaufer gelegen. Die Burg erscheint um 1400 unter dem Namen Buchen- 
stein und war wahrscheinlich der Sitz der oben genannten Herren von L. Der Tradition nach wurde das Schloß 
von den Hussiten oder von den Soldaten des Matthias Corvinus zerstört. Es ist nur mehr eine 6—8 m höht 
Mauerecke am äußersten Felsrande der Thaya und einiges Geröll vorhanden, außerdem ist der Graben noch 

kenntlich. 

2. Pommersdorf, Dorf 

Findet sich als Bomelstorf 1240 im zweiten Stiftsbrie/e von Geras (Archiv 1849, IS), ebenso im Zehentverzeichnisse von Herzogen- 
burg (Archiv 1853, 246). 

In der 1876 ganz erneuten Ortskapelle Tabernakel; der vortretende Mittelteil und die zurücktretenden Flügel 
von Pflastern mit Blütengehängen eingefaßt, nach außen angeschlossen liegende Voluten. Umlaufendes, zwei- 
teiliges Gebälk, das in der Mitte einen Rundgiebel trägt. Ausgebauchtes, mit Steilvoluten besetztes Dach. 
Anfang des XVIII. Jhs. ; aus der Kirche in Münichreit hergekommen. 



Ruine. 



3. Speisendorf Markt 

Literatur: Fahrngruber 189; Schweickhardt V66; Plesser, Burgen, 1904, 23; M. W. A. V. 1896, 67; Oeschichtl. Bei lag. IX 260. 

Archivalien: Pfarrarchiv mit Matriken, Gedenkbuch und Schriften. 

1204 erscheint Ulrich von Sp. unter den Lehensmannen der Gräfin Sofia von Raabs, Ob sich die Feste dieses Geschlechtes im 
Ort oder auf dem Speisenberg befand, ist nicht mit Bestimmtheit zu sagen; Spuren davon sind nicht vorhanden. Um 1230 befand 
sich ein landesfürstlicher Wirtschaftshof hier (DOPSCH, a. a. O., I); auch die Grafschaft Litschau u. a. waren hier begütert. Der 
Hof gehörte um 1384 dem Hans dem Zobel als Puchheimsches Lehen (Kodex, blau, Nr. 359 im Staatsarchiv zu Wien). Noch 1496 
erscheint der ehrbare Knecht Hang der Ebentaller von Sp. (Geschichtl. Beilag. IX 176). 1837 wurde Sp. zum Markt erhoben. 

Pfarrkirche zum hl. Nikolaus. 

Die Pfarrkirche erhielt angeblich schon 1329 zwei Ablässe und wurde 1335 von Bischof Albert von Passau 
geweiht (Urbar der Pfarre Ober-Grünbach). 1438 waren die Einkünfte dieser landesfürstlichen Pfarre auf 
16 Pfunde berechnet (Gesch. Beil. VIII 285). Infolge der Obsorge der Landesfürsten konnte das Luthertum hier 
nicht festen Fuß fassen. 1583 mußte Pfarrer Augustin Müllner beim Pfarrantritte geloben, dieselbe nach der 

katholischen Kirchenordnung zu versehen, worauf ihm 
X das Inventar mit einer silbernen und einer messingenen 

Monstranz und drei Kelchen u. a. übergeben wurde. 

Trotzdem gab es 1611 und 1630 Beschwerden über den 

A Pfarrer (Geschichtl. Beilag. I 196, 204). Von 1630—1635 

versah Matthäus Stangl die Pfarren Speisendorf, Puch 

ji und Aigen zugleich (Pfarrarchiv). Darauf blieb ersteres 

M unbesetzt und wurde 1636 mit Ober-Grünbach vereinigt, 

-- >^^ von wo aus jeden dritten Sonntag hier Gottesdienst 

£ ^ gehalten wurde. 1690 wurde ein neuer Hochaltar um 

160 fl. aufgestellt. „In diesem Altar ist ein Muetter- 
Gottesbildt, so miraculos sein solte, gestalden dann vor 
disen vill Processiones hinkomen und wie die alten Paurn 
außsagen, seyen vill Miracul besehenen, welche Devo- 
tion durch den endtstandtenen Schwedenkrieg (1645) 
abkotnen ist." Der Tabernakel war vorher noch 1672 
in der Mauer neben dem Hochaltare eingebrochen 
(Sakramentshäuschen). 1705 bestanden drei Altäre zu 
Ehren des hl. Nikolaus, Ägidius und Katharina. 1718 19 
fand eine Kirchenrenovierung statt, wobei die Stiege, 
die zum Brunnen herabführt, angelegt wurde; 1740 
Fig. no Speisendorf, Pfarrkirche (S. 104) erfolgte ein abermaliger Umbau der Kirche, bei dem 




Pfarr- 
kirche. 



104 



Gerichtsbezirk Raabs 



Beschreibung. 
Fig. 111. 



die Kirchenrechnungen einen den Maurern „bey Schliessung des Gewölbs in der Kürchen" gezahlten Trunk 
erwähnen; damals dürften die zwei westlichen Travees des Langhauses zugebaut worden sein. 
Ein Inventar von 1780 führt an: Silberne Monstranz und Ziborium, kupferne Monstranz mit unechten 
Steinen, kupfernes Ziborium mit langer Spitze auf dem Deckel (scheinbar gotisch). Darauf der „süsse Name 
Jesu", ebenso ein Becher von Kupfer mit langer Spitze auf dem Deckel, zwei Goldringe, ein goldenes Kreuz 
mit zwei Rubinen, dreifaches silbernes Herz, 25 Pfennige, 17 Opfergaben, eine silberne Krone u. a. (Pfarr- 
archiv Waidhofen). 

Die Pfarre wurde 1784 wieder hergestellt und die Kirche erhielt 1787 Orgel und Glocke vom St. Dorothea- 
kloster in Wien. Renovation 1901, wobei ein freiliegendes Kapital aus der Übergangszeit gefunden wurde. 

Ursprünglich romanische Anlage mit seitlich gestelltem, quadratischen Turme. Im XV. Jh. umgebaut, das 
Langhaus im XVIII. Jh. (wahrscheinlich 1740) gegen W. erweitert (Fig. 111). 




Fig. 1 1 1 Speisendorf, Pfarrkirche, Grundriß 1 : 200 (S. 104) 



Äußeres. Äußeres: 

Fig. HO. Gelblich gefärbelt mit hellerer Lisenengliederung und geringem, grauen Sockel (Fig. 110). 

Langhaus. Langhaus: W. Giebelfront, mit Segmentbogentür in profilierter Rahmung, darüber breitovale, graue 
Inschrifttafel in Rahmung von 1874, darüber steilovales Fenster, zu höchst Rundbogennische. — S. Tür wie 
im W., drei Rundbogenfenster; profiliertes Gesims. — N. Zwei vom Sockel mitumlaufene, einmal gestufte 
Strebepfeiler mit Steinwasserschlag und Ziegelpultdach; sonst wie im S. — 0. Giebelfront, den Chor über- 
ragend. Modernes Satteldach. 1901. 

Chor. Chor: Einspringend und niedriger als das Langhaus. N. Vom Sakristeianbau fast ganz eingenommen. — 

0. In fünf Seiten des Achteckes geschlossen, mit vier Strebepfeilern wie im N. des Langhauses (Steinpultdach) 
und drei zweiteiligen Spitzbogenfenstern im 0., S. und N. des Abschlusses. Im 0. Eingang über Treppe in 
die gruftartige Brunnenhalle. Die Treppe durch einen Einbau über Segmentbogen bedacht; dieser über Hohl- 
kehle mit Ziegelpultdach abgeschlossen. Modernes, abgewalmtes Satteldach. 1901. 

Turm. Turm: Im S. des Chores und 0. des Langhauses angebaut. Rechteckig, durch Simsbänder dreigeschossig. 

Im W. gerahmte Tür, im S. gemalte Sonnenuhr und Fenster. Im obersten Geschosse jederseits Rundbogen- 
schallfenster (und neues Zifferblatt, 1908). Abschließendes, profiliertes Kranzgesims und Spitzdach von 1860. 

Anbau. Anbau: Im N. des Chores, Sakristei, rechteckig, mit Fenster im N. und neuem Pultdache. 



Speisendorf 



105 



Inneres: 

Modern gemalt. 

Langhaus: Großer, rechteckig länglicher Raum, mit zwei breiten, rechteckigen Gratgewölbejochen im 
W. und zwei Kreuzrippengewölbejochen im 0. mit runden, glatten Schlußsteinen; die birnförmig profilierten 
Rippen werden über polygonalen, schlankeren Diensten herabgeführt, deren Flächen eingezogen sind und die 
über gedrehten oder mit Stäben besetzten Sockeln aufstehen. 

West empöre: Holz, marmorierte Brüstung, im Mittelteil etwas vorspringend, durch den eingebauten 
Spielkasten unterbrochen. Untere Halle flachgedeckt, mit südlich eingebautem, rechteckigen Treppenhause 
und Westtür in Segmentbogennische; ebensolche Türen und je drei Rundbogenfenster im N. und S. 

Chor: Um eine Stufe erhöht, einspringend und niedriger als das Langhaus, gegen das es sich im abgefasten 
Rundbogen öffnet. Der Altarraum in fünf Seiten des Achteckes geschlossen. Ein quadratisches Kreuzrippen- 
gewölbejoch mit kleinem Schlußstein, die Rippen in den westlichen Ecken in halber Wandhöhe abgeschnitten, 
das östliche Paar mittels halbrunder Dienste herabge- 
führt. Abschlußgewölbe: fünf dreieckige und eine vier- 
eckige Stichkappe, die Rippen mittels Viertelwand- 





Inneres. 
Langhaus. 

Westempore. 
Chor. 



Fig. 112 Speisetuiorf, Pfarrkirche, Kanzel (S. 106) 



Fig. 113 Speisendorf, Pfarrkirche, Orgel (S. 106) 



diensten herabgeführt. In der Ostschräge, im N. und S. des Altarraumes je ein zweiteiliges Spitzbogenfenster 
mit einfachem Maßwerke. Im N. und S. des Chores Türen zur Sakristei, beziehungsweise zum Turme; über 
letzterer Tür Oratoriumfenster (Turm). 

Anbau: Im N. des Chores, Sakristei; niedriger, rechteckiger Raum, flachgedeckt, mit ovalen Spiegeln. 

Im N. Fenster, im S. und 0. Tür in Segmentbogennische. 

Einrichtung: 
Hochaltar modern. 

Gemälde: 1. Öl auf Leinwand, hl. Augustin, Apostel der Iren, einen kleinen Teufel exorzierend, der über 
einem hohen Steinpostament (?) sitzt. Hinter dem Heiligen drei Männer. Richtung des Troger. Um 1740. 
2. öl auf Leinwand, oval; Kniestück, hl. Nikolaus im Ornat, einen Geldbeutel in ein offenes Fenster herein- 
werfend. — Pendant dazu; hl. Katharina. Beide in Holzrahmen mit vergoldetem Rankenwerke, österreichisch. 
Zweites Viertel des XVIII. Jhs. 

vi 14 



Anbau. 



Einrichtung. 



r Gemaide. 



106 



Gerichtsbezirk Raabs 



Skulpturen. 



Kanzel. 



Fig. 112. 
Orgel. 



Fig. 113. 
Taufkessel. 



Paramente. 



Fig. 114. 



Grabsteine. 



Glocken. 



Skulpturen: 1. Im Chor; Holz, polychromiert, Figur des hl. Sebastian. Mittelmäßige Arbeit vom Anfang 

des XVIII. Jhs. (vielleicht 1845 angekauft!?]). 

2. Auf dem Boden des Pfarrhofes; zwei unterlebensgroße, als Appliken gearbeitete Statuen der Heiligen 

Nikolaus und Ulrich. Geringe Arbeiten vom Ende des XV. Jhs. 

Außen im 0. des Chores über dem Eingange in die Gruft unterlebensgroße, polychromierte Holzfigur der 

Madonna, stehend, das Kind im rechten Arme haltend. Mittelmäßige Arbeit. Ende des XV. Jhs. (Seit 1910 

auf dem Pfarrhofboden.) 

Kanzel: Holz, marmoriert und vergoldet. Aus dem Zehnecke konstruiert, fünf Seiten frei. Der kuppei- 
förmige Ablauf spitz zulaufend. Die Brüstung mit einem wulstartigen, mit Blattwerk geschnitzten Sockel, 
im Hauptteil durch angesetzte Steilvoluten mit Tressen gegliedert; oben durch profilierte Deckplatte ab- 
geschlossen. In den fünf Feldern Gemälde auf Holz, 
die stehenden Figuren Christi als Salvator mundi und 
der vier Evangelisten. Schalldeckel mit appliziertem 
und vergoldetem Rankenwerke, vorkragenderDeckplatte 
und weiß emaillierter Statuette des hl. Paulus als Be- 
krönung. Um 1680 (Fig. 112). 

Orgel: Mit reichem, vergoldeten, geschnitzten Ranken- 
werke, seitlich und als Bekrönung; Spielkasten in 
die Brüstung der Empore eingebaut, mit marmo- 
rierten Feldern gegliedert, mit gemaltem Wappen von 
1716 und Cherubsköpfchen als Bekrönung. Angeblich 
aus der Dorotheakirche in Wien stammend (Fig. 113). 

Tauf kessel: Moderne Schale über Fuß aus Stein, 
grünlich gefärbelt; achteckiger Sockel, darüber ge- 
drehte Säulentrommel und achteckige Deckplatte mit 
etwas eingezogenen Seiten über Wulst und Kehle. 
Um 1500. 

Paramente: 1. Kasel, aus Leder, mit großen Blumen 
in bunten Farben, Gold und Silber; Goldborte. Anfang 
des XVIII Jhs. 

2. Kasel; der Spiegel aus gelber Seide mit aufgenähten 
Seidenblumen, dieSeitenteile rosa, goldgestickt (Fig. 114). 
Um 1800. (Kasel 1 und 2 sind Eigentum der Kapelle 
Liebnitz und werden in Speisendorf nur verwahrt). 

3. Kasel; Goldranken und stilisierte Muster auf neuen 
Samt übertragen. Eingestickte Initialen B. E. (Bernhard 
Eberl, erster Pfarrer von Speisendorf). Ende des 
XVIII. Jhs. 

Grabsteine: 1. An derSüdtürim Langhause, innen, 

Grabstein, grau, mit graviertem Stangenkreuze. XIII. Jh. 

2. Außen weiße Platte mit gravierten Rosetten und 

zwei Lilien oder Palmen(?). XIII. Jh. 

Glocken: 1. Durchmesser 87 cm. f rex f glorie f Fi §- 114 Speisendorf, Pfarrkirche, Kasel (S. 106) 

veni f nobis f cum f pace. Wahrscheinlich XV. Jh. 

2. Zweimal das gleicharmige Kreuz mit Kleeblattenden und kleinen Abbildungen darin. Die gotische 
Minuskelschrift ist verkehrt zu lesen (zwei Worte unerklärlich) : f yohannes f marcus f lucas f . . . XV. Jh. 
Durchmesser 56 cm, Durchmesser 28 cm, Höhe 44 cm. 

3. (Kreuz, schmerzhafte Maria). — G. Jenichen, Krems 1845. 




Süßenbach s. Grossau 



Thuma, Dorf 

Literatur: Plesser, Burgen 26. 

Findet sich als Turnen im Zehentverzeichnisse von Herzogenburg laut Stiftung von 1112 (Archiv, 1853, 250). Das seit 1352 öfter 

genannte Schloß ist in Kleinhäuser abgeteilt. 

Eine Kapelle bestand 1674 hier und hatte damals einen Priester (Dekanatsarchiv Raabs). Sie wurde 1771 und 1902 durch Neubauten 

ersetzt (Geschichtl. Beilag. V 338). 



Thuma. — Weikertschlag 



107 



Bildstock: Ortsausgang gegen Ober-Grünbach; über Stufe und vierseitigem Postament prismatischer 
Granitpfeiler mit abgeschrägten Kanten. Darauf vierseitiger Tabernakel mit zwei großen, rechteckigen 
Öffnungen, darüber Flachgiebel mit Vasen. Das Steindach verstümmelt. Um 1500. 



Trabersdorf s. Zabernreith 



Träbings s. Radi 



Weikertschlag 



1. Weikertschlag; 2. Wetzles 
Weikertschlag, Markt 

Literatur: Fahrnoruber 219; Plesser, Kirchen 376; Schweickiiardt V 43; M. Z. K. 3. F. VIII, 94; Winter, Niederösterreichische 
Weistümer II 239. Kiessung, Wanderung im Poigreiche; derselbe in Bote aus dem Waldviertel 1892/93. 

Archivalien: Pfarrarchiv mit Matriken und Akten. 

Alte Ansicht: Radierung von G. M. Vischer, 1672. 

Prähistorischer Fund: Einzelfund eines Steinhammers von 18 cm Länge; Stadt-Museum zu Krems. 

Um 1230 war dieser Ort bereits ein Markt und dienten hier Gewerbsleute und der Mautner sowie 15 Hofstätten dem Landesfürsten 
(DOPSCH, a. a. O., 1). Im Orte bestanden zwei vom Landesfiirsten lehenbare Höfe, deren einer wahrscheinlich dem Geschlechle 




Fig. 115 Weikertschlag, Pfarrkirche, Grundriß 1 : 300 (S. 108) 

der Weikertschlager (von 1178 bis ins XV. Jh. erweisbar; Fontes XI 12; Notizenblatt 1859, 109) verliehen war. Laut Vischers 
Abbildung von 1672 bestand auf dem Marktplatze ein starker, viereckiger Turm mit achteckigem Obergeschosse. Kaiser Josef I. 
bestätigte 1710 den Banntaiding, das Wappen- und Jahrmarktsrecht von W. 

Die Burg Weikertschlag, einst eine wichtige Grenzfeste, lag auf dem felsigen Schloßberge. Nach dem Aussterben der Babenberger 
betrachtete sich König Ottokar von Böhmen als ihr rechtmäßiger Besitzer und forderte sie noch 1276 von König Rudolf von Habs- 
burg zurück, da sie ihm feindselig entrissen worden sei (LICHNOWSKY, Habsburg, I, undatierte Briefe, Nr. 66). Doch verblieb sie 
den Habsburgern. Um 1399 setzte sich hier Ulrich von Rosenberg auf Neuhaus fest, doch belagerten und zerstörten die Herzoge 
Wilhelm und Albrecht von Österreich die Burg, die nun nicht mehr aufgebaut, sondern mit Drosendorf vereinigt wurde. 1633 war 
davon noch ein Burgstall und Vorrat von Steinen vorhanden. 

Pfarrkirche zum hl. Stephan. 

Diese Kirche scheint, dem Patrozinium nach zu schließen, von Passau aus gegründet zu sein und ist eine 
der ältesten der Gegend; sie dürfte nach der Bestätigung von 1240 dem Stifte Geras schon 1155 bei seiner 
Gründung einverleibt worden sein. Nach dem Tode des Grafen (Ulrich) von Pemegg (nach 1220) wurde der 
Passauer Zehent in der Pfarre W. wieder frei (Monumenta Boica XXIX b, 217). Im XIV. und XV. Jh. gilt 

14» 



Bildstock. 



Pfarr- 
kirche. 



108 



Gerichtsbezirk Raabs 



die Pfarre, deren Einkünfte auf 28 — 32 Pfunde geschätzt waren, als landesfürstlich (Hippolytus, 1863, 150; 
Schmieder, Matricula 12). Doch hatte das Stift Geras schon von Herzog Friedrich II. (vor 1246) einen Schutz- 
brief wegen dieser Pfarre erhalten, deren Besitz sie auch gegen König Ottokar 1261 verteidigte (Archiv, 
1849, 20, 36). 1353 erscheint der erste Pfarrer — Weigand — mit Namen. 1544 waren Kirche und Pfarrhof 
in schlechtem Baustande. Erstere brannte 1659 ab, ein gleiches Schicksal traf sie 1755, worauf der Abt 
Paul III. von Geras die entstandenen Schäden durch solide Neu- und Umbauten beseitigte. 

Beschreibung. Gotische, dreischiffige Basilikalanlage mit geradem Chorabschlusse und Westturme, um 1760 stark barocki- 
Fig. 115. siert (Fig. 115). 

Äußeres. Äußeres: 

Grauweiß gefärbelt. 

Langhaus. Langhaus: W. Glatte Giebelfront mit, in der Mitte ein wenig eingebautem Turme und zwei an diesen 
angeschlossenen, steilovalen Fenstern. — S. Profiliertes Kranzgesims, drei Strebepfeiler mit Ziegelpultdach, 
vier gerahmte Rundbogenfenster, eine Rundbogentür mit Rundstab eingefaßt, unter Vorhaus. — N. Un- 
gegliedert; fünf Rundbogenfenster, das westliche bis auf ein rechteckiges Fensterchen vermauert. — 0. 
Giebelwand den Chor überragend, im nördlichen Teil etwas vortretend; darin querovales Fenster. — Ziegel- 
satteldach. 

Chor: Einspringend und niedriger als das Langhaus mit einspringendem, bedeutend niedrigeren, halb- 
runden Ostabschlusse. Der Chor rechteckig, mit Fenster wie im Langhause im N. und Anbau im S. Ziegel- 
satteldach. Der Ostabschluß mit drei Fenstern und Ziegelwalmdach. 

Turm: In die Westfront des Langhauses eingebaut, rechteckig, durch ein ausladendes Gebälk über First- 
höhe der Kirche zweigeteilt. Untergeschoß : Im untersten Drittel gebändert, mit Tür über kurzer Stiege 
im S.; darüber Ortsteineinfassung in den beiden oberen Dritteln, mit Rundbogenfenster und kleinem, 
rechteckigen Fenster darüber im W. Aufsatzgeschoß: Abgerundete Kanten, an den Seiten Pilastereinfassung 
und Rundbogenfenster mit Eckbändern und Keilstein in der Rahmung; dreiteiliges Kranzgesims, der obere 
und untere Teil nach oben und unten um das Zifferblatt rundbogig ausgebogen. Durch Gesims gegliedertes 
Blechglockendach. 

Anbauten. Anbauten: 1. Im S. des Chores, den abgerundeten Ostabschluß des Seitenschiffes und die Sakristei 
enthaltend. Rechteckig, gegen W. etwas geschwungen; mit Tür mit Oberlicht im S.; Ziegelpultdach, sich 
in das des Chores fortsetzend. 

2. Im S. des Langhauses, rechteckig, mit ausgezacktem Giebelabschlusse mit Spuren von Malerei. Im S. 
Rundbogenöffnung zum gratgewölbten Vorhaus. Ziegelsatteldach. 



Chor. 



Turm. 



inneres. Inneres: 

Lichtgrün, weiß gehöht. 

Langhaus. Langhaus: Dreischiffig; das Mittelschiff etwa doppelt so breit und hoch wie die Seitenschiffe, mit 
denen es durch jederseits vier Rundbogen über profilierten Deckplatten kommuniziert. Das Mittelschiff ist 
durch je fünf hohe Wandpfeiler zwischen den Rundbogen im N. und S. gegliedert, auf deren profilierten 
Deckplatten das Tonnengewölbe mit jederseits fünf einspringenden Spitzbogen lastet. Zwischen den Pfeilern 
sind über den Rundbogen, beziehungsweise über der Empore große steilovale Bilder, Öl auf Leinwand, an- 
gebracht, die zwölf Apostel in Landschaft, im Hintergrunde ihre Marterung darstellend; ihr weißer stukkierter 
Rahmen mit linearen Ornamenten mit Rosettengitter und Muschel schneidet mit der bekrönenden Palmette 
in die Decke ein. Über dem Triumphbogen in ähnlicher Rahmung breites kartuscheförmiges Bild Kreuzigungs- 
gruppe. Alle Bilder stark gedunkelt, um 1740. Westempore, das westliche Joch des Mittelschiffes einnehmend, 
über Tonne mit zwei Zwickeln auflastend. Die Stirnwand in der Mitte vortretend, mit einer zwischen zwei 
profilierten Simsen laufenden Brüstung und in der Mitte eingebauten Spielorgel. Die untere Halle ist gegen 
das südliche und nördliche Seitenschiff in schmalem, gegen das Turmuntergeschoß in breitem Segmentbogen 
geöffnet, gegen das Mittelschiff in breitem, gedrückten Bogen. Die eigentliche Empore ist gegen die Seiten- 
schiffe durch ein breites Segmentbogenfenster offen. Die Seitenschiffe in der Länge des Mittelschiffes mit 
einem um eine Stufe erhöhten, einspringenden Ostabschlusse über dieses hinausragend. Fünf gratige Ge- 
wölbejoche, im 0. Kuppelgewölbe. Im N. fünf Rundbogenfenster in Segmentbogennischen, im S. vier und 
eine Tür in ebensolcher Njsche. Im Ostabschlusse des nördlichen Seitenschiffes querovales Fenster. Im W. 
über der Empore zwei steilovale Fenster in schrägen Laibungen. 

Chor. Chor: Um zwei Stufen erhöht, etwas schmäler und niedriger als das Langhaus, gegen das er sich in ein- 

springenden Rundbogen über geringen Deckplatten öffnet. Ein gratiges Gewölbejoch; an der Nord- und 
Südwand je zwei Bilder wie im Langhause — Hl. Paulus, Petrus, Andreas und jakobus der Ältere (mit der 
Axt); die Rahmung des östlichen an der Südseite in den ornamentierten Aufsatz über der Tür zur Sakristei 



Weikertschlag 



109 



übergehend; im N. Fenster wie im Langhause. Der Ostabschluß einspringend, halbrund, mit Halbkuppel und 
drei Fenstern wie im Langhause, nur in rechteckigen Nischen; diese Apsis ist durch einen einspringenden 
runden Triumphbogen über Deckplatten abgeschieden, der an der Vorderseite mit einer Stuckkartusche 
mit Ranken, Palmetten und einer InfuI geziert ist. 

Turm: Untergeschoß mit Stiegenaufgang. 

Anbau: Sakristei. Südlich vom Chor; ein quadratisches Kreuzrippengewölbejoch, dessen birnförmige 
Rippen in den Ecken sehr tief herabreichen und spitz zulaufen; runder, glatter Schlußstein. Türen im N. 
und S., letztere mit Oberlicht, in Segmentbogennischen. 



Turm. 
Anbau. 




n ~V K~~? 




Einrichtung: Einrichtung. 

Altäre: 1. Hochaltar, Bildaufbau mit Skulpturen. Holz, marmoriert und vergoldet, mit Bandornament- Altäre. 
appliken. Der Aufbau über zweistufigem Unterteile mit angeschlossenen Türöffnungen (zum Umgange). 
Der Mittelteil wird nach den Seiten von einem Systeme von innerer Säule, äußerem Pilaster und davor aus- 
springender Säule über übereck gestelltem Postament flankiert, an das außen, durch das einfallende Licht 

getrennt, eine weitere Säule angeschlossen ist. Jederseits über 
den tragenden Gliedern ein gemeinsames, dreiteiliges Gebälk, 
das auf die inneren vortretenden Säulen geschwungen her- 
ausspringt und den Mittelteil nischenartig vertieft. Dieser 
Eindruck wird durch Segmentgiebeltrümmer über dem Gebälk 
der vorderen Säule verstärkt. Mittelaufsatz von seitlichen 
Volutenbändern eingefaßt, von gedrücktem, geschwungenen 
Gebälke abgeschlossen. Darin hl. Dreifaltigkeit thronend mit 
Wolken und Cherubsköpfchen; auf den Giebeltrümmern große, 
adorierende Engel. Seitlich vom Bilde und außerhalb der 
Säulen große, polychromierte Statuen der Hl. Sebastian, 
Florian, Augustin und eines weitern Heiligen. Altarbild in 
reich geschnitztem Rahmen. Hinrichtung des hl. Stephanus. 
Stark nachgedunkelt. Um 1730. 

An der Rückwand des Altars kleine, vergitterte, rechteckige 
Nische; das Gitter schmiedeeisern mit einer Bordüre mit 
eingeblendetem Rankenornamente; der Mittelteil aus diagonal 
gelegten Bändern, vor denen eine ausgeschnittene, ursprünglich 
wohl bemalte Darstellung angebracht ist, Madonna mit Kind, 
stehend, in Glorie zwischen vier Engeln. Anfang des XVI. Jhs. 
(Fig. 116). Auf der sarkophagartigen Mensa mit vergoldeten Fig. 1 16. 
Ornamenten Tabernakel mit eingezogenen Tiefen und vorge- 
bauchter Vorderseite, von ornamentierten Bändern gegliedert. 
von geschwungenem Gebälke abgeschlossen; seitlich angefügte 
Flügel, auf denen jederseits zwei Reliquienschreine in ge- 
schnitzten Rähmchen stehen. Ferner dazugehörig je drei, also 
sechs Altarleuchter mit geringer Schnitzerei um 1730. Drei 
geschnitzte Rahmungen von Kanonestäfelchen, um 1750. 
2. Seitenaltar, im Ostabschlusse des nördlichen Seitenschiffes. 
Holz, marmoriert, mit geringer Vergoldung, Skulpturenaufbau ; über gestuftem Unterbau wird der Wandteil 
durch jederseits zwei schräggestellte Säulen vertieft; gemeinsames, dreiteiliges Gebälk über jedem Flügel: der 
Mittelteil etwas überhöht, durch Segmentsturz abgeschlossen. Darauf, weiß gefaßt, die thronende Dreifaltig- 
keit, über dem Säulcngebälkc Statuetten zweier Heiligen. 

In den Interkolumnien weiß gefaßte Figuren der Hl. Paulus und Johannes (erste Hälfte des XIX. Jhs.). — 
Vor der Mitteluische polychromierte Figur des hl. Florian, um 1670. Der Altar vom Anfange des XVIII. Jhs. 

3. Im Ostabschlusse des südlichen Seitenschiffes Staffel mit eingelassenen, geschriebenen Kanonestäfelchen 
in geschnitzter, vergoldeter Rahmung; darauf Pietä zwischen zwei adorierenden Engeln; Holz, polychromiert. 
Geringe Arbeit, um 1750. 

4. Im 0. zwischen Mittel- und südlichem Seitenschiff Bildaufbau mit Skulpturen, Holz, marmoriert und ver- 
goldet. Gestufte Staffel, die an den Flügeln schräg vorspringt; der Bildteil von schräg vortretenden Säulen 
vor Pilastern flankiert, über denen ein dreiteiliges, geschwungenes Gebälk liegt; der Wandteil nach oben 
in einen kartuscheförmigen Aufsatz fortgesetzt, den seitlich Volutenbänder, oben ein geschwungener Sturz 
abschließen. Im Felde Nische, darin Statuette Christi an der Säule; Altarbild geschwungen abgeschlossen 
in schwarzem Rahmen mit vergoldeten Ornamenten : die hl. Katharina von Engeln getragen. Rückwärts 
kleinfigurig die Enthauptung. Gutes Bild in der Art des Etgens. 

Seitlich davon Figuren der hl. Barbara und einer zweiten hl. Jungfrau. 



Fig. 116 Weikertschlag, Pfarrkirche, Eisengitter 
an der Rückseite des Hochaltars (S. 109) 



110 



Oerichtsbezirk Raabs 



Gemälde. Gemälde: 14 Kreuzwegstationen, stark nachgedunkelt. Um 1760. 

Skulptur. Skulptur: Holz, polychromiert, Taufe Christi, gering, Mitte des XVIII. Jhs., über geschnitzter Konsole. 

Kanzel. Kanzel: Holz, marmoriert und vergoldet, mit geschnitzten Band- und Rocailleornamenten. Im N. Stiege, 
die Brüstung mit Feldergliederung; die Kanzel viereckig, die Brüstung nach unten ausladend, an der Vorder- 
seite gekerbt, an den Tiefseiten von Voluten umklammert. Der Schalldeckel an der Rückwand von zwei 
Putten getragen, der Abschluß gedrückt mit zwei Volutenbändern, die auf Wolken mit Cherubsköpfchen 
haften, und einer breiten Mittelkonsole mit dem Lamm auf dem Buche. Um 1730. 

Orgel. Orgel: Weiß gefaßt mit geringer Vergoldung, mit angesetztem, geschnitzten Knorpelwerk, um 1650, und 

einigen späteren Ornamenten, um 1750. 

Taufkessel. Taufkessel: Stein, bläulich gefärbelt. Über schlankem, dreiseitigen, übereck gestellten Stützpfeiler ein 
ausgehöhltes, topfförmiges Kapital mit skulpiertem Weinlaube, an ein ausgehöhltes Gebälkstück angelehnt. 
Fig. 117. Spätromanisch, XIII. Jh. (Fig. 117). 

Fahnen. Fahnen: Drei Fahnen mit aufgelegten 
Leinwandbildern an beiden Seiten des aus- 
geblichenen Seidenstoffes; ausgeschnittene 
und vergoldete Blechaufsätze. 

1. Handwerk der Kleidermacher, 1818, 
Krönung der hl. Jungfrau — hl. Michael. 

2. Weber, 1830, hl. Severin — Immakulata 
und hl. Augustin. 

3. Hufschmiede, 1830, hl. Eligius — Imma- 
kulata und hl. Nikolaus. 

Ampel: Glasschale, gekerbt, mit spitzem 
Ablaufe, daran drei Arme aus Goldbronze in 
Tüllen in Form von Blütenkelchen endend; 
drei Ketten, durch einKrönchen zusammen- 
gehalten. Zweite Hälfte des XVIII. Jhs. 

Kirchengeräte: Monstranz, Messing, 
breiter Fuß mit getriebenen, großen Blu- 
men; um den Behälter ein Blumenkranz, 
herum große Ranken mit zwei Cherubs- 
köpfchen, Strahlenglorie. Zweite Hälfte des 
XVII. Jhs. 

Reliquiar aus Messing, die Kleeblattenden mit Blattranken auf gerauhtem Grunde graviert. XVI. Jh. 
Kasel, Spiegel, Kreuzelstich, rote Seide und geschlungene Goldfäden auf Stramingrund; gräzisierendes grad- 
liniges Muster. Anfang des XIX. Jhs. 
Paramentenschrank in der Sakristei mit reicher linearer Intarsia. Mitte des XVIII. Jhs. 

Glocken. Glocken: 1. (Kreuz, hl. Dreieinigkeit, St. Florian). Regnante Paulo abbate Gerusensi et patrono ecclesiae, 
turri ac paroccia celerrime ab igne absorptis eo anno gloriose ut phoenix resurrexi (Chronogr. 1755). Durch 
Hitz u. Feier floss ich — zu Gottes Ehre goss mich — Ignatius Begl in Znaymb. 

2. (Kreuz, St. Johann von Nepomuk, Stiftswappen) /. N. R. I. — Paulo abbate Gerusensi professo ac sacerdote 
jubilaeo regnante et haec aera congerente ego fundebar a Joanne Georgio Scheichel (in Znaym). (Chronogr. 
1776). 

3. Zügengl. (Kreuz, schmerzhafte Maria). Ant. Aufheimer in Znaym 7824. 

Pfarrhof. Pfarrhof: Weitläufiges Gehöft, Anlage des XVI. Jhs. Hauptgebäude, einstöckig, rechteckig, mit Ort- 
steinen eingefaßt, die Geschosse durch Simsband getrennt. An der östlichen Schmalseite an einem Fenster 
schmiedeeisernes Korbgitter mit Rocaille und Palmetten. Drittes Viertel des XVIII. Jhs. 
Inneres bis auf wenige Nebenräume modern adaptiert. Das Hofportal mit geschwungener Bekrönung, um 1760. 

Kapellen- Kapellenruine: Ehemalige Schloßkapelle zum hl. Pankraz. Das Schloß, zu dem die Kapelle gehörte, 
rmne. war 1593 bereits ein öder Burgstall (siehe oben); die Kapelle aber erhielt noch 1682 eine in Krems gegossene 

Glocke und 1709 eine Ablaßurkunde. 1784 wurde sie größtenteils abgetragen. Eine Glocke von 1682 kam 
von hier nach Oberndorf. 

Auf einem Hügel über dem Dorfe gelegen, quadratisches Bruchsteinmauerwerk mit Ansätzen eines durch- 
geschlagenen Gratgewölbes. 

Pranger. Pranger: Auf dem Hauptplatze. Granit; auf quadratischer Stufe prismatischer Sockel mit vertieften 
Feldern zwischen Deckplatten, darauf nach oben verjüngter Pfeiler mit vertieften Feldern, der über pro- 



Ampel. 



Kirchen- 
geräte. 




Fig. 117 Weikertschlag, Pfarrkirche, 
Taufkessel aus einem romanischen Kapital (S. 110) 



y 



Weikertschlag. — Wctzles. — Weinern 



111 



filierter Deckplatte die Figur 
eines Kriegers mit Schild trägt. 
Auf diesem die Jahreszahl 1735. 
An der Rückseite des Pfeilers 
Steinkugel an Kette; mehrere 
Eisenschließen. 

Bildstock: Ortsausgang Bildstock, 
gegen SO. Granit mit Spuren 
von Bemalung. Runde Stufe, 
rechteckiges, oben abgeschräg- 
tes Postament, achtseitiger, auf 
der Basis mit Stäben besetzter 
Pfeiler mit einer Hohlkehle, die 
vorne mit zwei Wappenschilden 
besetzt ist, in den vierseitigen 
Tabernakel übergehend. Vorne 
Rundbogennische; über Steil- 
giebel Steinsatteldach mit Po- 
stament eines abgebrochenen 
Steinkreuzes. Auf dem einen 
Wappenschilde undeutliches 
Hufeisen. 

P r i v a t h a u s Nr. 44 : Auf dem Hauptplatze. Weiß gefärbeltes Doppelgebäude, dessen zwei Teile durch Privathaus. 
ein gequadertes Rundbogentor verbunden sind; durchlaufendes, profiliertes Gesims. Die Fenster des Unter- 
geschosses beider Teile in profilierter Rahmung, mit eisernen Korbgittern, mit vorgesetzten Blumen, Ranken, 
Vögeln und flamboyanter Bekrönung. (Drittes Viertel des XVIII. Jhs. Fig. 118.) In dem geschwungenen Fig. 1 18. 
Giebel ovale Fenster; in einer Rundbogennische graue Steintafel mit Relief der Immakulata. Bekrönung 
durch Pinienzapfen und Kugel. Anlage vom Anfange des XVII. Jhs. 




Fig. 118 Weikertschlag, Fenster des Hauses Nr. 44 (S. 111) 



Bildstock. 



2. Wetzles, Dorf 

Bildstock: Weiß gefärbelter, gemauerter Unterbau mit verjüngtem Obergeschosse mit Ziegelsatteldach; 
in der Vorderseite Segmentbogennische. Anfang des XIX. Jhs. Seitlich zwei große Linden. 

Schüttkasten: Mit Ortsteinen eingefaßt; über den Schmalseiten geschwungene Giebel. XVII. Jh. Schuttkasten. 



Weinern, Dorf mit Schloß 

Literatur: Schweickhardt V 57. 

Alte Ansicht: Radierung von G. M. Vischer, 1672. 

Schloß, Besitz des Rudolf Grafen van der Straten. 
Die Zehentrechte von St. Georgen im Dorfe Weinharen 
reichen bis 1112 zurück (Archiv, 1853,246). Das danach 
benannte Geschlecht erscheint in Alphart von Weynarn 
1343 zum ersten Male (Fontes XXI 216). Es blühte 
noch 1402 (Pfarrarchiv Raabs). 1495 nannte sich Au- 
gustin Gruber nach diesem Schlosse, das später 1572 
an die Neuhof er und 1581 an die Puchheim gelangte, 
denen es 1611 entzogen wurde (Notizenblatt 1854, 326). 
Die Freiherren von Selb besaßen es 1672 — 1756. Seit 
1847 gehört es den Grafen van der Straten. 

Das gegenwärtige Schloßgebäude wurde von Karl Gott- 
lieb von Aichbichel als Vormund des Johann Anton 
Freiherrn von Selb neu erbaut. Die Schloßkapelle wird 
1705 genannt, hatte 1733 einen Altar und war mit 
Meßlizenz ausgestattet (Dekanatsarchiv Raabs). 




Schloß. 



Beschreibung. 



Fig. 119 Weinern, Schloß, Hauptportal (S. 112) 



112 



Gerichtsbezirk Raabs 



Das Schloß besteht aus zwei aneinanderstoßenden, einstöckigen Gebäuden, dem alten und dem neuen Schlosse, 
die beide modern gelb gefärbelt sind. Das neue Schloß besteht aus einem langen Westtrakte und zwei kürzeren, 
im rechten Winkel anstoßenden Trakten, von denen der südliche reicher gestaltet ist. Dieser mit gebändertem 
Untergeschosse mit vortretenden Verstärkungen; die Fenster mit gestuften, in die Bänderung übergehenden 
Keilsteinen; profiliertes Gesims zwischen den beiden Geschossen. Gedrücktes Rundbogenportal mit Eck- 
bändern und Maske im Keilsteine, von jederseits einem System von Säule vor Pilasterbündeln flankiert; 
über den mit Festons verzierten Volutenkapitälen dreiteiliges Gebälk, über der Säule als rechteckige Platte 
übereck vorspringend; der oberste Teil dieses Gebälkes wird von dem herabsteigenden, die Geschosse trennenden 
Gesims gebildet und setzt sich, geschwungen aufsteigend, das Portal nach oben abschließend, fort. Auf dem 
Gebälke Blumenvasen; im Giebelfelde reiche Kartusche mit gemaltem Doppelwappen Beaufort - Spontin und 
Fig. 119. hängenden Festons, die zu den seitlichen Deckplatten überführen (Fig. 119). Das Obergeschoß mit Lisenen- 
gliederung und gekuppelten Pilastern, die den Verstärkungen im Untergeschoß entsprechen; die Pilaster mit 
Gehängen und Maske am gebauchten Kapital. Die Fenster mit gestuften Keilsteinen in dem Sturzbalken und 
vertieften Feldern in den Parapetten, die sich zu einem durchgehenden Sockel fortsetzen. Die übrigen Trakte 
einfacher gestaltet. 

Das alte Schloß an den Südflügel des neuen angelehnt, rechteckig, in der Fassadierung mit diesem übereinstim- 
mend. An der Nordseite^zwei runde Ecktürme mit modernem Aufsatze und Bekrönung (um 1870). 
Die Innenräume zeigen großenteils die Dekoration aus der Mitte des XVIII. Jhs. Über profilierter Kornische 
gekehlte Flachdecke mit zart reliefiertem Stuckrankenwerk. Im Mittelsaale des Westtraktes sind in die 
Wände vier Hoch- und zwei Breitbilder, in großem Formate, Öl auf Leinwand, eingelassen, denen ein weiteres 
ovales im Deckenspiegel entspricht : Bakchische Szenen, von Amoretten dargestellt. Dekorative Malereien 
in der Art des Peter von Strudel. 

Im Nebenzimmer in die naturfarbene (ehemals licht gestrichene) Wandtäfelung eingelassen vier Bilder in 
Kartuscheform, Schäferszenen darstellend. Deutsche Kopien des XVIII. Jhs., nach Stichen von Lancret. 
(Zwei weitere zur Serie gehörige Bilder in einem andern Zimmer.) 

Gemälde. Gemälde: 1. Öl auf Leinwand; zirka 80 X 60cm; zwei Pendants, Darstellungen aus der Alexandersage, 
figurenreiche Kompositionen mit reichen architektonischen Hintergründen mit steinfarbenen Reliefs. Richtung 
des G. de Lairesse. Aus belgischem Familienbesitz stammend. 

2. Überlebensgroßes Porträt, König Christian VII. von Dänemark, in ganzer Figur stehend, in reicher Hof- 
tracht, mit Purpurmantel mit Hermelin. Hintergrunds- 
draperie. — Pendant; Porträt der Königin Karoline 
Mathilde in hellblauem, ausgeschnittenen Kleide. Hinten 

Fig. 120. Säule mit Draperie (Fig. 120). Gute, dänische Bilder, 
um 1770. 

3. Porträt der Mutter des Schloßbesitzers, Gräfin Van 
der Straaten geb. Beaufort, in schwarzem, ausgeschnit- 
tenen Kleide; Kniestück. Bezeichnet: Winterhalter Bru- 
xelles 1849. 

Pendant dazu, Porträt des Grafen Van der Straaten, von 
demselben Maler. 

In der Schloßkapelle Altar; ovales Bild, Beweinung Christi 
unter dem Kreuze, herum Engel und Cherubsköpfchen. 
Das Bild in reich geschnitztem, vergoldeten, durchbroche- 
nen Rahmen aus Volutenwerk und Blattranken mit vier 
schwebenden, die Bildleiste haltenden Putten. Um 1700. 
Fig. 121. (Fig. 121). 

An den Wänden weiß gefaßte Holzfiguren, unterlebens- 
groß, der Hl. Franz X., Anna, Ferdinand, Johann von 
Nepomuk, Francisca Romana. Erste Hälfte des XVIII. Jhs. 

Ortskapelle. Ortskapelle: Einfache Kapelle von 1824 mit je zwei 
seitlichen, rundbogig abgeschlossenen Fenstern, einsprin- 
gender, abgerundeter Apsis und quadratischem Dach- 
reiter mit blechgedecktem Zwiebeldache (1865) über der 
von Voluten eingefaßten Giebelfront. 

Inneres. Inneres: 

Hellblau gefärbelt, mit gliedernden Pilastern. Zwei Kloster- 
gewölbejoche zwischen Gurtbogen; abgerundete, um eine Fig. 120 Weinern, Schloß, Porträt der Königin 
Stufe erhöhte Apsis. Karoline Mathilde von Dänemark (S. 112) 




Weinern. 



Primmersdorf 



113 




Hochaltar: Holz, schwarz, mit seitlichen Hochaltar. 
Säulen und ausladendem Abschlußgebälke; 
Reste einer Anlage des XVII. Jhs. Dazuge- 
hörig zwei weißemaillierte und vergoldete 
Holzfiguren der Hl. Johannes B. und Sebastian. 
Skulpturen: Holz, weiß emailliert und Skulpturen, 
vergoldet; hl. Josef mit dem Kinde und 
hl. Florian. Zweite Hälfte des XVII. Jhs. 
Sehr gering. 

Zabernreith 

1. Primmersdorf; 2. Trabersdorf; 
3. Zabernreith 

1. Primmersdorf, Dorf 

Literatur: Alphons 2ak, Eibenstein und Primmersdorf 
in Bl. f. Landesk. 1895; Bl. f. Landesk. 1904, 
1 54 ; Plesser, Ruinen, 259 jSchweickhardt V87. 

Alte Ansicht: Radierung von O. M. Vischer von 1672. 

Prähistorische Funde: Gefäßbruchstücke mit steilem 
Wellenornament oder Punktverzierung. 

Schon im XII. Jh. kommt ein Geschlecht der Primmers- 
dor/er vor. 1406 erscheint Ulrich Dachsner als Besitzer 
von Pr., der es von Herzog Wilhelm von Österreich ab 
Lehen erhielt. Die Besitzer wechseln sehr rasch, bis der 
Ort 1706 an Herzogenburg kam, das ihn bis 1861 behielt. 

Schloß im Besitze des Herrn Eduard Groß. Schloß. 
Über die älteren Besitzer des Ortes siehe oben. 
Nachdem das alte Schloß vor 1567 verödet 
war (es bestand auf der sogenannten Brand- 
statt), wurde vor 1667 der jetzige Bau auf- 
geführt. Das Schloß stammt in der Anlage aus dem XVIII. Jh., mehrere Teile Wurden 1724 durch Propst 
Leopold von Planta von Herzogenburg gebaut, der in demselben Jahre die Schloßkapelle weihte. Andere 
Gebäude stammen aus der ersten Hälfte des XIX. Jhs. und der ganze wurde in den letzten Jahren so weit 
renoviert, daß der Gesamteindruck der ganzen Anlage ein ziemlich moderner ist. 

Vier Flügel um einen rechteckigen Hof; die Gebäude ebenerdig und einstöckig aus verschiedenen Bauzeiten 
stammend und zum Teil mit den Achsen und Winkeln gegeneinander verschoben. In der Mitte der Ost- 
seite moderner Terrassenvorbau, an der Südseite Eingang zum Kapellenvorbau, rechteckig, mit Keilstein 
in der Rahmung und dem Wappen von Herzogenburg unter geschwungenem Giebelsturz. Daneben zwei 
hohe gerahmte Fenster mit abgesetztem Segmentbogenabschlusse. In der Mitte der Westfront rechteckiger 
Torturm. An seiner Fassade über rechteckiger Tür zwei übereinander stehende Fenster mit Sohlbank und 
Sturzbalken, darüber Zifferblatt und zwei große ovale Luken, Kranzgesims, neues Ziegelzeltdach. Die Ein- 
fahrt flachgedeckt mit kräftigem Stuckrelief; ovaler Mittelspiegel, vier runde Eckmedaillons, von Kränzen 
und Knorpelwerk gerahmt, durch je zwei Adler, die Bänder halten, getrennt. Um 1680. 
Die Inuenräume meistens modern adaptiert. An der Südseite im ersten Stock zwei Zimmer mit Flachdecken, 
mit Stuckverzierung in halbkräftigem Relief, verschieden geformte Spiegel und Medaillons in Blattranken- 
rahmung. Ende des XVII. Jhs. In der Nordostecke ein kleines, gewölbtes Zimmer mit Stuckreliefs, gerahmten, 
von Pflanzenranken und Füllhörnern umgebenen Schilden. — An der Rückseite des Gebäudes ein kreuz- 
gewölbter Raum mit Festons auf den Graten; in den vier Kappen in Stuckrahmen gemalte Putten mit den 
Emblemen der Jahreszeiten; an den Wänden zwei stark zerstörte Malereien (Stilleben aus Muscheln, 
Korallen usw.). Um 1680. Vielleicht ursprünglich als „Grotte" dienend. 

Kapelle: Einheitlicher Raum mit abgerundetem Ostabschlusse, die grünlich gefärbelten Wände von Kapelle, 
einfachen und gekuppelten Pflastern mit Festons an den Kapitalen gegliedert; über umlaufendem Gesims und 
Kehle Flachdecke. An der Nord- und Südseite je zwei hohe Fenster in Segmentbogennische, im W. Tür in 
ebensolcher Nische, darüber breites Oberlicht. 

VI 15 



mu 



Fig. 121 Weinern, Schloß, Altar der Schloßkapelle (S. 112) 



114 



Gerichtsbezirk Raabs. — Trabersdorf. — Zabemreith 



Altar. Altar: Bildaufbau, die abgerundete Abschlußwand verkleidend. Holz, bräunlich marmoriert und ver- 

goldet. Über gestuftem Unterbau Hauptteil mit jederseits einer Säule vor drei Pilastern und rahmendem, 
perspektivisch gestellten Volutenband mit Rosettengitter; dreiteiliges Gebälk, dessen Attikateil mit ver- 
goldeten Stäben besetzt ist. Die Rückwand in den kartuscheförmigen Aufsatz übergehend, mit applizierten 
Gehängen und Rankenspiralen; seitlich von Voluten, nach oben von Rundbogengebälk abgeschlossen, mit 
bekrönendem Kreuze über Wolkensockel, mit Cherubsköpfchen zwischen Flammenurnen. Ovales Ausfatz- 
bild : hl. Dreifaltigkeit; Altarbild : hl. Johannes von Nepomuk, die hl. Jungfrau mit dem Kinde ihm er- 
scheinend, mehrere Putten. Um 1710. 

Gemälde. Gemälde: 1. Öl auf Holz; zwei kleine Bildchen, Halbfiguren der Hl. Petrus und Paulus. Anfang 
des XVII. Jhs. In vergoldeten, furnierten Rahmen. 

2. Öl auf Leinwand; Porträt, Halbfigur des Maximilianus Propstes von Herzogenburg, der hanc arcem in P. 
eidem canoniae comparavit Anno 1696. In reicher, vergoldeter Umrahmung mit aufgesetztem Gitterwerke. 
Sehr kleine, vergoldete Holzstatuette der Immakulata, in ge- 
schnitztem Glasschreine. Um 1710. 

chüttkasten. Schüttkasten: Grau-gelb verputztes, mit Ortsteinen 

eingefaßtes Gebäude, durch Gesimse in drei Stockwerke 

geteilt; profiliertes Kranzgesims. Gerahmte Breitfenster; über 

den Schmalseiten geschwungene Giebelaufsätze mit drei Kugeln 

als Bekrönung und drei breitovalen Luken. In der nördlichen 

Schmalseite Tür in Steinrahmung mit Ohren und mit Datum 

1706 im Attikaaufsatze; darüber ausladender Sturzbalken mit 
Fig. 122. seitlichen Kugeln auf Postamenten (Fig. 122). In der Mitte 

Abtwappen in Relief mit Umschrift : Maximilianus Propst zu 

Herzogenburg; darüber Abschlußgebälk und Kugelbekrönung. 

Rechts darüber große, gerahmte Rundbogennische, darinnen 

entpolychromierte Holz(?)figur der Madonna mit dem Kinde, 

stehend, von Wolkenkranz umgeben; unten leeres Kartusche- 
feld. Aus derselben Zeit. 

2. Trabersdorf, Dorf 

Prähistorische Funde: Paläolithische Station: Zwischen Trabersdorf und 
dem südöstlich gelegenen Primmersdorf liegt die Ackerflur „Au- 
feld", auf welcher seit 1898 von F. Kiessling über 100 Stein- 
werkzeuge und 2800 Steinabfälle gefunden wurden (M. A.G. 
XLI 1911. S. 21— 22, Taf. IV). Sammlung Kiessling. 

Neolithische Station: Funde: Benutztes Quarzgeschiebe, kleiner Meißel 
aus Diorit. Hammerbruchstück und Bohrlochkern aus demselben 
Material, diverse geschlagene Steinwerkzeuge (Kratzer, Schaber, 
Klingen, Stichel, Nuklei usw.) aus beinartigem Hornstein, Topf- 
scherbe mit rundlicher Warze, Tonkügelchen u. a. 




Fig. 122 Primmersdorf, Schüttkasten, Tür (S. 114) 



Ortskapelle. 

Inneres. 
Einrichtung. 

Skulpturen. 
Bildstock. 



3. Zabemreith, Dorf 

Erscheint als Zabomreit 1493 in einem Stijtbriefe von Raabs (Geschichll. Beilag. IX 225). 

Prähistorische Funde: Neolithische Einzelfunde: Meißelbruchstücke aus Serpentin, Kratzer aus lichtem Hornstein, Nukleus aus 
braun-rotem Hornstein mit Jaspis-Einschlag. 

Ortskapelle: Rechteckiger, weiß gefärbelter Bau mit einspringendem, halbrunden Ostabschlusse und 
hölzernem Dachreiter mit Pyramidenspitzdach aus Blech, mit Knauf und Kreuz; seitlich je ein, im Abschlüsse 
zwei flachbogige Fenster, in der westlichen, glatten Giebelfront die Tür. 

Inneres: Modern gefärbelt, flach gedeckt, der einspringende, um eine Stufe erhöhte Chorabschluß gewölbt. 

Einrichtung: 

Auf dem Altare unter Holzbaldachin polychromierte Figur Gott-Vaters zwischen zwei großen und kleinen 
Engeln. Ende des XVIII. Jhs. 

Skulpturen: Holz, polychromiert; zwei hl. Bischöfe. Geringe Arbeiten, um 1800. — HI. Florian und 
hl. Johannes von Nepomuk. Ende des XVIII. Jhs. 

Bildstock: Im Orte, an der Straße; prismatischer Sandsteinsockel zwischen profilierten Deckplatten, 
darauf Statue des hl. Florian, vom Anfange des XIX. Jhs. 



Gerichtsbezirk Waidhofen a. d. Thaya 



Buchbach 

1. Buchbach; 2. W i e d e r f e I d 

1. Buchbach, Dorf 

Literatur: Top. II 245; Plesser in Geschichtliche Beilagen IX 373 — 390; Fahrnoruber 33. 

Archivalien: Pfarrarchiv mit Matriken seit 1784 und Gedenkbuch. 

Alte Ansicht : Aquarell im Urbar von 1C94 im Schlosse Waidhofen a. d. Thaya. 

B. ist eine alte Ansiedlung, die zur Herrschaft Waidhofen gehörte und zwischen 1220 und 1240 erwähnt wird ((DOPSCH, öster- 
reichische Urbare I 24). Auch die späteren Nachrichten über den Ort beziehen sich fast ausschließlich auf die Besitzverhältnisse. 
1619 — 1620 wurde B. von den Kriegsvölkern verwüstet, ebenso 1645. 1847 brannte der größte Teil des Dorfes ab. 




Fig. 123 Buchbach, Pfarrkirche, Grundriß 1 : 250 (S. 116) 

Pfarrkirche zum hl. Florian. 

In kirchlicher Beziehung gehörte B. ursprünglich zu Waidhofen. Um 1575 sollen die Puchheim hier Prädi- 
katltetl gehalten haben. Um diese Zeit verödete die Kirche. 1659 heißt es in einem Berichte an das Kon- 
sistorium : Die Kirche zu B. ist verfallen, Graf Ferdinand Max von Sprinzenstein beginnt sie zu restaurieren. 
1672 war die Kirche bereits in gutem Bauzustande, hatte einen Altar und eine Kasel. 1708 hatte die Kirche 
vier Altäre usw. 1784 wurde trotz des Widerspruches des Dechanten von Waidhofen hier eine Lokalie er- 
richtet, die 1815 — 1823 unbesetzt war. 1823 werden die Kirche und ein großer Teil der Einrichtung als 
schadhaft bezeichnet. 1895 wurde eine neue Orgel angeschafft, 1902 der hölzerne Turm neu hergestellt. 

15* 



Pfarr- 
kirche. 



116 



Gerichtsbezirk Waidhofen a. d. Thaya 



Beschreibung. Beschreibung: Verbindung eines ursprünglich gotischen, barockisierten Chores mit einem Langhause 
Fig. 123. aus der zweiten Hälfte des XVII. Jhs. Der Gesamteindruck fast ganz modern (Fig. 123). 



Äußeres. 



Langhaus. 



Chor. 



Turm. 
Anbauten. 

Inneres. 
Langhaus. 



Chor. 



Äußeres: 

Bläulich gefärbelt; mit umlaufendem Sockel (mit Ausnahme der Westseite). 

Langhaus: W. Glatte, an den Ecken eingefaßte Front mit Zahnschnittornament am gebrochenen Giebel. 

Unter Vorbau steingefaßte Tür, darüber Rundbogennische in profilierter Steinrahmung mit Keilstein. Darinnen 

polychromierte Terrakottastatue des hl. Florian vom Jahre 

1906. Im S. und N. je ein rechteckiges und je zwei 

tiefer angesetzte Segmentbogenfenster in Rahmung. 

Unter dem östlichen eine Tür mit flachem Kleeblatt- 

bogenabschlusse unter Vorbau. 

Chor: S. von der Sakristei verdeckt. — 0. in fünf 
Seiten des Achteckes geschlossen. In den Schrägen je 
ein Spitzbogenfenster in abgeschrägter Laibung. Im 0. 
Flachbogennische mit moderner Marienstatue. Im N. bis 
über die halbe Höhe pultgedecktes Widerlager. Gemein- 
sames, abgewalmtes Schindelsatteldach über Langhaus 
und Chor. 

Turm: Hölzerner, schindelverkleideter Dachreiter über 
der Westfront mit Blechzwiebeldach, Knauf und Kreuz. 

Anbauten: 1. Westlicher Torvorbau mit Giebel und 

Schindelsatteldach. 

2. Südlicher Torvorbau mit Ziegelpultdach. 

Inneres: 

Modern gefärbelt. 

Langhaus: Flachgedeckt. Westempore auf drei Kloster- 
gewölben und zwei zum Teil eingebauten Pfeilern; in einem 
nördlichen Einbau modernes, gotisierendes Fenster. Im S. 
und N. je drei, bis zur Decke emporgeführte Blendnischen; 
in diesen im S. die Tür mit Kleeblattbogenabschluß in 
Segmentbogennische, in den übrigen die rundbogigen 
Fenster. Im W. Haupttür. 

Chor: Um eine Stufe erhöht; niedriger als das Langhaus, 
in fünf Seiten des Achteckes gebrochen. Niedriges Tonnen- 
gewölbe mit vier durchgehenden und drei radialen Stich- 
kappen; gegen das Langhaus gedrückter, beiderseits ab- 
geschrägter Spitzbogen. Im S. moderne, gotisierende Sa- 
kristeitür, über ihr und in den Schrägen drei spitzbogige 
Fenster in abgeschrägten Nischen. 




Fig. 124 Buchbach, Pfarrkirche, Kanzel (S. 117) 



Einrichtung. Einrichtung: 

Hochaltar. Hochaltar: Freistehender Tabernakelaltar mit Bild an der Rückwand. Holz, marmoriert und vergoldet. 
Hinter sarkophagartigem Unterbau eine, durch profiliertes Gesims abgeschlossene Holzwand. Vergoldeter 
Tabernakel mit Kruzifix in Muschelnische, rechts und links davon je ein adorierender Engel — weiß, ver- 
goldet — auf Volutensockel. Als Abschluß kleiner Baldachin auf korinthischen Säulen, darunter Holzkruzifixus; 
als Bekrönung Buch mit sieben Siegeln und dem Lamm Gottes im Strahlenkranze; seitlich davon je ein 
adorierender Engel. Der Tabernakel setzt sich nach den Seiten in eine gerade, oben geschweifte, mit einem 
griechischen Kreuz bekrönte Wand fort; an ihren Enden jederseits ein größerer Engel auf Volutensockel. Der 
ganze Altar wurde 1802 von Bockfuß in Zwettl verfertigt. Altarbild an der Rückwand, hl. Florian. Anfang 
des XIX. Jhs., stark übermalt. Rechteckiger Empirerahmen mit Festons, Schleife und Rosetten. 

Kanzel. Kanzel: Holz, marmoriert und vergoldet; quadratisch, mit geschweiftem Ablaufe; die Kanten durch 
Pilaster abgeschrägt. Brüstung mit eingeblendetem Spitzbogenfries, der ein Maßwerk nachahmt und stark 
profiliertem Abschlußgesims. An der Rückwand Relief mit der Parabel vom Sämann. Baldachin mit abge- 
schrägten Ecken; an der Unterseite Taube in Glorie. Bekrönung wie Ablauf, Fackeln in Kränzen, verschränkte 



Buchbach. — Wiederfeld. — Arnolz 



117 



Kreisappliken; kirchliche Embleme und Cherubsköpfchen in Wolken. 1800 von Bockfuß in Zwettl her- 
gestellt. Interessanter, gotisierender Versuch der Empirezeit (Fig. 124). 

Gemälde: öl auf Leinwand. 1. Kleeblattförmig abgeschlossen; hl. Anna. Mährisch; zweites Viertel 
des XVIII. Jhs. 

2. Pendant dazu: hl. Joachim; von demselben Maler. 

3. — 6. Querformat, Opfer des Elias, Bethlehemitischer Kindesmord, Flucht nach Ägypten, Ruhe auf der 
Flucht; die Szenen in Landschaft mit großen Bäumen, Bergen und Flüssen. Geringe Bilder aus der zweiten 
Hälfte des XVIII. Jhs. 

7. Aussendung der Jünger; in der Art des Mayerhofer; um 1840. 

8. Vierzehn Kreuzwegstationen von demselben Maler. Jede mit einem L bezeichnet in Erinnerung an den 
Spender Laurenz Langsteiner aus Sarning, der 1835 um 80 fl. Konventionsmünze den Kreuzweg anschaffte. 

Skulpturen: Holz, polychromiert, vergoldet und versilbert. 1 und 2. Halbfiguren des hl. Johannes 
von Neponuik und des hl. Johannes Evangelist. Erste Hälfte des XVIII. Jhs. Beide kamen 1866 aus der 
Rumpelkammer der Pfarrkirche in Krems a. d. Donau hierher und wurden neu staffiert. 

3. Madonna mit dem Kinde in Glorie. Mitte des XVIII. Jhs. 

Orgel: Einfach ornamentiert, von vier Vasen mit wegstehenden, mäanderförmigen Bändern bekrönt. Von 
Johann Rohan aus Triesch, 1800. 

Kirchliche Geräte: 1. Monstranz; Kupfer, vergoldet; im Scheitel des Nimbus Gott- Vater, unten 
die Taube und zwei Engel. 1802 vom Gürtler Reiter in Waidhofen verfertigt. 

2. Ziborium mit vergoldeten und versilberten, getriebenen Blumen. Zweite Hälfte des XVIII. Jhs. 1784 
schon als vorhanden angeführt. 

Kasein: 1. Weiß, mit gelben Sternen in Kreuzstichstickerei; 1826 von der Kaiserin Maria Augusta ge- 
spendet. 
2. Weiße Seide, mit großen Weinranken, die aus Füllhörnern sprießen. Anfang des XIX. Jhs. 

Glocken: 1. (Kreuz mit Maria und Johannes, hl. Maria.) Anton Zlabinger, Pfarrer. — Gegossen v. J. G. 
Jauchen in Krems a 1836. 

2. (Kreuz, Maria mit dem Kinde.) Jesus Nazarenus Rex Judaeorum. — Anno 1736 goss mich Ferdinand Drackh 
in Krcmbs. 

Bildstock: An der Straße nach Waidhofen; weiß verputzter Bruch- und Backsteinpfeiler mit einfach 
profiliertem Gesimse, darinnen tiefe Rundbogennische mit Bild auf Holz, hl. Florian. Im Giebelfelde stark 
beschädigtes Heiligenbild auf Blech in kleiner Rundbogennische. Erste Hälfte des XIX. Jhs. 

2. Wiederfeld, Dorf 

Literatur : Geschichtl. Beilag. IX 389. 

Erscheint zuerst 1499 im Urbare der Herrschaft Schrems. 

In moderner Ortskapelle (1866) Hausaltärchen, Holz, versilbert und vergoldet. Mittelschrein mit seitlichen 
Säulen vor Pilastern und angeschlossenen Volutenflügeln; darauf Figürchen der Heiligen Petrus und Paulus 
über Volutensockeln, ebenso die Heiligen Maria und Johannes um das Kreuz auf der Exposition. Seitlich vom 
Mittelschreine über liegenden Voluten adorierende Engel. Erste Hälfte des XVIII. Jhs.; um 1830 erneut. 

Krippe: Vielfigurige Krippe, die Figuren sehr klein, aus Wachs, zwei einer Gruppe des Christinendenkmals 
von Canova nachgebildet. Laut Aufschrift von Ludwig Boreck 1823 verfertigt. Angeblich aus einem Kloster 
in Wien stammend; in einem großen Schreine mit vergoldeten, geschnitzten Leisten. 



Fig. 124. 
Gemälde. 



Skulpturen. 



OrgeL 

Kirchliche 
Geräte. 



Kasein. 



Glocken. 



Bildstock. 



Ortskapelle. 



Krippe. 



Drösiedl s. Pfaffenschlag 



(Groß-)Eberharts 

1. Arnolz; 2. Groß-Eberharts 

1. Arnolz, Dorf 

Literatur: Top. II 77. 

Vielleicht identisch mit jenem A. in officio Zwetlarn, das in Urkunden von S. Georgen um 1112 genannt wird (Archiv IX 24S). 

Kapelle: An der 1904 ganz erneuten Ortskapelle an der Chorwand verschmierte Inschrift auf den 
ursprünglichen Bau von 1727. 



Kapelle. 



118 



Gerichtsbezirk Waidhofen a. d. Thaya 



2. Groß-Eberharts, Dorf 

Literatur: Top. II 416; Geschichtl. Beilag. VIII 376. 

Alte Ansicht : Aquarell im Urbar von 1694 im Schlosse Waidhofen a. d. Thaya. 

Erscheint im Zehentverzeichnisse von St. Georgen seit 1112 und im Urbare des Stiftes Zwettl um 1325. Gehörte zum Gute Thaya. 

Ortskapelle. Ortskapelle: In moderner Ortskapelle von 1874 polychromierte Holzstatuette, Immakulata, in starker 
Bewegung. Ende des XVII. Jhs. 

Bildstöcke. Bildstöcke: 1. Auf dem Wege gegen die Hauptstraße, zwischen zwei Bäumen; gemauerter, gelb und blau 
gefärbelter Bruchsteinpfeiler mit rechteckiger Öffnung an der Vorderseite und Flachgiebel über dem, von einer 
kleinen Rundbogennische durchbrochenen, profilierten Gebälke. In der Hauptnische polychromierte Stuck- 
statue des hl. Michael, in der kleinen Nische des hl. Florian. Errichtet 1731 an Stelle einer älteren Säule von 
1571. (Geschichtl. Beilag. VIII 376.) 

2. Straße nach Pfaffenschlag. Tabernakelpfeiler aus Granit; viereckiger, ins Achteck übergehender Sockel, 
achteckiger Schaft, Tabernakel mit Nischen im N. und S. XVII. Jh. 

Eschenau 

1. Eschenau; 2. Grafenschlag 

1. Eschenau, Dorf 

Literatur: Top. II 718. 

Beteiligte sich 1597 am Bauernaufstände (LINK, Annalen II 513). 

Ortskapelle. Ortskapelle: Erbaut 1853 (Geschichtl. Beilag. II 399). Bläulich verputzt, mit geringem, rötlichen Sockel; 
jederseits zwei Rundbogenfenster; halbrunde, einspringende Ostapsis; eingebauter Westturm mit Blech- 
zwiebeldach. 

innen. Innen: Gewölbter Chorraum, um eine Stufe erhöht. 

Skulpturen. Skulpturen: Polychromierte Holzstatue, Immakulata. Um 1700. 

Zwei vergoldete Holzstatuetten, Petrus und Paulus. Ende des XVIII. Jhs. 

Bildstock. Bildstock: Säule mit kurzem Tabernakel und Steinkreuz. Ende des XVII. Jhs. 



Bildstöcke. 



2. Grafenschlag, Dorf 

Literatur : Top. III 637. 

Um 1584 dienten von hier 18 Häuser dem Wolf Strein zu Schwarzenau (Schloßarchiv Ottenstein). 

In einer Rundbogennische an der Vorderseite der modernen Ortskapelle kleine, polychromierte Holzstatuette 
des hl. Florian. Um 1740. 

Bildstöcke: 1. Statue aus Sandstein des hl. Felix auf einem von Deckplatten eingefaßten, prismatischen 
Sockel. Um 1740. 

2. Tabernakelpfeiler, weiß verputzt, prismatisch, mit abgefasten Kanten; der Tabernakel an zwei Seiten offen; 
Pyramidenstumpf mit Steinkreuz. XVII. Jh. 



Ortskapelle. 



Groß-Gerharts 

1. Ger hart s; 2. Ranzles; 3. Schirnes 

1. Groß-Gerharts, Dorf 

Literatur: Geschichtl. Beilag. VII 302; Top. III 426. 

Alte Ansicht : Aquarell im Urbar von 1694 im Schlosse Waidhofen a. d. Thaya. 

G. erscheint im Zehentgebiete von St. Georgen seit 1112 und gehörte bis 1642 zur Herrschaft Heidenreichenstein, von dort kam es 

zur Herrschaft Waidhofen. 

Ortskapelle von 1748. Mitten im Dorf gelegen; rechteckiger Bruch- und Backsteinbau, gelb gefärbelt, mit 
blauem, stark vortretenden Sockel; halbrunder, eingezogener Ostabschluß. W. Mit geschweiftem Giebel- 
abschlusse, Tür, darüber Rundbogennische mit polychromierter Holzfigur des hl. Florian, im Giebelfelde Halb- 



Groß-Eberharts. — Eschenau. — Grafenschlag. — Groß-Gerharts. — Ranzles. — Schirnes. — (Klein-)Göpfritz 1 19 

kreisfensterchen. — N. und S. von Langhaus und Chor Rundbogenfenster, im Ostabschlusse Rundbogennische 
mit polychromierter Sandsteinfigur des hl. Johannes von Nep. — Schindelsatteldach, über dem Ostabschlusse 
blechernes Halbkegeldach. Im W. aufgesetzter Turm, in zwei niedere Geschosse untergeteilt mit jederseits 
einem kleinen Rundbogenschallfenster. Rotes Schindehwiebeldach mit Knauf und Kreuz und Inschrift : 
M 1822 S. 

Inneres: 

Über Wandpilastern Gurtgewölbe mit geringem Stuckornament, Auge Gottes in Glorie, Engel, die Sonne, 
Mond usw. in den Händen halten. Chor niedriger, mit Stichkappen im Kuppelgewölbe. 

Skulptur: Von der Decke herabhängend Maria im Rosenkranze; Holz, polychromiert und vergoldet. 

Inschrift : Mathias Wilsdorfer 1811. 

2. Ranzles, Dorf 

Literatur : Geschichtl. Beilag. VII 302. 

Alte Ansicht : Aquarell im Urbar von 1694 im Schlosse Waidhofen a. d. Thaya. 

Rentzleins war seit 1112 nach St. Georgen an der Traisen zehentpjlichtig (Archiv, 1853, 249). 

r t s k a p e 1 1 e : Von 1838; Inmitten des Dorfes gelegen, gelb gefärbelt, mit blauem Sockel, rechteckig, 
mit halbrundem Ostabschlusse, Dachreiter im W., Rundbogenfenstern. 

Inneres: 
Flachgedeckt, Chor mit Halbkuppelgewölbe. 

Skulptur: Außen in einer Rundbogennische über der Westtür polychromiertes, roh gearbeitetes Holz- 
relief der Maria mit dem Kinde. Erste Hälfte des XIX. Jhs. 

Glocke: (Thronende Figuren der Hl. Petrus und Paulus in Relief.) SU nomen Domini benedictum. — 
Theresia Scheichelin zu Wienn goss mich 1796. 

Bildstock: Straße nach Thaya. Tabernakelbildstock aus Granit. Achteckiger Sockel und Schaft, in 
ein viereckiges Kapitel übergehend; Tabernakelaufsatz, dessen Seiten im Giebel geschlossen sind, gestutztes 
Pyramidendach. An zwei Seiten des Tabernakels tiefe Nischen mit neueren, verwitterten Ölbildern auf Blech, 
an den anderen Seiten seichte Nischen mit vortretenden Wappenschilden. XVI. Jh.(?). 

3. Schirnes, Dorf 

Literatur : Geschichtl. Beilag. VII 302. 

Alte Ansicht: Aquarell im Urbar von 1694 im Schlosse Waidhofen a. d. Thaya. 

Auch Schimeis wurde 1112 dem Zehentgebiete von St. Georgen zugeteilt (Archiv, 1853, 249). 

Bis 1642 zur Herrschaft Heidenreichenstein, dann zur Herrschaft Waidhofen gehörig. 

Ortskapelle: Mitten im Dorfe gelegen, von 1838. Rechteckiger Bau mit eingezogenem, halbrunden 
Ostabschlusse und aufgesetztem Westturme. Weiß gefärbelt, mit blauem Sockel und hart profiliertem 
Kranzgesimse. W. Geschweifte Giebelfront, gerahmte Rundbogennische über der Tür; Rundbogenfenster. 
Ziegelsatteldach, über dem Ostabschlusse blechernes Halbkegeldach. 

Inneres: 

Mit Gurtgewölben über Wandpilastern, Chor und Halbkuppelgewölbe. 

Gemälde: öl auf Leinwand; hl. Dreifaltigkeit. Erste Hälfte des XIX. Jhs. 

Skulptur: Holz, polychromiert, Maria im Rosenkranze, von der Decke herabhängend. Erste Hälfte des 
XIX. Jhs. 

Glocke: (Blumengirlanden, hl. Bischof, hl. Johannes von Nepomuk.) J. C. L. 1743. 

Grünau s. Nonndorf 



Inneres. 



Skulptur. 



Ortskapelle. 

Inneres. 
Skulptur. 

Glocke. 
Bildstock. 



Ortskapelle. 



Inneres. 

Gemälde. 
Skulptur. 

Glocke. 



(Klein-)Göpfritz, Dorf 

Literatur: Top. III 489. 

Alte Ansicht: Aquarell im Urbar von 1694 im Schlosse Waidhofen a. d. Thaya. 

Das Stift St. Georgen erhielt schon bei seiner Gründung hier Besitz. 

Ortskapelle: Rechteckig, mit runder Apsis und Westturm. 1783 gebaut, aber in jüngster Zeit stark 
vergrößert und erneuert. 

Glocke: 1745 Andreas Klein goss mich in Wienn. 



Kapelle. 
Glocke. 



120 



Gerichtsbezirk Waidhofen a. d. Thaya 



Kapelle. 
Gemälde. 



Bildstock. 



Ortskapelle. 

Skulpturen. 
Bildstöcke. 



Ortskapelle. 



Ortskapelle. 



Ortskapelle. 



Hollenbach, Dorf 

Literatur : Top. IV 387. 

Alte Ansicht: Aquarell im Urbare von 1694 im Schlosse Waidhofen a. d. Thaya. 

Der Ort gehörte um 1230 teilweise den Landesfürsten (DOPSCH a. a. O. I), teils seit 1328 dem Stifte Zwettl (Fontes III 673), das 
ihn mit der Herrschaft Neunzen 1530 verkaufte, dann zu Thaya. Lag seit 1112 im Zehentgebiete von St. Georgen (Archiv, 1853, 
244). Im XVII. Jh. bestand hier auch ein adeliger Hof (Pfarrarchiv Puch). 

Kapelle: Von 1762. Rechteckig, mit eingezogener Ostapsis und aufgesetztem Westturme. 

Gemälde: Öl auf Leinwand; Maria sitzt mit dem Jesuskind im Schöße in einem reichgeschnitzten Lehn- 
stuhl, dessen Rückenlehne eine Vase trägt; sie stützt sich auf einen Tisch, auf dem ein aufgeschlagenes Buch 
liegt. Kopie eines älteren Gnadenbildes (XV. Jh. [?]) aus der Mitte des XVIII. Jhs. Das Bild in schönem, 
geschnitzten Rahmen, Holz, braun und vergoldet, mit flamboyanter Rocaille. Um 1760. 

Bildstock: Straße nach Pyhra; Sandstein; auf viereckiger, oben abgeschrägter Basisplatte Postament 
mit Feldern gegliedert; darauf eine Säule, die eine Gruppe trägt: eine kniende Figur vor einer zweiten über 
einem Wolkensockel. Wohl Reste einer ölberggruppe. Bezeichnet : S. N. 1732. 

Jahrolten auch Jarolden, Dorf 

Literatur : Top. IV 506. 

Alte Ansicht: Aquarell im Urbar von 1694 im Schlosse Waidhofen a. d. Thaya. 

Ortskapelle: 1737 von Lorenz Pöschl erbaut und 1859 um das östliche Fensterpaar erweitert. 

Rechteckiger Bau mit angesetztem Ostturme; die ursprünglich als Altarraum verwendete Turmhalle öffnet 
sich in einer Art Kleeblattbogen mit unten abgeschrägter Laibung gegen den Kapellenraum. 

Skulpturen: Rechts und links vom modernen Altare zwei Statuen, Holz, modern polychromiert : 
Weibliche Heilige mit Schwert und Palme. Geringe Arbeit um 1500. 

Bildstock: Straße nach Thaya. Auf viereckiger Basis und hohem Sockel mit eingelassenen Feldern im 
S., 0. und N. toskanische Säule mit Tabernakel, geschweiftem Kegelstumpfe, Kugel und eisernem Kreuze. 
In drei Seiten des Tabernakels Rundbogennischen, an der vierten Inschrift : M R Anno 1729. 

Jaudling, Dorf 

Literatur : Top. IV 507. 

Erscheint als Laurnich 1150 unter jenen Orten, deren Zehente der Passauer Bischof dem Heinrich von Kamegg überließ (Monumenta 
Boica, XXIX b, 322). 

In der modernen Ortskapelle, welche nach dem Brande 1885 einen Turm erhielt, am Altare zwei weiß emaillierte 
und vergoldete Figuren des hl. Franziskus X. und eines andern Mönches. Sehr geringe Arbeiten vom Ende 
des XVIII. Jhs. 

Jetzles, Dorf 

Literatur: Top. IV 522; Geschichtl. Beilag. II 397. 

Alte Ansicht: Aquarell im Urbar von 1694 im Schlosse Waidhofen a. d. Thaya. 

Findet sich um 1584 als Miezleß mit 14 Häusern im Holdenverzeichnisse der Herrschaft Schwarzenau (Schloßarchiv Ottenslein). 

In der modernen Ortskapelle von 1835 modern polychromierte Holzstatuette, Immakulata mit dem Kinde, 

auf der Mondsichel stehend. Um 1600. 

Hl. Florian, polychromierte Holzstatue. Um 1600. 

Kainraths 

1. Brunn; 2. Kainraths 

1. Brunn, Dorf 

Literatur: Top. II 242. 

Die hiesigen Quellen, denen der Ort seinen Namen verdankt, speisen die Wasserleitung der Stadt Waidhofen. Der Ort findet um 1230 

im landesfürstlichen Urbar Erwähnung (DOPSCH a. a. 0., I). 

Ortskapelle: An Stelle des 1710 errichteten Glockenhauses zuerst 1721 und dann im dritten Viertel 
des XIX. Jhs. neu erbaut. 



Hollenbach. - Jahrolten. — Jaudling. — Jetzles. — Brunn. — Loibes. 



Markl 



121 



Altar: Bildaufbau mit Skulpturen, Holz, marmoriert und vergoldet. Der rundbogig geschlossene Mittelteil Altar, 

von gedrehten Säulen eingefaßt, woran sich Flügel anschließen, die nach außen ebenfalls von solchen Säulen 
gerahmt sind. Über dem ausladenden Gebälk ein von Säulen eingefaßter Mittelaufsatz, der mit einem ge- 
stuften SegmentbogeiMturz bekrönt ist. Seitlich schließt sich an den Aufsatz reiches Knorpelwerk an. Zu 
oberst Erzengel Michael zwischen zwei Putten, über dem Mittelteil zwei Engel und zwei weitere Putten. In 
den Flügeln Rundnischen mit Muschelabschluß und Figuren der Heiligen Petrus und Paulus. Rundbogig 
abgeschlossenes Altarbild in Knorpelwerkrahmen, thronende hl. Dreifaltigkeit. Im Aufsatze Halbfigur, hl. 
Christoph. Um 1640, laut Aufschrift 1843 renoviert. 

Gemälde: Auf dem Altare, in Glaskästchen, Madonna mit dem Kinde. Kopie eines Gnadenbildes des üemälde. 
XVII. Jhs. 

Skulpturen: Holz, polychromiert; Hl. Anna und Johann von Nep. Erste Hälfte des XIX. Jhs. 

Prpzessionsstangen: Neben dem Altare zwei Stangen, als Aufsatz plastische Darstellungen der 
Flucht nach Ägypten und des hl. Johannes von Nepomuk mit zwei Putten. Um 1760. 

Bildstöcke: 1. Im Felde, links von der Straße nach Waidhofen a. d. Thaya; gemauerter Pfeiler mit 
flachbogiger Türnische. Datiert von 1845. 

2. An der Straße nach Waidhofen, links: Tabernakelbildstock aus Granit und Sandstein; über hohem, 
viereckigen Sockel toskanische Säule, mit weit ausladender, verzierter Deckplatte, darauf ein an drei Seiten 
offener Tabernakel, der an den abgefasten Ecken ornamentale Knöpfe trägt. Pyramidenstumpf mit Knauf 
und Eisenkreuz. Datiert 1727. 

Kühfressen s. Raffings 



Skulpturen. 

Prozessions- 
stangen. 

Bildstöcke. 



Loibes, Dorf 

Literatur: Top. V 1024. 

Gehörte von 1112 an als Lewbuscli zum Zehentgebiete von St. Georgen an der Traisen (Archiv, 1S53, 246), sonst aber schon 13S8 

zum Gute Puch (Fontes XXI 280). 

In dem als Kapelle dienenden Hause polychromierte Holzskulpturen der hl. Anna und der Madonna. Anfang 
des XVIII. Jhs. 

Bildstock: Gemauerter Breitpfeiler mit Segmentbogetmische, darinnen geringes, bemaltes Relief der 
hl. Dreifaltigkeit. Um 1740. 



Bildstock. 



Matzelschlag s. Raffings 



Matzles s. Ulrichschlag 



Markl 

1. Markl; 2. Klein-Reichen bach 



1. Markl, Dorf 

Literatur: Top. VI 197. 

Der Ort erscheint im XV. Jh. als „Altenmarkt in Vitisser Pfarre" (1432). 1766 stiftete Gräfin Maria Leopoldina von Polheim hier 
ein Spital mit einer Kapelle, das nachmals mit dem in Schwarzenau vereinigt wurde, worauf das Gebäude eine Zeitlang als Meierhof 
diente. 

Bildstöcke: 1. Bei der Kunstmühle: Auf viereckiger Basis und viereckigem, stark ausgebauten Sockel Bildstöcke. 

Sandsteinstatue des hl. Johannes von Nepomuk. An der Vorderseite des Sockels Wappen, an den Tiefseiten 

Inschriften. 1721 vorn Müller Zacharias Siegl und seiner Ehewirtin Anna Catharina aufgestellt. 

2. Neben der Aumühle Tabernakelpfeiler. Viereckige Basis, schlanker, viereckiger, abgefaster Schaft; zwischen 

zwei Deckplatten geschlossener Tabernakel mit jederseits einer flachen Rundbogennische; geschweifter Pyra- 

midenabschluß. In der straßenseitigen Nische Relief : Christus am Kreuze. Laut Inschrift 1686 vom Aumüller 

Georg Luntzer gesetzt. 

Haus Nr. 1 (Kunstmühle); an der Thaya gelegen. Die Spitzgiebelseite bildet mit dem ins Wasser gehenden 

Mauerbogen und der rückwärts aufsteigenden Baumgruppe ein malerisches Bild. An der Straßenseite in 

Ruiuibogennische polychromierte Sandsteinstatue der Immakulata. Anfang des XVIII. Jhs. 

M e i e r h o f : An der Westfront der ausgedehnten quadratischen Anlage turmartiger Aufsatz mit Rund- Meierhof. 
nische, darinnen Statue des hl. Felix a Cantalicio. Mitte des XVIII. Jhs. 

VI 16 



122 



Gerichtsbezirk Waidhofen a. d. Thaya 



2. Klein-Reichenbach, Dorf 

Kapelle. Kapelle: Rechteckiger Bau mit eingezogener Apsis und hölzernem Dachreiter. 
Bildstock. Bildstock: Hinter der Kapelle, Sandsteinstatue des hl. Felix a Cantalicio. 1752. 

Meires 

1. Meires mit R af f i n gs b e r g; 2. K o t s c h a 1 1 i n g s 

Meires, Dorf 

Literatur: Top. VI 353—358; Plesser, Kirchen, 303; Geschichtl. Beilag. IX 181. 

Alte Ansicht : Radierung von O. M. Vischer, 1672. 

Archivalien : Schloßarchiv mit Schriften und Protokollen bis ins XVII. Jh. 

Der Ort wird 1232 zuerst genannt. Er bildete stets einen Bestandteil der gleichnamigen Herrschaft, deren Sitz, ursprünglich ein Wasser- 
schloß, in der Hauptform noch erhalten ist. Dieses Gut erscheint schon im XIV. Jh. als landesfürstliches Lehen, doch lag der Sitz 
der Ritter von M. anfänglich nicht an der jetzigen Stelle im Orte, sondern jenseits der Thaya auf dem waldigen Gipfel des Burg- 
holzes und lebt in der Volkssage als versunkenes Schloß fort. Das Geschlecht starb um die Wende zum XV. Jh. aus, die Feste M. 




Fig. 125 Meires, Schloß (S. 122) 



Schloß. 
Fig. 125. 



Gemälde. 



Altarschrein. 



kam an die Neudegger. Hans von Neudegg erbaute in der Feste M. eine Kapelle zu Ehren der hl. Jungfrau. 1474 wurde die Stätte 
mit anderen Schlössern, die Gegnern Kaiser Friedrichs gehörten, von Stephan Eytzinger zerstört. Die Veste M. wurde nun an dem 
alten Platze überhaupt nicht mehr aufgebaut, sondern etwa 100 Jahre später ein neuer Herrschaftssitz im Orte gebaut. Zu Beginn 
des XVII. Jhs. gehörte M. den Strein und war mit deren Gütern nach 1620 eine Zeitlang konfisziert. 1860 kam das Schloß an die 
Freiherren von Spillmann, deren Familie es heute noch besitzt. Die Schloßkapelle wird 1735 genannt (Dekanatsarchiv Raabs). 

Schloß: Anlage vom Ende des XVI. Jhs., in einem schönen Park gelegen (Fig. 125). Gelb verputzter Bau, 
einstöckig, mit weißen Fensterladen; zwei lange und ein kurzer Trakt in rechtem Winkel aneinanderstoßend. 
Im Südtrakte ist das Erdgeschoß in einen rundbogigen Laubengang, das Obergeschoß in eine Holzpergola 
aufgelöst, beide dicht mit wildem Wein überwachsen. An der Nordost- und Südwestecke des Gebäudes ein- 
gebauter Rundturm mit Schindel- und Blechzwiebeldach über profiliertem Gesimse. Die Gebäudetrakte mit 
Schindelwalmdächern mit hohen Kaminen; stark erneut. 
Das Innere modern adaptiert; das runde Gemach im Nordostturme mit einem Gratgewölbe. 

Gemälde: Öl auf Leinwand; 59 x 70cm; zwei Pendants, Brustbilder eines Herrn und einer Frau von 
Schruttek, der Herr in grauer Offiziersuniform, die Dame in gerade ausgeschnittenem, dunklen Kleide. 
Österreichischer, mittelmäßiger Maler. Um 1830. 

Altarschrein: Holz, polychromiert und vergoldet. Rundnische unter einem, von zwei Putten getragenen 
Baldachin, seitlich zwei Leuchter tragende Engel. Um 1730, 



Klein-Reichcnbach. — Meires. — Raffingsberg 123 

Raffingsberg 

Literatur : Plesser, Kirchen, 1901, 331 ; Maurer-Koi.b, Marianisches Niederösterreichs, 404; A. Erdinger in österreichische Viertel- 
jahrschrift für kath. Theologie, 1870, 271 ff.; Handschriftliche Geschichten von Malachias Link 1666, und P. Humbert 
Schlöglbök 1757 im Stiftsarchiv Zwettl und von Johann Fräst im Konsistorialarchiv St. Polten. 

Alte Ansicht : Radierung von (i. M. Vischer 1672, auf dem Blatte „Meyeres". 

Ehemalige Wall/ulirtskirclie zu Ehren Mariae. Auf dem Rafingsberge südwestlich vom Dor/e Rafings, das 1325 urkundlich erscheint, 
errichteten um 1454 einige Waidlw jener Bürger eine Kapelle, die eine Filiale der Pfarre Windigsteig wurde; 1456 verlieh der apo- 
stolische Nuntius Johanna in Wien der „neuerbauten Kapelle" einen Ablaß. Die Opfergaben der Wallfahrer gingen durch die 
kriegerischen Einfälle 1401 und 1484 verloren, dafür erfolgten neue Ablässe und Stiftungen. Um 1490 dürfte an die ursprüngliche 
Kapelle ein Langhaus angebaut worden sein, worauf der Weihbischof Nikolaus von Passau am 28. November 1494 den Chor rekon- 
zilierle, das Langhaus konsekrierte, ferner drei Altäre weihte, Ablässe verlieh usw. Bis 1500 wurde der Hochaltar erneuert und drei 
Seilenaltäre aufgestellt. 1502 bestätigte der Passauer Bischof die Ablässe und gestattete, den Wallfahrern Weihemünzen aus Blei (signa 
plumbea) zu geben (LINK, Annalen II 331). Abt Wolf gang IL von Zwettl spendete eine schöne Monstranz und wertvolle Paramenle. 
1512 veranlaßte der Propst Johann Graf von Zwettl die Umgestaltung einer bereits bestehenden Bruderschaft in die Bruderschaft der 
sieben Schmerzen Mariae, die in der Kirche eine umlautende Galerie erbaute und in jener mitten im Schiff einen siebenten Altar 
aufstellte, zu welchem 15 Stufen hinauf- und auf der andern Seite hinabführten. Dieser Altar wurde 1517 geweiht und erhielt mehrere 
Ablässe. 

Von nun an verstummen einige Zeit die Nachrichten über diese bis dahin sehr beliebte Wallfahrt. Namentlich suchten die lutherischen 
Besitzer des Gutes Meires sich des Kirchenbesitzes zu bemächtigen. Johann Georg Kraft von Helmsau raubte die Hälfte des Inhaltes 
der Kirchenlade und verwendete die für die Kirche bestimmten Bausteine für sein Schloß; 158S sperrte er die Kirche zu und ver- 
suchte sie durch Verfassung eines Banntaidingsbuches für seine Herrschaft als Zugehör von Meires zu erklären. Als ihm die Heraus- 
gabe der Kirche aufgetragen wurde, verkaufte er sie mit Meires 1589 dem Joachim Stockhorner von Starein, auf welchen bald darauf 
Wolfhard Strein folgte. Obwohl eine kaiserliche Kommission die Kirche 1592 dem Abte von Zwettl zurückstellte, ließ Slrein sie 
wieder gewaltsam öffnen, mit eisernen Ketten umspannen und durch zweihundert Mann bewachen. Sein Sohn, Hans Wolfhard Strein, 
verzichtete zwar 1604 auf das Kirchenlehen, doch dauerte der Streit über verschiedene Punkte bis zum Jahre 1652, in dem es zu 
definitivem Ausgleiche kam. Seit 1604 wurde der Kirchendienst von einem Einsiedler versehen, dessen Häuschen 1768 erneuert 
wurde. Seil dem zweiten Viertel des XVII. Jhs. kamen auch die Wallfahrten wieder auf und Abt Johann Bernhard von Zwettl 
konnte 1658 einen neuen Vergrößerungsbau der Kirche in Angriff nehmen. An den alten Chor wurde ein neues Schiff nach dem 
Muster der Schottenkirche in Wien mit Fassadentürmen und einem Dachreiter angebaut, das in fünf Jahren voltendet wurde und 
5000 fl. kostete. Die Bilder für fünf Altäre machte ein Laienbruder von Zwettl, Alberik Kellerini (über diesen siehe ST. ROESSLER, 
Beiträge zur Geschichte des Zisterzienserstiftes Zwettl, 1891, 32, M. W. A. V. 1898, 169 und 1900, 30). Am 20. Oktober 1670 wurde 
die Kirche mit sechs Altären geweiht. Abt Kaspar Bernhard, 1672 — 1695, ließ die Kirche pflastern; zu seiner Zeit kamen jährlich 
gegen 24.000 Wallfahrer nach R. Abt Melchior von Zaunagg (1706—1747) verwendete auf die Verschönerung der Kirche gegen 6000 iL, 
ließ 1708 eine Ringmauer um die Kirche aufführen, Malereien durch einen Wiener Maler Karl Jakob herstellen und stiftete einen Ornat 
im Werte von 1000 fl. Graf Adam von Polheim errichtete 1735 zwei neue Altäre. Im ganzen bestanden 1765 hier acht Altäre (De- 
kunutsarchiv Raabs). Die Zahl der Wallfahrer betrug damals zirka 35.000. 1782 wurden die Prozessionen verboten, der Einsiedler, 
den das Stift Zwettl unierhielt, aufgehoben. 1783 erfolgte der Auftrag zum Sperren der Nebenkirchen; doch blieb die Kirche vorläufig 
offen, bis 1786 der Hochaltar, ein Nebenaltar, die Kanzel, Glocken und Paramenle in die Kirche nach Windigsteig kamen. Die 

übrigen Altäre und Statuen wurden im Pfarrhofe zu Wihdigsteig zu Brennholz zer- 
sägt. Am 30. März 1792 versuchten umliegende Ortschaften wenigstens den Bau der 
beliebten Wallfahrtskirche zu retten, indem sie ein Majestälsgesuch um Überlassung 
der bereits ihrer Einrichtung und Stiftungen entblößten Kirche baten. Interessant ist 
die dabei gegebene Beschreibung derselben: „Die Kirche gleicht einer Domkirche und 
viele Städte und Märkte wären froh, ein solches Gotteshaus zu besitzen. Sie ist sehr 
solid gebaut, im Innern 16 Klafter lang, 10 Klafter breit und ebenso hoch, stark ge- 
wölbt, besitzt an beiden Seiten Gänge, doppellen Chor, zwei Oratorien und dauerhafte 
Steinmetzarbeiten. Die Kirche ist mit Ziegeln, die beiden schönen Türme mit Weiß- 
blech gedeckt. Um das Gotteshaus herum ist ein Gottesacker mit neuer Einfassungs- 
mauer. Die Kirche ist weithin sichtbar und dabei auch ein Pfarrhof und eine Schule 
vorhanden." Das Gebäude habe ohne Turmblech über 240.000 fl. gekostet, das Gnaden- 
bild habe man nach Windigsieig übertragen, aber die Wallfahrer, die selbst aus Böhmen 
und Mähren kamen, bleiben nun aus. Hochaltar, Kanzel, Orgel und Glocken könnten durch 
Fig. 126 Raffingsberg, Grundriß des Wohltäter hergestellt und Gottesdienst und Wallfahrten wieder eingeführt werdenfGeschichtl. 

Chores der ehemaligen Wallfahrtskirche Beilag. VIII 366). Dieses Gesuch hatte keinen Erfolg. Die Entweihung der Kirche erfolgte 
1 : 250 (S. 1 24) 1792, das Gebäude soll um 5/1. verkauft worden sein. DieKirche wurde hierauf abgebrochen. 

16* 




124 



Gerichtsbezirk Waidhofen a. d. Thaya 



Beschreibung. Beschreibung: Die ursprüngliche Anlage ist nach den Grundmauern noch genau zu erkennen. Recht- 
eckiges Langhaus mit eingezogenem Chore und zwei eingebauten Westtürmen. Von Schiff und Türmen sind 
nur Reste von Grundmauern sichtbar und auch diese sind teilweise durch zwei eingebaute Häuschen verdeckt. 
Dagegen sind die Chormauern beinahe vollständig erhalten. Sie bilden einen rechteckigen, in fünf Seiten 
des Achteckes geschlossenen Raum; im Abschluß fünf hohe Spitzbogenfenster, westlich davon beiderseits ein 
kleineres, oben weiter ausgebrochenes Fenster (Fig. 126). Zwischen den Fenstern acht teilweise mit Konsolen 
versehene Rippenansätze, die aus zwei vorn abgeflachten und sich verschneidenden Stäben bestehen. Diesen 
Ansätzen entsprechen an der Außenseite die Reste von pultgedeckten Strebepfeilern. 

Bildstock. Bildstock: 1. Neben der Kirchenruine Tabernakelpfeiler aus Granit mit Relief : Kruzifixus. Datiert 1676. 
2. Weg nach Windigsteig; wie 1. Inschrift: Mathias Kaintz 1686. 



Bildstock. 



Bildstock. 
Schloß. 



Bildstock. 



2. Kotschallings, Dorf 

Literatur : Top. V 405. 

Zuerst 1311 erwähnt, kam 1487 an die Kirche in Maria-Rafing, 1610 in Privatbesitz. 

Bildstock: Über ausgebauchtem Sockel weiß übertünchte Figur des hl. Johannes von Nepomuk. Erste 
Hälfte des XVIII. Jhs. 

Nonndorf bei Grünau 

1. Grünau, Dorf 

Literatur: Top. III 735. 

Alte Ansicht : Radierung von G. M. Vischer, 1672. 

Als erster Besitzer des Edelsitzes Gr. erscheint Hans der Dachpeckh 1386. 1466 begegnet ein Edler, der sich nach G. benennt. Aus 
der langen Besitzerreihe sind die Kuef stein hervorzuheben, denen das Schloß im XVII. Jh. gehörte. 

Bildstock: Polychromierte Steinstatue des hl. Johannes von Nepomuk, über hohem Postament. XVIII. Jh. 

Schloß: Vier einstöckige, weiß gefärbelte Gebäudetrakte um einen kleinen Binnenhof; in einer Ecke 
Wendeltreppe; Schindelwalmdächer mit Bodenfenstern. Nach allen Seiten von einem Graben umgeben, der 
die aus dem XVI. Jh. stammende, im XIX. Jh. ganz umgeänderte Anlage charakterisiert. Gegenüber ein 
Wirtschaftsgebäude, dessen Schmalseite einen von Ortsteinen eingefaßten Mittelrisalit enthält. Darüber. Flach- 
giebel mit einem kleinen, eingebauten Türmchen. An einem andern Wirtschaftsgebäude stark verwitterte 
Sonnenuhr mit gemaltem hl. Florian. XVIII. Jh. 

2. Nonndorf, Dorf 

Prähistorische Funde: Kiessling unterscheidet bei Nonndorf zwei paläolithische Stationen, die eine auf der Flur „Schwarz- 
äcker", die andere auf der Flur „Steinlüß"; beide sind durch den wasserführenden Dorfgraben voneinander getrennt 
(M. A. G. XLI 1911, S. 22— 24, Taf. V— VI). Funde in der Sammlung Kiessling. — Ringförmiges Erdwerk, ähnlich dem 
bei Luden, das zum großen Teil zerstört, in seinem von einem Graben und Walle umschlossenen Tumulus ein Brand- 
grab barg, das 1891 bloßgelegt wurde (vgl. Kiessling „Denkmäler germanischer Vorzeit" Wien 1896, S.. 17 — 29). 

Pfaffenschlag 

1. Drösiedl; 2. Pfaffenschlag 
1. Drösiedl, Rotte 

Literatur: Geschichtl. Beilag. VIII 380; Fahrngruber 154. 

Der Name erscheint 1602 zur Bezeichnung eines Waldes, den die Stadt Waidhofen vom Propste von Eisgarn zu Lehen nahm. Die 
Häuser wurden erst anfangs des XIX. Jhs. erbaut. 

Bildstock: Breitpfeiler mit halbrundem Abschlüsse. Darinnen Gruppe, Holz, polychromiert, Madonna, 
auf Wolken stehend, neben ihr das Kind auf der Weltkugel, die von einer Wolkensäule getragen wird. 
Um 1720. 

2. Pfaffenschlag, Dorf 

Literatur: Plesser in Geschichtl. Beilag. VIII 347, 382; M. Z. K. 3. F. VIII, 411; M. W. A. V. 1896, 36; Fahrngruber 154. 
Archivalien : Pfarrarchiv mit Matriken seit 1637, Grundbuch von 1705, Gedenkbuch 1815. 



Kotschallings. — Orünan. — Nonndorf. — Drösiedl. — Pfaffenschlag 



125 



1112 gehörte das Gebiet zur Grafschaft Raabs, daneben erwarb das Stijt Georgen hier Besitzungen. Die Obrigkeit stand der Herr- 
schaft Heidenreichslein zu. Im XIV. Jh. erscheint das adelige Geschlecht der Pfa) 'Jenschlager, das vielleicht im Schloßt, Haus Nr. 31, 
86 tmd 37, wohnte, das anfangs des XVIII. Jhs. den Beinamen „am Himmeltor" führte und 17X7 veräußert wurde. 

Pfarrkirche zum hl. Martin. 

Das Langhaus der Kirche ist eine romanische Anlage. Der erste bekannte Pfarrer Konrad wird 1308 genannt 
(Archiv IX 252). Gegen Ende des XVI. Jhs. war die Pfarre durch den Einfluß der Puchheim in protestanti- 
schen Händen; um 1627 wird wieder ein katholischer Pfarrer genannt. 1645 dürften Kirche und Pfarrhof zer- 
stört worden sein. 1657 waren noch Erinnerungen an die lutherische Periode vorhanden und wurde ange- 
ordnet, am Altarantependium sei der Name des Prädikanten Th. Kändl zu vernichten, ebenso sein Epita- 
phium in der Kirche; der Kelch, der zu enge und mit Inschrift vom Prädikanten versehen ist, und die 
Patene sollen in eine andere Form gebracht werden (Konsistorialarchiv St. Polten, Miscellanea). Am Anfang 
des XVIII. Jhs. war der Pfarrhof neu erbaut, aber in mittelmäßigem Zustande. 1726 wurden er, sowie die 
Kirche renoviert und diese neu eingerichtet (Datum am Hochaltare). 1850 litten Ort und Kirche durch einen 
Brand, die Herstellung zog sich mehrere Jahre hin. Auch 1876 erfolgen Renovierungsarbeiten an der Kirche 
und 1910 wurde die Kirche gegen W. um 5 - 6 m verlängert. 



Pfarr- 
kirche. 









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Fig. 127 Pfaffenschlag, Pfarrkirche (S. 125) 

Beschreibung: Verbindung eines ursprünglich romanischen, 1876 sehr stark erneuten und 1910 aber- Beschreibung. 
mala verlängerten Langhauses mit einem innen spätgotisch umgestalteten Chore. Unbedeutender Dachreitei 
nach 1850 (Fig. 127 und 128). Fig.i27u.l28. 

Langhaus; Chor; Turm; Anbauten; Umfriedungsmauer. 

Äußeres: Äußeres. 

Stein, gelb gefärbelt, die Kanten und Fenster weiß gerahmt, der Sockel blau angedeutet. 

Langhaus: W. Glatte Giebelfront mit zwei ovalen Fenstern im Erdgeschosse und halbrundem im ersten Langhaus. 
Stocke. — S. und N. je ein kleines und ein größeres Rundbogenfenster; profiliertes Kranzgesims. Im S. Tür 
unter Vorbau und Fenster im Erdgeschosse und ersten Stock. Ziegelsatteldach. 

Chor: Einspringender, quadratischer Bau, an den die einspringende und niederere, halbrunde Ostapsis Chor. 

anschließt. Chor und Apsis mit eigenem, profilierten Kranzgesimse. N. und S. je ein, an der Apsis zwei 1876 
erweiterte Rundbogenfenster; das im S.odes Chores von der angebauten Sakristei zum Teil verdeckt; im 0. 
vermauertes Spitzbogenfenster. Im N. ein Strebepfeiler mit Sockel, Wasserschlag und Pultdach. Abgewähltes 
Satteldach, in das Langhausdach übergehend; über der Apsis halbes Kegeldach. 

Turm: Über dem Westfirst ein nach dem Brande von 1850 aufgesetzter Dachreiter aus Blech mit jederseits Turm. 

einem segmentbogigen Schallfenster und einem runden Zifferblatt; Zwiebeldach. 



126 



Gerichtsbezirk Waidhofen a. d. Thaya 



Anbauten. Anbauten: l.ImS. Torvorhalle, rechteckig,mitbreiterÖffnungimS.ZiegelsatteldachüberprofiliertemGesimse. 
2. Sakristei, im S. des Chores; rechteckig, Tür im W., Fenster im 0., verdeckte Stiege zur Gruft im S. 

Umfriedungs- Umf riedungstnauer: Bruchsteinmauer mit Steinabdachung um Kirche und Friedhof; im S. mündet 
mauer. eine Stiege ein, die zwei Pfeiler flankieren, auf deren profilierten Deckplatten je ein Polster mit Totenkopf 

über Knochen liegt. Auf den Pfeilern das Datum : 1765. 

Inneres. Inneres: 

Modern (1876 beziehungsweise 1900) bemalt. 

Langhaus. Langhaus: Rechteckig, flachgedeckt; die Decke 1876 erneut und gehoben, die hölzerne Empore aus der- 
selben Zeit. Im N. und S. je ein größeres und ein kleineres Rundbogenfenster, im S. und W. Tür in Segment- 
bogennische. 

Chor. Chor: Der westliche, quadratische Raum (vom Anfange des XVI. Jhs.) öffnet sich gegen Langhaus und 

Ostapsis in zwei, 1876 an Stelle der ursprünglichen Spitzbogen ausgebrochenen Bogen. Sterngewölbe; die 
Rippen beiderseits gekehlt und etwa in halber Wandhöhe auf Konsolen aufruhend. S. zwei Spitzbogentüren 
in übertünchter Steinrahmung, mit abgefasten Kanten (zur Sakristei). Im N. und S. ein Rundbogenfenster. 
Die Apsis mit gedrücktem Kuppelgewölbe; im S. und N. je ein Rundbogenfenster; im S. rechteckige Nische; 
im 0. ist noch das Maßwerk des vermauerten Spitzbogenfensters kenntlich. 

Anbauten. Anbauten: 1. Mit Tonnengewölbe und durchgehenden Stichkappen. O.Tür in ein Depot mit unbedeu- 
tenden Spuren von Malerei. Im N. Rundbogenöffnung; im S. Tür. 

2. Südlich vom Chore; Sakristei; mit Fenstern im 0. und Tür im W.; westlich ein Vorraum mit spitzem 
Tonnengewölbe, Tür gegen W., Spitzbogentür gegen N. 







Fig. 128 Pfaffenschlag, Pfarrkirche, Grundriß 1 : 250 (S. 125) 



Einrichtung. Einrichtung: 

Hochaltar. Hochaltar: Bildaufbau, Stuckmarmor, 1876 neu gefaßt. Zwei freistehende, flankierende Säulen vor 
Pilastern mit vergoldeten Kapitalen, Kämpfern und verkröpftem, dreiteiligen Gebälk, das sich im obersten Teil 
in der Mitte gegenseitig einrollt. Darüber Aufsatz, kartuscheförmig, seitlich von Volutenbändern, nach oben 
von einem geschwungenen Sturz eingefaßt. Unter dem Hauptgebälk vergoldete Inschriftskartusche, von 
der eine rote, goldgefranste Draperie über das Altarbild herabhängt. 

Tabernakel von 1876. An der Rückseite des Altars Jahreszahl 1724. Altarbild, Apotheose des hl. Martin 
zwischen Putten. Geringe Arbeit des Michael Reger von Waidhofen, 1834. 

Gemälde. Gemälde: Öl auf Leinwand; 69 x 109cm, rundbogig geschlossen; Erziehung Mariens mit hl. Joachim 
im Hintergrunde. XVIII. Jh. 

Skulpturen. Skulpturen: Im Chore auf holzgeschnitzten Konsolen sechs Figuren, Holz, (1900) polychromiert, der 
Heiligen Wendelin, Sebastian, Johann von Nepomuk, Donatus, Florian (erste Hälfte des XVIII. Jhs.) und 
Barbara (um 1710). 

Kanzel. Kanzel: Holz, polychromiert; mit vergoldeten Appliken; viereckig, weit ausladender Unterbau mit 
seitlich angeschlossenen Voluten, vor denen zwei Putten schweben, in den Feldern flamboyantes Randorna- 
ment. Die Rückwand mit rechteckiger, von Volutenbändern gerahmter Tür. Schalldeckel mit aufgebogenem, 
in der Mitte eingerollten Gesimse. Um 1750. 



Pfaffenschlag. — Puch 



127 



Orgel: In den Zwickeln der Pfeilerkästen vergoldete Blattranken aus Holz; davor polychromierte Statuette Orgel. 

des Königs David. XVIII. Jh.; 1874 aus der Mcchitaristenkirche in Wien hergekommen. 

Tauf stein: Taufbecken als Weihwassergefäß, Granit, dicke, außen sechzehnseitige Wandung. XIV. Jh. Taufstein. 

Versehkapsel: Silber, innen leicht vergoldet; zylindrisch mit Flachdeckel und Kreuz. Inwendig Wappen Versehkapsel, 
und die Buchstaben B. N. XVII. Jh. 

Grabtafel: Aus Messing, 1876 von einem vermorschten Sarge unter dem Presbyteritim genommen und Orabtafel. 
an der Südseite im Chore angebracht. Kleine Tafel, mit graviertem Wappen und Inschrift auf Ottilia, zuerst 
Gemahlin des Rüdiger von Starhemberg, dann des Wolf Adam von Puechhaim auf Heidenreichstain, 1620. 

Privat haus Nr. 131: Sogenanntes Schloß. Alter Freihof „Zum Himmeltor", Lehen der Herrschaft Privathaus. 
Heidenreichenstein. Einstöckiges Gebäude (der zweite Stock nach einem neueren Brande abgetragen). 
Untergeschoß mit Rustika, das Obergeschoß mit Pilastergliederung auf umlaufendem, an den Pilastern 
verstärkten Sockel. XVIII. Jh. 




Fig. 129 Puch, Pfarrkirche (S. 128) 



Puch, Dorf 
1. Puch; 2. Pyhra 

1. Puch, Dorf 

Literatur: Fahrnoruber 161; Schweickhardt V 121. 

Archivalien : Pfarrarchiv mit Matriken von Puch und anfänglich auch Aigen seit 1645, Gedenkbuch und Schriften. 

Alte Ansicht : Aquarell im Urbar von 1694 im Schlosse VVaidhofen a. d. Thaya. 

St. Georgen an der Traisen erlangte 1112 auch hier Zehentrechte (Archiv, 1853, 239). Der Ort bildete einst ein eigenes Gut und 
ein Schloß soll auf der Anhöhe neben der Pfarrkirche bestanden haben. Staut von Puch verkaufte P. 1356 den Dressidlern und es 
blieb nun bis 1694 mit Drösidl vereinigt (Fontes XXI 236). Das Stift Altenburg verkaufte es in letzterem Jahre an die Herrschaft 

Waidhof en und 1736 wurde es mit Kartslein vereinigt. 



128 



Gerichtsbezirk Waidhofen a. d. Thaya 



Pfarr- 
kirche. 



Pfarrkirche zur hl. Anna. 

Die Pfarre erscheint zum ersten Male 1345 (Archiv, 1853, 252). Vor 1397 war Hans der Dressidler Pfarrer 
(Dr. Albert Starzer, Mitteil, aus dem k. k. Archiv f. Niederösterr. II 59). Der edle Ritter Thomas Janko 
von Hollenbach stiftete 1492 Untertanen zur Pfarre und die Pfarrgemeinde errichtete 1522 ein St. Katharinen- 
benefizium (Konsistorialarchiv St. Polten). Da bei Unser-lieben-Frauen(?)-Gotteshaus im Dorfe „Puech neulich 
ain Kirchfart auferstannden, die von geistlichen vnd weltlichen personen ainen merklichen zugang" hatte, 
bewilligte Kaiser Maximilian I. am 22. Juli 1496, daß Christoph Widersperger hier eine Taberne zur Be- 
wirtung der Wallfahrer errichten dürfe. (Reichsfinanzarchiv in Wien, österr. Gedenkbücher, 3 a, Blatt 312.) 
Zur Zeit des Luthertums, das hier sich längere Zeit behauptete, kam die Wallfahrt in Vergessenheit. Die 
Kirche galt noch 1652 als durch Begräbnis von Ketzern entweiht (Konsistorialarchiv St. Polten). 1693 war 
der Turm durch einen Blitzschlag zerkloben und in der Kirche ein neuer Hochaltar und neue, feine Kanzel 
(Dekanatsarchiv Raabs). Trotzdem ließ die Gräfin Lamberg 1704 durch den Tischler Valentin Gauch von 
Waidhofen wieder einen Hochaltar, Kanzel und Orgel aufstellen (Schloßarchiv Ottenstein, Nr. 1227). Aigen, 
das seit Jahrzehnten mit Puch vereinigt war, bekam 1718 wieder eigene Seelsorger. Von den Altären war 
der vordere der hl. Anna geweiht, daneben bestand 1705 noch ein Altar zu Ehren Jesus, Maria und Josef 
und wurde vor 1765 noch ein Seitenaltar zum hl. Johann von Nepomuk errichtet (Dekanatsarchiv Raabs). 
Pfarrer Johann Georg Heymüller ließ 1762 die Kirche ausmalen, wie die Inschrift (bis 1845 vorhanden) 
meldete. 1850 wurde ein neues Turmkreuz aufgesetzt und der Hochaltar von Maierhofer in Waidhofen um 
200 fl. C. M. hergestellt, 1870 kam der Kreuzweg hierher und 1885 das St. Annenbild des Hochaltars, welches 
von August von Wörndle in Wien um 150 fl. angefertigt worden war. 



Äußeres. 



Langhaus. 



Chor. 



Turm. 



Anbauten. 



Umfriedungs- 
mauer. 



Äußeres: 

Modern, gelb gefärbelt, mit lichteren Einfassungen. Hart profiliertes Abschlußgesims (Fig. 129). 

Langhaus: W. Giebelfront mit Spitzbogentür in profilierter Rahmung, darüber vermauerte, rechteckige 
Nische, oben zwei Schlitze. Ober der Tür Balken (Konsole [?]) aus Stein. — S. Westlich ein plumper Strebe- 
pfeiler, drei kurze Rundbogenfenster; profiliertes Kranzgesims. — N. Westlich vom Turme, östlich vom ein- 
stöckigen Anbau verbaut. Ziegelsatteldach. 

Chor: Einspringend, rechteckig, wenig niedriger als das Langhaus; eigenes, profiliertes Kranzgesims. Im N. 
von den Anbauten 1 und 2 verbaut; im S. zwei Fenster wie im Langhause; im 0. fast ganz verbaut. Ab- 
gewalmtes Ziegelsatteldach. 

T u r m : Im N. des Langhauses dicker, quadratischer Turm, durch Bänder im Verputze dreigeschossig. Im 
W. zwei kleine, rundbogige Fenster übereinander, an allen Seiten mehrere Schlitze und ein gerahmtes Rund- 
bogenfenster mit Sohlbank; im 0. darunter rechteckiges Zifferblatt. Konsolenfries, darüber geringes 
Gesims. Pyramidenziegeldach. 

Anbauten: 1. Im N. des Langhauses, rechteckig, einstöckig, sehr erneut, mit zwei rechteckigen und 
einem Rundbogenfenster sowie Tür im N. 

2. Im 0. und N. des Chores; aus einem rechteckigen, eingeschossigen Sakristeibau mit profiliertem Kranz- 
gesims und einem Rundbogenfenster im 0. und aus einem Stiegenanbau mit Fenster und Tür im N. 
bestehend. Beide unter gemeinsamem, abgewalmten Ziegelsatteldach. 

Umfriedungsmauer: Bei der Stiegenmündung im N. Portal mit zwei gequaderten Pilasterbündeln, 
auf deren profilierten Deckplatten Statuen der Hl. Donatus und Sebastian stehen. Mitte des XVIII. Jhs. 



inneres. Inneres: 

Einfach ausgemalt. 

Langhaus. Langhaus: Rechteckiger Raum, die Langseiten von jederseits drei Mauerpfeilern gegliedert, die mit 
gekuppelten Pilastern verkleidet sind, auf deren Deckplatten zwei kämpferartige Glieder übereinander auf- 
gesetzt sind. Der westliche Pfeiler im N. mit Profilierung abschneidend. Die Mauer zwischen den Pfeilern als 
seichte Rundbogennischen gestaltet. Die Decke über den Pfeilerdeckplatten lastend, Tonnengewölbe mit jeder- 
seits drei einspringenden Stichkappen. Westempore über tiefem Rundbogen. Im N. modernes Oratorium- 
fenster, rechteckig, im S. drei Rundbogenfenster. Im W. und N. Tür in Segmentbogennische. 



Puch. — Pyhra. — Kühfressen. — Lichtenberg 



129 



Chor: Einspringend, rechteckig, durch stark einspringenden, runden Triumphbogen vom Langhause ge- Chor, 

schieden. (Der Altarraum um eine Stufe erhöht.) Im S. abgerundete Spitzbogennische. Zwei Klostergewölbe 
mit verwischten Stichkappen von einem Gurtbogen getrennt. Im S. zwei Rundbogenfenster. Im N. große 
Rundbogenöffnung zum Kapellenanbau. 

Anbauten: 1. Im N. des Chores und Langhauses; östlich Kapelle, gewölbt, große Rundbogenöffnung Anbauten. 
zum Chore, Rundbogenfenster im N.; im W. Tür mit Stiege zum Oratorium. Dieses flachgedeckt mit zwei 
Fenstern im N., Oratoriumfenster im S. (zum Langhause), alle in Segmentnischen. 

2. Sakristei; flachgedeckt; Tür im W. und S., im 0. Halbrundfenster, im N. rechteckiges Fenster in Halb- 
rundnische. 

Einrichtung: Einrichtung. 

Zu dem neueren Hochaltar (um 1800) zwei weiß gefaßte und vergoldete Figuren der Heiligen Petrus und 
Paulus. Um 1770. 

Skulpturen: 1. Holz, polychromiert, hl. Peregrinus, ein Putto auf den kranken Fuß des Heiligen weisend. Skulpturen. 

Mitte des XVIII. Jhs. Über ornamentierter Konsole. 

2. Über reicher gestalteter Konsole hl. Sebastian, Holz, polychromiert, mit bewegtem Schurz. Anfang des 

XVIII. Jhs. 

Wappenschild in Anbau 1 : Eingemauerte Steintafel mit stark übertünchtem Relief mit Wappen und Wappen- 
Halbfigur eines betenden Mannes; darunter Buchstaben G. F. G. V. G. J. A. E. Af. (mehrere Buchstaben schild. 

zweifelhaft). 

Taufbecken: Etwa runde Granitschale (ohne Fuß) mit zwei skulpierten Schildern. Sehr schadhaft. XV. Jh. Taufbecken. 

Glocken: 1. Durchmesser 90 cm (Kreuz, schmerzhafte Maria, St. Florian, Schutzengel). A fulgure et lern- Glocken. 
pestate l. n. D. — Unterm Titul H. H. Heumillner, Pfarrer zu Puech ist diese Gl. gössen worden von J. G. 
Sckeichel in Znaim a. 1703. 
2. (Kreuz, S. Maria) /. N. R. 1. — Ferd. Vötterlechner in Crembs a. 1758 g. m. 



2. Pyhra, Dorf 

Literatur: M. W. A. V. 1894, 140. 

Seit 1112 im Zehentgebiete von St. Georgen gelegen (Archiv, 1853, 244). Erbaut 1879 eine Kapelle ( Konsistorialarchiv St. Pötten). 

Bildstock: ,,Das Marterl von Pyhra", weithin sichtbar, hatte ehemals die Jahreszahl 1405 angeschrieben. 
Am 1. September 1799 beschädigte es ein Blitzschlag, der einen dabeistehenden Bauernknecht tötete. Bei 
der Renovation 1834 fand man in einer ziemlich hoch an der Südseite angebrachten Nische Kopf und Gebeine 
angeblich von einer jungen Frauensperson. Sehr durchgreifende Renovation auf Veranlassung der Rosa 
Purkhatiser von Wien 1894 (Grübels Manuskript im Konsistorialarchiv St. Polten). 



Bildstock. 



Raffings 

1 . K ü h f r e s s e n ; 2. Lichtenberg; 3. M a t z e 1 s s c h 1 a g; 4. Raffings 

1. Kühfressen, Dorf 

Literatur: Top. V 568. 

Um 1325 hat der Pfarrer von Windigsteig hier Zehente; 1345 ist K. ein Kuenringsches Lehen, das Georg von Meires dem Stifte 
Zwettl versetzte. 

Ortskapelle: Mit abgerundeter Apsis im 0. und aufgesetztem Westturme. Darin auf dem Altare (be- Ortskapelle. 

kleidete) Figur einer Madonna, stehend mit dem Kinde, Holz, polychromiert. Sehr schadhaft. Ende des 

XV. Jhs. 

Seitlich davon zwei geschnitzte Holzvasen, auf der Mensa zwei Leuchter mit Rocaille und Blumen. Um 1760. 

Ferner auf der Mensa zwei Büsten von hl. Frauen, gering. Um 1700. 

Bildstock: Auf dem Platze, überstrichener Sandstein; hl. Felix auf einem von Deckplatten eingefaßten, Bildstock, 
prismatischen Sockel, an dessen Vorderseite ein Wappen und Jahreszahl 1739. 



2. Lichtenberg, Dorf 

Literatur: Top. V 815. 

Bildstock: Statue des hl. Felix a Cantalicio; am Sockel Wappen der Hoyos, 1738. 
Vi 



17 



Bildstock. 



130 



Gerichtsbezirk Waidhofen ä. d. Thaya 



3. Matzelsschlag 



Literatur: Top. VI 280. . 

Der Ort wird schon 1150 genannt (Mon. Boica 29 b, 322); seit 1265 gehört es dem Stifte Zwettl. Um 1420 rissen es die Herren 
von Strein auf Schwarzenau wieder an sich, mußten es jedoch um 1500 wieder herausgeben. Mit dem Stiftsgut Neunzen vereinigt, 
wurde M. 1530 vom Stifte an Maximilian Leisser verkauft. 




Fig. 130 Matzelsschlag, Kapelle, Altar (S. 130) 



Fig. 130. In moderner Ortskapelle (1904) Altar aus Holz. Skulpturenaufbau (Fig. 130); rechteckiges Relief von Säulen 
flankiert, von dreiteiligem Gebälk abgeschlossen. Die Seitenfiguren unter rahmendem Knorpelwerk. Anlage 
aus der Mitte des XVil. Jhs., sehr erneut. Relief : Beweinung Christi, die drei Marien um den Leichnam, 

Fig. 131. dahinter Johannes, eine Matrone und die beiden Träger mit bewegten Gebärden. Um 1525 (Fig. 131). 
Seitlich Figürchen des hl. Leopold und eines hl. Bischofs. Gering, um 1500. Der Altar stammt angeblich 
aus Raffingsberg. 

Bildstöcke. Bildstöcke: 1. Im Dorfe; Tabernakelpfeiler; Sandstein und Ziegel. Über quadratischer Basis acht- 
seitiger nach oben und unten ins Viereck übergehender Schaft; darauf Tabernakelaufsatz, an der Vorderseite 
offen; Pyramidenstutz. Datiert: 7676. 



Matzelsschlag. — Raffings 



131 



2. Ebenda; Breitpfeiler aus Bruch- und Backstein, weiß verputzt, stark verwittert. An der Vorderseite tiefe 
Nische in Stuckrahmung, mit abgesetztem Rundbogen abgeschlossen; von Pilastern flankiert, die oben und 
unten durch ein reich gegliedertes, um sie verkröpftes Gesims verbunden werden. Volutengiebelaufsatz und 
krönendes Steinkreuz. Ziegelpultdach. Um 1680. 




Fig. 131 Matzelsschlag, Relief am Altar der Kapelle (S. 130) 



4. Raffings, Dorf 
Bildstock: Statue des hl. Felix a Cantalicio; am Sockel Wappen der Hoyos, 1738. 



Bildstock. 



Raffingsberg s. Meires 



Ranzles s. (Groß-)Gerharts 



Schirnes s. (Groß^Gerharts 



Sieghartles s. Wienings 



17* 



132 



Qerichtsbezirk Waidhofen a. d. Thaya 



Pfarr- 
kirche. 



Groß-Siegharts, Markt mit Schloß 

Literatur: M. W. A. V. 1896, 61; M. W. A. V. 1901, 61; Plesser, Kirchen, 1901, 348; Fahrngruber 186; Schweickhardt VI 
88, 98. 

Alte Ansichten : Radierung von G. M. Vischer, 1672 (Fig. 135). — Lithographie um 1830. — Kolorierte Federzeichnung von 
Hon. Burger um 1820 (Wien, Landesarchiv, D XXV 541). — (Haus des Michael Krippel) Kolorierte Federzeichnung 
von Ph. Krippel um 1800 (daselbst D XXV 543). 

Archivalien: Pfarrarchiv mit Matriken seit 1710 und Gedenkbuch; Gemeindearchiv. 

In diesem Orte und Umgebung erlangte St. Georgen an der Traisen 1112 Zehentrechte (Archiv, 1853, 246). Um 1584 hatten des 
Ludwig Welzers Erben hier 52 untertänige Häuser, war also der Ort ziemlich umfangreich (Schloßarchiv Ottenstein). Durch die 
folgende Kriegszeit (1619 wurde S. verwüstet. RAUPACH, Evang. Österreich 111 393) sank die Häuserzahl bis auf 20 herab, doch 
wird der Ort 1675 als Markt bezeichnet (Konsistorialarchiv St. Polten, Miscellanea) . Da faßte der Herrschaftsbesitzer Johann 
Christoph Graf von Mallenthein den Entschluß, die Häuser durch Einführung der Fabrikation des feinen niederländischen oder 
sächsischen Barchents bis 1000 zu vermehren und den Ort Milldom oder Tausendhausen zu benennen. Er errichtete wirklich um 1720 
hier 200 Kleinhäuser und zog Ansiedler besonders aus Schwaben daher, von denen die „Schwabengasse" ihren Namen erhielt. 
Kaiser Karl VI. erhob darauf 1728 das „Dorf Grossen-Siegharis" zu einem Markte mit drei Jahrmärkten und einem Wochenmarkt 
an jedem Donnerstage. Kaiser Franz I. gab 1792 noch einen vierten Jahrmarkt (Gemeindearchiv). Durch Einführung der Zwirn- 
bandfabrikation und des Hausierens mit denselben wurde Siegharts der Hauptort des „Bandelkrämmer-Landls". Heute bestehen Weberei- 
fabriken und gehört S. zu den volkreichsten Orten des Waldviertels. 

Pfarrkirche zum hl. Johannes B. 

In pfarrlicher Beziehung gehörte S. ursprünglich zum Gebiete von Raabs. Die 1376 genannte „öde St. Ulrichs- 
kirche bei S." hat westlich davon in den Wäldern gegen Ulrichschlag bestanden (Bl. f. Landesk. 1901, 367). 

Die Kirche S. ist zuerst 1426 nachweisbar (Link 1 576). 
Sie war eine Filiale von Raabs, deren Weihbrief vor 
1452 unter Pfarrer Gregor durch Brand zugrunde ging. 
Heidenreich Kattauer von S. stiftete 1491 Güter zur 
St. Johanneskirche in S. für Abhaltung des Gottesdienstes 
in St. Gruen (wahrscheinlich die öde St. Hieronymus- 
kapelle außer Siegharts) und 1546 waren Verhandlungen 
wegen Errichtung eines Friedhofes bei der Kirche der 
„hl. Crescentia", worunter nur die jetzige Pfarrkirche 
verstanden werden kann (Konsistorialarchiv St. Polten). 
Von 1577 — 1627 waren hier lutherische Prediger; 1708 
war die Kirche sehr dunkel und durchwegs gewölbt, der 
Hochaltar schön, und S. war wieder mit Raabs ver- 
einigt. Johann Christoph Ferdinand von Mallenthein 
setzte 1709 die Anstellung eines Vikars, 1713 die Wieder- 
herstellung des Friedhofes durch. 1720 wurde mit dem 
Baue der Kirche begonnen und 1722 verpflichtete sich 
der Grundherr, das Gebäude nach dem vorgelegten 
Grund- und Aufriß ganz auf eigene Kosten aufzu- 
führen. 1724 wurde der Dachstuhl aufgesetzt, 1725 
wurde von Johann Math. Mayerhofer die Turmuhr ge- 
malt. 1727 malte ein Maler namens Carolus, vielleicht 
Carl Reslfeld, die Deckenfresken. Durch die Krida des 
Fig. 132 Groß-Siegharts, Pfarrkirche (S. 133) gräflichen Wohltäters, der dafür über 80.000 fl. aus- 

gegeben hatte, blieb die Kirche 1732 unvollendet. 1764 
ließ Ferdinand Baron von Waldstetten den Hochaltar aufstellen. 1769 wurde der Turm gedeckt. 1783 
wurde S. zur Pfarre erhoben. 1788 malte Josef Molk an den Abschlußwänden des Querschiffes einen Altar- 




Oroß-Sicgharts 



133 



aufbau und darüber das Fresko Christi Verklärung und Johannes auf Patmos. Beide Gemälde wurden 1862 
bei Vergrößerung der Fenster teilweise vernichtet und übertüncht. In demselben Jahre wurden die Decken- 
fresken von G. Mayerhofer aufgefrischt. Die Seitenaltäre sind von 1886—1887, der Tabernakel des Hoch- 
altars von 1894, die Kanzel von 1895. 

Beschreibung: Zentralanlage mit quadratischem Vierungsraum, etwas kürzeren Querarmen und ein- 
heitlicher Bemalung aller Deckenpartien. Das einfache Äußere mit Westturm, exponiert gelegen (Fig. 132 
und 133). Von der Einrichtung ist das schöne Grabmal von besonderer Bedeutung. 

Äußeres: 

Backsteinbau, die Wandteile grau, die gliedernden Teile weiß gefärbelt; unbedeutender grauer Sockel, hart 
profiliertes Kranzgesims. 

Westfassade: Grauer Sockel, Postament zwischen profilierten Gesimsen, Hauptgeschoß und dreiteiliges Gebälk. 
Vertikalgliederung durch eine Riesenordnung von dorischen Pilastern, deren Postamente im allgemeinen 
Postament und Sockel vertreten; die beiden mittleren Pilaster sind außen von Halbpilastern begleitet. Das 



Beschreibung. 
Fig.l32u.l33. 

Äußeres. 




Fig. 133 Groß-Siegharts, Pfarrkirche, Grundriß 1 : 300 (S. 133) 



Postament ist mit rechteckigen Feldern in vertiefter Rahmung besetzt und wird im breiten Mittelfelde von 
der Tür durchbrochen, zu der drei Stufen emporführen. Die Tür wird von zwei Pfeilern mit profilierten Ab- 
schlußplatten eingefaßt, die über breitem, seichten Giebelfeld ein profiliertes, in der Mitte gebrochenes Gebälk 
tragen. Im Hauptgeschosse im Mittelfelde hohes, rundbogig abgeschlossenes Fenster in Rahmung, mit geringer 
Verzierung unter der vortretenden Sohlbank und Keilstein und Voluten unter dem segmentbogigem Sturz- 
balken. In den beiden seitlichen Wandfeldern unten gerahmte Rundbogennischen mit drei Keilsteinen, darüber 
rechteckiges, gerahmtes Fenster. Über dem Mittelfelde bildet der oberste Teil des dreiteiligen Gebälkes einen 
Flachgiebel. Darüber ein kurzer Sockel mit gerahmtem Breitfenster, an den sich seitlich kurze Giebelschenkel 
anschließen. Darauf der aufgesetzte Turm. Die Gliederung der Westfassade setzt sich im N. und S.-im west- 
lichsten Wandfelde fort; im Postamente gerahmtes Rundfenster, im Hauptgeschosse zwei rechteckige Fenster 
übereinander. 

Die übrigen Teile der Kirche, Langhaus, die beiden Kreuzarme und der Chor sind einheitlich gegliedert, und 
zwar sind die Wandfelder durch einfache oder gekuppelte Lisenen eingefaßt, zwischen denen die Wandfelder 
wenig vertieft sind. Im Langhausfelde rechteckige Tür mit Volutenumrahmung (im S. mit modernem Vorbaue) 
darüber sei;iiientbogig abgeschlossenes, gerahmtes Fenster und über diesem breites Kartuschefenster. Die 
beiden Kreuzarme dreiseitig vorspringend mit großem Segmentbogenfenster in der mittleren Seite. Im Chore 
über dem Anbaue an der Nord- und Südseite je ein Fenster wie im Langhause, ein ebensolches in der mittleren 
Seite des dreiseitigen Abschlusses. Ziegeldach über Langhaus, Kreuzarme und Chor. 

Tur m : Über der Westfassade des Langhauses aufgesetzt, quadratisch, eingeschossig. Jede Seite von Pilastern 
mit reichen, ionischen Kapitalen eingefaßt; zwischen je zwei im Eck aneinanderstoßenden ist die Kante 



Turm. 



134 



Gerichtsbezirk Waidhoien a. d. Thaya 



abgeschrägt. Das Wandfeld jeder Seite ist von einem großen, rundbogigen Schallfenster eingenommen, das 
von Pilastern mit Muschelbekrönung ihres vertieften Mittelfeldes eingeschlossen ist. Im Gebälke Füllfelder, 
darüber rundes Zifferblatt in quadratischem Felde. In der Mitte jeder Seite biegt sich das sehr kräftig pro- 
filierte Kranzgesims empor und enthält in halbrundem Giebelfeld ein großes Cherubsköpfchen aus Stuck. 
Blechgedecktes hohes Glockenspitzdach mit Knauf und Kreuz. 

Anbauten. Anbauten: 1. Nördlich vom Chore, rechteckig, einstöckig, die beiden Geschosse durch ein Sims 
getrennt. Profiliertes Abschlußgesims. — Das Untergeschoß gebändert. Im N. im Obergeschosse vier recht- 
eckige, gerahmte Fenster, im Untergeschosse drei (zwei davon vermauert) und Tür mit breitem Oberlichte; 
im 0. in beiden Geschossen je ein Fenster, das untere vermauert. Schindeldach. 

2. Südlich vom Chore, wie 1 ; das Untergeschoß glatt, in ihm im S. eine Tür und wie im Obergeschosse 
je drei Fenster; im 0. im Oberstock ein Fenster. 

Stiegen- Stiegenaufgang: Vom Orte zur Westseite, in drei Absätzen; am unteren Ende auf geschwungenen 
aufgang. Postamenten geringe Steinfiguren der Hl. Johannes von Nepomuk und Sebastian. Von 1830 datiert. 



Inneres. Inneres: 

Zentrale Anlage, ein quadratischer Vierungsraum, an den sich im W. ein, dem östlichen Chor ent- 
sprechendes Langhaus und zwei Querarme im N. und S. anschließen. Die Gestaltung der Wände einheitlich 
mit Stuckmarmorverkleidung : dunkelgrauer Sockel, von rotgerahmten Türen unterbrochen, unter den glie- 
dernden Pilastern vortretend. Diese rötlich über lichtgrauer Basis mit ebensolchen, zum Teil vergoldeten, 
östlichen Kapitalen. Dreiteiliges Abschlußgebälk im N. und S., um die Pilasterkapitäle verkröpft; der oberste 
Teil des Gebälkes auch die Querarmabschlüsse umlaufend. Die Wände grau, die Decke mit figuralen Fresken. 
Vierungsquadrat mit abgeschrägten Kanten; Flachkuppel über vier breiten Gurtbogen auflastend, die mit 
vergoldeten Stuckornamenten — Band- und Tressenwerk — um ein ausgespartes Kartuschefeld mit stein- 
farben gemalten Engelsköpfchen auf blauem Grunde verziert sind. In den vier Zwickeln der Kuppel : über 
steinfarbenen Postamenten, die mit Voluten eingefaßt und mit profilierten, um eine Muschel rund ausbiegenden 
Deckplatten abgeschlossen sind, Gruppen von je drei Aposteln in lebhafter Bewegung in das Dreieck hinein- 
komponiert und zum Teil seinen steinfarbenen Abschluß überschneidend. In der Flachkuppel : Maria von 
großen und kleinen Engeln emporgetragen, oben die hl. Dreifaltigkeit sie empfangend. Steinfarbene, archi- 
Taf. v. tektonische Bordüre (Taf. V). Fresko von 1727, von Reslfeld (?) (s. o.). 

Den Gurtbogen entsprechen in der Wandgliederung gekuppelte Pilaster. 

Langhaus. Langhaus: Eine rechteckige Travee, die gegen 0. durch die Vierungspilaster, gegen W. durch einen Halb- 
pilaster abschließt, an den sich ein, die Empore flankierender Pilaster angliedert; diesem westlichen Bündel 
entspricht an der Decke ein gestufter Gurtbogen mit vergoldetem Stuckornament. Ein Klostergewölbejoch 
mit dem Fresko, die Predigt Johannes d. T., in tropischer Landschaft mit zahlreichen Zuhörern, in Umrah- 

Fig. 134. mung mit steinfarbenen Palmettenmuscheln und Kartuschen (Fig. 134). Unter dem Gewölbe über dem Kranz- 
gesimse sitzt im N. und S. je ein breites Segmentbogenfenster. Im W. Emporeneinbau, gleichfalls mit Stuck- 
marmor verkleidet; über einem grauen, gedrückten Kuppelgewölbe und zwei roten Wandpilastern aufruhend, 
die im unteren Drittel abgeschnitten sind und deren Deckplatten die abgerundete, untere Emporenhalle um- 
laufen (im W. über der Tür entfernt). Die obere Empore mit Halbkuppelgewölbe, in das im W. eine abgerundete 
Stichkappe einspringt. Unter dieser eine Rundbogenöffnung in das tonnengewölbte, obere Turmgeschoß, das Licht 
vom Turmfenster im W. einlassend. Die Empore springt geschwungen vor, der Ablauf ist mit Bändern aus 
vergoldetem Stukko besetzt, die den rötlichen Rahmen des gedrückten Rundbogens überschneiden, in dem 
sich die untere Halle zum Schiff öffnet. Die Emporenbrüstung ist von rötlichen, profilierten Gesimsen ein- 
gefaßt, von balusterartigen Bändern in Felder gegliedert, mit vergoldetem Stukko ornamentiert. Im N. und 
S. des Langhausraumes Tür in Segmentbogennische, darüber hohes Segmentbogenfenster; im W. rechteckige 
Tür. 

Chor. Chor:. Um eine Stufe erhöht, durch ein Speisgitter aus grauen Balustern zwischen roten Deckplatten ab- 

geschlossen; das westliche Joch dem östlichen des Langhauses entsprechend gebildet. Deckenfresko: Ent- 
hauptungjohannes'; in der Mitte der Leichnam, der Henker legt das Haupt auf eine Schüssel, die eine kniende 
Dienerin trägt, neben dieser stehen Salome und Herodias; mehrere Personen herum, die grausend zurück- 
schrecken. Im Wandfelde zwei kleine Türen mit linearer, zweifarbiger Intarsia, darüber Oratoriumfenster in 
reicher, fast das ganze Wandfeld einnehmender Verkleidung aus grauem Stuckmarmor, geschwungen vor- 
springend, das hohe, rundbogige Mittelfenster und die seitlichen, schmalen, rechteckigen Öffnungen von Pilaster- 
bündeln eingefaßt, die auf einer von profilierten Gesimsen eingeschlossenen Brüstung aufstehen; unter dieser 
Ablauf, nach oben mit kräftigem Wulst, nach unten mit sanfter Rundung endend; über den Pilastern drei- 
teiliges Kämpfergebälk, das in der Mitte um das Fenster rund ausbiegt und einen Keilstein enthält; einfassender 
Flachgiebel. Ostabschluß, halbrund, mit Kuppelgewölbe und einer im 0. einspringenden Stichkappe, dar- 
unter ein Breitfenster wie im Langhause und Chore. Querarme dem Ostabschlusse des Chores entsprechend; ab- 
gerundet, mit Kuppelgewölbe, in das ein hohes Segmentbogenfenster und darüber eine Stichkappe ein- 




TAFEL V GR0SS-S1EGHARTS, PFARRKIRCHE, DECKENFRESKO (S. 134) 



Groß-Siegharts 



135 



schneiden; im Gewölbe seitlich von den Feldern Figuren der großen Propheten in steinfarbener, architektonischer 
Umrahmung; das Gewölbe ornamental bemalt. 

Turm: Untergeschoß; Vorhalle mit Klostergewölbe über umlaufendem, profilierten Gesimse. Im 0. und W. 
Tür in tiefer Segmentbogennische, im N. und S. rechteckige Öffnung zu Nebenräumen. 

Anbauten: 1. Im N. des Chores. Rechteckig, tonnengewölbt, mit einspringenden Zwickeln; ein Fenster 
im N., Tür im W. zur Oratoriumstiege und im S. zum Chore. Darüber herrschaftliches Oratorium. 



Turm. 
Anbauten. 




Fig. 134 Groß-Siegharts, Pfarrkirche, Deckenfresko, Predigt Johannes des Täufers (S. 134) 

2. Im S. des Chores; unten Sakristei, wie Anbau 1 mit Fenster im S. und Tür im W. (zur Oratoriumstiege) 
und N. Im 0. Stukko, überstrichen, Gitter- und Volutenornament mit bekrönendem Baldachin. Anfang des 
XVIII. Jhs. Oratorium rechteckig, Flachdecke über Komische, ein Fenster im 0., zwei im S., große Rund- 
bogenöffnung zu den vorgebauten drei Oratoriumfenstern im N. Im W. Tür zur Stiege. 



Einrichtung: Einrichtung. 

1. Hochaltar: Grau, grün und rot marmorierter Bildaufbau (mit neuen Figuren), die östliche Abschlußwand Altare. 
verkleidend, das Fenster mit einbeziehend. Über Sockel, der an den Flügeln übereck vorspringt, ein mit 
Feldern gegliederter Unterbau; der Hauptteil jederseits von einem System aus zwei Säulen vor Pilastern 



136 



Gerichtsbezirk Waidhofen a. d. Thaya 



mit dreiteiligem Gebälke flankiert. Der oberste, stark ausladende Teil des Gebälkes setzt sich schwächer und 
segmentbogig geschwungen über dem Mittelteile fort. Darüber Aufsatz, seitlich von kannelierten Steilvoluten 
und Pilasterbündeln eingerahmt, nach oben von reich profiliertem Gebälke abgeschlossen, das sich in der 
Mitte segmentbogig ausbiegt. Das Aufsatzfeld ist von einer breiten Öffnung mit gedrücktem Rundbogen- 
abschlusse fast ganz durchbrochen; dahinter modern verglastes Fenster. Altarbild mit geschwungenem Ab- 
schlüsse, in schwarz marmoriertem Rahmen mit Goldleiste : Kruzifixus mit Magdalena zu Füßen, daneben 
Maria und Johannes; Nachtstück. Langgestreckte Figuren. 1764 aufgestellt; s. o. 
Freistehende Mensa mit Tabernakel, modern. 

2. In der Marienkapelle; skulpturaler Altar, Holz, weiß gefaßt und vergoldet. Wandaufbau mit gering vor- 
tretendem Tabernakel, auf dem das Lamm auf dem Buche liegt; in Relief Blumenvasen als Reliquienbehälter, 
darüber Rundbogennische in Rahmung mit Flechtbändern und Rosetten und angesetztem, geschnitzten 
Kranze. In der verglasten Mittelnische polychromierte und vergoldete Holzstatue, Maria mit dem Jesuskinde 
stehend, mit barocken Kronen; ausgesprochene Y-Stellung. Um 1450, der Altar um 1790. 

Gemälde. Gemälde: Im Oratorium 2. Kleines Bild, Öl auf Leinwand; hl. Dreifaltigkeit von Engeln und Putten 
umgeben. Ende des XVIII. Jhs., geringes, schadhaftes Bild. 

Orgel. Orgel: Spiel- und Pfeifenkasten in grau marmorierter Verkleidung mit vergoldeten Rankenornamenten; 

auf Sockeln zwischen Gesimsen aufstehend, mit bekrönendem Gebälkabschlusse; applizierte Rosetten und 
weiß gefaßte, bekrönende Urnen. Pfeifenkasten in zwei Flügeln seitlich von der Öffnung zum Turme angeordnet, 
gegen diese aufsteigend und durch ein Zifferblatt in geschnitzter Rahmung verbunden. Drittes Viertel des 
XVIII. Jhs. 

Grab- Grabmonument: Im nördlichen Querarm. Aus einem gestuften, rötlich marmorierten Sockel, aus einem 

monument. von zwei schwarzen, profilierten Simsen eingefaßten Postament und einem Hauptaufbau bestehend. Das 
Postament springt im Mittelteile schwach vor und ist an den Kanten abgerundet; in der Mitte schwarze 
Inschrifttafel (mit den Stiftlöchern der einst vorhandenen Buchstaben) von vergoldeten Festons und Eck- 
rosetten seitlich eingefaßt. Darüber schmaler, grauer Sarkophag in Relief mit vergoldetem Doppel- 
wappen zwischen langgezogener Draperie. Der Hauptaufbau zeigt ein, der Wandrundung angepaßt, schwach 
vortretendes, antikisierendes Bauwerk in Form eines Breitpfeilers mit Triglyphengesims und aufgesetztem 
Rundgiebel, der von einer männlichen Büste bekrönt ist, während rechts ein steinfarbenerPutto auf dem Giebel 
liegt; der Giebel links abgebrochen, daneben eine Eule. Vor diesem Bau Pyramidenstutz aus Quadersteinen 
mit einem roten Querbande daran. Inschrifttafel mit unleserlichen Schriftzügen. Darüber vergoldetes Wappen- 
schild mit einem bewehrten Arm. Über roter Abschlußplatte dunkle Urne mit gräzisierenden Ornamenten, 
von einer Schlange umwunden. Seitlich vom Aufbau ein Sarkophag (?) im Verkurz. Naturalistisches Flach- 
relief, blauer Himmel, links Felsen, rechts Bäume und ein Obelisk über prismatischem Sockel; vorne "Stufen, 
mit Gras bewachsen, zu einem offen Grab hinableitend, aus dem ein Skelett heraussteigt. Dieses ist wie die 
folgenden Figuren aus Blei; es hält in der Linken ein Stundenglas, die Rechte führt einen Mann, der in bibli- 
schem Gewände gekleidet, die Stufen herabkommt; er wendet sich, Abschied nehmend, nach den Seinigen 
um, die im Zeitkostüm gekleidet, ihn umringen und ihren Schmerz mit lebhaften Gebärden bekunden; es 
sind vier bartlose Männer; im Hintergrunde drei weinende Frauen. Ringsum Säuientrümmer und eine rote 
Taf. vi. Tafel mit Spruch. Das ganze Relief wird durch ein flaches Band an der Wand im Rechteck eingefaßt (Taf. VI). 
Grabmal des Johann Michael von Grosser (gest. 1784), gegen Ende des XVIII. Jhs. von dessen Söhnen Johann 
Michael II. und Leopold errichtet. Die Dargestellten sind der Beigesetzte, seine Gattin Rigotti di Mori, seine 
vier Söhne und zwei Töchter. Der Künstler ist unbekannt (siehe Übersicht) und die Zuschreibungen an 
Fischer oder Zauner (Ilg in M. W. A. V. a. a. 0.) kaum haltbar; eher scheint C. Merville in Betracht zu 
kommen (s. Übersicht). 
2. In der Sakristei Kehlheimer Platte in überschmierter Stuckrahmung; Theresia Eggerin 1750. 

Kelch. Kelch: Cuppa aus Silber, vergoldet, mit Freistempel und neuer Punze; in silbernem Korbe. Bandornament 

um drei ovale Medaillons mit Köpfen Christi, Mariae und eines bärtigen Heiligen. Um 1710. Fuß erneut. 

Kreuzreliquiar; Messing, vergoldet, mit getriebenen, flamboyanten Ornamenten am ovalen Fuße; Sonnen- 
monstranz. Um 1760. 

Im Pfarrarchiv Rechnungsbuch; Einband aus grünem Stoffe mit versilberten Beschlägen in der Mitte und an 
den Ecken; Rocaille und Gitterwerk; in der Mitte Madonna mit dem Kinde in reicher Umrahmung, an der 
Rückseite hl. Ignatius. Um 1760. 

Ehemalige Ehemalige Kapelle zum hl. Hieronymus. 

Hieronymus- Diese Wattfahrtskapelle lag \\ Stunde unterhalb der Kirche auf freiem Felde und soll schon um 1430 bestanden haben; denn nach 

kapeile. der Volkssage wollten die Hussiten die in ihr verehrte, jetzt in der Pfarrkirche befindliche Marienstatue zerstören und warfen sie, 

von den Kaiserlichen überrascht, in den Teich. 1491 macht Heidenreich von Kaitau eine Stiftung zu dieser Kirche, die schon damals 

den Beinamen St. Gruen oder Granakapetle führte. Anläßlich der Errichtung eines Vikariats in S., 1709, wurde die schadhafte Kirche 

renoviert und 1718 ein Portatile für sie angeschafft. Die Entweihung und Schließung der Kapelle erfolgte 1786. 




TAFEL VI 
GROSS-SIEÜHARTS, PFARRKIRCHE, GRABMAL DES JOHANN MICHAEL VON GROSSER (S. 136) 



Groß-Siegharts 



137 




Fig. 135 Schloß Siegharts 
nach der Radierung von O. M. Vischer von 1072 (S. 



137) 



Schloß, Eigentum der Marktgemeinde S. 
Das danach benannte Geschlecht bestand 1304 
bis 1342 (Archiv, 1853, 253) und wurde von 
den Peuger abgelöst (Fontes XX 1216), auf 
welche die Pillung 1383 folgten (Adler, 1876, 
91). Um 1429 erscheint Jörg von Treven, 
genannt der Steirer, vielleicht aus Steiermark 
stammend (Fontes XXI 310; Schmieder, Ma- 
tricula 15), dann die Meißauer und vor 1455 
die Kattauer (Notizenblatt 1859, 189; 1854, 
137). Nach diesen folgte Johann Dachpeck 
(gest. 1499), dessen Tochter Veronika S. 
ihrem Gemahle Ruprecht Welzer um 1515 
und nach dessen Tode dem Christoph von 
Greißenegg (1530) zubrachte. 1542 folgten die 
Welzer bis 1614. Von den folgenden Besitzern 
sind die Grafen Mallenthein, 1681—1732, 

dann die Einpach, Waldstätten bis 1785 und die Edlen von Großer bis 1808 besonders hervorzuheben. 

Die Kapelle im Schlosse wurde 1708 hergestellt und hatte 1711 einen eigenen Kaplan. Sie enthielt 1734 einen 

Altar zu Ehren der schmerzhaften Mutter Gottes (Dekanatsarchiv Raabs). 

Anlage des XVI. Jhs. Am Anfange des XVIII. Jhs. vielfach adaptiert, am Ende des XIX. Jhs. umfassend 

restauriert (Fig. 135 und 136). 

Auf einem, gegen W. abfallenden, als Garten gestalteten Hügel nördlich von der Kirche gelegen. Grauweiß 
gefärbelt; ein langer Westtrakt und ein kurzer Südtrakt stoßen im rechten Winkel aneinander; beide enthalten 
an den Frontseiten (erneute) Fenster in zwei Geschossen, an den Innenseiten in einem Geschosse. An der 
Ecke der beiden Trakte und an der Ostecke des Südtraktes Rundtürme, die von dem profilierten Kranz- 
gesimse des Hauptgebäudes mit abgeschlossen werden. Zum Teil neu eingedeckt, der Südtrakt mit Schindel- 
satteldach mit Haubendachfenstcrn. 

An der Nordecke des langen Westtraktes hoher, vierseitiger Turm mit einem von kleinen Konsolen getra- 
genen, profilierten Kranzgesimse und Zinnenbekrönung. Östlich angebaut ein etwas niedriger, turmartiger, 
gestufter Gebäudeteil mit Zinnenbekrönung. 

Nördlich schließen sich an diese Turmbauten Gebäudetrakte 
an, die mit einer zinnenbekrönten Scheinfassade im W. einen 
etwa quadratischen Hof einschließen; die Fenster dieser Trakte 
mit steinernen Sohlbänken und profilierten Sturzbalken, an 
zwei Seiten erneute flache Pergola. 

In einem tonnengewölbten Erdgeschoßraum eine Tür in pro- 
filierter Laibung mit Datum 1532; am Abschlußgebälke zwei 
kleine skulpierte Wappenschilde und Inschrift : . . . Greiseneck 
zu Delacli und Veronica Dach(pech) ... — Im ersten Stock 
rechteckiger Sitzungssaal; über profilierter Kornische Flach- 
decke mit reicher Stuckverzierung um einen neu gemalten, 
ovalen Mittelspiegel. Rankenwerk mit Putten und frei heraus- 
tretenden Adlern; in den Ecken ovale Medaillons mit weib- 
lichen Brustbildern. Anfang des XVIII. Jhs., sehr stark er- 
neut. — Anstoßend die ehemalige, jetzt als Registratur 
adaptierte Kapelle; Tonnengewölbe mit einspringenden Kappen, 
deren Berührungspunkte mit Rosetten besetzt sind; herum 
Blattranken aus weißem Stuck. Wie oben. — Saal der Spar- 
kasse, ähnlich dekoriert wie der Sitzungssaal, nur etwas ein- 
facher. 



Schloß. 



Privathäuser: Nr. 34. Eckhaus, rechteckig; im ge- 
bänderten Untergeschosse Rundbogentor, dessen Keilstein 
eine Kartusche mit P. K. 1680 enthält; das Obergeschoß 
vi 




Fig. 135, 136. 



Privathäuser. 



Fig. 136 Groß-Siegharts, Schloß (S. 137) 

18 



138 



Gerichtsbezirk Waidhofen a d. Thaya 



durch ionische Pilaster gegliedert, die Fenster in Rahmung, abwechselnd mit Kielbogen- und Segment- 
bogenabschluß. Mitte des XVIII. Jhs. 

Nr. 137. Gequadertes Untergeschoß, glattes Obergeschoß, durch zwei Gesimse getrennt. Die Fenster des Ober- 
geschosses ohne Gesims aufsitzend, die des Untergeschosses mit Sohlbankgesims. In der Mitte vortretender 
Risalit mit einem von Pilastern flankierten Portal. Giebelaufsatz. Anfang des XIX. Jhs. 
Nr. 138. Großes einstöckiges Gehöft mit leicht vorspringendem Mittelrisalit, Lisenengliederung und hervor- 
gehobenem Parapett. In der Hauptfront zwei Rundbogennischen mit Statuen der Immakulata und des 
hl. Josef. Zweite Hälfte des XVIII. Jhs. 



Pfarr- 
kirche. 



Thaya, Markt 

Literatur: Schweickhardt V 200; Pfarrer Aug. Dimter in Oeschichtl. Beilag. VII 265 — 310; Plesser, Kirchen, 1901, 364; 
M. W. V. XXVII, 40; M.W. A. V. 1896, 41 ff.; Fahrngruber 201; Oeschichtl. Beilag. IX 271; Schweickhardt V 200. 

Archivalien: Pfarrarchiv mit Matriken seit zirka 1657 und Gedenkbuch. 

Prähistorische Funde: In der Gegend wurden Erdställe aufgedeckt (M. f. Landesk. 1909, 378, 379). 

Die erste Erwähnung des Ortes erfolgt 1112; Besitzer des Lehensgutes T. kommen bereits im XII. Jh. vor, 1132 — 1351 erscheint ein 
Adelsgeschlecht von Tigia, Thy oder Tige, das hier hauste. 1386 — 1629 gehört T. dem Geschlechte der Puchheim. Vor 1359 hatte 
der Ort einen Wochenmarkt, der mit Rücksicht auf Waidhofen damals aufgelassen werden mußte (Bl. f. Landesk. 1893, 154). Als 
Markt erscheint T. auch 1369 (Notizenblati, 1853, 260). Der Ort erlangte früh ein eigenes Siegel, das bereits 1379 genannt wird 
(Geschichtl. Beilag. VIII 388) und in der gleichzeitigen Form erhalten ist. Es stellt einen vierseitigen Turm mit dem Bindenschilde 
an der vorderen Seite vor, der sich auf einem Sockel erhebt und oben mit Zinnengalerie und Giebeldach abschließt; an beiden Seiten 
ragen auf gebogenen Stäben je ein laternenartiges Wachtürmchen mit viereckigem Fenster und Giebeldach hinaus (W. A. V., XV ; 
Notizenblatt, 1859, 29). Umschrift in Majuskeln: S. der. erebaren. bürgere, zv. tejav. Kaiser Friedrich III. bewilligte 1459 einen 
Wochenmarkt an jedem Dienstage. 

Im XV. Jahrhunderte war T. befestigt (Spuren sind noch vorhanden) und spielte in den Kriegen eine Rolle. Schon 1430 bemächtigte 
sich der „große Tabor" der Hussilen auch des festen Ortes Thaya (LINK, Annalen II 96). 1483 hatten sich hier böhmische Truppen 
jestgesetzt, die erst am 7. Mai 1493 durch Belagerung mit großem 
Geschütz bezwungen wurden (LINK, Annalen II 311). Eine Denk- 
schrift an der Nordseite des Kirchenschiffes meldet in Minuskeln: 
Anno 1493 hat Wallsky Thaya eingenommen (Geschichtl. Beilag. VII 
275; Bl. f. Landesk. 1893. 165). 

Pfarrkirche zu den Aposteln Petrus und 
Paulus. 

Über die Entstehung der Pfarre wird uns berichtet, daß 
der Bischof von Passau dieselbe 1132 aus der Pfarre 
Polan (Altpölla) ausgeschieden habe (Bl. f. Landesk. 1901, 
118). Adalram von Tigia hatte dafür die Mutterkirche mit 
zehn Talenten entschädigt. Als Lehen von den Grafen 
von Hirschberg kam sie an Leuthold von Kuenring, der 
sie 1287 dem Stifte Aldersbach in Bayern schenkte. 
Unter diesem Patronate stand T. bis 1347. Dann tauschte 
das Stift sie wegen der Entfernung mit der Pfarre Schönau 
und das Patronat blieb bis 1784 beim Hochstifte Passau; 
seit damals ist sie landesfürstlich. Der erste bekannte 
Pfarrer Henricus wird 1351 genannt. Die Kirche wurde 
1427 und 1430 von den Hussiten, 1491 von den böhmi- 
schen Rebellen zerstört; 1618 — 1619 wurde die Kirche 
mit Turm und Pfarrhof abermals von böhmischen Soldaten 
niedergebrannt und nur provisorisch wieder hergestellt. 
1672 waren in der Kirche fünf Altäre und bestand auf 
dem Friedhofe die alte Katharinenkapelle, die damals 




Fig. 137 Thaya, Pranger und Pfarrkirche (S. 138) 



Thaya 



139 



wieder hergestellt war. 1718 zerstörte der Blitz den 1704 reparierten Turm, der 1720 wieder hergestellt 
wurde und ein Zwiebeldach erhielt; den Bau führten Maurermeister Fölser und Zimmermeister Georg Sulz- 
bacher aus Waidhofen. 1749 war die Kirche wieder baufällig, so daß ein Neubau nötig war. Der Pfarrer 
Friedrich Fritz beantragte, an der Südseite der Kirche eine Seitenkapelle anzubauen, welche zugleich als 
Mauerstütze für den auf das Fundament aufgeführten, neuen Turm dienen sollte. Das Material dazu sollte 
durch den Abbruch des Karners gefunden werden (siehe unten). 1804 wurden die beiden Emporen kassiert 
und der Zugang zur Kanzel 1831 vermauert. 1892 — 1897 wurde die Kirche restauriert (Fig. 137 und 138). 

Beschreibung: Romanische Anlage, wie an den Fenstern über dem gotischen Gewölbe noch kenntlich. 
Zweischiffige Hallenkirche mit sehr schmalem Chore. Ende des XV. Jhs. Barockturm östlich vom Chore. 
Die Kirche bildet den Schmalseitenabschluß der platzartig verbreiterten Hauptstraße. 



Fig.137u.138. 



Äußeres: 

Grünlichgrau gefärbelt, mit weißen Rahmungen der Seitenfenster und Türen. 

W. Giebelfront, die Schenkel rund ausgezackt, über vorgebauter Vorhalle ein kurzes Rundbogenfenster. S. 
durch Anbau 1 und 2 zum Teil verbaut. Die Fenster von W. angefangen : ein rechteckiges, ein kurzes, rund- 



Äußeres. 




Fig. 138 Thaya, Pfarrkirche, ürundriß 1 : 300 (S. 139) 



bogiges, ein rundes, ein kurzes, rundbogiges, darunter zwei spitzbogige und ein größeres, spitzbogiges. Pro- 
filiertes Abschlußgesims. — N. wie S. Es fehlt das Rund- und die kleinen Spitzbogenfenster. Westlich eine 
Tür mit breitem Oberlichte (zur Emporenstiege), östlich große, rundbogige Nische mit Fenster über Anbau 4. 
Ziegelsatteldach. 

Turm: Rechteckig; im O. des Chores, in seinem Untergeschosse den Altarraum enthaltend; durch die 
Fortsetzung des Abschlußgesimses der Kirche und durch ein weiteres gemaltes Sims in drei Geschosse geteilt. 
Das untere mit abgeschrägten Kanten, die beiden oberen mit Liseneneinfassung. Im Untergeschosse im S. 
und N. Rundbogenfenster, im 0. Rundnische, im zweiten Geschosse im S. rechteckiges Fenster, im Ober- 
geschosse jederseits gerahmtes Rundbogenfenster mit drei Keilsteinen, darüber gemaltes Zifferblatt in leicht 
vertieftem, quadratischen Felde, darüber ovale, gerahmte Luke. Über hart profiliertem Kranzgesimse hohes, 
blechgedecktes Zwiebeldach mit hoher, achtseitiger, von Rundbogenöffnungen durchbrochener Laterne. 

Anbauten: 1. Südlich am Chore, rechteckig, mit einspringender, halbrunder Apsidalausbauchung gegen 
S., im 0. und W. Rundbogenfenster, im S. breites ovales Fenster. Ziegeldach. 

2. Südlich vom Langhause; rechteckig, mit Hohlkehlengesims; zwei Rundbogenfenster im S. Blechpultdach 
über Holilkehlengesims. 

3. Rechteckig. Fenster im N. und S., große Tür im W. Satteldach. 

4. Nördlich vom Chore, mit rechteckiger Tür im W., Breitfenster im N. und kleiner Breitluke im 0. Pultdach. 

5. östlich von 4. Gerätekammer. 

IS- 



Turm. 



Anbauten. 



140 



Gerichtsbezirk Waidhofen a. d. Thaya 



inneres. Inneres: 

Fig. 139. Modern ausgemalt (1892), gemalte Quadern und Bordüren (Fig. 139). 

Langhaus. Langhaus: Zweischiffige Halle; die beiden Schiffe sind durch vier freistehende Pfeiler geschieden, denen 
an den Wänden und in den Ecken Halb- und Viertelpfeiler entsprechen. (An der Nordwand bei der Kanzel 
abgemeißelt.) Die Pfeiler sind achteckig, stehen auf ebensolchen, wenig überragenden Sockeln auf und tragen 
auf einer Abschrägung die unvermittelt aufsitzenden Gewölberippen. In jedem Schiffe vier quadratische 
Kreuzrippengewölbejoche; das östlichste Joch beider Schiffe durch einen, über dem Scheidebogen ein- 
springenden Zwickel um die vom Schnittpunkte gegen den Scheidebogen laufende Rippe verkürzt. Der Zwickel 
ebenfalls von Rippen eingefaßt, die an der Ostwand abschneiden; sein Scheitel mit dem östlichen Pfeiler durch 
eine Rippe verbunden. Die Rippen kantig profiliert; in drei Jochen kleine, runde Schlußsteine. Die West- 
empore in der Breite beider Schiffe bis zu dem westlichen Pfeiler reichend; auf zwei Kreuzrippengewölben 
aufruhend, deren Rippen fast ganz herabgeführt sind und zum Teil gemeinsam mit der, mit Stäben und Kehlen 
profilierten Laibung der abgerundeten, hohen Spitzbogen- 
Öffnungen gegen das Langhaus auf niedrigen, achtseitigen 
Sockeln aufstehen. Die glatte Stirnwand mit Rundstab 
endend. Der nördliche Teil unter der Empore durch 
Stiegeneinbau eingenommen. — Im W. zwei rechteckige 
Türen in Segmentbogennischen, im S. Rundbogentür in 
erneuerter Nische; im N. zwei kurze Rundbogenfenster und 
im östlichsten Joch ein Spitzbogenfenster in abgeschrägter 
Laibung, im Emporenjoch rechteckiges Fenster. — S. wieN. 
überdies im dritten Feld ein Rundbogenfenster, im vierten 
zwei kleine Spitzbogenfenster, im fünften verschaltes Rund- 
fenster; im W. ein kurzes Rundbogenfenster. 

Chor. Chor: Um eine Stufe erhöht, etwas höher und bedeutend 

schmäler als das Langhaus, gegen das er sich in stark 
einspringendem, abgefasten Spitzbogen öffnet. Der um 
eine weitere, in der Mitte vorspringende Stufe mit hölzer- 
nem Speisegitter erhöhte Altarraum gerade abgeschlossen. 
Zwei Kreuzrippengewölbejoche; die profilierten Rippen 
in den Ecken einzeln, in der Mitte zu dreien zusammen- 
gefaßt herabgeführt, wo sie über niederen Basen aufstehen. 
Zwei Schlußsteine, der eine mit segnender Hand, der andere 
mit Rosette skulpiert und bemalt. Im N. ein kurzes Rund- 
bogenfenster und ein längeres östliches; ein ebensolches im 
S. Hinter dem Hochaltare hoch angesetzte, rundbogige 
Öffnung zum Turm. Im N. gerahmte Tür zur Sakristei, 
gegenüber im S. Rundbogenöffnung, in die ein Oratorium 
über einer Tonne mit einspringenden Stichkappen eingebaut 
ist; die Stirnwand im Mittelteile konvex, in den Flügeln 
konkav ausgebaucht. Unter dem Oratorium im 0. Tür zur 
Oratoriumstiege. 

Anbauten. Anbauten: 1. Im S. des Chores; Johann-von-Nepo- 
muk-Kapelle, um eine Stufe erhöht. Viereckig, mit ab- 
geschrägten und abgerundeten Ecken, infolgedessen rund 
wirkend; diese Abrundung wird durch die Altarnische im 
S. und durch die Einbringung in den Raum unter dem 
Oratorium betont. Profiliertes, durch die Fenster- und 

Altarnische umlaufendes Gebälk, unter dem die Kanten pilasterartig verstärkt sind. Über vier Rundbogen 
ruht die Flachkuppel auf. Im 0. und W. Rundbogenfenster in abgeschrägter Laibung, im S. kleine, ovale 
Luke, im N. gedrückte, breite Öffnung gegen das Oratorium. In den vier abgeschrägten Kanten je eine 
Rundbogennische. 

2. Im S. des Langhauses. Aus einem flachgedeckten Teile (mit Ölberg) mit Rundbogennische im 0. und 
Rundbogenfenster im S. und einem, durch einspringenden, gedrückten Rundbogen geschiedenen, westlichen 
Vorraum bestehend, der mit einem Klostergewölbe gedeckt ist; im N. Rundbogentür, im S. Rundbogenfenster, 
im W. Tür in Segmentbogennische. 

3. Im W. des Langhauses; Vorhalle. Flachgedeckt, rechteckig, mit zwei Türen im 0. und einer großen 
im W.; im N. und S. je ein Fenster. 

4. Sakristei; im N. des Chores. Unregelmäßig gewölbt; im N. Breitfenster in Segmentbogennische, im 0. 
kleine Breitluke, im W. und S. rechteckige Tür in Nische. 




Fig. 139 Thaya, Pfarrkirche, Inneres (S. 139) 



Thaya 



141 



Einrichtung: 

Altäre: 1. Hochaltar. Holz, marmoriert und vergoldet. Bildaufbau mit Skulpturen, hl. Joachim und 
hl. Anna, unterlebensgroß (um 1770). Das Bild: Abschied der Apostelfürsten, hinter ihnen mehrere Krieger, 
von Joh. Höfel, 1831; der Altaraufbau mit flankierenden Säulen und Aufsatz aus derselben Zeit. 
2. und 3. Seitenaltäre; an der Ostwand des Langhauses. Bildaufbau; rundbogig geschlossenes, von marmo- 
rierten Holzsäulen flankiertes Gemälde, über den Säulen ein mit Ranken besetzter Flachgiebel. Um 1840. 
Altarbild, N., Tod des hl. Josef, mit Maria und Christus am Bette des Sterbenden, ringsum zahlreiche Engel. 
Um 1770. Richtung des Wagenschön. — S. Modernes Bild. 

4. In der Kapelle. Skulpturenatifbau aus grauem und rötlichem Stuckmarmor. Die Rückwand enthält eine 
schwarz gerahmte, kartuscheförmige Nische mit Muschelabschluß und setzt sich direkt in einen Aufsatz fort, 
der das ovale Fenster einschließt. Seitliche und obere Einfassung durch spiralig eingerollte Voluten, die 
mit vergoldeter Rocaille besetzt sind; als Bekrönung Palmettenmuschel. In der Mittelnische profilierte 
Holzstatuette des hl. Johannes von Nepomuk. Mitte des XVIII. Jhs. 

Gemälde: Vierzehn Kreuzwegbilder, öl auf 
Leinwand, mit Inschriften auf steingrauen 
Kartuschetafeln in Rocaillefassung. Mitte des 
XVIII. Jhs.; unter dem Einflüsse Paul Trogers. 

Skulpturen: 1. Im Chor; polychromierte, 
unterlebensgroße Holzfiguren der Heiligen Petrus 
und Paulus über Konsole mit leicht vergoldeter, 
geschnitzter, flamboyanter Rocaille (Fig. 140). 
Um 1770. 

2. Im Anbau 2. ölberg; über naturalistischem 
Moosboden. Christus vor dem Engel mit dem 
Kelche und Kreuze kniend, unten zwei Jünger 
liegend, einer sitzend; die Figuren Holz, poly- 
chromiert, in Lebensgröße. Erste Hälfte des 
XVIII. Jhs. Die Wand mit Palmen usw. bemalt. 

R e 1 i q u i a r e : (Zwei kleine), aus Zinn und 
Messing, mit Rocaille. Um 1770. 

Grabsteine: Innen (unter dem Oratorium) 
graugelbe Steinplatte, Friedrich Fritz 

Glocken: 1. Durchmesser Im (Kreuz, S. 
Maria) /. N. R. I. Aus dem Feuer bin ich geflossen, 
Ferd. Vötterlechner in Crembs hat mich gegossen 
a. 1746. 

2. (Kreuz) J. G. Jenichen in Krems 1846. — 
Joh. Benesch, Pfarrer. 

3. Joh. B. Dival g. m. in Wienn 1722. 
Ehemaliger Kar ner : Die erste Erwähnung des 
Karners erfolgt erst 1090, obwohl der Bau zweifellos aus 
einer viel älteren Zeit stammt. 1749 beantragte der Pfarrer, 
da die Kapelle schon längere Zeit unbenutzt stand, ihre 
Abtragung, um Material zum Anbau einer Seitenkapelle zu gewinnen. 



Einrichtung. 
Altäre. 





Fig. 140 Thaya, Pfarr- 
kirche, Statue des 
hl. Paulus (S. 141) 



Fig. 141 Thaya, Bildstock (S. 141) 



Dieser Plan wurde 1750 aus- 
geführt und die Kapelle abgebrochen, jedoch die etwas über den Erdboden ragende gewölbte Gruft ge- 
schont. Als der Friedhof 1793 aufgelassen wurde, räumte man auch die Gruft, vermauerte den äußeren Eingang und stellte eine 
Verbindung mit dem benachbarten Hause her. Runder, gewölbter Raum mit einem Fresko: Kreuzabnahme; um 1750. Gegen den 
Kirchcnplatz als grasbewachsener, geringer Hügel mit einer unbedeutenden Fensteröjfnung kenntlich. 

Pranger: Auf der platzartigen Erweiterung der Hauptstraße. Über zwei Stufen prismatisches Postament, 
darauf Säule, die über Wulst und ausladender Deckplatte die Gestalt eines Mannes in leichter Rüstung mit 
Beinlingen trägt. An der Seite hängt an einer Kette ein Steingewicht. Erste Hälfte des XVII. Jhs. 
(Fig. 137). 

Brunnen: Vierpaßförmige Brüstung, in der Mitte ein mit skulpierter Gesichtsmaske und Blattwerk ver- 
ziertes Postament, darauf flachgerippte Schale mit Pinienzapfen. Zweite Hälfte des XVI. Jhs., stark erneut. 

Bildstock: An der Straßenkreuzung Klein-Göpfritz— Kautzen; über kreuzförmigem Sockel achtseitiger 
Pfeiler, im Fuße verdickt, darauf Tabernakel mit einem Giebel an jeder Seite vor dem Steindache; im Taber- 
nakel rechteckige Nischen; die eine mit Büste (Holz, polychromiert) einer hl. Jungfrau mit Kelch (um 1500). 
In der zweiten leerer Schild, die beiden übrigen ohne Dekoration. Unter dem Schilde Datum : 1408 (Fig. 141). 



Gemälde. 

Skulpturen. 
Fig. 140. 



Reliquiare. 

Grabsteine. 

Glocken. 



Ehemaliger 
Karner. 



Pranger. 

Brunnen. 
Bildstock. 

Fig. 141. 



142 



Gerichtsbezirk Waidhofen EL d. Thaya 



Ulrichsschlag 

1. Matzles; 2. Ulrichsschlag 
1. Matzles 

Literatur : Top. VI 249. 

Gehörte seit 1112 zum Zehentgebiete von St. Georgen-Herzogenburg. Das Stift Altenburg erhielt seinen hiesigen Besitz 1340 vom Burg- 
grafen Albero von Gars. 

Ortskapelle. Ortskapelle; mitten im Dorfe gelegen. Die Kapelle soll 1781 auf Anregung des Ortsrichters Philipp 
Frankl erbaut worden sein; 1870 litt sie sowie der ganze Ort durch einen großen Brand. Rechteckiger Bau, 
weiß gefärbelt, mit umlaufendem Sockel und hart profiliertem Kranzgesimse. In der Giebelfront über der 
Haupttür gerahmtes Rundfenster, in den Langseiten je ein Flachbogenfenster zwischen zwei Lisenen. Vier- 
eckiger abgeschrägter Westturm mit Liseneneinfassung und jederseits einem rundbogigen Schallfenster. 
Modernes Blechdach. 

inneres. Inneres: Flachgewölbt; mit jederseits zwei Pilastern, über denen unter der Tünche undeutliche Initialen 
und die Zahl 81 sichtbar werden. 

Einrichtung. Einrichtung: 

Altar. Altar: Bildaufbau mit Skulpturen, Holz, marmoriert und vergoldet; Wandaufbau von je einer korinthischen 

Säule auf hohem Sockel, mit stark vorkragendem Gebälk eingefaßt; vor jeder Säule ein Engel, auf dem Gebälk 
polychromierte Holzstatuen der Heiligen Valentin und Augustin. Rechteckiger Aufsatz mit gewundenen 
Säulchen mit korinthischen Kapitalen, deren Gebälk Holzstatuetten der Heiligen Edmund und Leo trägt. 
Im Aufsatze Gruppe der hl. Dreifaltigkeit in Glorie, von Engeln umgeben. Altarbild, die Heiligen Johannes 
und Paulus. Bezeichnet : L. Mayerli(oier) fecit 1842. Altar Ende des XVII. Jhs. 

Gemälde. Gemälde: Zahlreiche Votivbilder von Mayerhofer von 1840 — 1850. 

Skulpturen. Skulpturen: Holz, polychromiert und vergoldet; 1. Maria Magdalena. Mitte des XVIII. Jhs. 

2. Hl. Johannes von Nepomuk. Ende des XVIII. Jhs. 

3. Pendant zu 2, hl. Karl Borromäus. 

4. Immakulata. Mitte des XVIII. Jhs. 

2. Ulrichsschlag 

Funde : Erdställe (M. f. Landesk. 1909, 378). 

Wurde 1112 dem Stifte St. Georgen zehentpf lichtig (Archiv, 1853, 247). Seit 1340 erlangte Stift Altenburg hier Besitz (Fontes XXI 
202). Die Kirche Ulrichsschlag, welche um 1155 dem Stifte Geras übergeben wurde und vor 1376 verödete, scheint im Walde östlich 
vom Orte bestanden zu haben (Bl. f. Landesk. 1901, 367). 

Ortskapelle. Ortskapelle; aus der zweiten Hälfte des XVIII. Jhs., 1842 renoviert. Rechteckiger, weiß verputzter Bau, mit 
umlaufendem Sockel, profiliertem Kranzgesimse und Ortsteineinfassung. In der Giebelfront über der Haupttür 
Rundbogennische, in den Längswänden je zwei Rundbogenfenster zwischen Lisenen. Angebauter Osttiirm, 
durch zwei einfache Gesimse in drei Stockwerke gegliedert, die von schwachen Lisenen eingefaßt sind. Über 
den rundbogigen Schallfenstern profiliertes Kranzgesims. Zwiebelschindeldach mit Knauf und Kreuz. 

inneres. Inneres: Flachgewölbe mit einschneidenden Stichkappen. Die Wände durch Lisenen gegliedert. 



Einrichtung. Einrichtung: 

Altar. Altar: Bildaufbau mit Skulpturen; Holz, polychromiert, von kannelierten, korinthischen Säulen eingefaßt. 

Altarbild; Apotheose des hl. Vitus (?), seitlich davon polychromierte Statuetten der HI. Josef und Florian. 

Skulptur. Skulptur: Holz, polychromiert; hl. Anna mit Maria und Elisabeth. Ende des XVIII. Jh. 

Bildstock. Bildstock: Bei der Abzweigung der Bezirksstraße nach N. von der Reichsstraße. Tabernakelbildstock. 
Prismatischer Pfeiler aus verputztem Backstein, mit unleserlichen Buchstabenresten. (Erste Hälfte des 
XIX. Jhs.). Darauf ein an zwei Seiten offener Tabernakel, Pyramidenstumpfdach aus Granit (Ende des 
XVII. Jhs.). — Im Tabernakel Ölbild auf Holz, hl. Dreifaltigkeit. Geringe Arbeit aus der ersten Hälfte des 
XIX. Jhs. 



Mntzles. — lilrichssdilag. — Vestenötting 



143 



Vestenötting 

Literatur: Fahrngruber 214; Schweickiiardt V 188; Plesser in Kremser Zeitung vom 28. Jänner 1905. 

Seit 1112 bezog, St. Georgen Zehente vom Dorje Netichn (Archiv, 1853, 245). Hier bestand eine Feste, auf der 1255 Ernest von Netich 
ansässig war (FRIESS, Die Herren von Kuenring, Regest. Nr. 267). Hans, der Sohn des Ungellers von Waidhofen, gab sie I 
dem Lehensherrn Hans von Traun zurück (Landesarchiv in Wien, Urkunde Nr. 4510). Wahrscheinlich wurde das Schloß um 1430 
von den Hussiten zerstört. Die Schloßkapelle hatte 1429 ein Bene/izium, das der Gaßner verlieh, und blieb aufrecht. Pitgrim von 
Puchhtim erbaute im XVI. Jh. von den Mauerresten der Feste das neue Schloß im Tale. Im Jahre 1693 erschein! der Ort als 
„Schüttermühle oder Vesten Eden". Nach wiederholtem Besilzwechsel kam das Gütchen im XIX. Jh. an die Herrschaft Waidhofen. 

Filialkirche zur hl. Anna. 

Früher den Hl. Petrus und Paulus geweiht. Gehörte ursprünglich zur Pfarre Waidhofen, vom XVII. Jh. an 
zu Puch und seit 1874 wieder zu Waidhofen. Sie diente als eine Art Schloßkapelle und als Begräbnisstätte 

der Herrschaft V. Isabella Katharina Weilich 
von Ibowitz errichtete eine Messenstiftung und 
wurde 1732 hier beigesetzt; ebenso Katharina 
Johanna Gräfin von Auersperg 1764, die 1785 
hier beigesetzt wurde. Um 1765 wurde die Kirche 
renoviert (Dekanatsarchiv Raabs). 

Beschreibung: Rechteckiger Bau mit ein- 
gezogenem, ebenfalls rechteckigen Chore und 
vorgebautem Westturme. Auf einem Waldhügel 
über dem Dorfe anmutig gelegen (Fig. 142); rings- 
um Reste von Bruchsteinmauern, die vielleicht 
von der alten Feste herrühren. 

Äußeres: 
Gelb gefärbelt. 

Langhaus: W. Glatte Giebelfront mit vor- 
gebautem Turme; steingerahmte Tür. Im N. und 
S. je ein Segmentbogenfenster. Ziegelsatteldach. 

Chor: Im S. und N. je ein gedrücktes Rund- 
bogenfenster, im 0. Sakristeianbau. Abgewalmtes 
Ziegelsatteldach; gleich hoch, aber steiler als das 
des Langhauses. 

Turm: Durch ein Gesims in zwei Stockwerke 
geteilt; jederseits ein Rundfenster und darüber 
ausgebogenes Kranzgesims. Schindelzwiebeldach. 




Filialkirche. 



Be- 
schreibung. 



Fig. 142. 

Äußeres. 
Langhaus. 

Chor. 
Turm. 



Fig. 142 Vestenötting, Dorf und Kapelle (S. 143) 



Inneres: 
Langhaus. Flachgedeckt, mit eingebauter Holzempore; Tür und Fenster wie außen. 

Chor: Rechteckig, um eine Stufe erhöht, etwa gleich hoch wie das Langhaus, gegen das er sich in einem 

stumpfen Spitzbogen öffnet. 

Einrichtung: 

Altäre: 1. Hochaltar im Chore; Skulpturenaufbau; Holz, polychromiert, mit vergoldeten Appliken in 
flamboyanter Rocaille. Den Hauptteil bildet eine seichte, an den Rändern geschweifte Nische, die als ge- 
drückter Rundbogen gestaltet ist. Sie wird von Cherubsköpfchen, Putten und dazwischen von freigeschnitztem 
Rocaille- und Rankenwerk eingerahmt; darinnen Statuen, die Hl. Maria und Anna, das Jesuskind führend. 
Holz, polychromiert, vergoldet und versilbert. An beiden Seiten die Hl. Petrus und Paulus. Neben dem 
Tabernakel, der von einem geschweiften Giebelsturz und von zwei Steilvoluten umrahmt ist, zwei anbetende 
Engel, Drei zum ganzen gehörende Kanontafeln. Um 1750 (Fig. 143). 



Inneres. 

Langhaus. 

Chor. 

Einrichtung. 
Altäre. 



Fig. 143. 



144 



Gerichtsbezirk Waidhofen a. d. Thaya 



2. Rechter Seitenaltar im Langhause. Flacher Bildaufbau, Holz, polychromiert, mit vergoldeten Appliken 
in flamboyanter Rocaille. Im Volutenrahmen Bild : Maria-Hilf. Beiderseits auf Voluten anbetender Engel. 
Unter dem Bilde an der Rückwand ein einen Tabernakel imitierendes, rundbogig geschlossenes Feld mit Kelch 
und Rocaillerahmen, daneben die Wappen von Auersperg und Öth. 

3. Linker Seitenaltar, ähnlicher Aufbau wie 2, ohne Wappen; modernes Altarbild. 

Gemälde. Gemälde: 1. öl auf Leinwand; Brustbilder der Heiligen Petrus und Paulus und der vier Kirchenväter. 
Ende des XVIII. Jhs. 

2. Öl auf Leinwand. Heilige Familie mit dem Johannesknaben. Mitte des XVIII. Jhs. 

3. Votivbild. Ansicht von V., vorne knien zwei vornehm gekleidete Damen in den Wolken, Maria-Hilf. 

Skulpturen Skulpturen: Holz, polychromiert und vergoldet; Maria mit dem Kinde im Rosenkranze. Drittes Viertel 
des XVIII. Jhs. 

Orgel. Orgel: Auf der Westempore; hölzerner Pfeifenkasten mit Riemen und Rankenwerk und Rosettenkasten 

verziert. An der Vorderseite Doppelwappen Auersperg- 
Ödt. Anfang des XVIII. Jhs. 

Grabsteine. Grabsteine: 1. Kehlheimerplatte mit Voluten- 
rahmung, oben Totenkopf, unten zwei Wappen. Katharina 
Prissmannin zu Nettich geb. Pfaffenbergerin 1635. 

2. Blechtafel mit Ölmalerei; zwei Wappen. Elisabeth 
Freifrau von Ödt geb. Schütterin von Klingenberg. 

3. Im Fußboden des Chores graue Steinplatte, unten 
seichte Nische mit zwei Wappen, Johanna Katharina Gräfin 
von Auersperg geb. Freifrau von Guldenstein gest. 17 . . 
(nicht ausgeschrieben). 

4. Im Fußboden des Langhauses graue Steinplatte mit 
Doppelwappen in seichter Vertiefung, lsabella Katharina 
Wovdtichin von Wowitz geb. Händlin von Ramings- 
dorff, 1732. 

Bildstock. Bildstock: Am Fuße des Kirchenhügels; Breit- 
pfeiler mit Nische, darin polychromierte Holzstatue, 
Maria mit dem Kinde. Anfang des XVIII. Jhs. 
Schloß. Schloß, im Besitze des Grafen Gudenus. 

Langgestreckter Gebäudetrakt, an den sich an beiden 
Enden je ein kurzer anschließt. In der Mitte ein vier- 
seitiger Turm, der jetzt nur mehr noch die Höhe des 
Gebäudes erreicht. Blechgedecktes Zwiebeldach, Knauf 
und Doppeladler. Die gerahmten Fenster mit ausladenden 
Deckplatten. Moderne Dächer. 

Einrichtung modern. 

Perlmutterkästchen mit Aquarellmalerei am Deckel; 
Spinnerin am Kreuz bei Wien. Nachahmer des Wiegand. 
Messingkästchen mit Stahhnontierung; auf den Flächen 
gravierte Darstellung von Herren und Damen. An einer 
Schmalseite Aufschrift : Michel Mann. Zweite Hälfte 
des XVI. Jhs. 




Fig. 143 Vestenötting, Altar der Kapelle (S. 143) 



Waidhofen a. d. Thaya, Stadt 

Archivalien : Pfarrarchiv mit Matriken seit 1590 (der erste Teil in Abschrift von Pfarrer Johann Alois Geldner 1679 verfertigt 
und mit gereimter lateinischer Geschichte, „Ehrenreimen", der Pfarre begleitet). Kirchenrechnungen von 1686, Resten 
des einstigen Stadtarchivs, gerettet durch Dechant Franz Eichmayer, mit landesfürstlichen Dekreten aus dem XV. Jh.; 
sehr gründliches Pfarrgedenkbuch von Dechant Eichmayer. — Stadtarchiv mit Stadtbuch von 1383—1456, Stiftbrief- 
protokoll 1342—1832 (XVIII. Jh.), Ratsprotokoll von 1528, Hauskaufbüchern von 1587, Stadtrichter- und Kammer- 
amtsrechnungen von 1551 an, Kopialbuch der Stadtprivilegien um 1580, Urkunde von 1438 und drei Urkunden- 
abschriften. Das einst sehr reichhaltige Gemeindearchiv, von welchem Auszüge von Dechant Johann Grübel im Kon- 
sistorialarchive St. Polten erhalten sind, ging nach dem Brande 1873 durch Sorglosigkeit größtenteils verloren. — Schloß- 
archiv mit Urbar von 1569 und Urkunden der Familien Gudenus und ihren Besitzungen bis ins XVII. Jh. Beim k. k. 
Bezirksgerichte alte Grundbücher. 



Waidhofen a. d. Thaya 



145 



Alte Ansichten : Radierung von O. M. Vischer, 1672 (Fig. 144). — Aquarell im Herrschaftsurbare von 1694 (Schloßarchiv 
Waidhofen). — Kupferstich von P. Kai, XVIII. Jh. (M. Z. K. III. F. VIII, 87). — Tuschzeichnung um 1820 im Landesarchiv 
in Wien (D XV 403). 

Literatur: Bl. f. Landesk. 1879, 358 — 373; Franz Eichmayer, Geschichte und Beschreibung der Stadtpfarrkirche zu W., 1891, 
Hammerl, Das Stadtarchiv von W. im Monatsbl. f. Landesk. 1904, 17; Maurer-Kolb, Marianisches Niederösterr., 402; 
Plesser, Kirchen, 372; M. W. A. V. 1888, 6; 1889, 15; 1895, 176, 206; 1897, 143; W. A. V. XV 151, XX, 20; M. Z. K. 1883, 
S. LXXXV; (Friehofkapelle) M. Z. K. 3. F., VIII, 232, 464, 557; X, 98, 463, 633; (Pfarrkirche) M. Z. K. 3. F. I, 147; 
(Stadtmauern) M. Z. K. 3 F. V, 268, 334; VIII, 412; IX, 98; (Brüche) M. Z. K. 3. F. IX, 412; (Cholerakreuz) M. Z. K. 
3. F. IX, 552, 595; (Ausstellung) M. Z. K. 3. F. VII, 87; Fahrngruber 213 f.; Festschrift zur Enthüllung des Kaiser- 
denkmales, 21. August 1898; Rabl, Führer durch das Kamp- und Thayatal, 1890, 104. — (Privilegien) Bl. f. Landesk. 
1893, 153—158. — (Kriegsjahr 1619) Bl. f. Landesk. 1896, 363—398. — (Landtag 1597) Plesser in Kremser Zeitung 
vom 15. August 1908. — (Kulturbilder) Eichmayer in Waidhofner Volks-Kalender, 1900, 47—65. 

Prähistorischer Fund: Flachbeil aus Bronze. Sammlung Kiesslino. 

Die ältere Geschichte des Ortes ist größtenteils in Dunkel gehüllt; die erste urkundliche Erwähnung als Geschlechtsnamen erfolgt erst 
1171. Um 1230 dienten hier 54 Häuser und zwei Mühlen dem Landes/ürsten (DÜPSCH, a. a. 0., I). 1278 verbrannten die Soldaten 
der Königs Ottokar die hiesige Kirche, wobei 1722 Personen auj dem Friedhofe durch das Feuer umkamen (Geschichtl. Beilag. VIII 



Fig. 144. 




Fig. 144 Waidhofen an der Thaya, 
Ansicht von 1672 nach der Radierung von G. M. Vischer (S. 145) 



197). 1328 wurde W. von König Johann von Böhmen zerstört (CHMEL, Osten. Geschichtsforscher II 226). Darauf bekam der 
Pfarrer 1331 zur Erbauung der Stadt von der Maut in Siein 30 Talente angewiesen. Eine weitere Entschädigung erhielt W. 1337 
durch die Privilegien, die ihm Albrecht II. erteilte. Auch sonst spielt die Stadt in den Kriegen des XIV. Jhs. eine Rolle. Ebenso 
wurde sie im XV. Jh. in Mitleidenschaft gezogen und litt gleich am Anfange dieses Jahrhunderts durch Einfälle aus Böhmen und Mähren, 
denen sie durch ihre Lage an der Grenze sehr ausgesetzt war. Gegen die Hussiten wurde die Stadt durch eine starke Besatzung 
geschützt. 1431 kam es zwischen Hussiten und österreichischen Truppen in der Nähe von W. zu einem Gefechte. 1452 zerstörte ein 
Brand den größten Teil der Stadt, die an den dauernden Kämpfen der zweiten. Hälfte des XV. Jhs. wenigstens indirekt beteiligt war 
und 1483 von den Ungarn besetzt wurde (SCHLAGER, Wiener Skizzen, 1842, II 387). 1603 war W. der Schauplatz eines Aufstandes 
der Althanschen Legion; 1613 wurde es von der Pest heimgesucht. Sehr schwer sind die Schäden, die die Stadt während des Dreißig- 
jährigen Krieges erlitt, teilweise durch feindliche Truppen, teilweise durch die drückende Last starker Besatzungen. 1619 und 1645 
verteidigten sich die Bürger, von wenig kaiserlichen Truppen unterstützt, erfolgreich gegen die Schweden. Auch die Befesiigungs- 
werke dieser Stadt mußten in dieser Zeit vollständig hergestellt werden. Nur schwer konnte sich W. von diesen Schlägen erholen; 
1640 berichtet der kaiserliche Wahlkommissär Matthias Sengler, eine solche Armut wie sie in der Stadt W. herrsche, habe er an 
andern Orten noch nicht vorgefunden. Am Ende des Dreißigjährigen Krieges befanden sich in W. nur 69 Bürger, von denen 20 keine 
Behausung hatten. Kaum hatte sich die Stadt einigermaßen erholt, kam die Pest von 1679 und 1681 ein Brand, der die ganze 
Böhmgasse zerstörte. Während des österreichischen Erbfolgekrieges war W. durch starke Besatzungen vor feindlichen Invasionen 
geschützt. 1805 und 1809 war W. von den Franzosen besetzt, 1834 — 1835 und besonders 1873 sind weitere schwere Brandkatastrophen 
zu verzeichnen. 

VI 19 



146 



Gerichtsbezirk Waidhofen a. d. Thaya 



Als Stadt wird W. ausdrücklich 1288 bezeichnet (Quellen zur Geschichte der Stadt Wien, I. Abteilung, 111, Nr. 2873). Als landes- 
jürstliche und später „mitleidende Stadt" war sie der politische Stützpunkt der Landesfürsten in dieser Gegend und wurde darum 
von denselben mit Privilegien ausgezeichnet. So erhielt sie 1343 durch Albrecht II. den Jahrmarkt auf St. Philipp und Jakobstag 
(1. Mai), 1403 durch die österreichischen Herzoge Wilhelm und Albrecht IV. den Jahrmarkt zu Ruperti im Herbste (24. September), 
1454 durch König Ladislaus eine Salzkammer und 1559 von König Ferdinand I. den dritten Jahrmarkt am Sonntag nach Pauli 
Bekehrung (25. Jänner). Seit dem XIV. Jh. hatte die Stadt ihr eigenes Wappen im Siegel, darstellend einen dreieckigen, etwas aus- 
gebauchten Schild mit der österreichischen Linde auf gegittertem Grunde (M. der Z. K. 1872, S. CLIV). 

Gegen Ende des XVII. und im XVIII. Jh. lebten hier mehrere Künstler. Der Maurermeister Bartholomäus Lukas, gebürtig 
von Nieder-Edlitz, schuf mehrere Bauten in der Gegend (Kunsttopographie V 261). Außerdem lebte hier der Maler Johann 
Roman Keßler, dessen Sohn Christoph Keßler sich in Wien seßhaft machte und daselbst am 7. Dezember 1728 starb, während 
sein Bruder Paul Keßler, ebenfalls Maler, noch 1743 dort lebte; dann der Bildhauer Johann Heinrich Muck aus Leipzig, 
dessen Sohn, der Bildhauer Johann August in Muck, gleichfalls 1734 — 1742 in Wien ansässig erscheint (Quellen zur Geschichte der 
Stadt Wien, I. Abteilung, Regesten VI, Regesten, Nr. 6698, 13.907). 




Fig. 145 Waidhofen an der Thaya, Ansicht von der Thayaseite (S. 146) 



Allgemeine 
Charakteri- 
stik. 



Fig. 145. 
Fig. 146. 



Pfarr- 
kirche. 



Die Stadt Waidhofen besteht aus einem rechteckigen, von einer Bruchsteinmauer umfangenen, alten Kern 
und aus neueren Teilen, die sich an jenen anschließen. Diese Teile machen namentlich die Westseite der 
Stadt ziemlich eindruckslos; große Schulgebäude und ein ausgedehnter Park bilden keine Einheit. Am 
stärksten wirkt die Ostseite, wo sich die Stadt über kurzem, ziemlich steilen Abhänge über dem Thayatal 
erhebt und wo auch die sonst hinter Gärten verschwindende Stadtmauer gut zur Geltung kommt (Fig. 145). 
Das Innere der Stadt ist am meisten durch den großen Hauptplatz charakterisiert, der gegen NO. ziemlich 
abfällt und auf dem außer Kaiserdenkmal und Dreifaltigkeitssäule das Rathaus isoliert steht (Fig. 146). 
Der Platz öffnet sich in seiner Hauptrichtung in jederseits zwei Straßen, einerseits Schul- und Böhmgasse, 
anderseits Wienerstraße und Höberthgasse, letztere den steileren Abfall der gewundenen Wienerstraße durch 
eine kurze Treppenanlage ausgleichend. Einzelne Gebäude treten im Stadtbilde kaum hervor. 

Pfarrkirche zu Maria Himmelfahrt. 

Nach einer nicht weiter verbürgten Notiz des herrschaftlichen Urbars von 1694 hätte schon um das Jahr 900 
zu W. eine Pfarrkirche und ein Pfarrer namens Gratian Numaltor existiert. Urkundlich nachweisbar ist die 
Pfarre W. erst 1245. Das Patronat hatte mit kurzen Unterbrechungen der Landesfürst, seit 1668 besitzt die 
Schloßherrschaft das Vorschlagsrecht. Eine Frühmeßstiftung war bereits 1342 beabsichtigt, da Herzog Albrecht 



Gerichtsbezirk Waidhofen a d. Thaya 



147 



einige für sie bestimmte Güter von der Lehenschaft befreite. Ein Kreuzaltar findet 1369 Erwähnung. Die 
Gemeinde errichtete 1394 eine Messenstiftung. Beim Altare der zwölf Apostel bestand 1424 ein Benefizium. 
Der St. Annenaltar in der Pfarrkirche wurde 1438 mit einer Stiftung bedacht, ebenso der Gottesleichnams- 
altar 1476 und der St. Magdalenenaltar in der angebauten Kapeile 1521. Außerdem werden noch genannt 
ein Katliarinenaltar 1575 und ein St. Ursulaaltar 1607. 1466 wurde an der Kirche eine Schneckenstiege 
gebaut, worauf sich eine in dem genannten Urbar erwähnte Inschrift bezog: Structura domini Joanis Hay olim 
hie plebani 1460. Diese Kirche war gotisch, hatte einen erhöhten Chor, einen spitzigen Vierungsturm und 
acht Altäre, einen schönen Tabernakel seit 1692 und neues Oratorium, war aber dunkel und zu klein. Bei 
der am 6. November 1711 auf Verordnung der Regierung abgehaltenen Kommission wurde das ganze Kirchen- 
gebäude untersucht und konstatiert: „1. Daß das Gotteshaus einer gänzlichen neuen Erbauung bedürftig sei; 
2. haben wir vor uns berufen den Matthias Fölser, bürgl. Maurermeister allhier, welcher höchst notwendig 

befunden, vorderist den Turm in Mitte der Kirche ab- 
zutragen und an dessen Stelle einen neuen Turm von 
Grund auf hinter dem Hochaltar aufzubauen, welcher 
Turm darumben gleich anfangs erbaut muß werden, 
damit, sobald dieser fertig, der Glockenstuhl sammt 
den Glocken aus dem alten Turm in den neuen über- 
bracht werden könne, daß also der höchst notwendige 
Glockengebrauch stets seinen Fortgang habe. . . Was 
nun die übrige Kirche betrifft, ist zwar der Chor, 
worunter das Hochaltar steht, bei gutem Gebäu, da- 
hero nichts als die Renovierung vonnöten, aber navis 
ecclesiae oder das Langhaus müsse völlig abgebrochen 
und neu aufgebaut werden . . . ." Der Bau sollte 
1712 begonnen und seine Kosten aus der Rießschen 
Verlassenschaft per 15.000 fl. bestritten werden. Doch 
erst 1713 wurde der alte Turm abgetragen und der 
jetzige Turm gebaut, wozu die Grundsteinlegung am 
25. März 1713 erfolgte. 1715 war der Turmbau voll- 
endet und die alten Glocken wurden in ihn über- 
tragen. 

1716 — 1723 wurde die neue Kirche an den Turm an- 
gebaut, und zwar entgegen der ursprünglichen Absicht 
von Grund aus neu. Die alte Kirche blieb innerhalb des Neubaues vollständig stehen und wurde erst 1721 ab- 
getragen; die Gesamtkosten beliefen sich auf 22.254 fl. Baumeister war der genannte Waidhofener Maurer- 
meister Matthias Fölser, neben dem noch der Parlier Hans Mölzer erscheint. Außerdem werden der Zimmer- 
meister Karl Marti, der Ziegeidecker Jakob Maurer von Hörn, der Kupferschmied Johann Stögan von Zlabings, 
der Steinmetz R. Hartumbser aus Eggern genannt. Die Tischlerarbeiten im Innern der Kirche führte der 
Waidhofner Maister Ferdinand Perger aus, die innere Ausschmückung stammt von den Malern Jakob Ruepp 
und Georg Wainz und den Bildhauern Heinrich Muckh und Fr. Wilh. Stillen; ferner erscheint ein Marmorierer 
namens Isidor. Den Hochaltar stifteten Hans Leopold Graf von Kuefstein und Karl Josef Graf von Lamberg 
und Sprinzenstein im Jahre 1721, wofür sich die Kirche verpflichten mußte, die beiden Wappen „zur 
Gedächtnus" am Altare anzubringen. Die Baurechnung von 1721 verzeichnet : Dem Maler Mölkh wegen 
2 Altarblätter am Hochaltare 270 fl., dem Maler Georg Wainz aus Hörn für die Fassung des Hochaltares 50 fl. 
und dem Bildhauer Fried. Wilh. Stillen 300 fl. 1862 wurde der Hochaltar renoviert. 
Die Seitenaltarbilder malte Prof. Karl Aigen in Wien um je 80 fl. Die Bildhauerarbeit stammt von dem oben 
erwähnten Heinrich Muckh, der für die Arbeit am Josefialtare 1728 37 fl. 80 kr. erhielt. Die Wachsfigur des 
hl. Johannes von Nepomuk an dem einen Seitenaltar wurde 1742 von dem Waidhofner Hafnermeister Christian 

19* 




Fig. 146 Waidhofen a. d. Thaya, Hauptplatz (S. 146) 



148 



Qerichtsbezirk Waidhofen a. d. Thaya 



Mandl verfertigt, von dem auch die andere Wachsfigur herrühren dürfte. Der Kreuz- und der Josefialtar 
wurden 1884 renoviert. 

1764 wurde die Kirchendecke unter dem Dechant Johann Adam Lehrbaum durch den Maler J. M. Daysigner 
mit fünf Fresken aus dem Leben der hl. Jungfrau verziert. 1883 wurden die Fresken von August von Wörndle 
und dann wieder 1890 restauriert. In diesem Jahre wurden die alten schadhaft gewordenen Stuckdekorationen 
herabgeschlagen und durch neue ersetzt. 

1802 schlug der Blitz in den Turm ein, der seine alten Glocken und die Kuppel verlor. Er blieb 1802 — 1812 
provisorisch zugedeckt und erhielt in diesem Jahre eine runde Kuppel, die 1874 durch das jetzige Pyramiden- 
dach ersetzt wurde. 

An der Südseite des Chores befindet sich eine Marienkapelle, die schon zur Zeit der alten Pfarrkirche bestand 
und ursprünglich der hl. Magdalena geweiht war. 1521 stiftet die Stadt zu dieser Kapelle einen eigenen 
Benefiziaten. Christoph Peißer von Wertenau und seine Gattin Brigitta Sofia ließen die baufällige Kapelle 




Fig. 147 Waidhofen a. d. Thaya, Pfarrkirche, Grundriß 1 : 350 (S. 148) 



Be- 
schreibung. 

Fig. 147. 



1678 durch den Waidhofner Baumeister Bartolomä Lucas neu erbauen und eine Familiengruft bei ihr 
anbringen. Dort gingen (1693) soviel Opfer ein, daß auch die Pfarrkirche davon erhalten wurde (Dekanats- 
archiv Raabs). 1717 wurde die Kapelle wieder abgebrochen und 1719 wieder hergestellt, worüber Jon. 
Lorenz Peißer Beschwerde erhob. 

Beschreibung: Stattliche einschiffige Kirche (von 1716—1723) mit östlich an den Chor gebautem 
Turm; außen unscheinbar, innen von starker Wirkung durch die Zusammenfassung von Fresken und Hoch- 
altar und die übrige reiche Ausstattung (Fig. 147). 



Äußeres. Äußeres: 

Hau- und Backsteinbau, bläulichgrau gefärbelt, die horizontalen und vertikalen, gliedernden Teile gelb. 
Umlaufender, oben und unten mit Profilierung abgeschlossener, hoher Sockel, hart profiliertes, hohes 
Abschlußgebälk mit schmalem Attikastreifen. Wandgliederung durch Wandpilaster, von denen die äußeren 
breiter sind als die, zwischen den Wandfeldern gekuppelt angebrachten. 

Langhaus. Langhaus: W. Gliederung durch sechs Pilaster, in der Mitte rechteckige Tür in Steinrahmung mit seit- 
lichen Tropfen und ausladender Abschlußplatte. Darüber hohes Rundbogenfenster in Rahmung mit drei 



Waidhofen a. d. Thaya 



149 




Fig. 148 Waidhofen a. d. Thaya, Pfarrkirche, Inneres (S. 151) 



150 



Gerichtsbezirk Waidhofen a. d. Thaya 



Keilsteinen und Tropfen unter der Sohlbank. Die Giebelwand über dem Gesimse besteht aus einem von zwei 
Pilastern eingefaßten Mittelteil, an den sich jederseits ein schmaler Seitenteil mit je einem gerahmten Rund- 
fenster mit vier Keilsteinen anschließt; auf den kurzen, die Seitenflügel abschließenden Pfeilern Schmuck- 
vasen; seitlich kurze, liegende Voluten. Über dem leicht gebogenen Abschlußgebälk des Mittelteiles Flach- 
giebel mit runder Luke im Giebelfelde. 

S. und N. In drei Felder geteilt, in jedem ein Rundbogenfenster in Rahmung wie im W.; unter dem mittleren 
Fenster moderner Torvorbau. Im N. vor dem östlichen Felde, in dem das Missionskreuz steht, nach vorn ge- 
schwungene und geknickte Steinbalustrade mit steinernem Betpulte in der Mitte (ehemaliges Speisegitter). 
— Ziegelsatteldach. 




Fig. 149 Waidhofen a. d. Thaya, Pfarrkirche, Fresko von Daysigner im westlichen Deckenfelde (S. 152) 



Chor. Chor: Etwas schmäler als das Langhaus, gleich diesem gegliedert, in zwei Felder geteilt. S. Über dem vor- 

gebauten Anbau, zwei Fenster wie im Langhause. 0. Durch den Turm verbaut, seitlich von diesem in den 
Schenkeln des Giebels über dem Abschlußgesimse je eine breitovale Luke. — N. wie S. — Ziegelsatteldach 
über Langhaus und Chor. 

Turm. Turm: Östlich vom Chore, vom Sockel mitumlaufen, den im S. eine rechteckige Tür durchbricht. Durch 

zwei profilierte Simse in drei Stockwerke geteilt; jedes Stockwerk von einfachen Pilastern eingefaßt. Im ersten 
Geschosse im S. drei rechteckige Hochfenster, eine rechteckige Tür und eine rechteckige Breitnische mit 
Inschrifttafel: Ex pio testamento Henrici Leopoldi Riess ist der Turm erbaut (Chronogramm im lateinischen 
Text: 1715). 

Im 0. zwei rechteckige Hochfenster, im N. zwei ebensolche und ein Breitfenster. Im zweiten Geschosse jeder- 
seits zwei rechteckige Fenster und eine Rundbogennische mit drei Keilsteinen, darinnen Statue je eines Heiligen 
(Leopold, Florian und Immakulata). Im dritten Geschosse jederseits großes Rundbogenschallfenster, darüber 
Zifferblatt. Über hart profiliertem Kranzgesimse blechgedeckte, hohe, pyramidenförmige Turmhaube (1873). 

Anbauten. Anbauten: Anbau 1. Marienkapelle, südlich vom Chore, dessen ganze Länge einnehmend. Vom Kirchen- 
sockel mitumlaufen und mit ähnlichem Gesimse wie am Langhause, nur in geringeren Dimensionen. Recht- 



Waidhofen a. d. Thaya 



151 



eckig. An der südlichen Langseite durch zwei gekuppelte (äußere) und drei einzelne Pilaster (innen), an 
den beiden Schmalseiten durch zwei einzelne Pilaster gegliedert. Im W. ein, im S. zwei rechteckige, gerahmte 
Fenster, ferner Tür mit modernem Torvorbau, im 0. ovale Luke. Blechgedecktes Pultdach. 

Anbau 2. Sakristei. Nördlich vom Chore. Im 0. rechteckiges Breitfenster, im N. im Oberstocke drei Fenster, 
im Unterstocke zwei und eine Tür mit rechteckigem Oberlichte. Im W. rechteckiges Breitfenster. 

Anbau 3. Im Zwickel vom Turme und Anbaue. Durch fünf Pilaster gegliedert, mit Hohlkehlengesims und 

gerahmter Rundbogentür. Blechdach. 

Inneres: 

Die Wände und die Rahmungen der figuralen Deckenfresken ornamental bemalt und mit den 1890 neu angesetzten 
Stukkoverzierungen geschmückt; der Eindruck ist grau und gelb in verschiedenen Schattierungen (Fig. 148). 



Inneres. 
Fig. 148. 




Fig. 150 Waidhofen a. d. Thaya, Pfarrkirche, Fresko von Daysigner (S. 151) 



Langhaus: Großer, stattlicher, rechteckiger Raum. Die Längswände von zwei vollen Mauerpfeilern 
gegliedert und — ebenso wie die westliche Schmalwand und der Triumphbogen — von zwei Eckpfeilern 
eingefaßt. Die vollen Pfeiler sind sehr breit, mit einem profilierten Sockel und Kämpfergebälk, die sich 
um zwei gekuppelte Pilaster an der Vorderseite der Pfeiler verkröpf en; die Körper der Pilaster und die sicht- 
baren Streifen des Pfeilers mit Feldern in Stuckrahmung und flamboyanten Rocailleornamenten; an den 
Pilasterkapitälen Cherubsköpfchen über Tressenwerk. Die Eckpfeiler nur halb so groß wie die vollen und 
mit einem Pilaster besetzt. Die schmalen Wandfelder wie das breite Westfeld von Rundbogengurten, die 
auf den Pfeilerdeckplatten aufstehen, fast in Gewölbhöhe geschlossen. Ferner lastet auf den Deckplatten 
das Tonnengewölbe, das von Doppel- und einfachen Gurten, den Pilastem an den Mauerpfeilern entsprechend, 
gegliedert und eingefaßt wird. In jedem der drei Joche einspringende Stichkappen, deren oberer Teil durch 
die figuralen Fresken verdeckt wird. 

Die Joche enthalten Darstellungen in viereckiger Kartuscheform, Breitformat in einer steinfarbenen Um- 
rahmung, die aus Malerei ins Stukko übergeht. Im Felde über der Westempore : Geburt Markos. Links rück- 
wärts hl. Anna im Bette, neben ihr eine Frau und der hl. Joachim, vorne mehrere Frauen das Kind badend. 



Langhaus. 



152 



Qerichtsbezirk Waidhofen a. d. Thaya 



Eine große Schar kleiner und großer Engel, zum Teil musizierend, schweben im Räume, der nur durcli Stufen, 
eine Säule und gelbe Draperie angedeutet wird. In der reichen Rahmung aus Voluten und Rocaillewerk sind 
links und rechts unten zwei Felder von dreieckiger Grundform ausgespart; links: Orpheus in phantastischem, 
antikisierenden Kleide sitzt in Landschaft, auf der Leier spielend, um ihn mehrere wilde Tiere; auf einer 
Seitentasche an seinem Gürtel sind die Buchstaben /. A. L. (Johann Adam Lehrbaum) in großer Schrift. — 
Im Felde rechts : In einem durch marmorierte Wände angedeuteten Räume eine Gnadenstatue, Madonna mit 
bekleidetem Kinde; vor ihr kniet der Dechant Lehrbaum, hinter ihm ein Ratsherr und mehrere Männer. 




Fig. 151 Waidhofen a. d. Thaya, Pfarrkirche gegen Westen (S. 152) 

Unter jedem dieser zwei Darstellungen Schriftband : Orpheus in silvis concentu saxa movebat — Virginis ad 

Fig. 149. cultum saxea corda tralüt (Fig. 149). 

Dieses Fresko gegen 0., die folgenden gegen W. orientiert. Zweites Feld : Darbringung im Tempel, Maria 
wird von ihren Eltern die Stufen hinaufgeleitet, oben der Hohepriester mit zahlreichem Gefolge; neben ihm 
ein Altar in Nischenform, darin die Gesetzestafeln (darunter verkleidetes Dunstloch). Viele schwebende Engel. 
Unten sitzen zwei Putten auf den Stufen und zum Teil auf der Steinfarben gemalten Rahmung des Bildes, 

Taf. vil. die in die Voluten der Stufenbalustrade übergeht (Taf. VII). Im dritten Feld Verkündigung; Maria vor einem Bet- 
pulte über einem Volutenfuß kniend, der Engel über Wolken zu ihr eilend. Viele große und kleine Engel in Wolken, 

Fig. 150. links mehrere, eine rote Draperie beiseite schiebend (Fig. 150). 1764 von J. L. Daysigner gemalt (siehe oben). 




TAFEL VII 
WAIDHOFEN A. D. THAYA, PFARRKIRCHE, DECKENFRESKO VON J. L. DAYSIGNER (S. 152) 



Waidhofen a. d. Thaya 



153 



Westempore in der Breite des Schiffes auf zwei Pfeilern, die mit Pilasterbündeln besetzt sind, aufruhend. 
Der Empore ist im SW. ein Treppentürmchen eingebaut, das ihren südlichen Flügel ganz einnimmt. Die 
untere Halle ist mit drei, durch Gurtbogen geschiedenen Klostergewölben gedeckt und öffnet sich mit einem 
großen, mittleren und einem gebrochenen, kleineren Rundbogen gegen das Schiff. Die gemauerte Balustrade 
springt in der Mitte im Rundbogen vor, die äußersten Teile sind gerade, dazwischen ist ein gebogenes 
Glied eingeschoben (Fig. 151). 

Im W. unter der Vorhalle Haupttor in gedrückter Rundbogennische, auf der Empore hohes Rundbogen- 
fenster. Im N. und S. in jedem Wandfelde hoch angebrachtes Rundbogenfenster in abgeschrägter Nische; 
unter dem mittleren rechteckige Tür in Segmentbogennische. 



Fig. 151. 




Fig. 152 Waidhof en a. d. Thaya, Pfarrkirche, Fresken im Chore von Daysigner (S. 153) 



C h o r : Eine Stufe erhöht, etwas schmäler und niedriger als das Langhaus, von dem er durch einen ein- Chor. 

fachen, ungegliederten Scheidebogen auf kräftig vortretenden Wandpfeilern, um die sich das Gebälk ver- 
kröpft, abgetrennt ist. Wand- und Deckengliederung wie im Langhaus; aus zwei Travees gebildet; die Ost- 
seite vom Hochaltar eingenommen. Deckengemälde: Im westlichen Deckenfelde Heimsuchung; die hl. Frauen 
begegnen einander über einer Stiegenanlage, unten Mägde, oben Engel; im östlichen Felde Anbetung des 
Thrones mit Aufschrift Maria durch Erzengel, Engel und Cherubim (Fig. 152). — In jedem der beiden Fig. 152. 
Wandfelder rechteckige Tür in rosa Umrahmung mit Aufsatzfeld unter dem gebrochenen Gebälk; darüber 
rundbogiges, kurzes, gerahmtes Fenster (im N. eines blind, das andere — westliche — zum Vorräume zur 
Paramentenkammer; im S. zum Kapellenanbau) mit rechteckig vorladender Brüstung aus vergoldeten, durch- 
brochenen Bandornamenten um ein kartuscheförmiges Rosettengitter, das eine Blumenvase krönt. Darüber 
Fenster wie im Langhause. 

Anbauten: Anbau 1. Im S. des Chores; Kapelle; großer rechteckiger Raum einheitlich ausgestaltet. Anbauten. 
Die Längswände von sechs flachen Pilastem gegliedert, die Schmalwände (0. und W.) von zwei unvollständigen 
VI 20 



154 



Gerichtsbezirk Waidhofen a. d. Thaya 



Sakristei. 



Einrichtung. 
Altäre. 



Fig. 153. 



eingefaßt; die Pilaster über grauen, glatten Sockeln, die gemalt den Raum umlaufen; die Pilaster rot mar- 
moriert mit jonischen Kapitalen und dreieckigen Deckplatten, die als Gesimse um den Raum fortlaufen und 
nur an der Ostwand und in den Fensterfeldern aussetzen. Die Decke : flache Tonne mit je sechs Stichkappen 
im N. und S. mit neuer Stukkierung (1890). Im N. zwei Türen in Segmentbogennischen mit Keilsteinen und 
darüber profiliertes Gebälk und zwei kurze Rundbogenfenster (zum Chore) gegen die Kapelle mit einer 
Brüstung abgeschlossen, die aus übereck gestellten Holzbalustern und profiliertem Abschlußgebälke besteht. 
Im S. zwei, im W. ein Hochfenster in Segmentbogen- 
nischen; unter dem westlichen im S. Tür wie die 
vorigen. Im 0. ein durch den Altar zum Teil ver- 
decktes Fenster. 

Die Kapelle wird von einem Gitter östlich vom dritten 
Pilasterpaare geteilt. Dieses im Hauptteile gerautet, 

im Aufsatze parallele 
Pfeilstäbe mit kurzem 
Perlstab in der Mitte, als 
Bekrönung vergoldetes 
Spiralwerk, an drei Stel- 
len als freie Dornen her- 
vortretend; in der Mitte 
Blechschild mit P unter 
V Krone. Anfang des 

^ XVII. Jhs. 

Sakristei: ImN. des 
Chores; langgestreckter 
rechteckiger, tonnen- 
gewölbter Raum mit je 
drei Stichkappen im N. 
und S. ; daran modernes 
Stuckornament wie in 
der Kirche. Im N. zwei 
rechteckige Fenster in 
Segmentbogennischen, 
ein weiteres im 0.; im 
W. Tür. 

Einrichtung: 

Altäre: 1. Hochaltar; 

Bildaufbau mit Skulptu- 
ren. Stuckmarmor rosa 

und grau mit vergoldeten 

Rocailleappliken. Der 

Wandaufbau von jeder- 

seits zwei korinthischen 

Säulen vor ebensolchen 
Pilastern flankiert, deren gemeinsames, mit ausladen- 
der Deckplatte abgeschlossenes Postament schräg ge- 
stellt vortritt. Im Interkolumnium überlebensgroße 
Statuen der Heiligen Leopold (Fig. 153) und Karl Borr., 
darunter in vergoldeter Rahmung Wappen von Lam- 
berg-Sprinzenstein und Kuefstein. Über dem dreiteili- 
gen Gesims der Säulen, dessen oberster Teil sich fort- 
setzt und im Segmentbogen den Mittelteil abschließt, 
hoher Aufsatz von rechteckiger Grundform. Dieser ist 
seitlich von Steilvoluten vor dem gestuft vortretenden 
Aufbau und nach oben von einem reich profilierten 
und um die flankierenden Glieder verkröpften, segmentbogig geschwungenen Gebälk abgeschlossen. Auf 
diesem in der Mitte Taube in Glorie mit schwebenden Putten und seitlich sitzend die vergoldeten 
Statuen Gott-Vaters und Christi. Auf den Aufsatzvoluten Blumenvasen, seitlich über den Deckplatten 
der äußeren Hauptsäulen Statuen (weiß) Johannes des Täufers und des hl. Josef. Altarbild, unregel- 
mäßig abgeschlossen in schwarzem Holzrahmen, von freier, geschnitzter, vergoldeter Rocaille bekrönt; die 
Apostel um den Sarkophag der hl. Jungfrau in lebhafter Bewegung, oben eine Gruppe von großen und 




Fig. 153 Waidhofen a. d. Thaya, 
Pfarrkirche, Statue vom Hoch- 
altare (S. 154) 




Fig. 154 
Waidhofen a. d. Thaya, Pfarrkirche, nordöstlicher Seiten- 
altar (S. 155) 




TAFEL VIII WAIDHOFEN A. D. THAYA, PFARRKIRCHE, HOCHALTAR (S. 154 f.) 



Waidhofen a. d. Thaya 



155 



kleinen Engeln, dahinter Säulenarchitektur. Rechts und links vom Bilde ist je ein weiß emaillierter und 
vergoldeter Engel freischwebend angebracht. Aufsatzbild, oval, Himmelfahrt der hl. Jungfrau, die von 
Engeln auf Wolken getragen wird. Rings um das Bild skulpierte, vergoldete Engel und Cherubsköpfchen 
zwischen Gewölk (Taf. VIII). Der Altar von den Grafen Karl Lamberg-Sprinzenstein und Joh. Leop. Kuef- 
stein 1721 errichtet. Das Altarbild nach Eichmayr (S. 23) von Mölckh (vielleicht Matthias M., der um diese 
Zeit in Wien lebte); Mensa und Tabernakel von 1899. 

2. und 3. Im östlichsten Felde an der Nord- und Südseite des Langhauses, mit derBekrönung in die Fensternische 
einschneidend. Biklaufbau, Stuckmarmor, rütlichgrau mit geringer Vergoldung (Fig. 154). Der Wandaufbau mit 
zwei schräg vorspringenden Säulen vor Pilasterbündeln über entsprechenden Postamenten eingefaßt. Drei- 
teiliges, seichtes Gebälk, dessen oberer Teil ausladet und in der Mitte segmentbogig nach oben ausschwingt. 
Darüber Aufsatz, Breitformat, von Steilvoluten mit Schuppenornament, die gleich den Hauptsäulen schräg 
gestellt sind, flankiert. Das gekehlte Abschlußgebälk steigt gegen die Mitte zu geschwungen auf und rollt 
sich im Scheitel schneckenförmig ein. Als Bekrönung Schweißtuch, beziehungsweise Auge Gottes in der Mitte, 
seitlich Flammenurnen mit Cherubsköpfchen. Im N. Altarbild (181-5 x 277 cm): Rast auf der Flucht nach 
Ägypten; Maria, betet aus einem Buche, neben ihr steht der hl. Josef mit dem Kinde; oben zwei Engel, 
unten ein dritter, den Esel aufzäumend. Bezeichnet : Carl Aigen fec. — Aufsatzbild, hl. Katharina über 



Taf. VIII. 



Fig. IM. 




Fig. 155 Waidhofen a. d. Thaya, Pfarrkirche, 
Reliquienschrcin auf dem nordöstlichen Seitenaltar (S. 155) 



Wolken schwebend, auf das Rad gestützt; davor ein Putto mit dem Schwerte. — Vor dem Altarbild ein Glas- 
schrein in vergoldetem Holzrahmen, der geschnitzt und nach oben geschwungen ist; oben zwei Putten, die 
einen Baldachin mit Kreuz halten. Seitlich stehen zwei kerzentragende Engel, polychromiert und vergoldet 
(Fig. 155). — Im S. Altarbild (18P5 x 277 cm), Kruzifixus mit den Marien und Johannes, geringer, land- Fig. 155. 
schaftlicher Hintergrund. Aufsatzbild: Frau und Greis mit Buch (Sibylle und Prophet[?], Hanna und SimonJ?)). 
Schrein dem von 2 entsprechend. Um die Mitte des XIX. Jhs. 

4. und 5. Im westlichsten Felde an der Nord- und Südseite des Langhauses, ähnlich angelegt und marmoriert. 
Statt der Säulen gerade gestellte Pilasterbündel mit einem balusterartig gebildeten Kapital; nur die obersten 
Deckplatten des dreiteiligen Gebälkes fortgesetzt, und zwar im Flachgiebel den Mittelteil abschließend. Der 
Aufsatz kartuscheförmig, seitlich Pilasterbündel mit profilierten Deckplatten, nach oben von Segmentsturz 
eingefaßt. Darauf in der Mitte Zunge beziehungsweise Kranz von Rosen in Glorie zwischen Putten und (äußeren) 
großen Engeln. Altarbild mit abgesetztem Flachgiebelabschlusse (187 x 297 cm). Aufsatzbild kartuscheförmig. 
Im N. : der hl. Johann von Nepomuk wird von mehreren Schergen über die Moldaubrücke hinabgestürzt; 
herum mehrere Putten, die Gebärde des Schweigens deutend beziehungsweise das Kruzifix oder den Palm- 
zweig haltend. Bezeichnet : Carl Aigen fec. (Fig. 156). Fig. 156. 

Im Aufsatze : hl. Barbara, über Wolken thronend, auf denen das Schwert und die Krone liegen. Ein Putto 
neben ihr hält den Turm, ober ihr von drei Cherubsköpfchen getragen der Kelch mit der Hostie. Rechts 
unten : kleinfigurige Komposition, mehrere Personen umstehen das Bett eines Sterbenden, dem ein Priester 

20* 



156 



Gerichtsbezirk Waidhofen a. d. Thaya 



die letzte Ölung reicht. Von demselben Meister. Auf der Mensa Glassarkophag in vergoldeter Holzrahmung 
mit ornamentiertem Pfeiler an den vorderen Kanten und vom Deckel herabhängendem Tressenwerke; darauf 
breites, gebauchtes Postament, das seitlich in Voluten ausläuft, reich geschnitzt ist und ein kleines Bild in 
durchbrochen geschnitztem Rahmen aus flamboyanten Rocailleornamentenjxägt. Das Bild: Brustbild der 
Madonna, das Kleid gestickt, Kopf und Hals durch einen eingefügten Kupferstich dargestellt (um 1770). 
Seitlich von diesem Bildchen zwei Putten, seitlich vom Schreine Statuetten zweier weiblicher Heiligen" (ohne 
Embleme). Um 1740. Im Schreine hl. Johannes 
von Nepomuk, bekleidet mit Maske, Händen aus 
Wachs. Urkundlich 1742 von Christian Mandl 
aus Waidhofen angefertigt. 
Im S. Altarbild : Hl. Rochus und hl. Sebastian, 
große Figuren in Landschaft, oben mehrere Putten 
um das Auge Gottes in Glorie fliegend. Wie das 
vorige bezeichnet. Aufsatzbild : hl. Rosa, in 
offener Grotte sitzend, ober ihr zwei Putten Rosen 
streuend. Von demselben Meister. Glassarkophag 
wie oben, nur einfacher gestaltet mit angesetzten 
Ranken an den Seiten; als Aufsatz Putten und 
Gitterornament um ein rechteckiges Bild mit ge- 
schnitztem Gitterwerke als Rahmenbekrönung : 
Brustbild des hl. Aloisius (Franz [?]; Jesuit mit 
Lilie; gering). Im Schreine hl. Rosa, bekleidet, 
mit polychromierter Wachsmaske, Händen und 
Füßen. Wohl gleichfalls von Christian Mandl aus 
Fig. 157. Waidhofen a. d. Thaya. Um 1740 (Fig. 157). 



6. An der Ostwand der Seitenkapelle, die ganze 
Wand verkleidend und das kleine, buntverglaste 
Rundfenster in den Aufbau einbeziehend. Archi- 
tektonischer Aufbau um die Gnadenstatuette. 
Holz, grünlichgrau marmoriert, mit vergoldeten 
Kapitalen, Ornamentappliquen usw. Der Mittel- 
teil wird durch die zwei seitlichen Systeme von 
vor- und zurückspringenden Säulen über hohen 
Sockeln nischenartig vertieft. Auf diesen flan- 
kierenden Gliedern dreiteilige Gebälktrümmer. 
Die Rückwand nach oben in einen Aufsatz über- 
gehend, der seitlich von Postamenten eingefaßt 
wird, an deren Vorder- und äußerer Tiefenseite 
Steilvoluten angebracht sind; nach oben ab- 
schließend reich profilierter und bewegter Flach- 
giebel. Im Aufsatzfelde das Fenster, davor ver- 
goldeter Namenszug Mariae in Glorie mit Wolken 
und Cherubsköpfchen. Die untere Hälfte der 
Hauptnische nimmt der Tabernakel, die obere der 
Schrein mit der Gnadenstatuette ein. Der Taber- 
nakel rötlich marmoriert und reich vergoldet, mit 
breit abgeschrägten vorderen Kanten, an denen 
Steilvoluten sitzen, und rahmenden, seitlich an- 
gesetzten Gitterwerk- und Rankenornamenten. 
An der Vorderseite des ausladenden, profilierten 
Deckplattengesimses reich geschnitzte Konsole aus 
flamboyanter Rocaille, darauf unter Glasglocke 
kleines Sonnenreliquiar, links und rechts zwei 
adorierende versilberte Putten. Seitlich auf den 
Deckplatten geschwungene, reichgeschnitzte Arme, 
auf denen zwei versilberte, kerzentragende Engel knien. Über dem Tabernakel großer, vergoldeter Baldachin 
mit flamboyanten Schnitzereien und zwei versilberten Putten um die obere abschließende, polychromierte 
Krone. Dieser Baldachin umschließt den rundbogig geschlossenen Glasschrein, der silbern gerahmt ist und reiche 
flamboyante und Gitterwerkornamente an den Ecken und über dem Bogen trägt. Darin zwischen zwei versilberten 
Putten Statuette, etwa 7s lebensgroß, Holz, polychromiert und vergoldet; die Mutter Gottes in ihrem rechten 
Arm das Christkind tragend, in der Linken das Szepter haltend; beide mit barocken Kronen. Die Madonna 
Fig. 158. in Y-Haltung, ihr Gewand in gestuften Faltenzügen. Um 1470 (Fig. 158; s. Übersicht). Der Altar um 1760. 




Fig. 156 Waidhofen a. d. Thaya, Pfarrkirche, 
südwestlicher Seitenaltar (S. 155) 



Waidhofen a. d. Thaya 



157 



Dazugehörig auf der Mensa zwei versilberte Flammenurnen mit Blattornament; zwei kleine Reliquien- 
pyramiden in einem, mit flamboyanten Zacken besetzten, vergoldeten und versilberten Rahmen. Endlich 
außerhalb der Säulen zwei kartuscheförmige, hohe Schreine mit gemalten Rückwänden in vergoldeter, ge- 
schnitzter, mit einem Cherubsköpfchen bekrönter Rahmung auf hohen, aus flamboyanten Schnitzereien zu- 
sammengesetzten Füßen. 

Gemälde: Im Chore; zwei Pendants, sehr große Bilder, öl auf Leinwand, von rechteckiger Grundform, Gemälde. 
der obere und untere Abschluß und die Ecken ausgebogen und gestuft : 

1. Christus, die Jünger versöhnend; der Herr steht aufrecht unter den knienden Jüngern, rechts vorn 
hl. Petrus, sich die Sandalen anlegend. Ausblick auf einen Rundbogen, hinter Christus angedeutete Architektur 
von Wolken mit Putten umgeben. 

2. Hl. Abendmahl. Die Jünger an einem runden Tische kniend; Christus steht in der Mitte rückwärts, beugt 
sich über den Tisch und reicht dem vorne knienden Judas den Bissen; auf dem Tische steht der Kelch. — 
Beide Bilder in schwarzen Rahmen mit ornamentierter Goldleiste und reichem, vergoldeten Aufsatze aus 

flamboyanten Rocailleornamenten. Um 1760; in der 
Art des Daysigner. 

Im Langhause in die Türaufsätze eingefügt zwei 
Pendants; öl auf Leinwand, von rechteckiger 
Grundform, die oberen Ecken und die Mitte unten 
im Bogen eingezogen; 

3. Erzengel Michael Luzifer herabstürzend. 

4. Schutzengel, beide von Karl Aigen, in schwarz 
marmorierten Rahmen mit Goldleiste. 

5. An der (südlichen) Stirnseite des Emporen- 
einbaues; auf Holz, großes Hochbild mit abgesetz- 
tem Rundbogenabschlusse. Über Wolken mit Che- 
rubsköpfchen sitzt die Madonna in gelbem Kleide 
mit bläulichem Mantel und einem Kronreif über 
dem aufgelösten, gescheitelten Haare; sie hält mit 
beiden Händen das Christuskind, das mit einem 
(kaum sichtbaren) ganz durchsichtigen Hemdchen 
mit schwarzem Saume unten und an den Ärmeln 
bekleidet ist und sich links hinüberneigt, der vor 
ihm knienden hl. Katharina den Ring reichend. 
Diese trägt ein gelbliches, rot gefüttertes Kleid mit 
roten Ärmeln und bläulichem Überhang, der an 
der Brust wie ein Mieder geschnürt ist, und einen 
lichtbraunen Mantel mit eingewebten, roten Fäden. 
Vor ihr liegt das Schwert, neben ihr steht das Rad. 
Rechts stehende Figur der hl. Barbara, ähnlich wie 
Katharina gekleidet; rosa Ärmelgewand, grüne 
Tunika und ziegelroter Mantel. Unten Landschaft, 
braun, grün und verblauend, mit Burgen im Hinter- 
grunde. Stark zurückgebliebenes, deutsches Bild vom 

Ende des XVI. Jhs. (Fig. 159; siehe Obersicht). Fig. 159. 

6. und 7. In der Marienkapelle zwei Pendants (72 X 90 cm); hl. Thekla in Halbfigur mit Aufschrift und 
hl. Dreifaltigkeit, über Wolken thronend; beide österreichisch. Um 1780. 

8. Kleines Bildchen; Brustbild des hl. Andreas, Art des Troger. Um 1770. 

9. Breitbild; hl. Familie, auf der Flucht rastend, rechts die Schiffer; Legende, österreichisch; zweite Hälfte 
des XVIII. Jhs. 

Skulpturen: 1. Neben dem Triumphbogen über gebauchten, rot marmorierten Postamenten weiß Skulpturen. 
gefasste, zum. Teil vergoldete Engel, kniend, Kerzen tragend. Wohl gleichzeitig mit dem Hochaltar ent- 
standen. 

2. An der Nordwand des Langhauses Holzgruppe, polychromiert, versilbert und vergoldet. Hl. Anna sitzt 
und hält das Christkind im Arme; links neben ihr steht die kleine Maria; mittelmäßige Arbeit mit starken 
gotischen Anklängen in den Gesichtstypen und der Anordnung. Erste Hälfte des XVII. Jhs. 

3. In der Marienkapelle großer Glasschrein mit graumarmorierten Volutenbändern an den Kanten und 
gebauchtem, mit vergoldeten, flamboyanten Ornamenten geschnitzten Abschluß oben und unten: frei 
angesetztes Rocailleornament und kleine Vasen (um 1769). Darinnen Holz, polychromiert, unser Herr im 
Elend. Geringe Arbeit. 




Fig. 157 Waidhofen a. d. Thaya, Pfarrkirche, 
Wachsfigur (S. 156) 



158 



Gerichtsbezirk Waidhofen a. d. Thaya 



4. Über den Chortüren Figuren der Hl. Anton von Padua und Erzengel Michael, Franz von Assisi und 
Johannes von Nepomuk. Heilige von Putten umgeben, Holz, polychromiert und vergoldet; mittelmäßige, 
österreichische Arbeiten. Um 1730. 

Taufbecken. Taufbecken: Aus rotem Steine. Überrunder, 
wulstartiger Basis zwölfseitiger, nach oben sich 
erweiternder, kurzer Fuß, der mit einem Rund- 
stabe abschließt, der sich an den Ecken ver- 
schneidet; darüber zwölfseitige Kehle, gleichfalls 
nach oben verbreitet und mit ebensolchem Stab 
abgeschlossen; darauf scharfkantige, zwölfeckige 
Schale. Ende des XV. Jhs. 

Kanzel. Kanzel: In der Nordostecke des Langhauses. 
Holz, marmoriert und vergoldet. Rechteckig vor- 
springend; die Seiten konkav eingezogen, von 
postamentartigen Schrägen mit applizierten Or- 
namenten in vertieften Feldern getrennt. Die 
Brüstung vom flachen, gering ornamentierten 
Ablaufe durch einen kräftigen Wulst geschieden. 
An der Vorderseite Relief: Bergpredigt, an den 
Tiefenseiten Taufe Christi beziehungsweise ein 
Mönch vor dem Kruzifixus betend. Der Schall- 
deckel nach unten von zwei, der Grundform 
entsprechenden Gesimsen gegliedert beziehungs- 
weise abgeschlossen; auf dem unteren vier 
Putten mit geistlichen Insignien auf den vorderen 
Ecken und eine Blumenvase über der Mitte der 
Vorderseite; herabhängendes Tressenornament. 
Über dem oberen Gebälk geschwungenes, von 
Volutenbändern besetztes Postament, das mit 
kreuzförmig ausladenden Deckplatten abschließt. 
Darauf große Figur der Madonna Immakulata 
über der Weltkugel, Wolken und Cherubsköpfchen 
zwischen den Volutenbändern, Blumenvasen über 
der unteren Einrollung. Zweites Viertel des 
XVIII. Jhs.; der Schalldeckel dem Säulenfuße der 
Dreifaltigkeitssäule nachgebildet. 1885 restauriert. 

Orgel. Orgel: Sehr große Orgel, nach oben rund, 

von profiliertem, rotmarmorierten Gebälk abge- 
schlossen, das stark bewegt ist und an zwei den 
Mittelteil flankierenden Partien kielbogig vor- 
springt. Über und über mit geschnitzten, ver- 
goldeten Ornamenten besetzt und von kleinen 
und großen, musizierenden Engeln und König 
David belebt. In der Mitte auf dem oberen Gebälk 
Figur der hl. Cäcilia. Der kleine Spielkasten in 
ähnlicher Ausgestaltung, statt des kielbogigen 
spitz vorspringendes Gebälk, über dem oberen 
drei musizierende Engel. 1727 — 1729 von Wenzel 
Kasparides aus Pulkau gebaut, 1893 von der 
Firma Matthäus Maurachers Söhne sehr um- 
gebaut. 

Chorgestühl. Chorgestühl: Jederseits ein größeres und 
ein kleineres Gestühl. Holz, braun, mit dunkler, 
linearer Intarsia in den Feldern. Die Rückwand 
von schwarzen, gedrehte Säulen perspektivisch 

darstellenden, Pilastern in sieben, beziehungsweise drei Felder geteilt, die Pilaster mit vergoldeten Blatt- 
kapitälen, darüber dreiteiliges Gebälk, das über den Kapitalen gestuft verstärkt ist; unter dem obersten 
Gebälkteile, der im Mittelfelde abbricht, vergoldetes durchbrochenes Blattornament; über dem Mittelfelde 
(beim größeren Chorgestühle bedeutend verbreitert) sitzt auf dem Gebälke ein Segmentgiebel; im Giebelfelde 
frei angesetzter Doppeladler mit leerem beziehungsweise Bindenschild beim großen Gestühle und blaue, 




Fig. 158 Waidhofen a. d. Thaya, Pfarrkirche, Madonnen- 
statue auf dem Kapellenaltare (S. 156) 



Waidhofen a. d. Thaya 



159 



goldgerahmte Kartusche beim kleinen Gestühle. Frei aufgesetztes, bekrönendes Bandornament mit Blatt- 
ranken und zuhöchst einer Muschel. Die Sitzplätze der obersten Reihe durch Steilvoluten mit Blattwerk, 
die der zweiten Reihe durch einfache Pilaster an der Rückenlehne geschieden; die Vorderseite mit Sockel- 
gesim», einfachen Pilastern mit Blattkapitälen und dreiteiligem Gesimse. Die Wangen und Türen mit 

geschnitzten (geringen) Aufsätzen. Um 1725 (Fig. 160 und 161). 

Beichtstuhl: Unter der Empore, Holz, braun, mit linearer dunkler und lichter Intarsia. Doppelbeicht- 
stuhl von Pilastern über hohen Sockeln in sechs Felder gegliedert, von denen die beiden äußern und die beiden 
mittleren konkav eingezogen, die dazwischen befindlichen konvex vorgebaucht sind; alle rundbogig geöffnet, 
die konvexen mit niederen Türen versehen. Über den vergoldeten Pilasterkapitälen ein der Grundform ent- 
sprechend bewegtes Abschlußgebälk; darauf vergoldetes, 
durchbrochenes, flamboyantes Ornament mit Rosen um 
ein Ovalbild des hl. Johannes von Nepomuk in Halb- 
figur. Um 1760 (Fig. 162). 

Paramente: I. Kasel und zwei Dalmatiken von 
einem Ornate; silbergestickte Blumen auf blauem 
Grunde, im Spiegel Sternblumen in Chenillestickerei, in 
Gold auf rotem Plüsche. Unten Doppelwappen unter 
Krone. Um 1770. 

2. Weißlichgrüne Kasel mit kleinen, zarten Streublumen 
in bunter Seide und Gold und Silber. Um 1800. 

3. Kasel, bunte Seidenstickerei auf Goldgrund. Ende 
des XVIII. Jhs. 

4. Baldachin aus schwerem Goldbrokat. Ende des 
XVIII. Jhs. 

Mehrere Zunftfahnen mit aufgezogenen Bildern auf Lein- 
wand und durchbrochenen Metallaufsätzen. Um 1830. 

Kelche: 1. Silber, vergoldet; 28-6 cm hoch; breiter 
runder Fuß, birnförmiger Nodus und schwerer Korb mit 
getriebenen Rocailleornamenten. Am Fuße drei Me- 
daillons mit Trauben, am Korbe ebensolche mit Ähren. 
Freistempel, österreichisches Feingehaltszeichen 17 . . 
(durchschnitten), Meistermarke A W. Um l760(Fig. 163). 

2. Silber, vergoldet. 26 cm hoch. Am Fuße Medaillons 
mit Leidenswerkzeugen auf Filigrangrund, Cupa in 
Silberkorb. Wiener Beschauzeichen. 1702. 

3. Silber, vergoldet, 28 cm hoch. Am Fuße und an der 
Cuppa (in Silberkorb) Emailmedaillons mit den Geheim- 
nissen des Rosenkranzes. 1702. 

Ziborium: Silber, vergoldet; die Cuppa von einem 
Korbe von Blumen und Cherubsköpfchen umgeben, 
ebensolche sind auf dem Deckel getrieben. Anfang des 
XVIII. |hs. Der Fuß jünger, mit Feingehaltszeichen 
von 1833. 




Fig. 159 Waidhofen a. d. Thaya, Pfarrkirche, 
Madonna mit dem Kinde und Heiligen (S. 159) 



Monstranz: Silber, vergoldet, 62 cm hoch, sonnen- 
förmig. Breiter ovaler Fuß mit Bandornament, das 
sich um vier Medaillons mit den Brustbildern der Evange- 
listen herumschlingt. Dazwischen imitierter Edelstein. Am Nodus drei Cherubsköpfchen; um den Behälter 
Wolkenkranz und Strahlen. Zu oberst Gott-Vater, unten Taube, Freistempel, Repunze, Feingehaltszeichen 
von 1728 und Meistermarke (?) AS in Herzschild. 

Leuchter: Aus Messing mit Wülsten und Rtmdstäben profiliert. Bezeichnet : Af. 5. R. M. V 

Ankleidetisch (in der Sakristei) : Aus braunem Holze mit Verwendung vieler Teile des früheren Taber- 
nakels hergestellt. In der Mitte Rundbogennische von gekuppelten, schwarzen Säulen mit vergoldeten Ka- 
pitalen flankiert. Erste Hälfte des XVIII. Jhs., am Ende des XIX. Jhs. renoviert. 

K i r c h e n b ä n k e : Im Langhause und in der Marienkapelle eine große Anzahl, die Wangen ausgezackt. 

die Vorderseiten gleich jenen der Chorstühle gestaltet. Um 1725. 



Fig.l60u.l6l. 

Beichtstuhl. 



Fig. 162. 
Paramente. 



Kelche. 



Fig. 163. 



Ziborium. 



Monstranz. 



Leuchter. 

Ankleide- 
tisch. 



Kirchen- 

bänke. 



160 



Gerichtsbezirk Waidhofen a. d. Thaya 




Fig. 160 Waidhofen a. d. Thaya, Pfarrkirche, Chorgestühl (S. 159) 



Grabsteine. Grabsteine: Innen: 1. In der Marienkapelle; Süd- 
wand, große rechteckige Platte mit einem fast die ganze 
Platte einnehmenden, seicht vertieften Felde, darin skul- 
piertes Wappen mit gotischem Rankenwerk zur Füllung 
der unteren Hälfte. Umschrift: Anno domini MCCCCLVI 
vicesima secunda die mensis augusti obiit Leonhardus 
Pawmann sie memorie armiger Salzcburgen diocesis hie 
sepultus. requiescat in pace. Amen (Abbildung in W. A. V. 
XX, 19). 

2. Daneben roter Stein mit Doppelwappen in einem 
Kranze aus zwei Palmzweigen und Rosetten als Zwickel- 
ornament. Christoph Peisser und seine Gattin Brigitta 
Sophie 1628. 

3. Neben 1. Graue Steinplatte; unten in vertieftem Felde 
skulpiertes Wappenschilde mit Hausmarke. Thomas Be- 
neditter 1676. 

4. Ebenda Nordwand; große, schwarze Steinplatte mit 
langer Inschrift in Goldbuchstaben; unten in rundem 
Felde gerahmtes und gekröntes Schild, darin Auge Gottes 
über einem Lamme, das vor einem Baume steht. 

Johann Adam Lehrbaum, Pfarrer von W., 1770, unter 
dem die Ausmalung der Kirche erfolgte. Im Fußboden 
drei abgetretene Steine mit unkenntlichen Wappen. 

Im Langhause zwischen den beiden Bankreihen zwei 
weitere mit unkenntlichen Wappen, ein dritter mit un- 
kenntlicher Schrift. 

Außen, vor der Südfront der Kirche, Steinunterbau aus 
quadratischer Basis und prismatischem, unten ausladen- 




Fig. 161 Waidhofen a. d. Thaya., Pfarrkirche, 
Chorgestühl (S. 159) 



Waidhofcii a. il. Thaya 



161 




Fig. 162 Waidhofen a. d. Thaya, Pfarrkirche, 
Beichtstuhl (S. 159) 

4. (Kreuz). Gießer wie vorher. 

5. (Kreuz, Maria Himmelfahrt). Casparus Holbauer in Wien 
a. 1803 g. m. 

Ehemalige Fried hofkapelle: Über die Gründung 
der Kapelle ist nichts bekannt; der gegenüber befindliche, 
bereits aufgelassene Friedhof wurde 1724 geweiht, die Kapelle 
dürfte wenig jünger sein. Zwischen 1860 und 1870 wurden 
an der Außenseite vier Nischen ausgebrochen (Fig. 164). 
Rechteckig mit Lisenengliederung an der Westseite; an dieser 
Seite große Rundbogenöffnung mit Gitter : reiches Ranken- 
werk um den Namenszug Maria, darunter in kleiner Kar- 
tusche J. S. (Josef Seiz) (Fig. 165). In den seitlichen Lisenen 
vertiefte Rundbogenfelder mit Malet eien von Engeln (modern). 
Schindelzwiebeldach von gedrückter, massiger Form. 

Inneres: Von Eckpilastern eingefaßt, Tonne mit durch- 
gehenden Stichkappen. An der Rückwand rundbogig geschlos- 
senes Bild, Auferstehung Christi; ein Engel hebt die Platte 
vom Sarkophag, die drei Wächter schrecken aus dem Schlafe 
auf. Zweites Viertel des XVIII. Jhs. 

P f a r r h o f : Viereckige Hofanlage. Den Nordwestabschluß 
des Hofes bildet ein Torturm, "der im 0. an die Wirt- 
schaftsgebäude, im W. an die Stadtmauer angrenzt. 
Quadratisch mit alisgebrochenen Fenstern im N. und S.; 
unten segmentbogige Durchfahrt. 

Ehemali ge Maria-Loretto-Ka pelle beim Schlosse. 
Diese in der Form des hl. Hauses gebaute Kapelle wurde von l'erdinand 
Maximilian Orujcn von Sprinzenslein (gest. 1679) vor lf>7i> mit einem 
Altare und zierlichen Paramentcn nach dem Muster der Kapelle bei den 
Augustinern in Wien neu erbaut (Dekanatsarchiv Raabs). Seine Tochter 
Katharina Eleonore Gräfin Lamberg erbaute in der Nähe ein Spital. 17 ■'>■'> 
waren bei der Kapelle drei Kelche, ein größeres KrttU, ein Herz und zwei 
VI 



dem Sockel mit seitlichen Steilvoluten und 
Inschrift mit skulpiertem Wappen an der 
Vorderseite. Darauf Kruzifixus mit Maria 
zu Füßen, aus Sandstein, polychromiert. 
Zacharias Zienkaul Stadirichter vonW. Ir'<,. 

An der Südfront große Kalksteinplatte mit 
flach geschnittenem Wappenrelief. Frantz 
Thomas Pischinger 1736. 

An der Stadtmauer, westlich von der Kirche, 
mehrere (7) große Steinplatten, ganz abge- 
treten, einige mit unkenntlichen Wappen- 
reliefs. Eine achte aus Granit mit skulpier- 
tem Kreuze, dessen Enden in Kleeblätter 
ausgehen, und unkenntlicher Schrift, große 
Buchstaben in mehreren Reihen. XIV. Jh. 

Glocken: I. 1*39 m (Kreuz). Filgrader 
u. Hofbauer in Wien g. in. — Bürgerliche Gl. 
— den 1. August 1805. 

2. Durchmesser 1 m (Kreuz, Maria Himmel- 
fahrt), Filgrader etc. wie oben. — Kirchengl 
den 1. August 1805. 

3. (Kreuz). Inschriften wie 1. 




Glucken. 



Ehemalige 
Friedhots- 
kapelle. 

Fig. 164. 



Rg. 165. 



Inneres. 



Pfarrhof. 



Ehemalige 
Kapellen. 



Fig. 163 Waidhofen a. d. Thaya. Pfarrkirche, 
Kelch (S. I5>«) 

21 



162 



Oerichtsbezirk Waidhofen a. d. Thaya 



Kronen aus Silber ( Dekanatsarclüv Raabs). Nach Aufhebung des Kapuzinerklosters 1784 ging auch die Kapelle ein, wurde 
geschlossen und diente längere Zeit als Körnerkasten. 

Filialkapelle zum hl. Martin und Wolfgang. 

Am 12. April 1473 erteilten mehrere Kardinäle dieser Kapelle, die eine Filiale der Pfarrkirche auf der Dey genannt wird, einen 
Ablaß für alle diejenigen, die zum Baue, zur Erhaltung und Einrichtung beitragen. Der Ort des Bestandes dieser Kapelle ist gänzlich 
unbekannt. Vielleicht gehörte zu ihr jener gotische Raum, der im Hause Nr. 78 als Keller diente, aber 1883 demoliert wurde. 

Ehemaliges K a p uz in er klo st e r mit Kirche zu Ehren der unbefleckten Empfängnis Maria 

vor dem Schultore. 

1645 wandten sich Bürger und Adelige aus der Gegend von W. an den Ordensprovinzial mit der Bitte, in W. ein Kloster dieses 

Ordens zu errichten. Schon 1646 zogen Kapuziner in W. ein und erhielten die wahrscheinlich an die Pfarrkirche angebaute Katharinen- 

kapelle für ihren Gottesdienst zugewiesen. 1652 wurde der Grund- 
stein zum Baue des Klosters vor der Stadt gelegt. Die Kirche, zu 
der die Gräfin Maria Margareta Trautson namhafte Beträge bei- 





Fig. 164 Waidhofen a. d. Thaya, 
Ehemalige Friedhofkapelle (S. 161) 



Fig. 165 Waidhofen a. d. Thaya, 
Gitter der ehemaligen Friedhofkapelle (S. 161) 



steuerte, wurde 1658 konsekriert. 1669 erhielt die Kirche eine neue Glocke. 1704 firmte hier Kardinal Kollonitsch (Dekanatsarchiv 
Raabs). 1784 erfolgte die Aufhebung des Klosters. Am 14. September 1784 wurde die Entweihung der Kirche durch den Dechant 
Johann Bernard von W. vorgenommen und dabei von einem Maurer die Altarmensa aufgebrochen, die Reliquien herausgenommen 
und von den Wänden die Apostelkreuze abgescharrt. Der Kreishauptmann Freiherr von Gudenus aus Krems hatte sein Erscheinen 
dazu angekündigt (Pfarrarchiv Waidhofen). Ein Altar und die Kanzel wurde nach Buchbach übertragen und im folgenden Jahre das 
Kloster verbaut, Kirche und Turm demoliert und an ihrer Stelle die Häuser Nr. 10 und 11 der Vorstadt Klostergut aufgebaut. 

Ehemaliger Kar n er zum hl. Michael. 

Am 25. November 1413 verpflichtet sich Pfarrer Hippolyt von W. alle Monate auf dem Karner ein Seelenamt lesen zu lassen. Zur 
Reformationszeit war der Karner profaniert und wurde — wie der Pfarrer 1615 berichtet — zur Aufbewahrung von Getreide und Mehl 
verwendet. Später wurde der Karner renoviert und mit einem Altare versehen, so daß 1625 wieder Gottesdienst gehalten werden konnte. 
Am 8. Mai 1715 beschloß der Stadtrat, die St. Michaelskapelle wegen Enge des Friedhofes und weil sie dem Neubaue der Pfarr- 
kirche im Wege stehe, abzubrechen. Das Material sollte für den Kirchenbau verwendet werden. Doch erfolgte die tatsächliche Abtragung 
der Kapelle erst 1727. Der Karner hatte eine runde Form und stand an der Südseile der Kirche. Es ist nichts von ihm erhalten 
geblieben. 



Waidhofen a. d. Thaya 

Bürgerspitalskirche zum Hl. Geiste. 



163 



Das Spital in der Vorstadt Niedertal außerhalb der Ringmauern mag sehr alt sein. Bischof Albert von Passau 
bestätigte bereits am 6. August 1365 in Wien die von der Stadt gemachte Stiftung eines immerwährenden 
Kaplans bei der Hl.-Geist-Kapelle (Grübels Auszüge aus dem Stadtarchive). 1429 erscheint als Lehensherr 
der Spitalkapelle „extra Waidhoven" der dortige Pfarrer (Schmieder, Matricula, 18). 1470 erscheint der 



l'.urger- 
»pitalskirchv. 



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Fig. 166 Waidhofen a. d. Thaya, Spitalkirche, Grundriß 1 : 250 (S. 163) 

Benefiziat Jörg und bald darauf wurde das Spital mit der Kirche neu gebaut und am 14. Juni 1476 von 
der Gemeinde wieder ein Benefiziat im „neuen Spitale" gestiftet. Die Stiftungsgüter dienten 1544 zum Unter- 
halte der Armen (Geschichtl. Beilag. IX 277). In der folgenden Kriegsperiode ging das Spital dem Verfalle 
entgegen und wurde ganz baufällig, doch lag 1655 das Material zum Baue bereit (Schloßarchiv Ottenstein). 
1694 arbeiteten am Spitale der Maurermeister Matthias Fölser und der Zimmermeister Matthias Marty von W. 




Fig. 167 Waidhofen a. d. Thaya, Spitalkirche, Relief der 14 Nothelfer (S. 165) 



(Pfarrarchiv). 1704 hatte die Kapelle drei Altäre und wollte der Magistrat ihr Langhaus mit Gewölbe ver- 
sehen lassen (Dekanatsarchiv Raabs). Von 1755 an wurde Spital und Kirche (?) umgebaut, letztere wahr- 
scheinlich mit dem Turme versehen und von Anna Katharina Zinner in Wien dazu ein Benefiziat gestiftet 
und Kelch und Paramente angeschafft. 
Den Bränden von 1789 und 1873 fielen auch Spital und Kirche zum Opfer. 1898 Renovierung. 

Beschreibung: Verbindung eines gotischen Chores (um 1470) mit einem unbedeutenden, barocken 
Langhaus (Fig. 166); infolge der Terrainverschiedenheit im N. ebenerdig, im S. einstöckig. 

21» 



Beschreibung 
Fig. 166. 



164 



Gerichtsbezirk Waidhofen a. d. Thaya 



Äußeres. 
Langhaus. 

Chor. 

Turm. 
Anbau. 

Inneres. 
Langhaus. 



Äußeres: 
Modern, gelb gefärbelt. 

Langhaus: W. Glatte Giebelfront; rechteckige Tür in Steinrahmung mit Sturz über zwei Konsolen, 
darüber zwei querovale Fenster übereinander. — S. über Unterbau, in dessen Gewölbe zwei Eingänge führen; 
drei unregelmäßige Widerlager; drei Rundbogenfenster. — N. Ebenerdig, gegen die Straße. Zwei Rundbogen- 
fenster, ein drittes blind. 

Chor: S. Kleines Rundbogenfenster. — 0. Dreiseitiger Abschluß mit drei zweiteiligen Spitzbogenfenstern 
mit Maßwerk. — N. Durch die angebaute Sakristei verdeckt. Abgewalmtes Ziegelsatteldach über Langhaus, 
Chor und Anbau. 

Turm: Auf dem Chore; modern mit Blechdach. 

Anbau: Sakristei im N. des Chores, die Langhausflucht fortsetzend, recht- 
eckig, mit Fenster im 0. Unter dem fortgesetzten Chordache. 

Inneres: 



Modern gefärbelt. 

Langhaus: Breiter, gedrückter Raum; zwei Platzlgewölbe auf Längs- und 
Quergurten, die im N. und S. über den Gesimsen von je drei an den Ecken ab- 
geschrägten Wandpfeilern mit vorgesetzten Pilastern an den Vorder- und den 
Tiefseiten ansetzen. Über dem Scheitel des Triumphbogens Inschrifttafel : Wohl- 
geboren Herr Mathäus Zimmer hier Guühäter zu diesem Gotteshause 1794. Im W. 
viereckige, um vier Stufen erhöhte Tür in Segmentbogennische, darüber ein 
kleines Ovalfenster. S. drei, N. zwei Fenster mit gedrücktem Rundbogen- 
abschlusse. 

Chor. Chor: Stark einspringend, um eine Stufe erhöht, höher als das Langhaus, gegen 

welches er sich in einem spitzbogigen Triumphbogen öffnet; dieser ist gegen den 
Chor einmal, gegen das Langhaus zweimal gekehlt mit dazwischen gesetztem 
Rundstabe über hohem Sockelchen und steigt aus der halbachteckigen, abgeschräg- 
ten Basis auf. Der Altarraum ist in fünf Seiten des Achteckes geschlossen. Ein 
Kreuzrippengewölbejoch und ein Abschlußgewölbe aus fünf dreieckigen und einer 
viereckigen Stichkappe, über Längs- und Quergurten. Die birnförmig profilierten 
Rippen auf schlanken Diensten mit Kapitalen aus drei parallelen Rundstäben 
und mit achteckigen, niederen Sockeln; der mittlere Dienst im N. zu einer 
Konsole verkürzt. 

Im S. zwei Fenster mit gedrücktem Rundbogenabschlusse; tiefe, rechteckige 
Wandnische, von zwei Rundstäben und zwei Hohlkehlen eingerahmt, die in eine 
gemeinsame, abgeschrägte Basis einschneiden. Die inneren Rundstäbe an den 
oberen Ecken einander verschneidend. Durch eine oben eingesetzte Konsole mit ein- 
gezogenem Ablaufe (an der Oberseite zwischen Kehlen Rundstab, der den oberen 
Rundstab durchschneidet) in zwei mit gedrücktem Kleeblattbogen abgeschlossene 
Teile geschieden. Im N. Tür in ursprünglich rechteckiger Rahmung, in die oben 
ein Flachbogen ausgebrochen ist; die Kanten ausgenommen und durch einen 
Rundstab zwischen zwei Hohlkehlen profiliert, über dem abgeschrägten Gewände 
aufstehend; an den oberen Ecken Reste des ursprünglich oberen Rundstabes, 
den die seitlichen Stäbe durchstoßen. Daneben breite Segmentbogennische mit einer breiten Hohlkehle an 
den Kanten. In den Ostschrägen drei zweiteilige Spitzbogenfenster mit Fischblasen und Dreipaßmaßwerk 
in abgeschrägten Nischen. 

Anbau. Anbau: Sakristei, im N. des Chores; kleiner flachgedeckter Raum mit Fenster im 0. und Tür im S. 




Fig. 168 Waidhofen a. d. Thaya, 
Spitalskirche, Prozessions- 
stange (S. 165) 



Einrichtung. 
Hochaltar. 



Gemälde. 



Einrichtung: 

Hochaltar: Bildaufbau; Holz, marmoriert, versilbert und vergoldet. Mittelteil von zwei Säulen mit ver- 
goldeten Basen und Kapitalen flankiert, von angesetztem Knorpelwerk gerahmt. Über den Kapitalen drei- 
teiliges Gebälk, dessen oberster Teil sich fortsetzt und den Mittelteil gerade deckt. Darüber gesprengter Flach- 
giebel und dazwischen Kartuscheaufsatz mit vierpaßförmigem Bilde, Gott-Vater mit der Taube. Altarbild 
modern; darüber Schildchen mit dem Monogramme B. S. An der Rückseite Aufschrift: Nie fieri fecit 
Bartholomäus Solderer aurifaber. Anno 1667. 

Gemälde: Kleines Breitbild; Öl auf Leinwand; der barmherzige Samariter den Kranken aufs Pferd hebend. 
Zweite Hälfte des XVIII. Jhs. 



Waidhofen a. d. Thaya 



165 



Skulpturen: 1. Ausgeschnittenes Holzrelief, modern polychromiert, dreizehn Nothelfer mit Maria mit Skulpturen. 
dem Kinde in der Mitte. Um 1510 (Fig. 167; s. Übersicht). Fig. 167. 

2. Polychromierte Holzfiguren der Hl. Rochus und Rosalie. XVIII. Jh. 

3. Zwei Prozessionsstangen aus Holz; der obere Teil geschnitzt, modern vergoldet und versilbert. Um 
den Schaft winden sich dünne Schnüre aus Blättern und Blüten; zuoberst Kelch aus Spitzblättern, 
aus dem eine mit drei Cherubsköpfchen und kleinem Schildchen besetzte Konsole aufsteigt; darauf 
zwischen drei Schmuckvasen Statuette des hl. Sebastian beziehungsweise Rochus. In den Schildchen 
Bindenschild, Jahreszahl, Hammer und Kelle, Initialien L. K. beziehungsweise F. F. mit Datum /, 
Schmiedeeiserner Kerzenträger (Fig. 168). Fig. 166. 




Fig. 169. Waidhofen a. d. Thaya, Dreifaltigkeitssäule (S. 166) 



Grabsteine: 1. Einfache Kehlheimerplatte. Anna Catharina Ziennerin, Sti/terin des Spital Benc/i- Grabsteine. 

ziums, 1689. 

2. Ebenso. Franz Anton Zienner, Wohltäter des Spitals, 1768. 

Bildstöcke: 1. Dreifaltigkeitssäule: Auf dem Rathausplatze. Stein, mit Resten von Bemalim^. Bildstöeke. 

Steinerner Unterbau, zu dem, dem oberen Terrain entsprechend, von 0. eine in der ganzen Breite vor- 
gelagerte Stiege von sieben Stufen emporführt; die Stiege von Steinbrüstungen eingefaßt, die unten mit einem, 
von einer Kugel bekrönten Postament abschließen. Der Unterbau ist von einer Steinbalustrade eingefaßt, die 
im 0. von einer Gittertür durchbrochen ist; auf den vier Eckpostamenten stehen die Statuen der Hl. Jung- 
frau Maria, Johannes, Josef und Johannes von Nepomuk. Der eigentliche Säulenbau steht auf einem hohen 
Postament, das aus zwei Stockwerken über zwei Stufen besteht; das untere Geschoß ist aus vier Postament- 
bündeln zusammengesetzt, die mit einer Profilierung über entsprechenden Sockeln aufstehen und mit ver- 
kröpftem, profilierten Deckplattengesimse abschließen; die Seiten der Postamente in seichten Feldern in 
Rahmimg vertieft. Das obere Geschoß in der Form des unteren, nur leicht verjüngt; in den Seiten der vor- 
deren Postamente kartuscheförmige, vertiefte Felder. Im 0. zwischen den Postamentbündeln Relief in rund- 



166 



Gerichtsbezirk Waidhofen a. d. Thaya 



bogig geschwungenem Felde, Variante der Innsbrucker Madonna, im S. hl. Sebastian, 
im W. hl. Rosa, im N. hl. Rochus. 

Auf der Plattform erhebt sich die Säule auf einem Fuße, der aus drei Steilvoluten mit 
Blattwerk besteht, die untereinander durch Wolkenballen mit Cherubsköpfchen ver- 
bunden sind. Die Säule mit einem vergoldeten Wolkenband mit Cherubsköpfchen 
umwunden; das Kapital vergoldet, drei Voluten über einem Blattkelch, dazwischen 
füllende Wolken mit Cherubsköpfen, im 0. ein kleiner Putto, der einen Palmzweig 
hält. Zu oberst Gruppe der hl. Dreifaltigkeit; Gott- Vater mit dem Leichname Christi 
im Schöße, der herabhängende Arm von einem Cherubsköpfchen gestützt. Darüber die 
Taube vor Glorie frei hängend angebracht. Um die Säule knien auf den Deckplatten 
Fig. 169. der Postamente vier große Engel. Herum vier Linden. Um 1715 (Fig. 169). 

2. Vor der Südfront der Kirche; Steinunterbau aus quadratischer Basis und prisma- 
tischem, unten ausladenden Sockel mit seitlichen Steilvoluten und Inschrift mit skul- 
piertem Wappen an der Vorderseite. Darauf Kruzifixus mit Maria zu Füßen aus 
Sandstein, polychromiert. Inschrift auf Zacharias Zienkaul, Stadtrichter von Waid- 
hofen. Um 1720. 

3. Gegenüber der Nordfront der Kirche vor dem Pfarrhofe über hohen Postamenten 
große, überstrichene Sandsteinstatuen der Hl. Sebastian und Donatus. 1735 von Rupp 
in Waidhofen verfertigt; seit 1801 (?) aus der Kirche zuerst auf den Platz südlich 
von der Kirche, 1894 hierher gebracht. 

4. Unterhalb des Schlosses über einer Stufe gering profilierter Sockel zwischen Deck- 
platten; überlebensgroße Steinstatue des hl. Vinzentius Ferrerius, neben ihm ein Putto 

Fig. 170. und ein Kessel. Erste Hälfte des XVIII. Jhs. (Fig. 170). 

5. Auf der Thayabrücke, in der Mitte der Brüstung eingefügtes, prismatisches Postament, 
darauf Sandsteinstatue des hl. Johannes von Nepomuk. Anfang des XVIII. Jhs. Seit 
1910 an das Ende der neuen Brücke versetzt. 

6. An der Südostecke des Stadtplateaus über der Thaya; grünlich-grau übertünchter 
Sandstein. Über hohem, vielfach profilierten Sockel erhebt sich aus einer kartusche- 
artigen, von Blättern eingefaßten Verbreiterung, die mit Totengebein und Sanduhr 
bekrönt ist, ein einfaches Steinkreuz, an dem ein kleines Corpus hängt. [ An der 
Vorderseite Inschrift auf die Errichtung der Säule durch die Bürgerschaft im Jahre 1787. Herum vierseitige 
Steinbalustrade mit regelmäßigen, schwach eingezogenen Balustern zwischen oberer und unterer Deckplatte. 

7. Nördlich von der Stadt in einem Föhrenwäldchen. Tabernakelpfeiler von 1644; in der Rundbogennische 
polychromierte Holzstatuette, Maria mit dem Kinde. Um 1500. 




Fig. 170 

Waidhofen a. d. Thaya, 

Bildstock mit dem 

hl. Vinzenz Ferrerius 

(S. 166) 




Fig. 171 Waidhofen a. d. Thaya, Rathaus (S. 166) 



Rathaus. 



8. Straße nach Thaya. Auf viereckigem Sockel zwischen profilierter Basis und Deckplatte toskanische Granitsäule, 
darauf Steingruppe : Hl. Dreifaltigkeit. Am Sockel Blechtafel mit verblichener Inschrift. Erste Hälfte des XVIII. Jhs. 

.Rathaus: In der Mitte des Platzes gelegen, dem im N. abfallenden Terrain angepaßt (Fig. 171). Recht- 
eckiger, zweistöckiger Bau mit rötlicher Ortsteinfassung der Kanten und Quadernfassung der Rundbogen- 



Waidhofcn a. d. Thaya 



167 



fenster; die Schmalseiten mit Stufengiebel über Simsband abgeschlossen. Ein gleiches Simsband trennt Erd- 
tind erstes Geschoß; die Fenster des letzteren stellen auf diesem Simsband auf, die Fenster des zweiten Ge- 
schosses mit Sohlbank. An der Schmalseite im W. im ersten Stock Rundbogentür, zu der eine einarmige 
Freitreppe mit glatter, steingedeckter Brüstung führt. Ziegelsatteldach mit aufgesetztem Dachreiter in der 
Mitte des Firstes: vierseitig, Unterbau mit Quadernimitation, Hauptteil ober profiliertem, geringen Gesimse 
mit vertieften, rechteckigen Feldern, darin jederseits ein rundes Zifferblatt über Rundbogenfenster, über 
profiliertem Kranzgesimse blechgedecktes, rotgestrichenes, vierseitiges Spitzpyramidendach mit abgerun- 
deten Kanten und wulstartigen Erweiterungen. 

An der Südseite ist das Untergeschoß durch Anbauten verbaut. 

K. k. A m t s g e b ä u d e : An der Südseite des Platzes 
(Nr. 102). Einstöckiges Gebäude mit einer, im dritten Viertel 
des XIX. Jhs. erneuten Fassade. Die Geschosse von profi- 
liertem Sims geschieden, das etwa in der Mitte vom Portal- 
motiv unterbrochen wird. Das Portal von Pilastern flan- 
kiert, in deren vertieften Feldern Blütengehänge angebracht 
sind; über den Volutenkapitälen Gebälk, rundbogig ge- 
schwungen, bei dem als Gesichtsmaske gebildeten Keilstein 
abbrechend und schneckenförmig eingerollt. Über dem Keil- 
stein ein Kragstein, der mit einer Wappenkartusche ver- 
kleidet ist und mit zwei seitlich befindlichen, großen Putten in 
Hochrelief den seichten, geschwungen vorspringenden Balkon 
trägt. Darüber Doppelfenster. Im Gebälke des Portals : Anno 
dorn. MDCC XXXI 111 (Fig. 172). 

Stadtmauer: Im größten Teile des Verlaufes des Recht- 
eckes ziemlich gut erhalten, aber größtenteils hinter Gärten 
geführt und durch Häuser unterbrochen, so daß für das 
Stadtbild manche Partien nicht in Betracht kommen; die 
Häuser füllen an der Südseite und an einem Teile der West- 
und Nordseite den Raum des ehemaligen Zwingers aus. 
Bruchstein, zum Teil unverputzt, zum Teil mit Resten von 
Verputz. Die Mauer zieht zunächst an der Westseite hinter 
den Häusern der Turngasse von der Haupt-(Schul-)gasse 
südlich, dann an der Südseite der Stadt entlang, und wendet 
sich dann im rechten Winkel wieder nach N. Hier, an der 
Ostseite der Stadt, wo die Mauer am Rande des steilen Ab- 
falles zur Thaya steht, bildet sie einen wesentlichen Zug im 
Stadtbilde; auch hier ist sie stellenweise von Häusern unter- 
brochen, doch halten diese die alte Demarkationslinie mit 
aller Schärfe fest. Etwa in der Mitte springt ein halbrundes 
Rondell mit halbrundem Ziegelkegeldache vor. An der Nord- 
seite ist die östliche Hälfte der Befestigung zerstört; aus der erhaltenen, gleichfalls hinter Gärten geführten 
westlichen Hälfte tritt ein mächtiger, überragender, gegen N. stumpf abgeschrägter Turm vor; in ihm 
unregelmäßige, zum Teil steingerahmte Luken. Im rechten Winkel schließt die Westmauer an, die von den 
neuen Gebäuden (an Stelle des abgerissenen Böhmtores) unterbrochen wird. 




Fig. 172 Waidhofen a. d. Thaya, 
Fortal des k. k. Amtsgebäudes (S. 167) 



Amte- 
gebäudc. 



Fig. 172. 
Stadtmauer. 



Schloß: Dieses Gut scheint frühzeitig laiulesfürstlich gewesen zu sein. Auch der 1171 genannte Ortolf 
von W., dessen Streit mit seinem Stiefsohne Herzog Heinrich von Österreich schlichtete, ist wohl nur als 
Pfleger oder Inhaber der Burg, die in den Befestigungsplan der Stadt hineinbezogen war, aufzufassen 
(Fontes IV 71). Herzog Albrecht verpfändete W. 1341 dem Markgrafen Karl von Mähren (Lichnowsky, Habs- 
burg III, Regest Nr. 1288). 1366 wird hier ein Burggraf genannt (Fontes XXI 252). Heidenreich Truchseß 
von Grub erhielt 1451 vom Kaiser eine Verschreibung auf 2458 Pfunde für schuldige Burghut, Sold und 
Erbauung des Schlosses W. 1525 erbot steh Wilhelm von Puchheim, auf Waidhofen, das an der Grenze gegen 
Böhmen und Mähren gelegen und ganz baufällig und in der Wehre übel versehen sei, 500 fl. zu verbauen, 
wenn es ihm um 2000 fl. verschrieben würde. Auch Heinrich Streun nahm 1546 verschiedene Bauten am 
Schlosse um 411 Pfunde vor, welche die kaiserlichen Kommissäre Sebastian Hayer und der kaiserliche Bau- 
meister Johann Tschertte 1549 besichtigten. Um 1570 war das Schloß wohl gebaut, aber der von 
Wilhelm von Puchheim beim Tore in die Stadt erbaute Turm ohne Dach und die äußere Schloßmauer an 



Schluß. 



168 



Gerichtsbezirk Waidhofen a. d. Thaya 



einigen Stellen „zerkloben" (Reichsarchiv Wien, niederösterreichische Herrschaftsakten, W. 2). Die bisher 
von den Verschreibungen und Verpfändungen immer wieder eingelöste Herrschaft verkaufte Kaiser Rudolf II. 
am 14. April 1604 dem Jakob von Mollart. 1621 folgten die Sprinzenstein, 1679 die Lamberg und 1737 
die Freiherren, jetzt Grafen von Gudenus. Das gegenwärtige Gebäude wurde 1770 aufgeführt. 
1584 hielt Pilgram von Puchheim hier einen Schloßkaplan. Später wurde ein Oratorium mit Meßlizenz ein- 
gerichtet, in dem entweder ein Kapuziner oder ein Schloßkaplan Messe las. 1708 war es nicht in Gebrauch 
(Dekanatsarchiv Raabs). 1786 mußte die Kapelle entweiht werden. 

Be- Gelb gefärbeltes. einstöckiges Gebäude über grauem, dem Terrain entsprechend gegen die Thaya höher 

Schreibung. werdenden Sockel, mit gebändertem Untergeschosse mit gerahmten Fenstern, das durch profiliertes Gesims 
vom glatten Obergeschosse abgetrennt ist. In diesem die Fenster mit glatten Parapetten und Aufsätzen mit 
Sturzbalken; über profiliertem, vorladenden Kranzgesimse 
Ziegeldach mit hohen Kaminen. An der Südseite rund- 
bogiges Hauptportal in rechteckiger Rahmung, gering 
mit Feldern und Tropfen ornamentiert. In der Einfahrt 
eingemauerte, graue Steintafel mit Wappenrelief des Grafen 
Ferdinand von Sprinzenstein, 1649. 
Durch die Einfahrt gelangt man in einen rechteckigen 
Hof; die Fronten gegen ihn horizontal durch geringe Ge- 
simse getrennt, die Fenster gerahmt. Ältere Anlage, am 
Ende des XVIII. Jhs. neu fassadiert. 

Gemälde. Gemälde: 1. 58x73; eine junge Modistin einen 
Strohhut mit Bändern aufputzend. Bezeichnet : Joh. 
Reiter Wien 847. 

2. 56 x 47 - 5; militärische Reiterübung auf einem Platze 
zwischen Häusern. Bezeichnet : Zellenberg 1845. 

3. Pendant dazu, Pferde vor einer Schmiede; ebenso be- 
zeichnet. 

4. 49-5 x 60-5; eine Dame bei der Toilette vor einem 
Spiegel sitzend. Bezeichnet : Joh. Reiter 842. 

5. 49 x 59-5; ein Maler eine Dame porträtierend, die 
vor der Staffelei sitzt. Bezeichnet: Joh. Reiter 845. 

6. 58 x 73; Halbfigur einer Frau, die Wäsche bügelt. 
Nach Aufschrift gleichfalls von Reiter. 

7. Öl auf Holz; 26-7 X 35-4; ein alter Mann sitzend, auf 
einen Stock gestützt. En face gesehen. Bezeichnet : J. 
Haier München 843. (In der Art des Eybl.) 

8. 38x51; Brustbild einer jungen Dame mit Floren- 
tiner Strohhut, grünem Schleier und Maschen. Bezeichnet : 
A. Einsle 1844. 

9. 51 X 64 - 5; Beschenkung eines armen Knaben durch 
einen reich gekleideten, durch die halboffene Tür Blick 
auf eine Straße. Bezeichnet : Ernst Moser Graz 843. 

10. 38-5 x 33; Stilleben mit zwei Heringen, Käse, Rettich 
usw. Bezeichnet : Franz Xaver Petter 1845. 

11. Pendant dazu; Weinflaschen, Zitronen, Austern; ebenso bezeichnet. 

12. 36 - 5 x 45 - 5; ein Maler einen Schinken malend, eine Frau schenkt ihm Wein ein. Bezeichnet : Joh. 
Reiter 845. 

13. 37 x 30 - 4; Pferdewechsel der Post vor einem Gasthause. Bezeichnet: F. Zellenberg 1847. 

14. Öl auf Leinwand; 69 x 82-5; Kniestück eines jungen Mädchens in dekolettiertem, grauen Kleid, einen 
kleinen Hund haltend. Um 1740. 

15. 68 x 96-5; ovales Medaillon in rechteckiger Umrahmung Halbfigur des churmainzischen Amtmannes 
Moriz Gudenus, in schwarzem Rocke mit weißem Kragen, einen Brief in der Rechten haltend. Gering. 
Um 1640. 

16. 44 x 55-5; Brustbild des Herrn Hans Jacob von Khuenburg zu Prunse und Trabuschgen . . — Vicedomb 
auf Leibniz Anno 1593 seines Alters im 32. Jahr; in schwarzem Rocke mit Mühlsteinkragen und Goldkette. 
Links oben das Wappen. 

17. 72-5 x 87; Halbfigur einer Dame in grauem, ausgeschnittenen Kleide mit reichen Spitzen und Schmuck 
und gelbem Mantel. Um 1750. 




Fig. 173 

Waidhofen a. d. Thaya, Schloß, Miniaturporträt 

der Freifrau Eugenie von Bartenstein (S. 169) 



Waidhofen a. d. Thaya 



169 



18. 76 x 93; Brustbild eines unbekannten Herrn mit schwarzer Allongeperücke in rotem, gestickten Rocke 
mit Spitzenjabot. Um 1710. 

19. 72-5 x 93; Halbfigur einer alten Dame in ausgeschnittenem, schwarzen Kleide mit Goldstickerei und 
Spitzenärmeln, das Jagdgewehr umgehängt. Um 1740. 

20. Pendant dazu; alter Herr in dunklem, goldgestickten Gewände, einen Falken haltend, gleichfalls ein 

Gewehr auf der Schulter. 

21. 75 x 935; Halbfigur eines Herrn mit gepuderter 
Allongeperücke, in blauem, goldgestickten Rocke über 
Brustharnisch. Um 1710. 

22. 585 x 73; Halbfigur einer Dame mit gepudertem 
Haare in ausgeschnittenem, roten Kleide mit Spitzen- 
ärmeln. Um 1735. 

23. öl auf Holz; großes Breitbild: „Lasset die Kleinen 
zu mir kommen". Christus in der Mitte, rückwärts sitzend, 
hinter ihm die Jünger, vor ihm die Mütter ihre Kinder 
heranbringend. Links vorne zwei Zuseher. Im Hintergrunde 
angedeutete Stadt. Dem Fr. Floris zugeschrieben. 

24. 89 x 112; Kniestück, Porträt eines stehenden Herrn 
in goldgesticktem, schwarzen Wamse mit weißer Hals- 
krause; er stützt die Rechte in die Seite, neben ihm der 
Helm. Aufschrift : Anno sal. löitfi et suae 27. Angeblich 
Johann von Gudenus. 

25. Pendant dazu, Porträt des Christoph Gudenus. Ende 
des XVI. Jhs. 

26.77x92; Oval zum Rechteck ergänzt; Brustbild, 
Porträt eines jungen Herrn mit Allongeperücke in rotem, 
drapierten Mantel und Spitzenjabot. Gutes deutsches 
Bild. Um 1710. 

27. 724 X 89-8; Porträt, Halbfigur des Herrn Ferdinand 
Thomasis in Brustharnisch mit blauem Mantel. An der 
Rückseite Datum 1742. 

28. Pendant dazu; Gemahlin des vorigen, in ausgeschnit- 
tenem, violetten Kleide und blauem, goldgefütterten 
Mantel an rotem Bande. Französisch oder unter starkem, 
französischen Einflüsse. 

29. 71 X91; Halbfigur eines Herrn in blankem Brust- 
, T panzer und blauem Samtrocke mit Goldstickerei ; gepudertes 

c l ■ *•/* > o) ' » / Haar. Auf der Rückseite bezeichnet: F. Lippoldt pinx 

1 1 ä • ' ' , Ji Ao 1749 - 

J^Y » f V* Qjg 30. 64-5 < 83; Porträt der Oktavia Frdfrau von Gudenus 

geb. Nimbsch 1761, Halbfigur in blauem Kleide mit Spitzen 
an den Ärmeln und am Ausschnitte. Deutsches Bild. 

31. 68 x 83; Porträt des Grafen Heinrich Starhemberg als 
etwa fünfjährigen Kindes in türkischem Kostüme mit 
einem Apfel in der Hand. Süddeutsches Bild. Um 1790. 
(Über die Mode der türkischen Porträts vgl. Gaz. d. 
Beaux Arts 1905, II 43.) 

32. Aquarell auf Papier; 17-5 x 235; Porträt der Freifrau 
Eugenie von Bartenstein als alte Dame; Halbfigur in 
blauem Kleide mit hellblauem Shawl und weißer Spitzen- 
haube. Bezeichnet : Kriehuber 832. (Fig. 173.) 

33. Desgleichen; 25 x 32; Porträt des Freiherrn Johann 
Bapt. von Gudenus in schwarzem Rocke, gelber Weste, 
schwarzer Halsbinde und Zylinder. Bezeichnet : Krie- 
huber 862. 

34. Öl auf Leinwand; 107*5 x 1705; Porträt der Gräfin Luise Gudenus geb. Bartenstein, in ganzer Figur 
sitzend; neben ihr ein großer Florentiner Strohhut und ein liegender Hund; Blick in Landschaft. Art des 
Einsle um 1845. 

35. Aquarell auf Papier; mehrere Zeichnungen, Aufrisse des Gudenusschen Hauses in der Praterstraße in 
Wien. Bezeichnet : Andreas Zach, Regierungsbaumeister 1787 und 88. 

Im Archiv zweibändiges Urbar der Herrschaft Lamberg von 1694 mit vielen aquarellierten Veduten auf 

Pergament. Dargestellt sind Waidhofen, Buchbach, Brunn, Jaßnitz, Sarning, Getzles, Weipolds, Groß- 

VI 22 




Fig. 174. Waidhofen a. d. Thaya, Reliquiar des 
hl. Johannes Ncpomuk (S. 170) 



Fig. 173. 



170 



üerichtsbezirk Waidhofen a. d. Thaya 



Reliquiar. 



Fig. 174. 

Schlitten. 
Fig. 175. 

Waffen. 
Radschloß- 
gewehre. 



Fig. 176. 
Fig. 177. 



Fig. 178. 



Fig. 179. 



Steinschloß- 
gewehre. 




Eberhardts, Dorf Göpfritz, Ranzles, Eggmaiis, Jarolden, Edlitz, Niedcr-Edlitz, Gerhardts, Schirnes, Hollen- 
bach, Dorf Imenschlag, Puch. 

Reliquiar: Vergoldeter Holzsockel, darauf Aufbau aus Messing. Das Postament in Form eines Brücken- 
joches mit Granaten besetzt. Die Kanten mit Steilvoluten, mit Gesichtsmasken und Hängewerk eingefaßt. 
Hinter dem Postament Wandaufbau als Rückwand der drei Figürchen auf der Brücke, des hl. Johannes von 
Nepomuk mit zwei Henkern, die ihn hinabstürzen. An der Rückwand Medaillon mit Schweißtuch, darüber 
Madonna mit dem Kinde von zwei adorierenden Engeln in einer Strahlenglorie mit Wolken und Cherubs- 
köpfchen flankiert. Um 1715 (Fig. 174). 

Schlitten: Rotlackiertes Holz. Die Wagenmuschel mit reicher Rocaille geschnitzt; am Deichselkopf Büste 
eines Mohren, die Schultern zu Voluten geformt. Um 1760, jetzt als Blumentisch adaptiert (Fig. 175). 

Radschloßgewehre: 1. Kugelstutz, achteckiger 
gebläuter Lauf mit doppeltem Visier; trägt die Marke 
und den Namen Poser (Paul) in Prag. An der 
Kammer eingelegtes Goldornament. Das Radschloß 
zeigt eine Sauhatz und ist bezeichnet : Paul Poser in Prag. 
Das Schloß hat Stecherabzug; Zungenbügel fehlt. Der Stein- 
hälter in Eisen geschnitten und durchbrochen. Der braune 
Holzschaft ist ornamental verschnitten und trägt vergoldete, 
gravierte und ziselierte Bronzemontierung, und zwar am 
Schieber die Darstellung einer Hirschjagd, an der Anschlag- 
seite bei der Kammer Diana und Ceres (?) unter einem Zelte 
thronend, herum Putten. Erste Hälfte des XV11I. Jhs. 

2. Pendant dazu; nur der Abzugsbügel vorhanden, die Bronze- 
montierungen zeigen die Darstellungen: am Schieber eine 
anders aufgefaßte Hirschjagd, auf der Anschlagseite Diana 
und Endymion in zärtlicher Umschlingung (Fig. 176); am 
Schloß eine Hirschjagd (Fig. 177). 

3. Kugelstutz; der achtseitige Lauf trägt die Marke 
und den Namen Caspar Zelner. Das Radschloß zeigt I 
in Gravierung eine Hirschjagd, der Steinhälter einen 
sitzenden Jäger, der einen Hasen hält. Das Schloß hat Stecher- 
abzug, der Schieber mit Hörn- und Beinmontierung, der Lad- 
stock fehlt. Der Schaft ornamental verschnitten (Fig. 178), 
trägt einfache Bronzemontierung. An der Anschlagseite weib- 
liche Figur mit Einhorn. Erste Hälfte des XVIII. Jhs. 

4. Pendant dazu; das Schloß mit der Darstellung eines Reiter- 
kampfes (Fig. 179), der Steinhälter mit berittenen kaiserlichen 
Trompetern, die Bronzemontierung an der Anschlagseite zeigt 
eine Sauhatz. 

5. Pendant dazu mit geringen Varianten. 

6. und 7. Kugelstutzen, achtseitiger Lauf mit Marke 
Schloß trägt die Buchstaben F.Z. und die gravierte ' 





Fig. 175 Waidhofen a. d. Thaya, Schloß, 
Schlitten (S. 170) 



und Namen Franz Zelner in Salzburg. Das 
Darstellung einer Hirschjagd. Das Schloß hat 

Stecherabzug, der Holzschaft hat am Schieber, am Kolbenschuh, an der Mündung und der Ladestockhülse 

Hornmontierung. Erste Hälfte des XVIII. Jhs. 

8. Kugelstutz, achtseitiger Lauf mit Resten einer Inschrift; das Schloß ohne Montierung, mit Stecherabzug, 
der braune Holzschaft mit roh gravierten Messingplatten belegt; am Schieber die Darstellung eines Scheiben- 
standes, auf der Anschlagseite ein Jäger auf einen liegenden Hirschen schießend. Erste Hälfte des XVIII. Jh. 

9. Kugelstutz, der achtseitige Lauf mit Marke und Namen Caspar Zelner. Das Schloß mit Stecherabzug zeigt 
in Gravüre eine Hirschjagd, der Steinhälter einen Hirsch mit Tier. Der Abzugbügel in Eisen zeigt in Gra- 
vüre die Nr. 2. Der braune Holzschaft ist einfach ornamental verschnitten und zeigt Hornmontierung. Anfang 
des XVIII. Jhs. 

10. Kugelstutz, der achtseitige Lauf trägt in Gold eingelegt die undeutliche Marke und den Namen Johann 
Neyreiter in Salzb. Das Schloß mit Stecherabzug zeigt in Gravüre eine Hirschjagd und die Bezeichnung : 
J. Neyreiter in Salzburg. Der Steinhälter reich ornamental graviert. Der Schaft aus braunem Holze ist orna- 
mental verschnitten, hat Bronzebeschläge und teilweise Hornbelag. Erste Hälfte des XVIII. Jhs. 

Steinschloßgewehre: 11. Kugelstutz, der achtseitige Lauf bezeichnet : J. Adam Grazel in Wienn; 
in Gold eingelegt. Das Schloß, dessen Hahn gebrochen ist, zeigt eine vergoldete Platte mit Gravüre, Mars 
von Waffen umgeben und ist bezeichnet : J. Adam Grazl in Wienn. Der ornamental verschnittene, braune 
Holzschaft hat gravierte und vergoldete Bronzemontierung; am Kolbenhalse graviertes, herzogliches Wappen 
mit Vlies. Anfang des XVIII. Jhs. 



Waidhofen a. d. Thaya 



171 



12. Pendant dazu. 

13. Kugelstutz, achtseitiger Lauf, bezeichnet : Kaspar Zelner. Das Schloß mit Hirschjagd graviert, hat 
Stecherabzug. Der lichtbraune Holzschaft ist mit Elfenbein eingelegt mit Darstellungen von Tieren. Ende 
des XVII. Jhs. 





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Fig. 176 Waidhofen a. d.^Thaya, Schloß, 
Bronzemontierung des Gewehrs Nr. 2 (S. 170) 

14. Pendant dazu. 

15. Kugelstutz, kurz, der achtseitige Lauf trügt die Marke (s. nebenstehend) des Rochus Wastl; das 
einfach gravierte Schloß bezeichnet : Nikolaus Koch in Wienn. Der Holzschaft hat einfache Bronze- 
montierung. Um 1750. 

16. Pendant dazu. ^^ 

17. Kurzer Kugelstutz, der achtseitige Lauf mit Marke &l$h; am Visier graviertes Ornament. Die 
Reibfläche des Schlosses als Sicherung seitlich wegdreh- ^j^fy bar. Der Schaft einfach verschnitten, 
am Schieber eine Hornplatte. Um 1760. 





Fig. 177 Waidhofen a. d. Thaya, Schloß, Schloß des Gewehrs Nr. 2 (S. 170) 

18. Pendant dazu. 

19. Schrotflinte, der runde ins Achteck übergehende Lauf trägt sowie das Schloß die Bezeichnung: 
Josef Hauer in Bamberg und Nr. 16 beziehungsweise 17. Der ornamental verschnittene Holzschaft 
hat glatte Messingbeschläge. Um 1750. 

20. Pendant dazu. 

21. Schrotflinte, der runde ins Achteck übergehende Lauf hat an der Oberseite vier kleine und ein 
großes Kreuz, darunter Marke (s. nebenstehend) des Christoph Ris; an den Schrägen je drei kleine 
Kreuze. Der ornamental verschnittene hölzerne Schaft mit glatten Messingbcschläijen. Das Schloß mit 
Rokokoornamenten graviert, trägt die Bezeichnung: Christof Ris in Wienn. Um" 1760. 



172 



Gerichtsbezirk Waidhofen a. d. Thaya 



22. Pendant dazu. 

23. Schrotflinte, der achtseitige Lauf an der Kammer graviert; das Schloß graviert: Ant. Ascher in Wien. 
Der Holzschaft mit glatter Bronzemontierung trägt am Kolbenhalse unter fünfzackiger Krone das 
Monogramm C. v. B. Um 1760. 




Fig. 178 Waidhofen a. d. Thaya, Schloß, Schaft des Gewehrs Nr. 3 (S. 170) 

24. Pendant dazu. 

25. Schrotflinte mit aufklappendem Bajonett; der Holzschaft reich mit derb gravierten Elfenbeineinlagen 
geziert, die Tiere, Mascherons und Ornamente darstellen. Ende des XVII. Jhs. 

26. Kugelstutz; der achtseitige Lauf bezeichnet: G. Huncklinger in Mökkh. Das Schloßblatt aus poliertem 
Stahl zeigt in Rokokokartusche die Bezeichnung : Franz Steskal und hat Streckerabzug. Anschraubbares 
Visier. Der Schaft ornamental verschnitten, mit Hornbelag, hat die Brandmarke F. S. Um 1770. 




Fig. 179 Waidhofen a. d. Thaya, Schloß, Schloß des Gewehrs Nr. 4 (S. 170) 

27. Kugelstutz, der achtseitige Lauf ohne Bezeichnung; das gravierte Schloß trägt geschnittenen Hahn und 
Bezeichnung : Kaspar Zelner in Wien und hat Stecherabzug. Der Holzschaft hat gravierte Bronzebeschläge 
und Hornplattenbelag. Um 1730. 

28. Kugelstutz, der achtseitige Lauf trägt die Marke und Bezeichnung : Caspar Zelner; das gravierte Schloß 
trägt dieselbe Bezeichnung und die Darstellung einer Sauhatz; Stecherabzug. Der verschnittene Schaft 
mit Bronzemontierung und Hornbelag. Erste Hälfte des XVIII. Jhs. 



1 



Waidhof en a. d. Thaya 173 

29. Schrotflinte, runder, ins Achteck absetzender Lauf ohne Bezeichnung; Schloß graviert : sitzende Minerva 
von Waffen umgeben. Holzschaft mit Bronzebeschlägen. Zweites Viertel des XVIII. Jhs. 

30. Schrotgewehr, runder, ins Achteck übergehender Lauf mit undeutlicher Marke JBHB; das Schloß mit 
gravierter Hasenjagd und Bezeichnung: Mathias Stoper in Wienn. Der Holzschaft fvC? mit gravierter 
Bronzemontierung. Um 1760. 

31. Schrotflinte, der runde, ins Achteck übergehende Lauf trägt in Silber eingelegt die Bezeichnung Johann 
Waas, Büste der Minerva, und Marke E9»r das Schloß graviert, mit liegender Minerva und Bezeichnung: 
in Wienn. Der Holzschaft mit Bronze- fifjP/ mpntierung, am Hals ein von Genien gehaltenes männliches 
Brustbild. Um 1720. 

32. Pendant dazu. jjilji 

33. Schrotflinte; der runde Laut ins Achteck übergehend, trägt die Bezeichnung Marke 1BH ; das Schloß 
ornamentiert und bezeichnet : Georg Keiser in Wienn. Der Schaft mit gravierter Bronzemontierung. Anfang 
des XVIII. Jhs. 

34. Schrotflinte; der runde Lauf ins Achteck übergehend, ist bezeichnet : Thomas Schalander a Ferlach; 
Schaft mit blanker Eisenmontierung. Um 1760. 

35. Schrotflinte; der runde Lauf ins Achteck übergehend, mit der Marke (s. nebenstehend) G. Her- 
nandez; das Schloß in türkischer Form ornamental mit Marke J6t graviert; Ahornschaft. 
Um 1700. • 

Ferner mehrere Steinschloßflinten mit gering gravierten Schlössern und ornamental verschnittenen Schäften. 
Eine bezeichnet : Christian Nuterisch in Wienn (um 1760); eine zweite C. Pischoj in Hörn (Mitte des XVIII. Jhs.); 
eine dritte mit Marke rf&gs. am Lauf; eine mit abschraubbarem Laufe, am Schlosse die Bezeichnung 
G.H. (XVIII. Jh.); eine (Krl) lange Teichflinte, deren Schloß bezeichnet: Caspar Zelner in Wienn: ferner 
vier Flinten von August «äg/ Küchler in Poystorff (XVIII. Jh.); ein Tromblon bezeichnet: Lazarino 
Cominazzo (Ende des XVII. Jhs.). 

Weiters Jagdgewehre mit orientalischen Läufen, darunter eines, dessen Lauf goldtauschierte Ornamente und 
arabische Schriftzeichen trägt, am *=& Schlosse bezeichnet: Josef Pauer in Wien (XVIII. Jh.); ein zweites 
mit Silber eingelegt, trägt die Marke ffla ein drittes von Jos. Pauer mit geschnittenem Laufe, dessen Mündung 
als Drachenkopf mit Türkisen in |wj Kastenfassung als [fi| Augen gestaltet ist; ein viertes mit geringer 
Silbertauschieriing am Laufe und un- ™ deutlicher Marke 'I E Ein fünftes mit Silber eingelegt mit Marke 
das Schloß von „Lamarre ä Vienne". V 

Ein Paar Steinschloßpistolen, der Lauf bezeichnet : Lazaro Lazarino, die Schlösser reich figural und 
ornamental graviert. Der braune Holzschaft mit reich gravierter Bronzemontierung, Jagdszenen darstellend. 
Der Kolbenschuh als Maskeron gebildet. Um 1700. 

Hofdegen in Scblangenhautscheide mit Gehäng, blau angelaufener Klinge; gravierter und vergoldeter Messing- 
griff mit Doppeladler und F. I. 

Ein zweiter Galadegen, der Griff aus durchbrochenem Stahl, die dreischneidige Klinge goldtauschiert mit 
der Inschrift : hoc lumine vivo. Um 1760. 

Ein Trauerdegen mit blau angelaufenem Stahlgriffe und dreischneidiger Klinge. Um 1760. 
Gehänge eines Büchsenspanners samt Hirschfänger. Das Gehänge schwarzes Lackleder mit versilberter Mon- 
tieruug. Der Griff des Hirschfängers trägt die Wiener Beschau von 1793 und die Meistermarke LAH. 
Spieß mit breitem Blatte, das in vergoldeter Ätzung zwei Kriegerfiguren in Umrahmung von Ranken und 
Waffen zeigt; der Schaft mit gehämmerten Naben. Ende des XVI. Jhs. 

Privat häuser: Nr. 91, der Südseite der Kirche gegenüber. Lichtgrün, einstöckig, mit gebändertem Privathäusc: 
Untergeschosse mit kleinen Fenstern und seitlich gestelltem Rundbogenportale; über Simsband erstes Geschoß 
mit Lisenengliederung und hohen Fenstern mit vorgebautem Parapett und geschwungenem, von Konsolen 
getragenen Sturze mit Muschel im Giebelfelde. Profiliertes Abschlußgesims; darauf Flachgiebel, der durch 
ein Gesims in eine Staffel mit konkav eingezogenen Schenkeln und Bodenfenstern und ein glattes Giebelfeld 
gegliedert ist. Im ersten Stocke rechteckiges Schild mit Bäckerzeichen und A. H. 1737 in einer, von Löwen 
gehaltenen Kartusche unter Krone. Anlage vom Anfange des XVII. Jhs. Um 1737 fassadiert. 

Nr. 79. Grünliches, einstöckiges Haus, dessen gebändertes Untergeschoß der östlich abfallenden Straße angepaßt 
ist. Etwas gegen O. verschobener Erker, der im Erdgeschosse flachgedrückt, im ersten und Bodengeschosse 
halbrund vorspringt. Im Erdgeschosse Tür, zu der eine zweiarmige Freitreppe führt. Über Gesims das erste 
Geschoß mit Pilastergliederung mit Palmetten unter den Deckplatten und kleinen Fenstern mit ornamen- 
tierten Parapetten unter den Sohlbänken. Der Erker mit gleicher Gliederung, die runde Ausbauchung im ersten 
Geschosse mit gekerbtem Ablaufe; das Ornament an Pilastem und Parapetten variiert. Darüber durchlaufend 
drei Streifen mit Feldergliederung und (im obersten) Breitfenstern. Profiliertes Abschlußgesims. Anlage vom 
Ende des XVI. Jhs.. Um 1730 zum Teil fassadiert. 

Nr. 76. Einstöckiges, grau übertünchtes Haus; die drei Fenster, das Obergeschoß in der Breite der drei Fenster 
als Erker vorspringend, über drei gekerbten Konsolen und zwei gestuften gedrückten Bogen. Die Fenster von 



uung 

I 



174 Gerichtsbezirk Waidhofen a. d. Thaya 

Pilastern zwischen zwei profilierten Gesimsen eingefaßt, mit Muschelornament unter den segmentbogig oder 
kielbogig geschwungenen Sturzbalken. Anlage des XVI. Jhs.; in der Mitte des XVIII. Jhs. fassadiert. 

Nr. 10. Wirtshausschild „Zum goldenen Hirschen", Arm aus schmiedeeisernen Spiralranken, die in vergoldeten 
Blättern enden; rechteckiges aus Blech ausgeschnittenes Wirtshausschild. Ende des XVIII. Jhs. 

Nr. 16. Wirtshausschild „Zum goldenen Ochsen"; Arm aus Spiralranken von grüner Blechrocaille eingefaßt, 
der Schild rechteckig, aus Blech ausgeschnitten. Der Arm um 1770, der Schild aus der ersten Hälfte des 
XIX. Jhs. 

Von der niedriger gelegenen Ostseite des Hauptplatzes führen zwei ungefähr parallele Straßen zum Schlosse 
beziehungsweise zur Thaya und Altstadt. Ihren Anfang bildet das Haus Nr. 18, dessen Hauptfassade gegen 
den Platz und die Wienerstraße, dessen glatte Hinterseite gegen die Höberthgasse gerichtet sind. Gelblich 
gefärbeltes, einstöckiges, großes Haus; von der Fassadierung aus der Mitte des XVIII. Jhs. ist noch übrig: 
ein ebenerdiges Fenster in Rahmung, flankierende Pilaster mit Blütengehängen in den vertieften Feldern. 

Nr. 18, H a u p t p 1 a t z, Ecke Wienerstraße (Apotheke): Gelblich gefärbeltes, einstöckiges, großes Haus; 
von der Fassadierung aus der Mittes des XVIII. Jhs. ist noch übrig: ein ebenerdiges Fenster in Rahmung; 
flankierende Pilaster mit Blütengehängen in den vertieften Feldern und Volutenkapitälen, darüber dreiteiliges 
Gesims, das sich in geschwungenem und gebrochenem Bogen über dem Fenster fortsetzt. In der Attika, das 
untere Gesims überschneidend, Keilstein. Die oberen Fenster mit kiel- respektive segmentbogigem, geschwun- 
genen Sturze über gerillten Voluten, die auf der mit Blüten geschmückten Rahmung aufstehen. Palmetten 
im Giebelfelde. Das übrige im XIX. Jh. (wohl nach dem Brande von 1873) stark erneuert. Gegen die 
Höberthgasse Magazin mit kleinen, gotisch profilierten Fenstern. 

Nr. 109, Höberthgasse. Einstöckiges, gelb gefärbeltes Haus. Im Erdgeschosse zwei Türen in Rahmung, 
jede mit querovalem, gerahmten Oberlichte, das seitlich von zwei gerillten, konkav geschwungenen Bändern 
mit Tropfen, nach oben mit geschwungenem Segmentsturze abgeschlossen ist. Zwei Fenster mit Sohlbank, 
Sturz und Rautengitter. Obergeschoß mit Lisenengliederung, die zwei äußeren Fensterpaare mit kielbogig 
geschwungenem Sturze und vorgebauchten Parapetten und drei Tressen darin. Die mittleren Fenster mit 
geradem, gebrochenen Sturze und flachen Parapetten mit Tropfen. Alle in Rahmung mit Tropfen und 
Muscheln in den Giebelfeldern. Mitte des XVIII. Jhs. 

Nr. 119, Wienergasse. Kleines einstöckiges Haus mit Pilastergliederung und Parapetten, von Balustern 
eingefaßt, unter den Fenstern und mit flachen, respektive in der Mitte kielbogig geschwungenen, von Vo- 
luten getragenen Stürzen darüber. Anlage Mitte des XVIII. Jhs. 

Nr. 116, Wienergasse. Gelb gefärbeltes, einstöckiges Haus mit kurzem Dachgeschosse, die Geschosse 
durch Gesimse gegliedert. Im ersten Geschosse Erker, ein Fenster breit, rechteckig vorspringend und auf 
einem gestuften und gedrückten Rundbogen zwischen zwei gekerbten Konsolen aufsitzend. Anlage- des 
XVI. Jhs., mit geringer Erneuerung aus der Mitte des XVIII. Jhs. 

Nr. 23, B ö h m g a s s e. Einstöckig, gelb gefärbelt. Erstes Geschoß mit Pilastergliederung und gerahmten 
Fenstern mit mittleren segment- und äußeren kielbogig geschwungenen Stürzen über Volutenkonsolen. Das 
eine seitliche Fenster mit dem darunter befindlichen Rundbogentore in der Dekoration zusammengefaßt. 
Über dem Tor ein, das Gesims durchbrechender, flacher, geschwungener Aufsatz mit flamboyant gerahmtem, 
rechteckigen Bilde : Hl. Dreifaltigkeit, Gott-Vater, den Kruzifixus im Schöße. Um 1750; der obere Teil des 
Hauses neu. 

Nr. 33, B ö h m g a s s e. Wirtshausschild „Zum goldenen Stern". Schmiedeeisen, teilweise vergoldet. Ranken, 
Rosetten bildende flamboyante Ornamente und Blumen. Vorne in Kartuschenrahmung goldener Stern. XVIII. Jh. 

Böhmgasse. Reihe von drei ebenerdigen Häusern; Nr. 34 mit eingezogenem Giebel, Nr. 35 und 36 
mit Schopfdächern. Nr. 35 mit zwei Skulpturen : Madonna mit Kind und hl. Sebastian in Rundbogennischen. 
Gering. Erste Hälfte des XVIII. Jhs. 

Nr. 2. (Südlicher Abhang.) Gelb gefärbelt, zweistöckiges Haus, gegliedert durch ein Gesims, das drei untere 
Fenster und eine Tür mit zweiarmiger Freitreppe durchschneidet. Die beiden Geschosse durch eine Riesen- 
lisenenordnung zusammengefaßt. In zwei Fenstern Korbgitter. Ältere Anlage, am Anfange des XVIII. Jhs. 
fassadiert. 

(Alt-)Waidhofen 

Lag seit 1112 im Zehentgebiete von St. Georgen (Archiv 1853, 247), scheint also einst noch zur Grafschaft Raabs gehört zu haben. 
Die Herrschaft Waidhofen halte 1499 hier sechs aufrechte und zwei öde Häuser (Urbar im Reichsfinanzarchiv zu Wien). 

Bildstock. Bildstock: Straße nach Hollenbach; Tabernakelpfeiler, achteckig, oben und unten ins Viereck übergehend. 
Tabernakel mit rechteckiger Nische an zwei Seiten, Deckplatte und abgebrochenem Steinkreuze. Granit, die 
Tabernakelwände Ziegel. XVII. Jhs. 



(Alt-)Waidhofcn. — Sieghartles. — Wienings 



175 



Ehemaliger Gutshof: Einst herrschaftliches Brauhaus. Ursprünglich durfte die Herrschaft nur das 
Bier zum Hausgebräuche herstellen, aber Kaiser Rudolf II. gestattete 1606 derselben gegen Erlag von 1000 fl. 

die freie Ausübung des Gewerbes (Schloßarchiv Waidhofen). 

Langgestrecktes, rosa-gelb verputztes Gebäude mit Ortsteinfries unter rundprofiliertem Gesimse. In der Mitte 
zylindrischer Turm, der das Gebäude wenig überragt und um den Fries umläuft. Ziegelkegeldach. XVII. Jh. 

Haus Nr. 37. Bei der Brücke über die Thaya. Einstöckig, modern gefärbelt; Einfassung und Gliederung mit 
Pilastern und Hängewerk. Die Fenster in Umrahmung mit gebrochenen Giebeln, mit Palmettenmuschel im 
Giebelfelde. An der Hauptfront schmiedeeisernes Hauszeichen, freiragender Arm mit vergoldeten Rosetten- 
gittern, Riemenwerk usw.; im Schilde eine ausgeschnittene Ente. Haus und Schild um 1730— 1840 (Fig. 180). 



Khi-nialigcr 
Gutshof. 



Fig. 180. 




Fig. 180 (Alt-)Waidhofen, ehemaliger Gutshof (S. 175) 

Wiederfeld s. Buchbach 



Wienings 

1. Sieghartles; 2. Wienings 

1. Sieghartles 

Erscheint als Sighartleins im Zelwnlverzeiclinisse von St. Georgen laut Stiftung von 1112 (Archiv, J8S3, 246). 

Ortskapelle von 1830 : Weiß gefärbelter rechteckiger Bau mit geringem Sockel und Hohlkehlengesims. 
jederseits zwei gedrückten Rundbogenfenstern, eingezogener Apsis. In der Front, in deren Mitte der Turm 
eingebaut ist, über der rechteckigen Tür Rundbogennische. Modern gedecktes Dach. 

Inneres: Flachgedeckt. 

2. Wienings 

Findet sich als Wuenings im St. Georgner Zehentverzeichnisse nach der Sti/tung von 1112 (Archiv, 1853, 246). 

Ort skap eile: Erbaut 1760 (Konsistorialarchiv St. Polten). Grauweiß gefärbelt; rechteckig mit auf- 
gesetztem Türmchen über der Giebelfront. Über der Eingangstür Rundbogennische mit polychromierter 

Statuette des hl. Florian. Ziegelsatteldach. 



Ortskapclle. 



Inneres. 



Ortskapelle. 



176 



Gerichtsbezirk Waidhofen a. d. Thaya 



Inneres. Inneres: Flachgedeckt. 

Altar. Altar: Skulpturengruppe, hl. Dreifaltigkeit und Schmerzensmadonna in gemeinsamer flamboyanter, ver- 

goldeter Rocaillerahmung. Um 1750. 

Skulpturen. Skulpturen: Immakulata, lebensgroße, weiß gefaßte Holzgruppe um 1730. — Weiß emaillierte Holz- 
statuette der Madonna mit dem Kinde, auf Wolken thronend. Um 1660. — Polychromierte Holzstatuette der 
Madonna. Sehr geringe Arbeit des XV. Jhs. 

Windigsteig, Markt 

Literatur: Fahrnoruber 228; Geschieht!. Beilag. 1X289; W. A. \. XXVII 42; Winter, Niederösterreichische Weistümer II 256. 

Archivalien : Pfarrarchiv mit Matriken seit 1673 und Gedenkblich. — Geschichte der Pfarre W. von Johann von Erast in Grübels 
Manuskripten im Konsistorialarchiv St. Polten. 



Pfarr- 
kirche. 




m. i r? 



■ tri 





Fig. 181 Windigsteig, Pfarrkirche (S. 177) 

Zuerst erschein! hier von 1284 an ein Adelsgeschlecht seßhaft (LINK, Annalen 1 446). Das Stift Zwettl verzeichnete um 1325 nicht 
unbedeutende Einkünfte für die Pfarre in villa Windistey (Fontes III 581). Als Markt erscheint es 1389 in einem Zehentstreite 
zwischen Hans von Streun und Hans dem Neudegger auf Meires (KALTENEGGER, Manuskript im Servitenktoster in Wien). Einen 
Jahrmarkt auf St. Lorenz bewilligte Kaiser Friedrich III. 1492. Kaiser Leopold bestätigte am 6. September 1674 in Wien den Markt 
auf Laurenzi, verlieh einen Jahrmarkt am Sonntag nach Allerheiligen, verlegte den Wochenmarkt vom Mittwoch auf den Donnerstag 
und bestätigte auch das Wappen, bestehend in einem schwarzen Schilde mit einer blauen Straße von einer Ecke schräg zur andern, 
darauf ein schwarzer aufwärtslaufender Windhund mit roier ausgeschlagener Zunge und goldenem Halsbande (Abschrift im Gedenk- 
protokolle von 1690, Schloßarchiv Meires). Das Landgericht mit Stock und Galgen zu W. gehörte zum Gute Meires. 
In W. machte sich 1705 ein Maler Michael Keßler aus Brixen für kurze Zeit seßhaft (Top. VI 358). Der hier geborene 
Jakob P ink erscheint als Maler in Prag und lieferte 1737 das Gemälde zum Johann-Nepomuk- Altare der Stiftskirche in Zwettl 
(RÖSSLER, Das Stift Zwettl, 1893, 26). 

Pfarrkirche zum hl. Laurenz. 

Diese Kirche erhielt 1300 einen Ablaßbrief und kam 1303 durch Schenkung des Albero VI. von Kuenring 
an das Stift Zwettl. Sie hatte damals bereits Gülten in vielen umliegenden Dörfern (Fontes III 251, 581) 



Windigsteig 



177 



und bekam unter Pfarrer Friedrich 1330 einen Weingarten durch Wolfhard von Gotschalings. Papst Bonifaz IX. 
einverleibte die Pfarre, welche von Weltpriestern versehen wurde, dem Stifte Zwettl (Fontes III 691). Durch 
die Hussiten wurde die Kirche vollständig zerstört, dann vom Abte Johann von Zwettl wieder erbaut, worauf 
sie der Weihbischof Matthias von Passau am 4. Oktober 1437 mit dem Hochaltare und Friedhofe weihte. 
Auch am 25. November 1494 weihte sie Weihbischof Nikolaus von Passau ein (Link, Annalen II 130, 315); 
damals war sie wahrscheinlich in den Kriegen entweiht worden. Etwas später wurde Gewölbe und Dach neu 
hergestellt, wozu die Wallfahrtskirche Maria-Rafings 400 fl. beisteuern mußte, wie 1594 berichtet wird (Top. 
VI 356). 1544 war hier nur e i n Priester und die Kirche in gutem Baue. Bald darauf hatte sie durch die 
Gegnerschaft der lutherischen Gutsbesitzer von Meires zu leiden. Um 1640 wurde der Kirchturm gebaut und 
auch die über zwei Stunden entfernte Pfarre Edelbach damit vereinigt (bis 1708). Seit 1673 besetzt das 
Stift Zwettl diese Pfarre mit seinen Religiösen. 1708 bestanden in der Kirche drei Altäre zu den Heiligen 
Laurenz, Fabian und Sebastian und Anna. 1784 übertrug man hierher das Gnadenbild von Rafings und um 
1826 wurde die Kirche ausgemalt, die Altäre renoviert und ein Kreuzweg angekauft. 

Beschreibung: Vielfach verbaute, ursprünglich gotische Anlage (1437); Ostturm (Fig. 181 und 182). 








1 












t 









Beschreibung. 
Fig. 181 u.182. 



Fig. 182 Windigsteig, Pfarrkirche, Grundriß 1 : 250 (S. 177) 



Äußeres: 

Grünlich gefärbelter Bruclisteinbau mit weißen Einfassungen; hart profiliertes Kranzgesims. Langhaus und 
Chor ohne äußere Trennung zusammengefaßt. 

Langhaus und Chor: Glatte, breite Front mit rechteckiger Tür, neben ihr ein starker Stützpfeiler mit 
ziegelgedecktem Pultdache. S. und N. in der Mitte der Front leicht im rechten Winkel geknickt; in der rest- 
lichen Hälfte zwei halbrunde Fenster, in der östlichen ein ebensolches und ein niedrig angebrachtes, recht- 
eckiges Fenster. Vor der westlichen Hälfte der Südfront moderner Vorbau. 0. Hohe Giebelwand, in deren 
oberen Teil der Turm eingebaut ist; über dem Anbaue zwei halbrunde Fenster, oben rechteckige Bodenluke. 
Hohes Ziegelwalmdach. 

Turm: Auf den Ostgiebel aufgesetzt, achtseitig, die Kanten mit weißen Wandstreifen eingefaßt; in hori- 
zontaler Richtung durch vier Streifen in je fünf Felder geteilt. In den beiden oberen Feldern der Haupt- 
richtungen je ein Segmentbogenfenster, im dritten Felde Zifferblatt. In einigen der anderen Felder je eine 
runde Luke. Blechgedecktes Zwiebeldach. 

Anbau: Östlich von der Kirche. Rechteckig; im N. rechteckige Tür, im 0. zwei Halbrundfenster. Halbes 
Ziegelwalmdach. 

Inneres: 

Modern ausgemalt, an den Wänden marmoriert, an der Decke figural. 

Langhaus: Großer, breiter, rechteckiger Raum, die Langseiten mit jederseits zwei rundbogig geschlossenen, 
stark vertieften Fensterfeldern, zwischen denen die Mauer als Pfeiler stehen geblieben ist; ein drittes gleich- 
st 'st alt etes, westliches Feld nicht vertieft. Das östliche Pfeilerpaar mit in der Mitte vorgesetzter Halbsäule. 



Äußeres. 



Langhaus 
und Chor. 



Turm. 

Anbau. 
Inneres. 

Langhau«. 



VI 



23 



178 



Gerichtsbezirk Waidhofen a. d. Thaya 



über profiliertem Sockel, mit ausladendem, profilierten Gebälk; der zweite Pfeiler ohne Säule und Sockel, 
in seiner östlichen Tiefe ebenso wie der östliche das Langhaus rahmende Pfeiler in der Mauer. Auf den Deck- 
platten der Pfeiler lastet die tonnengewölbte Decke, in die jederseits drei spitze Stichkappen einspringen; 
über dem westlichen Pfeiler ein die, Decke gliedernder Gurtbogen. — Westempore in der Breite des Lang- 
hauses aus einem gemauerten, westlichen und einem östlichen, hölzernen Erweiterungsbau bestehend. Der 
westliche Teil auf drei Gratgewölben (die äußeren durch Verstärkungen zum Teil verbaut) und zwei acht- 
seitigen Pfeilern mit Rundstab und profilierter Deckplatte aufruhend; die untere Halle öffnet sich in drei 
gedrückten Rundbogen. Die westliche Holzempore, im Mittelteile segmentbogig vorgebaut, von Steilvoluten- 
konsolen getragen. Die Balustrade an den Flügeln mit eingeblendeten, flachen, ausgeschnittenen Balustern, 
im Mittelteile mit rechteckigen Feldern zwischen Postamenten, deren Körper mit Rundnischen ausgenommen 
sind; darin Blumenvasen unter Muschelabschluß. Auf der profilierten Deckplatte drei kleine und zwei große 
musizierende Engel, weiß gefaßt und vergoldet. 
Jederseits drei Segmentfenster, im W. und S. unter der Empore rechteckige Tür in Segmentbogennische. 




Fig. 183 Windigsteig, Pfarrkirche, 
Madonnenstatue auf dem Seitenaltare (S. 179) 



Chor. Chor: Stark einspringend, in etwa gleicher Höhe wie das Langhaus, gegen das es sich im Rundbogen über 

profilierten Deckplatten öffnet; diese setzen sich als Gesimse fort, verkröpfen sich um östliche geringe, den 
Chor einfassende Pilaster und schneiden an der geraden Ostwand ab. Kurze Tonne mit einspringenden 
Stichkappen im N. und S. Im 0. zwei Segmentfenster, im N. und S. zwei gedrückte Rundbogenöffnungen zu 
den Einbauten, darüber Segmentfenster. 

Die Einbauten niedriger als der Chor, rechteckige Fenster im N. beziehungsweise S. enthaltend; im nördlichen 
Kanzelstiege. Im 0. Tür zur zur Sakristei. 

Anbau. Anbau: Im 0. des Chores, Sakristei; nach S. moderne Erweiterung. Unregelmäßig gewölbt. Zwei Segment- 
fenster im 0., Tür in Segmentbogennische im W. und N. Im 0. rechteckige Nische mit altem, schmiedeeisernen 
Gitter mit gotischen Kreuzblumenornamenten am Schlüsselbleche. Anfang des XVI. Jhs. 

Einrichtung. Einrichtung: 

Altäre. Altäre: 1. Hochaltar; Skulpturenaufbau aus Holz, marmoriert, mit Vergoldung, die Skulpturen poly- 

chromiert und vergoldet. Wandaufbau mit vier gliedernden Pilastern, die mit zwei vorgestellten Säulen eine 



Windigsteig 



179 



Rundnische bilden. Der Aufbau von dreiteiligem, bewegten Gebälke abgeschlossen, das über der Nische nach 
oben ausbiegt. Als Aufsatz die Figuren Gott- Vaters über der Weltkugel thronend, große und kleine adorierende 
Engel. In der Nische Kruzifixus von zwei großen Engeln getragen; vor den äußeren Pilastern über blatt- 
ornamentierten Volutenkonsolen Statuen der Hl. Johannes und Maria. Vor den Säulen Reliefs in reicher 
Kartuscherahmung Darstellung Christi und Vermählung der hl. Jungfrau. Um 1720. Vor dem Altare Mensa 
mit frei aufgesetztem Tabernakel, weiß und Gold. Aus einem, von Voluten besetzten Mittelteil und seitlichen, 
liegenden Voluten bestehend, auf denen große Engel knien, die ein über dem Mittelteile angebrachtes Gnaden- 
bild der schmerzhaften Madonna auf Holz mit Goldgrund (von Raffing) halten. Das Gnadenbild ist an der 
Rückseite ebenso bemalt. An der Vorderseite des Tabernakels und der Volutenglieder Reliefs : Kruzifixus 
zwischen Maria und Johannes; hl. Barbara und hl. Katharina. 

2. Seitenaltar; im Südostecke des Langhauses. Skulpturenaufbau. Eine von zwei Pilastern mit Volutenkapitälen 

gebildete Nische, darauf über dreiteiligem Gebälke Volutenkartuschaufsatz mit Inschriftskartusche, Chrono- 

gramm 1720. Zuhöchst zwei Putten mit einer Krone. In der Nische große, hölzerne, polychromierte Statue 

der Madonna, sitzend, das Christkind über einem 

Polster auf dem Faltenbausche haltend. Seitlich M1 B - ^ ijpiw 

zwei gewaiidhaltende Engel. Um 1510 (Fig. 183). X^ ^>Vj / 




s 





Fig. 183. 



Fig. 184 Windigsteig, Pfarrkirche, 
Statue der hl. Elisabeth (S. 179) 



Fig. 185 Windigsteig, Pfarrkirche, 
Skulpturengruppe der Erziehung Mariae (S. 179) 



Skulpturen: 1. Im Chore; Statuette, Holz, polychromiert, hl. Johannes von Nepomuk. Mitte des Skulpturen. 
XVIII. Jhs. Über Volutenkonsole mit Kerzenarm, schmiedeeisern, mit flamboyantem Ornamente. 

2. Pendant; hl. Florian (ohne Kerzenarm). 

3. Hl. Latirentius, Holz, polychromiert und vergoldet, lebensgroß. Um 1720. 

4. Pendant dazu; hl. Sebastian. 

5. Im Langhause; hl. Bernhard, hl. Rochus, hl. Elisabeth (Fig. 184) und hl. Helena. Modern gefaßt, lebens- Fig. 134. 
groß. Gute österreichische Arbeiten. Um 1720. 

6. In Baklachinaufbau; Erziehung Mariens, Gruppe, Holz, polychromiert, vergoldet und versilbert, hl. Anna 

sitzend, neben ihr steht die kleine Maria. Zweite Hälfte des XVII. Jhs. (Fig. 185). Fig. 135. 

Kanzel: Holz, weiß gefaßt und vergoldet; aus dem Achtecke konstruiert, gebaucht, die Kanten mit Kamel. 

Postamentbündeln abgeschrägt und mit Voluten mit Hängewerk besetzt. Kartuscheförmige Reliefs : (ein 
Fragment) weinende Frau, Verkündigung, Christi Geburt und Auferstehung. Der Schalldeckel glockenförmig 
mit ähnlich abgeschrägten Kanten, auf dem unteren Gebälk Putten mit geistlichen Insignien, zuhöchst 
Christus als Weltenherrscher. Mitte des XVIII. Jhs. 

23* 



180 



Gerichtsbezirk Waidhofen a. d. Thaya. — Windigsteig 



Grabsteine. Grabsteine; 1. Innen im Langhause. Weiß überstrichene Platte, darinnen im Segmentfelde Wappen- 
relief (ein Faß), darüber Blattfüllung in den Zwickeln. Hans Georg Kraft, zu Meires, 1590. 

2. Rote Marmorplatte : Hie liegen begraben des edlen gestrengen Hans Georg Kraft von Helmsau auf Meires 
und Justina seine Gattin und deren Kinder; unter der Inschrift zwei Wappen. Ende des XVI. Jhs. 

3. Rote Platte mit Wappenreliefs. Inschrift in Rollwerk : Caspar Kraft von Meires und Windisteig und seine 
beiden Frau Margareta Reinstetterin und Elisabet Eisengramin. Ende des XVI. Jhs. 

4. Weiße Platte, im obern Teile Relief, kniendes Mädchen, links und rechts ober ihr Wappen. Des Hans Georg 
Kräften von Helmbsau zu Meires und der Justina seiner Frau Tochter Christina f 1582. 

Außen: 1. Am Anbaue. Graue Tafel in weißer architektionischer Umrahmung: Elisabeth Kasparik 1834. 
2. Östlich am Chore : Graue Kalksteinplatte : Leopold Mathias Kudler 1747. 

Glocken. Glocken: 1. Durchmesser 68 cm (Kreuz, I H S, sieben Schmerzen). Ad laudem B. V.M. almae Dei 
genitricis de VII doloribus in Rafing — me Joannes Bernardus abbas Zwettlensis fieri fecit 1650. Simon Urn- 
dorf er von Steir g. m. 

2. (Kreuz, M. Zell, St. Florian, St. Johann von Nepomuk). Ad pietates convoco vivos, ut mentor resono . . . 
Ferd. Drackh von Krems hat mich in Zwettl gegossen a. 1727. 

3. (Kreuz, S. Maria). J. G. Jenichen, Krems 1818. 

4. (Kreuz, S. Maria). Jenichen 1849. 

Pfarrhof. Pfarrhof: Der Pfarrhof steht an der Stelle des ehemaligen Schlosses, das 1562 von Kraft von Helmsau 
erweitert worden war. Als 1677 mit dem Markte der Pfarrhof abbrannte, wurde das verfallene Schlößchen 
als Pfarrhof eingerichtet. Um 1728 ließ der Abt nach dem Plane des Baumeisters Munkenast noch einen 
Flügel daranbauen. 

Weitläufiges Gehöft. Ein Zimmer im ersten Stocke mit reicher Stuckdecke; in der Mitte Kartuschefeld mit 
Hochrelief : Pelikan mit den Jungen. In den Ecken je ein kleines Medaillon mit gemalten Emblemen der vier 
Jahreszeiten; in der Mitte der Schmalseiten je ein ovales Medaillon mit den Gesetzestafeln beziehungsweise 
dem Anker, darunter frei herausgearbeitete Köpfe. Herum Rosettengitter und Riemenwerk. 1733 gearbeitet. 

Gemälde. Gemälde: Öl auf Leinwand; 55 x 92*5 cm. Kruzifixus mit der knienden Magdalena. Schule des Joh. 
M. Schmidt. Um 1800. 

Bildstöcke. Bildstöcke: 1. Marktsäule auf dem Ortsplatze. Über drei Stufen prismatischer Sandsteinpfeiler mit 
geritzten Seiten, über gekehlter Deckplatte die Statuette eines Ritters tragend. Seitlich ein mit Eisen- 
klammern befestigter, hölzerner Arm mit Schwert. XVII. Jh. 

2. Auf dem Ortsplatze. Über zwei hohen Stufen und prismatischem Postamente übertünchte Steinstat'ue des 
hl. Felix mit dem Bettelsacke. An der Vorderseite des Postamentes Wappen der Hoyos und Jahres- 
zahl 1738. 

3. Straße nach Kottschallings; Kapellenbau aus Backstein, mit Nische an der Vorderseite, darinnen gemaltes 
Gnadenbild von Raffing. Aufschrift: W. 1769. 

4. Weiter nördlich; polychromierte Steinstatue des hl. Johannes von Nepomuk. Über Postament mit Steil- 
voluten zwischen profilierten Deckplatten Sockel mit herzförmigen Ausnahmen an der Vorderseite, Wolken 
mit Cherubsköpfchen und seitlichen adorierenden Putten, darauf die Statue. Eisernes Schutzdach. Um 1720. 

Privathaus. Privathaus: Nr. 34. Einstöckig, gebändertes Untergeschoß mit einfachen Fenstern, die Fenster des Ober- 
geschosses in Umrahmung mit Volutenspiralen und Tropfen. Über dem Haupttore Stuckkartusche und 
eiserner Wirtshausarm mit leichtem Blattwerke (Anfang des XIX. Jhs.). Hohes Walmdach. XVIII. Jh. 



VERZEICHNIS DER ABBILDUNGEN 



TAFELN 



Tafel Seile 

I. Dobersberg, Schloß, Porträt Kaiser Franz Josefs I. 

von Einsle 6 

II. Dobersberg, Schloß, Aquarellminiatur Kaiser Franz 

Josefs I. von Kriehuber 14 

III. WelBenbach, Filialkirche, Flügelaltar 34 

IV. Bluniau, Pfarrkirche, Deckenfresko, Enthauptung des 

hl. Johannes des Täufers von F. Zoller 54 



Talel Seit« 

V. Groß-Siegharts, Pfarrkirche, Deckenfresko 134 

VI. Groß-Siegharts, Pfarrkirche, Grabmal des Johann 

Michael von Grosser 136 

VII. Waidhofen a. d. Thaya, Pfarrkirche, Deckenfresko 

von J. L. Daysigner 152 

VIII. Waidhofen a. d. Thaya, Pfarrkirche, Hochaltar ... 153 



ABBILDUNGEN IM TEXT 



Figur Seite Figur 

1. Dobersberg, Pfarrkirche, Grundriß 1:300 1 19. 

2. Dobersberg, Pfarrkirche, Sakramentshäuschen mit 20. 

Florianistatue 2 21. 

3. Dobersberg, Johannes-Nepomuk-Statue 2 22. 

4. Dobersberg, Schloß, Gartenseite 3 23. 

5. Dobersberg, Schloß, Speisezimmer 4 24. 

6. Dobersberg, Schloß, Modell zum Erzherzog-Karl- 25. 

Denkmal 5 

7. Dobersberg, Schloß, Kleiner Salon 6 26. 

8. Dobersberg, Schloß, Uhr 7 27. 

8, Dobersberg, Schloß, Bisktiitbüste Canovas von Grassi 7 28. 

10. Dobersberg, Schloß, Porträt einer Gräfin Wallmoden 

von Joh. Ender 8 29. 

11. Dobersberg, Schloß, Miniaturporträt einer Dame von 30. 

E. W. Thomson 9 31. 

12. Dobersberg, Schloß, Miniaturporträt des Fürsten Traut- 32. 

mannsdorf von F. Lieder 10 33. 

13. Dobersberg, Schloß, Ansicht des Franzensplatzes ... 11 34. 

14. Dobersberg, Schloß, gotisierende Wandmalerei .... 12 35. 

15. Dobersberg, Schloß, Porträt des Grafen Philipp Grünne 36. 

von P. Krafft 13 

16. Dobersberg, Schloß, Toilettegaruitur 14 37. 

17. Dobersberg, Schloß. Glasservice 14 38. 

18. Dobersberg, Schloß, Skizze von Joh. Ender zum Fa- 39. 

milienporträt Erzherzogs Karl 15 40. 



Seite 

(Ober-)Edlitz, Marienfigur in der Kapelle 17 

Engelbrcchts, Kapelle, Holzskulptur 17 

Klein-Zwettl, Filialkirche 20 

Klein-Zwettl, Filialkirche, Grundriß I : 250 20 

Klein-Zwettl, Filialkirche, Inneres 21 

Klein-Zwettl, Filialkirche, Kanzel, hinten Lichthäuschen 22 
Gilgenberg, Ansicht von 1672 nach der Radierung 

von G. M. Vischer 23 

Gilgenberg, Kapelle 23 

lllmau, Schloß 25 

Karlstein, Ansicht von 1672 nach der Radierung von 

G. M. Vischer 25 

Karlstein, Schloß, Grundtiß 1:500 26 

Karlstein, Hauptzugang mit Tortunn 27 

Karlstein, Schloßhof, Nordwestecke 28 

Karlstein, Schloßhof, Südwestecke 28 

Karlstein, Schloßhof gegen Osten 29 

Kautzen, Pfarrkirche, Grundriß 1 : 250 30 

Merkengersch, Kapelle 31 

Weißenbach, Ansicht von 1672 nach der Radierung von 

G. M. Vischer 32 

Weißenbach, Filialkirche, Grundriß 1 : 250 33 

Weißenbach, Filialkirche, Flügelaltar, Attßenhilder . . 34 

Münichreith. Pfarrkirche, Grundriß 1 : 200 35 

Münichreith, ehemalige Annakapelle, jetzt Wohnhaus 36 



182 



Verzeichnis der Abbildungen 



Figur 

41. 
42. 
43. 
44. 
45. 
46. 
47. 
48. 
49. 
50. 
51. 

52. 

53. 
54. 
55. 
56. 
57. 
58. 
59. 
60. 
61. 
62. 
63. 
64. 
65. 
66. 

67. 



69. 

70. 
71. 
72. 
73. 

74. 
75. 
76. 
77. 
78. 

79. 
80. 
81. 

82. 

83. 

84. 

85. 



Seite Figur 

Reibers, Pfarrkirche, Grundriß 1 : 250 38 86. 

Reibers, Pfarrkirche, Hochaltar 39 87. 

Reinolz, Gesamtansicht 40 88. 

Reinolz, Kapelle, Pietä 41 89. 

Waldkirchen, Pfarrkirche, Grundriß 1 : 250 42 90. 

Waldkirchen, Pfarrkirche, Hochaltar 43 

Waldkirchen, Pfarrkirche, Madonnenfigur 43 91. 

Aigen, Pfarrkirche 45 92. 

Aigen, Pfarrkirche, Grundriß 1 : 520 46 93. 

Aigen, Pfarrkirche, Kanzel 47 

Aigen, Pfarrkirche, Tumbendeckplatte vom Hofkirchen- 94. 

Grabmal 48 

Aigen, Pfarrkirche, Wappenhalter vom Hofkirchen- 95. 

Grabmal 49 96. 

Liebenberg, Kapelle 50 

Liebenberg, Kapelle, Skulptur 51 97. 

Blumau, Pfarrkirche 52 98. 

Blumau, Pfarrkirche, Grundriß 1 : 200 53 99. 

Blumau, Pfarrkirche, Deckenfresko von Zoller ... 54 100. 

Blumau, Pfarrkirche, Deckenfresko von Zoller .... 54 101. 

Blumau, Pfarrkirche, Deckenfresko im Chor von Zoller 55 102. 

Gutshof Drösiedl von Westen 56 103. 

Gutshof Drösiedl, Hof 57 104. 

Eibenstein, Pfarrkirche, Grundriß 1 : 200 58 105. 

Eibenstein, Ruine 59 106. 

Eibenstein, Ruine, Grundriß 1 : 400 60 107. 

Grossau, Pfarrkirche, Grundriß 1 : 200 62 108. 

Ansicht der Ruine Kollmitzgraben nach der Vischer- 109. 

sehen Radierung von 1672 65 110. 

Kollmitzgraben, Grundriß 1:1000 66 111. 

Kollmitzgraben, Blick auf den Berchfrid und die öst- 112. 

liehen Teile der Burg 67 113. 

Ruine Kollmitzgraben, Gebäude an der Nordseite des 114. 

Hofes und Nordwestturm 68 115. 

Böhmische Mauer bei Kollmitzgraben 68 116. 

Böhmische Mauer, Grundriß 1 : 1000 68 

Gaberkirche 69 117. 

Oberndorf (Raabs), Ansicht von 1672 nach der Ra- 
dierung von G.W. Vischer 71 118. 

Oberndorf (Raabs) mit der Pfarrkirche 72 119. 

Oberndorf (Raabs), Pfarrkirche, Grundriß 1 : 300 . . . 73 120. 

Oberndorf (Raabs), Pfarrkirche, Längenschnitt 1 : 250 74 

Oberndorf, (Raabs), Pfarrkirche, Querschnitt 1:250 75 121. 

Oberndorf (Raabs), Pfarrkirche, Mittelschiff gegen die 122. 

Empore 76 123. 

Oberndorf (Raabs), Pfarrkirche, Mittelchor 77 124. 

Oberndorf (Raabs), Pfarrkirche, nördlicher Seitenaltar 78 125. 

Oberndorf (Raabs), Pfarrkirche, Hochaltar und die 126. 

Seitenaltäre im Chore 79 

Oberndorf (Raabs), Pfarrkirche, Maria vom Seiten- 127. 

altare im Chore 80 128. 

Oberndorf (Raabs), Pfarrkirche, Porzellankruzifix auf 129. 

der Kredenz 81 130. 

Oberndorf (Raabs), Pfarrkirche, Seitenaltarbild von 131. 

Joh. Schindler 82 132. 

Oberndorl (Raabs), Pfarrkirche, Madonnenskulptur . . 83 133. 



Seite 

Oberndorf (Raabs), Pfarrkirche, Kruzifixus 84 

Oberndorl (Raabs), Pfarrkirche, Statuette des hl. Michael 84 

Oberndorl (Raabs), Pfarrkirche, Monstranz 85 

Oberndorf (Raabs), Pfarrkirche, Grabstein 86 

Oberndorf (Raabs), Pfarrkirche, Grabmal des Rudolf 

von Andlau 87 

Oberndorf (Raabs), Pfarrkirche, Grabstein 87 

Oberndorf (Raabs), ehemalige Spitalskirche 88 

Oberndorf (Raabs), ehemalige Spitalskirche, Grundriß 

1 : 200 89 

Oberndorf (Raabs), ehemalige Spitalskirche, Grundriß 

1 : 250 90 

Oberndorf (Raabs), ehemalige Spitalskirche, Gewölbe . 91 
Oberndorf (Raabs), ehemalige Spitalskirche, ornamentale 

Bemalung an der Westempore 92 

Oberndorf (Raabs), Bildstock mit hl. Leopold .... 93 

Schloß Raabs von Süden 94 

Schloß Raabs, Grundriß 1 : 1080 94 

Schloß Raabs von Nordosten 95 

Schloß Raabs, Blick vom Vorhofe auf das Schloß . . 96 

Niklasberg, Pfarrkirche, Grundriß 1 : 200 97 

Niklasberg, Pfarrkirche, St. Sebastian vom Hochaltare 98 

Niklaskerg, Pfarrkirche, Holzskulptur, Pietä 98 

Raabs, Rolands-Pranger 99 

Radi, Kapellenaltar 100 

Liebnitz, Kapelle, Grundriß 1 : 200 101 

Liebnitz, Kapelle, hl. Laurentius 102 

Liebnitz, Kapelle, hl. Jüngling (Otto?) 102 

Speisendorf, Pfarrkirche 103 

Speisendorf, Pfarrkirche, Grundriß 1 : 200 104 

Speisendorf, Pfarrkirche, Kanzel .105 

Speisendorf, Pfarrkirche, Orgel 105 

Speisendorf, Pfarrkirche, Kasel 106 

Weikertschlag, Pfarrkirche, Grundriß 1 : 300 107 

Weikertschlag, Pfarrkirche, Eisengitter an der Rück- 
seite des Hochaltars 109 

Weikertschlag, Pfarrkirche, Taufkessel aus einem ro- 
manischen Kapital 110 

Weikertschlag, Fenster des Hauses Nr. 44 111 

Weinern, Schloß, Hauptportal 111 

Weinern, Schloß, Porträt der Königin Karoline Mathilde 

von Dänemark 112 

Weinern, Schloß, Altar der Schloßkapelle 113 

Primmersdorf, Schüttkasten, Tür 114 

Buchbach, Pfarrkirche, Grundriß 1:250 115 

Buchbach, Kanzel 116 

Meires, Schloß 122 

Raffingsberg, Grundriß des Chores der ehemaligen 

Wallfahrtskirche 123 

Pfaffenschlag, Pfarrkirche 125 

Pfaffenschlag, Pfarrkirche, Grundriß 1 : 250 126 

Puch, Pfarrkirche 127 

Matzelsschlag, Kapelle, Altar 130 

Matzeisschlag, Relief am Altare der Kapelle 131 

(Groß-)Siegharts, Pfarrkirche 132 

(Groß-)Siegharts, Pfarrkirche, Grundriß 1 : 300 . . . . 133 



Verzeichnis der Abbildungen 



183 



Flguf Seite Figur 

134. (Groß-)Siegharts, Pfarrkirche, Deckenfresko, Predigt Jo- 160. 

hannes des Täufers 135 161. 

135. Schloß Siegharts nach der Radierung von 0. M. Vischer 162. 

von 1072 137 163. 

136. (Oroß-)Siegharts, Schloß 137 164. 

137. Thaya, Pranger und Pfarrkirche 138 165. 

138. Thaya, Pfarrkirche, Grundriß 1 : 300 139 

139. Thaya, Pfarrkirche, Inneres 140 166. 

140. Thaya, Pfarrkirche, Statue des hl. Paulus 141 167. 

141. Thaya, Bildstock 141 

142. Vestenötting, Dorf und Kapelle 143 168. 

143. Vestenötting, Altar der Kapelle 144 

144. Waidhofen a. d. Thaya, Ansicht von 1672 nach der 169. 

Radierung von G. M. Vischer 145 170. 

145. Waidhofen a. d. Thaya, Ansicht von der Thayaseite . 146 

146. Waidhofen a. d. Thaya, Hauptplatz 147 171. 

147. Waidhofen a. d. Thaya, Pfarrkirche, Grundriß 1 : 350 148 172. 

148. Waidhofen a. d. Thaya, Pfarrkirche, Inneres 149 173. 

149. Waidhofen a. d. Thaya, Pfarrkirche, Fresko von Day- 

signer im westlichen Deckenfelde 150 174. 

150. Waidhofen a. d. Thaya, Pfarrkirche, Fresko von Day- 

signer 151 175. 

151. Waidhofen a. d. Thaya, Pfarrkirche, Inneres gegen 176. 

Westen 152 

152. Waidhofen a. d. Thaya, Pfarrkirche, Fresken im Chore 177. 

von Daysigner 153 

153. Waidhofen a. d. Thaya, Pfarrkirche, Statue vom Hoch- 178. 

altare 154 

154. Waidhofen a. d. Thaya, Pfarrkirche, nordöstlicher 179. 

Seitenaltar 154 

155. Waidhofen a. d. Thaya, Pfarrkirche, Reliquienschrein 180. 

auf dem nordöstlichen Seitenaltar 155 181. 

156. Waidhofen a. d. Thaya, Pfairkirche, südwestlicher 182. 

Seitenaltar 156 183. 

157. Waidhofen a. d. Thaya. Pfarrkirche, Wachsfigur . . . 157 

158. Waidhofen a. d. Thaya, Pfarrkirche, Madonnenstatuette 184. 

auf dem Kapellenaltare 158 185. 

159. Waidhofen a. d. Thaya, Pfarrkirche, Madonna mit dem 

Kinde und Heiligen 159 



Seite 
160 
160 
161 
161 
162 



Waidhofen a. d. Thaya, Pfarrkirche, Chorgestühl . 
Waidhofen a. d. Thaya, Pfarrkirche, Chorgestühl . 
Waidhofen a. d. Thaya, Pfarrkirche, Beichtstuhl . 
Waidhofen a. d. Thaya, Pfarrkirche, Kelch. . . . 
Waidhofen a. d. Thaya, ehemalige Friedhofskapelle 
Waidhofen a. d. Thaya, Gitter der ehemaligen Friedhofs- 
kapelle 162 

Waidhofen a. d. Thaya, Spitalskirche, Grundriß 1 : 250 163 
Waidhofen a. d. Thaya, Spitalskirche, Relief der 14 Not- 
helfer 163 

Waidhofen a. d. Thaya, Spitalskirche, Prozcssions- 

stange 164 

Waidhofen a. d. Thaya, Dreifaltigkeitssäule 165 

Waidhofen a. d. Thaya, Bildstock mit dem hl. Vinzenz 

Ferrerius 166 

Waidhofen a. d. Thaya, Rathaus 166 

Waidhofen a. d. Thaya, Portal des k. k. Amtsgebäudes 167 
Waidhofen a. d. Thaya, Schloß, Miniaturporträt der 

Freifrau Eugenie von Bartenstein 168 

Waidhofen a. d. Thaya, Reliquiar des hl. Johannes von 

Nepomuk 169 

Waidhofen a. d. Thaya, Schloß, Schlitten 170 

Waidhofen a. d. Thaya, Schloß, Bronzemontierung des 

Gewehrs Nr. 2 171 

Waidhofen a. d. Thaya, Schloß, Schloß des Gewehrs 

Nr. 2 171 

Waidhofen a. d. Thaya, Schloß, Schaft des Gewehrs 

Nr. 3 172 

Waidhofen a. d. Thaya, Schloß, Schloß des Gewehrs 

Nr. 4 172 

(Alt-)Waidhofen, ehemaliger Gutshof 175 

Windigsteig, Pfarrkirche 176 

Windigsteig, Pfarrkirche, Grundriß 1 : 250 177 

Windigsteig, Pfarrkirche, Madonnenstatue auf dem 

Seitenaltare 178 

Windigsteig, Pfarrkirche, Statue der hl. Elisabeth . . 179 
Windigsteig, Pfarrkirche, Skulpturengruppe der Erzie- 
hung Mariae 179 



NAMENSREGISTER 



A. KÜNSTLERVERZEICHNIS 



Baumeister und Maurer 

Fölser, Matthias 130, 147, 163 

Hornek, Franz 64 

Koll, Anton 1 

Kornhäusl 1 1 

Lukas, Bartholomäus 146, 148 

Mölzer, Hans 147 

Munkenast 180 

Pöschl, Lorenz 120 

Tschertte, Johann 167 

Bildhauer 

Bockfuß 117 

Borek, Ludwig 117 

Canova 9 

Fernkorn Ant. 8 f. 

Fischer Joh. Mart. 136 

Grassi 9 

Küeber 11 

Mandl, Christian 148, 156 

Merville, C. 136 

Muck Johann August 146 

Muck, Johann Heinrich 146 f. 

Rupp 166 

Schrott, Joh. Friedr. 75 

Stillen, Fr. Wilh. 147 

Wildshofer, Matthias 119 

Zauner, Franz Edler von 136 

Glockengießer 

Achamer, Johann 87 

Angerer, Ferd. 62 

Auf heimer, Anton 110 

Begl, Ignaz 62, 110 

Dival, Joh. B. 141 

Drackh, Ferdinand 31, 71, 117, 180 

Filgrader 161 

Flos, Christoph 31 

Hofbauer, Caspar 161 



Jenichen, J. G. 22, 31, 41, 44, 62, 106, 

117, 141, 180 
Klein, Andreas 119 
Korrentsch, Barbara 66, 71 
Neibauer, Hans 37 
Perner, Adalbert 35 
Pfrenger, Jos. 61 
Prininger, Matthias 49 
Scheichel, Joh. G. 19, 44, 60, 87, 110, 

129 
Scheichel, Theresia 119 
Urndorfer, Simon 180 
Vötterlechner, Ferdinand 37, 49, 55, 129, 

141 
Wesnitzer, David 35 



Goldschmiede 



15 



F 

A. W. 159 
LAH 173 
Mann, Michel 144 
Solderer, Bartholomäus 164 

Kupferschmied und Gürtler 

Stögan, Johann 147 
Reiter 117 

Maler 

Adam, Albrecht 13 
Aigen, Karl 147, 155 
Brand, Richtung des 18 
Carolus 132 

Daysigner, J. M. 148, 152 
Daysigner, Art des 157 
Einsle, Ant. 7 
Ender, Joh. 10, 13 
Etgens, Art des 109 
Eybl, Art des 168 
Floris, Franz 169 



Gauermann, J. 1 1 

Grüger, Paul 11 

Haier, J. 168 

Hanl, Richtung des 95 

Hauzinger. Richtung des 11 

Höfel, Johann 141 

Jakob, Karl 123 

Kellerini, Alberik 123 

Kessler, Christoph 146 

Kessler, Johann Roman 146 

Kessler, Michael 176 

Kessler, Paul 146 

Ketterer, Albert 64 

Krafft 11 

Kramolini 13 

Kriehuber 13, 169 

Kurz, Josef 19 

Lairesse, G. de 112 

Lieder 10 

Lippoldt, F. 169 

Mayerhof er, G. 36, 84, 128, 133 

Mayerhof er, Joh. Matth. 132 

Mayerhof er, L. 142 

Mayerhof er, Art des 117 

Molk, Josef 132 

Molk, Matthias 147, 155 

Moser, Ernst 168 

Petter, Franz Xaver 168 

Pink, Jakob 176 

Preitschopf, Jakob 46, 48, 59, 84 

Reger, Michael 126 

Reiter, Johann 168 

Reslfeld, Carl 132, 134 

Ruepp, Jakob 147 

Schindler, Joh. 84 

Schmidt, Joh. Mart. 180 

Steinfeld 11 

Suannitzer, Johannes 102 

Teltscher 14 

Thomson, E. W. 10 



Na mens rcgi st er 



185 



Troger, Unter Einfluß des Paul 141 

Troger, Art des Paul 157 

Wagenschön, Art des 95, 141 

Wainz, Georg 147 

Wiegand 10, 144 

Winterhalter 112 

Wörndle, August von 128, 148 

Zellenberg 168 

Zoller, F. 53 



Isidor 147 



Marmoriercr 



Orgelbauer 



Kasparides, Wenzel 158 

Maurachers Söhne, Firma Matthäus 158 

Schlosser 

Peschen, Jos. 75 

Steinmetzen 

Hartumbser, R. 147 
Krumpas, Joh. 75 



Tischler 

Gauch, Valentin 128 
Killian, Joh. Wilh. 75 
Perger, Ferdinand 147 
Rosenaucr, Johann 19 
Schlö°l, Anton 64 

Uhrmacher 

Ellforth 14 
Gaesner 14 
Hohenadel, Franz 9 
Jessler, Josef 7 

Waffenschmiede 

Ascher, Anton 172 
Cominazzo, Lazarino 173 
Grazl, J. Adam 170 
Hauer, Josef 171 
Hernandez, G. 173 
Huncklinger, G. 172 
Keiser, Georg 173 



Koch, Nikolaus 171 
I ..ii narre 173 
Lazarino, Lazaro 173 
Neyreiter, J. 170 
Nuterisch, Christian 173 
Pischof, C. 173 
Poser, Paul 170 
Ris, Christoph 171 
Steskal, Franz 172 
Stopcr, Matthias 173 
Waas, Johann 173 
Zelner, Caspar 170 ff. 
Zelner, Franz 170 

Ziegeldecker 
Maurer, Jakob 147 

Zimmerl eute 

Hayttl, Hanns 1 
Marti, Karl 147, 163 
Sulzbacher, Georg 139 



B. ALLGEMEINES PERSONENVERZEICHNIS 



Aichbichel, Karl Gottlieb von 111 
Albert, Bischof von Passau 103, 163 
Albrecht II. 107, 145 f., 167 
Albrecht III. 26, 41, 56, 63 
Albrecht IV. 140 
Albrecht V. 6 
Alexander VI., Papst 100 
Andlau, Anna Isabella von, geb. von 

Kirchberg 101 
Andlau, Franz Josef Freiherr von 63 
Andlau, Rudolph Freiherr von 86, 101 
Andreas, Pfarrer von Aigen 45 
Auersperg, Graf 102 
Auersperg, Johanna Gräfin von 143 f. 
Bartenstein, Eugenie von 169 
Barwitz, Franz von 23 
Beneditter, Thomas 160 
Bernard, Johann 162 
Bonifaz IX., Papst 177 
Boos von Waldeck und Montfort, Philipp 

Reichsgraf 89 
Bretislav, Herzog von Mähren 89 
Christian VI., König von Dänemark 112 
Dachpeckh, Hans der 124, 137 
Dachpeckh, Veronika 137 
Dachsner, Familie 37 
Dachsner, Heinrich 41 
Dachsner, Karl 41 
Dachsner, Ulrich 113 
Dachsner, Ursula 41 
Dänin, Franz 87 
VI 



Danin, Theresia 87 

Dauber, Anna 71 

Dauber, Joannes 71 

Dauber, Maria 71 

Dobersberg (Tobransperg), Friedrich 

von 6 
Drösiedl (Drcssiedl), Herren von 70, 127 
Drösiedl, Georg 85 
Drösiedl, Hans von 128 
Drösiedl, Niklas von 56 
Drösiedl, Wenzl, von Träbings 101 
Drugsez, Hans der 26 
Eberl, Bernhard 106 
Echtzell, Christoph von 49 
Echtzell, Maria von, geb. Binauer 49 
Egger, Isidor 46 
Egger, Theresia 136 
Einpach, Herren von 137 
Eibenstein (Iwenstein), Kaloch von 60 
Eibenstein (Iwenstein), Leopold von 58 
Eibenstein (Iwenstein), Riwin von 58 
Elisabeth, weiland Kaiserin 9 
Eyßelberg, Christina Elisabeth Freiin von, 

geb. Freiin von Rothenau 23 
Eyßelberg, Franz Placidus Freiherr von 

23 
Eytzing, Herren von 23 
Eytzing, Stephan von 122 
Feidl, Rosalia 61 
Ferchl, Johann 74, 85 
Ferdinand I., König 99, 146 



Ferdinand II., Kaiser 64 

Feßler, Bischof Dr. Josef 29, 64 

Florian, Abt von Garsten 19 

Frankl, Philipp 142 

Franz L, Kaiser 1, 132 

Franz Josef 1., Kaiser 7, 9 

Friedrich, Kaiser (1474) 122 

Friedrich III., Kaiser 99, 138, 176 

Friedrich, Erzherzog 8 f., 13 

Friedrich II., Herzog 19 108 

Friedrich, Pfarrer von Windigsteig 137 

Fritz, Friedrich 139, 141 

Gars, Burggraf Alber von 142 

Gassner 143 

Gastern, Leutold von 18 

Glockendorf, Herren von 24 

Golifzet 65 

Graf, Johann, Propst von Zwcttl 123 

Gratschmayr, Paul, Abt von Geras 52, 56 

Gregor, Pfarrer in Groß-Siegharts 132 

Greißcnegg, Christoph von 137 

Gröbner, Petrus, Abt von Pernegg 98 

Groß, Eduard 113 

Grossau, Herren von 63, 137 

Grossau, Ulrich von 63 

Grosser, Johann Michael I. von 136 

Grosser Johann Michael II. von 136 

Grosser Leopold von 136 

Gruber, Anton 75 

Gruber, Augustin 1 1 1 

Grilnne, Grafen 24 

24 



186 



Namensregister 



Grünne, Graf Karl 13 
Grünne, Graf Philipp sen. 10 f. 
Grünne, Graf Philipp 6, 37 
Grünne, Graf Philipp (18. Jh.) 10 
Grünne, Gräfin Rosalia, geb. Freifrau 

von Feltz 5, 10 
Guarient auf Raabs, Edler von 50 
Gudenus, Christoph von 169 
Gudenus, Johann von 169 
Gudenus, Johann Baptist 169 
Gudenus, Luise von, geb. Bartenstein 169 
Gudenus, Freiherren von 168 
Gudenus, Moriz 168 
Gudenus, Graf 144 
Gudenus, Freiherr von, Kreishauptmann 

von Krems 162 
Gudenus, Oktavia von, geb. Nimbsch 

169 
Guldenmüller Edler von Guldenstein, 

Karl Ignaz 41 
Habsburg, Graf Albrecht von 89 
Haffner, David Christian Freiherr von 56 
Hajek von Waldstetten, Dominicus 61 
Hanl Ulrich 16 
Hauser Hans, 36, 73, 87, 89 
Hauser, Herren von 24, 26, 89 
Hay, Johannes 147 
Heinrich, Herzog von Österreich 167 
Heißenstein, Herr von 35 
Henricus, Pfarrer von Thaya 138 
Herberstein, Herren von 24 
Heumillner, Pfarrer in Puch 129 
Heymüller, Johann Georg 128 
Heysperg, Herren von 24 
Hillemeir, Paul 45 

Hippolyt, Pfarrer von Waidhof en 162 
Hirschberg, Grafen von 138 
Hoffmann, Johann Jakob Freiherr von 

100 
Hofkirchen, Freiherren von 45 f., 56, 60, 

70 
Hofkirchen, Anna Dorothea von, geb. 

Gräfin von öttingen 49 
Hofkirchen, Apollonia von 86 
Hofkirchen, Elisabeth von 85 
Hofkirchen, Eva von 49 
Hofkirchen, Georg Andre Freiherr von 

45, 49 
Hofkirchen Hans 65 
Hofkirchen, Laurenz 65, 85 
Hofkirchen, Margaretha von, geb. von 

Losenstein 49 
Hofkirchen, Wilhelm von 49 
Hof kirchen, Wolfgang Freiherr von 45, 49 
Hollenbach, Thomas Janko Ritter von 

128 
Hoyos, Grafen von 129, 131 



Hoyos-Sprinzenstein, gräfliche Familie 44 

Huber Georg 87 

Johann, König von Böhmen 145 

Johann, Abt von Zwettl 177 

Jorin, Theresia Barbara 44 

Kändl, Th. 125 

Kaintz, Matthias 124 

Kaiserstein, Gräfin 62 

Kamegg, Heinrich von 120 

Kapeller, Frau von 74 

Karl VI., Kaiser 132 

Karl, Markgraf von Mähren 167 

Karl, Erzherzog 8 

Karlstein, Friedl von 25 

Karoline Mathilde, Königin von Däne- 
mark 112 

Kaspar, Bernhard, Abt von Zwettl 123 

Kasparik, Elisabeth 180 

Kattau auf Siegharts, Herren von 51, 137 

Kattau, Heidenreich von 132, 136 

Khlesel, Melchior 41 

Khuenburg, Hans Jacob von 168 

Kling, Geschlecht der 63 

Kollonitsch, Kardinal 162 

Konrad IL, Burggraf von Nürnberg 35 

Konrad, Pfarrer von Pfaffenschlag 125 

Kraft, Caspar 180 

Kraft, Christina 180 

Kraft, Hans Georg 180 

Kraft, Justina 180 

Kraft von Helmsau, Johann Georg 123 

Kreug, Leopold 6 

Krumicher, Geschlecht der 63 

Kudler, Leopold Mathias 180 

Kuefstein, Reichsgrafen von 124 

Kuefstein, Hans Leopold Graf von 147, 
155 

Kuenring, Herren von 129 

Kuenring, Albero VI. von 176 

Kuenring, Leuthold von 138 

Ladislaus, König von Böhmen 146 

Lamberg, Grafen von 168 

Lamberg, Graf, Bischof in Passau 43 

Lamberg, Graf Karl Josef von 147, 155 

Lamberg, Gräfin von 128 

Lamberg, Grätin Katharina Eleonora 161 

Langsteiner, Laurenz 117 

Lehrbaum, Johann Adam 2, 148, 152, 
160 

Leisser, Maximilian 130 

Lembach, Leopold von 86 

Lidimize, Ecchehardus von 101 

Liebenberg, Georg von 48 

Liebenberg, Ulrich von 50 

Liechtenstein, Fürstin 14 

Linda, Rapoto von 71 

Lippetz, Daniel 74 



Löfler, Anna 44 

Löfler, Jacob 44 

Löfler, Matthaeus 44 

Losenstein, Familie 46 

Luntzer, Georg 121 

Luther von Inpruck 37 

Mallenthein, Johann Christoph Graf von 

132 
Mallenthein, Grafen von 137 
Marchward, Pfarrer von Ragicz 73 
Maria Augusta, Kaiserin 117 
Maria Theresia, Kaiserin 64, 75 
Maschek, Ant. 44 

Matthias, Weihbischof von Passau 177 
Maximilian I., Kaiser 99, 128 
Maximilian, Herzog von Bayern 90 
Maximilianus, Propst von Herzogenburg 

114 
Meires, Ritter von 122 
Meires, Georg von 129 
Meissau, Herren von 50, 89, 137 
Mollart, Anna von 23, 41 
Mollart, Jakob von 23, 168 
Müller, Wolfgang 58 
Müller, Augustin 103 
Netich, Ernest von 143 
Neudegg, Hans von 122, 176 
Neudegg, Herren von 122 
Neuhof, Herren von 1 1 1 
Nikolaus, Weihbischof von Passau 177 
Numaltor, Gratian 146 
Oberndorf, Konrad von 73 
ödt, Elisabeth Freifrau von, geb. Schüt- 

terin von Klingenberg 144 
ödt (Wappen der) 144 
Ostrowa, Nikolaus von 89 
Ottokar, König von Böhmen 73, 89, 

107 f., 145 
Paul III., Abt von Geras 108, 110 
Paumann, Leonhard 160 
Peißer von Wertenau, Brigitta Sofia 

148, 160 
Peißer, Christoph 148, 160 
Peker, Paul 37 
Pernegg, Graf Ulrich von 107 
Perzina von Jamnitz, Johannes 98 
Petrus Plebanus in Eibenstein 58 
Peuger, Herren 137 
Peuger zu Weißenbach, Hans Wenzel 

16, 32 
Pfaffenschlager, Geschlecht der 124 
Pillung d. Ä. 63 
Pillung, Herren von 137 
Planta, Leopold von, Probst von Her- 
zogenburg 113 
Polheim, Adam, Graf von 123 
Polheim, Gräfin Maria Leopoldina von 121 



Namensregister 



167 



Prandner, Johann Simon, Dechant von 
Raabs 46, 63, 74, 87 

Primmersdorfer, Geschlecht der 113 

Prissmann, Katharina, geb. Pfaffen- 
berger 144 

Puch, Stant von 127 

Puchheim, Adolf Ehrenreich 100 

Puchheiin, Albrecht von 45 

Puchheim, Andreas von 5, 74, 90 

Puchheim, Georg Ehrenreich von 93 

Puchheim, Herren von 1, 5, 24, 26, 35, 
45, 74, 89 f., 100, 111, 115, 125, 138 

Puchheim, Jorig von 85 

Puchheim, Niklas von 74, 87, 93, 100 

Puchheim, Ottilia von 127 

Puchheim, Pilgrim von 143, 168 

Puchheim, Sigmund von 6 

Puchheim, Truchseß 23 

Puchheim, Wilhelm von 167 

Puchheim, Wolf Adam von 127 

Puedebuat, Jursik von 65 

Purkhauser, Rosa 129 

Quiarent, Franz Anton von 100 

Raabs, Grafen von 18, 35, 89 

Raabs, Konrad Graf von 89 

Raabs, Sophie Gräfin von 89, 103 

Rädl, Heinrich von 100 

Riess, Leopold 150 

Rigotti di Mori, Gemahlin Johann 
Michael 1. von Grosser 136 

Rosenberg, Ulrich von 107 

Rosenberg, Wocko von 73, 89 

Rosenberg, Heinrich von 89 

Rudolf 11., Kaiser 168, 175 

Schandl, Veit 17 

Schauenberg, Hadeweich von 70 

Schelhamer, Troyanus 36 

Schießl, Franz 44 

Schießl Franz Josef 44 

Schießl, Magdalena 44 

Schießl, Maria Elisabeth 44 

Scholz, Johann Christoph 64 

Schrembscr 1 

Schruttek, Herr und Frau von 122 

Seiz, Josef 111 



Selb, Freiherren von 161 

Selb, Johann Anton Freiherr von 111 

Sengler, Matthias 145 

Seyfried, Johann, Abt von Zwettl 19 

Seyfried, Pfarrer von Niklasberg 97 

Siegl, Anna Catharina 121 

Siegl, Zacharias 121 

Sonderndorf, Herren von 24 

Speisendorf, Ulrich von 103 

Spillmann, Freiherren von 122 

Sprinzenstein, Graf Ferdinand Max von 
115, 161 

Sprinzenstein, Grafen von 168 

Stangl, Matthäus 103 

Starhemberg, Graf Heinrich 169 

Starhemberg, Rüdiger von 127 

Steger, Pfarrer Dr. Josef 29 

Stockhorner von Starein, Joachim 123 

St raaten, Gräfin van der, geb. Beaufort 1 12 

Straaten-Ponthoz van der, Grafen 26 f. 

Strasser, Herren 23 

Straten, Graf Rudolf van der 111 

Strehle, Josef 65 

Strein, Hans von 176 

Strein, Hans Wolfhard 123 

Strein, Heinrich 167 

Strein, Herren von 70, 122 

Strein, Wolfhard 123 

Strein, Wolf, zu Schwarzenau 118 

Stromair , Anton 74 

Sweinbort (Sweinwort), Simon von 101 

Sweinbort, Wernhard von 101 

Theobald, Bischof von Passau 41 

Thomasis, Ferdinand 169 

Tigia, Adalram von 138 

Toppel, Ortolf von 73 

Traun, Hans von 143 

Trautmannsdorff, Fürst 10 

Trautson, Gräfin Maria Margareta 162 

Tressidlar, Peter der 25 

Treven, Jörg von, genannt der Steirerl37 

Truchseß von Grub, Heidenreich 167 

Truckenmüller, Dominik Rudolf 32 

Truckhenmüller von Müllpurgk, Ale- 
xander 32 



Truckmüller von Mühlberg, Sigm. 19, 

33 f. 
Truckmüller, Gemahlin des Sigmund, geb. 

Haunoldin 33 f. 
Truglinger, Heinrich 18 
Tyrna, Herren von 25 
Udalrich, Bischof von Passau 101 
Unverzagt, Freiherr von 100 
Urtica, Friedrich, Abt von Geras 56 
Vetau und Pernstein, Herren von 65 
Voltaire 9 

Waidhofen, Ortolf von 167 
Waldkirchen, Konrad von 41 
Waldstetten, Ferdinand Baron von 132 
Waldstet ten Freiherr von 137 
Wallmoden, Gräfin 10 
Wallsee, Heinrich von 70 
Wallsky 138 

Walner, Michael, Abt von Geras 56 
Weigand, Pfarrer in Weikartschlag 108 
Weikertschlag, Wichard von 41, 96 
Weilich von Ibowitz, Isabella Katharina 

143 f. 
Weinern (Wcynarn), Alphart von 1 1 1 
Weißenbeck, Weickhart der 25 
Weitra, Ritter Konrad von 63 
Welzer, Ludwig 132 
Welzer, Ruprecht 137 
Widersperger, Christoph 128 
Wilhelm, Herzog von Osterreich 107, 

113, 146 
Winkel, Weichart von 70 
Wochenitzky, Herren von 24 
Wolfgang IL, Abt von Zwettl 123 
Woytich, Familie 41 
Zandt, Nikolaus, Abt von Geras 56, 58 
Zaunagg, Melchior, Abt von Zwettl 123 
Zienkaul, Zacharias 161, 166 
Zimmer, Matthäus 164 
Zinner, Anna Katharina 163, 165 
Zinner, Franz Anton 165 
Zlabinger, Anton 117 
Zlabinger, Jakob 87 
Zobel, Hans der 103 
Zollern, Friedrich von 89 



24» 



ORTSREGISTER 



Die fettgedruckten Ziffern verweisen auf die Besprechung des Ortes im Denkmälerverzeichnis 



Abersdorf 64 

Aigen 45 11, 50, 103, 128 

Alberndorf 64 

Aldersbach (in Bayern) 138 

Altenburg 56 f., 70, 127, 142 

Amolz 117 

Bamberg 171 

Bistritz 41, 96 

Blumau 51 ff. 

Brixen 176 

Brüssel 112 

Brunn 120, 169 

Buchbach 11511., 162, 169 

Buchenstein (Ruine) 101 

Budweis 35 

Dobersberg 1 IL, 17, 29, 37 f. 

Drösiedl 45 f., 561., 58 

Drösiedl (bei Pfaffenschlag) 124 

Drosendorf 62, 107 

(Groß-)Eberharts 117, 118, 170 

Edelbach 177 

(Nieder-)Edlitz 16, 170 

(Ober-)Edlitz 16, 170 

Eggem 19, 147 

Eggmans 16, 17, 170 

Eibenstein 57 ff., 100 

Eisgarn 1, 29, 124 

Eilends 601. 

Engelbrechts 17 

Eschenau 118 

Fratres 18 

Gaberkirche 69 

Garsten 18, 35 

Garolden 18 

Gastern 18 f., 32 

St. Georgen (Stift) 16, 18, 23, 31 f., 35, 
41, 61, 71, 101 f., 111, 1 17 ff., 121, 
127, 129, 132, 142 f., 174 f. 

Geras 52, 58, 701, 74, 97, 103, 1071, 
142 



(Groß-)Gerharts 1181, 170 

Gerungs (Görings) 18 

Getzles 169 

Gilgenberg 23 1, 41, 63 

(Klein-)Göpfritz HS, 141, 170 

Göpfritzschlag 24 

Goschenreith 5, 31 

Grafenschlag 118 

Graz 168 

Griesbach 24 

Grossau 61 fl, 97, 100 

Grünau 32 

(Nonndorf bei) Grünau 124 

(Ober-)Grünbach 26, 35, 63 11, 103 

St. Grünne 132 

Heidenreichstein 32, 1181, 124 

Herzogenburg 15, 18, 24, 29, 100, 103, 

1131 
Hohenau 5 

Hollenbach 120, 170, 174 
Hörn 147, 173 
Illmau 24 1 
Immenschlag 19, 170 
Jahrolten (Jarolden) 120 
Japons 52, 56, 70 
Jaßnitz 169 
Jaudling 120 
Jetzles 120 
Kainraths 120 

Karlstein 25 11, 351, 89, 127 
Kautzen 2911, 141 
Kirchberg 96 
(K'ein-)Mariazell 74 
Kollmitz 70 
Kollmitzgraben 65 11 
Kotschallings 122, 124, 180 
Krems 19, 22, 31, 37, 44, 49, 55, 62, 71, 

106, 117, 129, 141, 162 
Kühfressen 129 
Lamberg 169 



Leibniz 168 

Leipzig 146 

Lichtenberg 129 

Liebenberg 45, 50 1, 100 

Liebnitz 101 11 

Lilienfeld 37 

Lindau 71 11 

Litschau-Thaya 17, 103 

Loiben 121 

Luden 69 

Ludweis 56, 70 1 

Markl 121 

Matzeisschlag 129, 130 1 

Matzles 142 

Meires 122, 123, 176, 180 

Meißen 9 

Merkengersch 31 

Modsiedl 71, 100 

(Klein-)Motten 19, 32 

München 168 

Münichreith 26, 35 11, 64, 103 

Neukirchen 87 

Neunzen 130 

Niklasberg 41, 96 11 

Nürnberg 89 

Oberndorf bei Raabs 71, 7211, 100, 110 

Pärifridt (Parafried) 16 

Passau 96, 101, 103, 107, 120, 123, 138, 

177 
Peigarten 37 
Pernegg 65, 97 
(Unter-)Pertholz 96 
Pfaffendorf 89 
(Unter-)Pfaffendorf 194 
Pfaffenschlag 45, 51 
Pfaffenschlag 12411 
(Alt-)Pölla 138 
St. Polten 29, 46, 48, 73, 84 
Pommersdorf 101, 103 
Prag 170, 176 



Ortsregister 



189 



Preßburg 87 
Primmersdorf 1131. 

Puch 26, 46, 103, 121, 127 M., 143, 170 
Pulkau 158 
Pyhra 127, 129 

Raabs 1, 16, 35, 45, 50, 61, 63 f., 65, 
71, 73, 99 t., 100, 114, 124, 132, 174 
Rabesreith 194 
Radi 100 f. 

Rafings 123, 129, 131, 177 
Raffingsberg 122, 123 t., 130 
Ranzlcs 118, 119, 170 
Rappolz 37 
Rauhenstein 1 1 
Reibers 38 M. 

(Klein-)Reichenbach 121, 122 
Reinolz 38, 40 
(Unter-)Reith 60 
Riegers 31 
Rom 58 
Ruders 19, 32 
Rudolz 38 
Rügers 26 
Salzburg 160, 170 
Sarning 117, 169 



Sauggern 101 

Schaditz 97 

Schirnes 118, 119, 170 

Schönau 138 

Schönfcld 18 

Schrems 117 

Schuppertholz 1, 15 

Schwarzenau 120 f. 

Schweinburg 101 

Siegharts 175 

(Groß-)Siegharts 51, 132 fl. 

Speisendorf 64, 101 ff., 103 tt. 

Stein 145 

Süßenbach 61, 63, 97 

(Oroß-)Taxen 41 

Thaya 16, 19, 118 f., 138 it. 

Thuma 1061. 

Trabersdorf 113, 114 

Träbings 100, 101 

Ulrichschlag 132, 142 

Vestenotting 143 t. 

Waidhofen a. d. Thaya 16, 18, 36, 64, 
84, 115, 117, 119 ff., 123 f., 126, 
128, 138 f., 143, 14411., 194 



(Alt-)Waidhofen 1741. 

Waldhers 41 

Waldkirchen 41 11., 96 

Weikartschlag 37, 41, 63, 97, 107 11. 

Weilburg (bei Baden) II, 13 

Weinern 111 II. 

Weipolds 169 

Weißenbach 19, 32 tl. 

Wetzles 111 

Widersberg 73 

Wiederfeld 115, 117 

Wien 7, 9 ff., 13 f., 35, 57, 61 ff., 71, 75, 
87, 104, 106, 117, 119, 123, 127 f., 
141, 144, 146 f., 159, 161, 163, 168, 
170 ff. 

Wienings 175 f. 

Windigsteig 123 f., 129, 17611. 

Zabernreith 113, 114 

Zemmendorf 194 

Zirnreith mit Niklasberg 96 ff. 

Zlabings 75, 147 

Znaim 19, 44, 60, 62, 87, 110, 129 

Zwettl 19, 22, 117 f., 123, 129 f., 176 f. 

(Klein-)Zwettl 19 ft., 35 



SACHREGISTER 



Das Register zerfällt in folgende Abteilungen ; 



I. Prähistorische Denkmäler 
II. Kirchliche Baudenkmäler 
III. Einrichtung der Kirche 



IV. Profane Baudenkmäler 
V. Profane Einrichtung 
VI. Werke der Malerei 



VII. Skulpturen 
VIII. Goldschmiedearbeiten 



Abkürzungen : A = Anfang, Ch. = Chor, E. = Ende, H. = Hälfte, M. = Mitte, roman. = romanisch, V. = Viertel. 



I. PRÄHISTORISCHE DENKMÄLER 



Aigen 45. Blumau 51. Ebenstein 57. 
Fratres 18. Gaberkirche 69. Grossau 61. 
Kautzen 29. Kollmitzgraben 65. Merken- 
gersch 31. Nonndorf 124. Oberndorf 72. 



(Unter-)Pertholz 96. (Klein-)Pfaffendorf 
194. Primmersdorf 113. Rabesreith 194. 
(Unter-)Reith 60. Süßenbach 63. Thaya 
138. Trabersdorf 114. Ulrichsschlag 142. 



Waidhofen a. d. Thaya 145. Weikert- 
schlag 107. Zabernreith 114. Zemmen- 
dorf 194. Zirnreith 96. 



II. KIRCHLICHE BAUDENKMÄLER 



1. Gotische Bauten 
A. Einschiffig 
Aigen (E. d. 16. Jhs., Fig. 48) 46. 

B. Zweischiffig 

Thaya (roman. Anlage, 2. H. d. 15. Jhs., 
Fig. 37 f.) 139. Weißenbach (um 1400, 
Fig. 37) 32. (Klein-)Zwettl (14. Jh., 
Fig. 21 f.) 19. 

C. Dreischiffig 

(Ober-)Grünbach 64. Kautzen (barocki- 
siert, Fig. 34) 29. Oberndorf (Raabs) 
(roman. Anlage, 13. Jh., 15. Jh. gotisiert, 
Fig. 75 ff.) 75. Weikertschlag (barocki- 
siert, Fig. 115) 108. 

D. K a r n e r 
Blumau (Fig. 55) 56; Thaya 141. 



E. Verbindunggotischerund 
späterer Bauteile (zumeist 
eines gotischen Ch. mit ba- 
rockem Langhaus) 
Buchbach (2. H. d. 17. Jh., Fig. 123) 116. 
Dobersberg (Ch. 15. Jh., Langhaus 1876 
erneut, Fig. 1) 2. Eibenstein (roman. 
Anlage, Ch. 15. Jh., Langhaus 1730, 
Fig. 62) 58. Ludweis 70. Münichreith 
(Ch. gotisch, Langhaus 1784 und 1864, 
Fig. 39) 36. Niklasberg (1757, roman. 
Apsis, Fig. 102) 97. Pfaffenschlag (roman. 
Anlage, 15., 19. Jh., Fig. 127 f.) 125. 
Puch (Fig. 129) 128. Speisendorf (roman. 
Anlage, 15. Jh., 1740, Fig. 111) 104. 
Waidhofen (um 1470, Fig. 166) 163. 
Waldkirchen (Ch. 15. Jh., Langhaus 
1729, Turm 1715, Fig. 45) 42. Windig- 
steig (Fig. 181 f.) 177. 

2. Barocke und spätere Kirchen 

Blumau (um 1750, Fig. 55 f.) 52. Grossau 
(1785—1790, Fig. 65) 66. Reibers (E. d. 



18. Jh., Fig. 41) 38. (Groß-)Siegharts 
(18. Jh., Fig. 132). Waidhofen (1716 bis 
1723, Fig. 147) 148. 

3. Kapellen 

Arnolz (1727, 1904 erneut) 117. Brunn 
(1721, 3. V. d. 19. Jhs.) 120. (Nieder-) 
Edlitz 16. (Ober-)Edlitz (2. H. d. 18. Jh.) 
16. Eggmans (18. Jh.) 17. Eschenau 
(1853) 118. Fratres (E. d. 18. Jhs.) 18. 
Garolden (E. d. 18. Jhs.) 18. (Groß-) 
Gerharts (1748) 118. Gilgenberg (1694 
erneut, Fig. 26) 23. (Klein-)Göpfritz 
(1783) 119. Göpfritzschlag (A. d. 19. Jhs.) 
24. Goschenreith (E. d. 18. Jhs.) 31. 
Grünau (19. Jh.) 32. Hollenbach (1762) 
120. Jarolten (1737) 120. Karlstein 
(15. Jh.) 28. Kühfressen 129. Liebenberg 
(roman. Anlage, barockisiert, Fig. 53) 50. 
Liebnitz (roman. Anlage, um 1660 um- 
gebaut, Fig. 107) 102. Lindau (1824) 72. 
Matzles (1781) 142. Merkengersch (1736, 
Fig. 35) 31. Modsiedl (1765) 71. Obern- 



Sachregister 



191 



dorf (Raabs) (15. Jh., Fig. 93) 88, 94. 
Pfaffcnschlag 51. Primmersdorf (18. Jh.) 
113. Ranzles (1838) 119. Rappolz (1764) 
37. (Klcin-)Reichenberg 122. Reinolz 
(1758) 40. Ruders (A. d. 19. Jhs.) 32. 
Schimes (1838) 119. Schönfeld (E. d. 
18. Jhs.) 18. Schuppertholz (2. H. d. 
18. Jhs.) 15. Schweinburg 101. Sieg- 
hartles (1830) 175. Süßenbach (um 1840) 
63. Träbings 101. Ulrichschlag (2. H. d. 

18. Jhs.) 142. Vestenötting (18. Jh., 
Fig. 142) 143. Waidhof en (1730, Fig. 164) 
161. Weinern (1824) 1 12. Wienings (1760) 
175. Zabemreith 114. 

4. Kapellenriiinen 

Gaberkirche in Luden (Fig. 72) 69. 
Georgenkapclle 63. Raffingsberg(Fig. 126) 
124. Weikertschlag 110. 

5. Bildstöcke 

A. Kapellen bau; gemauerter 
Breitpfeiler mit Nische (dar- 
in Skulptur oder Gemälde) 

Brunn (1845) 121. Buchbach (1. H. d. 

19. Jhs.) 117. Dobersberg (um 1730, 
Fig. 3) 5. Drösidl (um 1720) 124. (Groß-) 



Eberharts (1731) 118. Grossau (um 1730) 
62. Loibcs (um 1740) 121. Matzcisschlag 
(um 1680) 131. Riegers (A. d. 18. Jhs.) 
31. Vestenötting (A. d. 18. Jhs.) 144. 
Wetzles (A. d. 19. Jhs.) 111. Windig- 
steig (1769) 180. 

B. Steinpfeiler mit Taber- 
nakel (in dessen Nische 
Relief, Skulptur oderGe- 
m ä 1 d e) 

Brunn (1717) 121. Dobersberg (17. Jh., 
um 1700) 5. (Groß-)Eberharts (17. Jh.) 
118. Eschenau (E. d. 17. Jhs.) 118. 
Grafenschlag (17. Jh.) 118. Grossau 
(17. Jh.) 62. (Ober-)Grünbach (16. Jh.) 
(55. Jarolten (1729) 120. Markl (1686) 
121. Matzeisschlag (1676) 130. Merken- 
gersch (17. Jh.) 31. Modsiedl (17. Jh.) 
71. Niklasberg (17. Jh.) 100. Oberndorf 
(Raabs) (A. d. 16. Jhs., 16. Jh.) 89. 
Pyhra (1405) 129. Rafingsberg (1676, 
1686) 124. Ranzles (16. Jh.?) 119. 
(Klein-)Reichenbach (1752) 122. Schup- 
pertholz (1756) 15. Thaya (A. d. 15. Jhs., 
Fig. 141) 141. Thuma (um 1500) 107. 
Ulrichschlag (1. H. d. 19. Jhs.) 142. 



Waidhofen (1644) 166. (Alt-)Waidhofen 
(17. Jh.) 174. Weikertschlag III. 

C. Pfeiler, Säule oder Posta- 
ment (mit Freiskulptur oder 
Kreuz) 

Eggmans (1694) 17. Grafenschlag (um 
1740) 118. Grünau (18. Jh.) 124. Hollen- 
bach (1732) 120. Kautzen (1. H. d. 
18. Jhs.) 31. Kotschallings (I. H. d. 
18. Jhs.) 124. Kühfressen (1739) 129. 
Lichtenberg (1738) 129. Ludweis (A. d. 
18. Jhs.) 71. Markl (1721) 121. Niklas- 
berg (A. d. 18. Jhs., um 1700) 100. 
Oberndorf (Raabs) (um 1700, Fig. 96) 
89. Radi (1539) 101. Raffings (1738) 131. 
(Klein-)Rcichenbach (1752) 122. Rap- 
polz (1731) 37. (Groß-)Taxen (A. d. 
18. Jhs.) 41. Waidhofen (1735, I. H. d. 
18. Jhs., Fig. 170; A. d. 18. Jhs., 1787) 
166. Windigsteig (1738, um 1720) 180. 
Zabemreith (A. d. 19. Jhs.) 114. 

D. Aufbau aus mehreren 
Skulpturen 

Blumau (1717) 56. Waidhofen (um 1715, 
Fig. 169) 165 f.; (um 1725) 166. 



III. EINRICHTUNG DER KIRCHEN 



1. Altäre 

A. Gotische Altäre 

Weißenbach (1. H. d. 17. Jhs., Taf. III, 
Fig. 38) 33. 

B. Wandaufbau mit Mittel- 
bild und Vollskulpturen 

Blumau (M. d. 18. Jhs.) 55. Brunn (um 
1640) 121. Dobersberg (um 1725) 4. 
Karlstein (um 1760) 28. Niklasberg (um 
1660, um 1774, Fig. 103) 98. Oberndorf 
(Raabs) (1778—1780, Fig. 81 f.) 81 f. 
Schweinburg (M. d. 18. Jhs.) 101. Thaya 
(um 1770) 141. Ulrichschlag (18. Jh.) 
142. Waidhofen (1721, Taf. VIII) 154 f. 
Waldkirchen (um 1740, Fig. 46) 43. 
Weikertschlag (um 1730) 109. (Klein-) 
Zwettl (1615) 22. 

C. W a n d a u f b a u m i t S k u I p t u r 

ohne Bild 

Blumau (M. d. 18. Jhs.) 55. Eibenstein 
(um 1760) 59. Matzeisschlag (M. d. 
17. Jhs., Fig. 130) 130. Matzles (E. d. 
17. Jhs.) 142. Oberndorf (Raabs) (um 



1680) 84; (E. d. 17. Jhs.) 95. Radi (um 
1700, Fig. 106) 100 f. Rappolz (um 1740) 
37. Reibers (1758?, Fig. 42) 39. (Groß-) 
Siegharts (um 1790) 136. Thaya (M. d. 
18. Jhs.) 141. Träbings (A. d. 18. Jhs.) 
101. Vestenötting (um 1750, Fig. 143) 
143. Waidhofen (um 1760) 156. Wei- 
kertschlag 109. Weinern (17. Jh.) 113. 
Wiedersfeld (1. H. d. 18. Jhs.) 117. 
Windigsteig (um 1720) 178f. (Klein-) 
Zwettl (A. d. 17., E. d. 17. Jhs.) 22. 

D. Wandaufbau mit Bild 
ohne Skulptur 

(Nieder-)Edlitz (2. H. d. 18.. E. d. 18. Jhs.) 
16. Eggmans (M. d. 17. Jhs.) 17. Eilends 
(um 1760) 61. Fratres (um 1750) 18. 
Gilgenberg (2. H. d. 17. Jhs.) 23 ff . 
Niklasberg (18. Jh.) 98. Oberndorf 
(Raabs) (1833, Fig. 84) 84. Pfaffen- 
schlag (1724) 126. Primmersdorf (um 
1710) 114. Reinolz (um 1640) 40. Schön- 
feld (E. d. 18. Jhs.) 18. (Groß-)Siegharts 
(1764) 136. Thaya (um 1840) 141. 
Vestenötting (3. V. d. 18. Jhs.) 143. 



Waidhofen (2. H. d. 18. Jhs., Fig. 154 ff.) 
155 f.; (1667) 164. 

E. Gemalter Aufbau 
Schuppertholz (um 1750) 15. 

F. (Mensa mit) Altarbild 

Buchbach (1802) 116. Eibenstein (1827) 

59. Ludweis (um 1700, Bild A.d. 19. Jhs.) 

70. 

2. Kanzeln 

A. Aus Stein 

Aigen (A. d. 17. Jhs., Fig. 50) 49. (Klein-) 

Zwettl (E. d. 15. Jhs., Fig. 24) 22. 

B. Aus Holz 
Buchbach (1800, Fig. 124) 117. Eiben- 
stein (um 1730) 59. Obemdorf (Raabs) 
(um 1770) 85. Pfaffenschlag (um 1750) 
126. Speisendorf (um 1680, Fig. 112) 106. 
Waidhofen (2. V. d. 18. Jhs.) 158. Wald- 
kirchen (um 1670) 44. Windigsteig (M. 
d. 18. Jhs.) 179. 

3. Orgeln 
Buchbach (1800) 117. Grossau (2. H. d. 
18. Jhs.) 62. Obemdorf (Raabs) (um 



192 



Sachregister 



1770) 85. Pfaffenschlag (18. Jh.) 127. 
(Groß-)Siegharts (3. V. d. 18. Jhs.) 136. 
Speisendorf (1716, Fig. 113) 106. Vesten- 
ötting (A. d. 18. Jhs.) 144. Waidhof en 
(1727) 158. Weikertschlag (um 1750) 
110. 

4. Taufbecken 

Liebenberg (14. Jh.) 51. Ludweis (E. d. 
18. Jhs.) 71. Oberndorf (Raabs) (15. Jh., 
um 1670) 85. Pfaffenschlag (14. Jh.), 
127. Puch (15. Jh.) 129. Speisendorf 
(um 1500) 106. Waidhofen (E. d. 15. Jhs.) 
158. Weikertschlag (13. Jh., Fig. 117) 
110. 

5. Weihwasserbecken 

Nikiasberg (15. Jh.) 98. (Klein-)Zwettl 
(15. Jh.) 22. 

6. Sakramentshäuschen 
Dobersberg (um 1500, Fig. 2) 4. 

7. Opferstock 
Oberndorf (Raabs) (um 1760) 85. 

8. Gestühl 
A. Beichtstühle 
Waidhofen (um 1760, Fig. 162) 159. 

B. Kirchenstühle 

Blumau (M. d. 18. Jhs.) 55. Waidhofen 
(1725) 159. 

C. Chorgestühl 

Waidhofen (um 1725, Fig. 160 f.) 158 f. 
Waldkirchen (um 1680) 44. 



9. Weiteres Holzmobiliar 

Dobersberg (um 1750) 4. Waidhofen 
(1. H. d. 18. Jhs.) 159. 

10. Grabsteine 

[Ein zugesetztes F bedeutet : mit figu- 
raler Darstellung. Ein zugesetztes O be- 
deutet : mit ornamentaler Verzierung] 

Aigen (um 1600, Fig. 51, 1647 0, 1599 F, 
Fig. 52) 49. Dobersberg (1811 O) 5. 
(Ober-)Grünbach (14. Jh., 1735) 65. 
Oberndorf (Raabs) (1551, 1558 F, Fig. 89, 
14590, 17320, 14930) 85; (1542 0, 
17250, um 1610 F) 86. Pfaffenschlag 
(1620) 127. (Groß-)Siegharts (E. d. 
18. Jhs. F, Taf. VI, 1750) 136. Speisen- 
dorf (13. Jh. O) 106. Vestenötting (1635 0,. 
18. Jh.O, 1732 0) 144. Waidhofen 
(14560, 16280, 16760, 1770O) 160; 
(1726 F, 1736 0, 14. Jh.O) 161; (1689, 
1768) 165. Waldkirchen (1710, 18. Jh.) 
44. Windigsteig (E. d. 16. Jhs. O, 1834, 
1747) 180. 

11. Glocken 

[Ein zugesetztes F bedeutet figurale 
Verzierung, J Gießerinschrift] 

Aigen (1695 F J, 1755 J) 49. Blumau 
(14. Jh., 1760 J) 55. Buchbach 1836 F J, 
1736 F J) 117. Eibenstein (1768 F J) 60. 
Eilends (1754 J, 1845 J) 61. Gastern 
(1763 F J, 1519) 19. (Klein-)Göpfritz 
(1745 J) 1 19. Grossau (1833 F J, 1780 F J, 
1750 F J) 62. Kautzen (1848 F J, 1682 J, 
1839 F J) 31. Ludweis (1737 F J, 1845 F J) 
71. Münichreith (1567 J, 1597, 1761 J)37. 
Nikiasberg (15. Jh., 1530) 98. Oberndorf 



(Raabs) (1705 F J, 1343, 1705 F J, 
1773 F J) 87. Puch (1763 F J, 1758 F J) 
129. Ranzles (1796 F J) 119. Reibers 
(1833 F J, 1848 FJ) 40. Schirnes (1743 FJ) 
119. Speisendorf (15. Jh., 1845 F J) 106. 
Thaya (1746 F J, 1846 J, 1722 J) 141. 
Waidhofen (1805 J, 1803 F J) 161. 
Waldkirchen (1829 F J, 1766 F J, 1402) 
44. Weikertschlag (1755 F J, 1776 F J, 
1824 FJ) 110. Weißenbach (1832 F J, 
1636 J) 35. Windigsteig (1650 FJ, 
1727 FJ, 1818 FJ, 1849 FJ) 180. (Klein-) 
Zwettl (1839 F J, 15. Jh.) 22. 

12. Paramente 
A. K a s e 1 
Buchbach (1826, A. d. 19. Jhs.) 117. 
Grossau (2. H. d. 18. Jhs.) 62. Speisen- 
dorf (A. d. 18. Jhs., um 1800, Fig. 114, 
E. d. 18. Jhs.) 106. Waidhofen (um 1770, 
um 1800, E. d. 18. Jhs.) 159. Waldkirchen 
(1760) 44. 

B. Vespermantel 
Waldkirchen (E. d. 18. Jhs.) 44. 

13. Fahnen 

Karlstein (um 1770) 26. Oberndorf 
(Raabs) (1820, 1804) 84. Waidhofen (um 
1830) 159. Weikertschlag (1818, 1830) 
HO. 

14. Baldachinträger 

Grossau (1. H. d. 18. Jhs.) 62. Waid- 
hofen (E. d. 18. Jhs.) 159. 

15. Missale 
Karlstein (1651) 28. 



1. Pfarrhöfe 

Nikiasberg (2. H. d. 18. Jhs.) 98. Wald- 
kirchen (1753) 44. Weikertschlag (16. Jh., 
3. V. d. 18. Jhs.) 110. Windigsteig 
(1728) 180. 

2. Ruinen 

Eibenstein 60. Kollmitzgraben (Fig. 66 ff.) 
65. Liebenberg 51. Liebnitz 103. Weißen- 
bach 35. 

3. Schlösser 

Dobersberg (E. d. 16., A. d. 19. Jhs., 
Fig. 4) 6. Drösidl (16. Jh., 60 f.) 57. 
Gilgenberg (E. d. 16. Jhs., Fig. 25) 24. 



IV. PROFANE BAUDENKMÄLER 

Grünau (16. Jh.) 124. Illmau (um 1580, 
Fig. 27) 24. Karlstein (15., 16. Jh., 
Fig. 28 ff.) 27. Meires (E. d. 16. Jhs., 
Fig. 125) 122. Peigarten (16. Jh.) 37 
Primmersdorf (17., 18. Jh.) 113. Raabs 
(15., 16. Jh., Fig. 94 ff.) 97. (Groß-) 
Siegharts (16., 18., 19. Jh., Fig. 135 f.) 
137. (Groß-)Taxen (17. Jh.) 4L Vesten- 
ötting (16. Jh.) 144. Waidhofen (16., 
18. Jh.) 168. Weinern (16., 18. Jh., 
Fig. 119) 111. 



4. Schüttkasten 

Grimmersdorf (1706, Fig. 122) 
Wetzles (17. Jh.) 111. 



114. 



5. Rathäuser und Amtsgebäude 

Dobersberg (1777) 6. Waidhofen (17. Jh., 
Fig. 171) 166 f., (1734, Fig. 172) 167. 

6. Befestigungsbauten 
Raabs 99. Waidhofen 167. 

7. Wohnhäuser 
(zum Teil mit Hauszeichen) 

Aigen (18. Jh.) 49. Markl (A. d. 18. Jhs.) 
121. Münichreith (15. Jh., Fig. 40) 37. 
Pfaffenschlag (18. Jh.) 127. Raabs (A. d. 
19. Jhs., um 1825) 100. (Groß-)Siegharts 



Sachregister 



193 



(1680) 137 ; (A. d. 19. Jhs., 2. H. d. 18. Jhs.) 
138. Waidhofen (um 1737, E. d. 16. Jhs., 
um 1730, 16. Jh., M. d. 18. Jhs., E. d. 
18. Jhs., um 1770, M. d. 18. Jhs., 1. H. 
d. 18. Jhs., A. d. 18. Jhs.) 174 f. (Alt-) 
Waidhofen (17. Jh., um 1830—1840, 



Fig. 180) 175. Weikertschlag (3. V. d. 
18. Jhs., Fig. 118) III. Windigsteig 
(A. d. 18. Jhs.) 180, 

8. Brunnen 
Thaya (2. H. d. 16. Jhs.) 141. 



9. Marktsäului 

Blumau (17. Jh.) 56. Dobereberg (17. Jh.) 
5. Ludweis (1706) 71. Niklasberg (2. H. 
d. 16. Jhs., Fig. 105) 100. Thaya (I. H. 
d. 17. Jhs., Fig. 137) 14t. Weikertschlag 
(1735) 110 f. Windigsteig (17. Jh.) 180. 



1. Uhren 



V. PROFANE EINRICHTUNGSSTÜCKE 



Dobersberg (A. d. 19. Jhs., Fig. 8) 7, 
8 f., 11, 14. 



2. Varia 

A. Olas-, Porzellan-Toilette- 
garnituren 

Dobersberg (A. d. 19. Jhs., Fig. 16 f.) 12; 
(1823) 15. 



B. Rahmen 
Schweinburg (1698) 101. 

C Waffen. 

Waidhofen 170 ff. 



1. Wand- und Deckenmalerei 

Blumau (1777, Taf. IV, Fig. 57 ff.) 53. 
Dobersberg (A. d. 19. Jhs., Fig. 5) 7; 
(A. d. 19. Jhs., Fig. 7) 8, 10; (A. d. 
19. Jhs., Fig. 14) 11. Oberndorf (Raabs) 
(A. d. 17. Jhs., um 1600) 77; (1705) 
78 f.; (16. Jh., Fig. 96) 93. Primmers- 
dorf (um 1680) 113. (Groß-)Siegharts 
(um 1730, Taf. V, Fig. 134) 134. Waid- 
hofen (1764, Taf. VII, Fig. 149 f.) 152. 

2. Tafelgemälde 

Aigen (1824) 48. Blumau (E. d. 18., M. 
d. 18. Jhs., 1746) 56. Brunn (17. Jh.) 
121. Buchbach (2. V. d. 18., 2. H. d. 
18. Jhs., um 1840, 1835) 117. Dobers- 
berg (1849, Taf. I) 7, (1830, Fig. 10, 
1838, 1747, um 1815) 10, (2. H. d. 
16. Jh., 1811, Fig. 15) 11; (1802, M. d. 



VI. WERKE DER MALEREI 

18. Jhs.) 12; (1856) 13. Hollenbach 
(um 1760) 120. Karlstein (um 1760, um 
1525) 28. Liebnitz (1685) 102. Lindau 
(19. Jh., A. d. 19. Jhs.) 72. Ludweis 
(2. H. d. 17. Jhs.) 70. Matzles (1840) 
142. Meires (um 1830) 122. Niklasberg 
(um 1760) 98. Oberndorf (Raabs) (A. d. 
19., M. d. 18., E. d. 18. Jhs., 1824) 84; 
(um 1770) 94 f.; (E. d. 18., 2. H. d. 
18. Jhs.) 95. Pfaffenschlag (18. Jh.) 126. 
Primmersdorf (A. d. 17. Jhs., 1696) 114. 
Reibers (um 1830) 40. Reinolz (um 1760) 
40. Schimes (1. H. d. 19. Jhs.) 119. 
(Oroß-)Siegharts (E. d. 18. Jhs.) 136. 
Speisendorf (um 1740, 2. V. d. 18. Jhs.) 
105. Thaya (M. d. 18. Jhs.) 141. Vesten- 
ötting (18. Jh.) 144. Waidhofen (um 
1760, E. d. 16. Jhs., Fig. 159, um 1780, 
2. H. d. 18. Jhs.) 157; (2. H. d. 18. Jhs.) 
164; (1842—1845, um 1740, um 1640, 



1593, um 1750) 168; (16.— 19. Jh.) 169. 
Waldkirchen (18. Jh.) 43; (um 1785) 44. 
Weikertschlag (um 1760) 110. Weinern 
(18. Jh., um 1700, um 1770, Fig. 120, 
1849, um 1700, Fig. 121) 112. Weißen- 
bach (E. d. 17. Jhs., um 1650, 1659) 
33 f. Windigsteig (um 1800) 180. (Klein-) 
Zwettl (18. Jh.) 22. 

3. Zeichnungen und Portrat- 

miniaturen (auf Papier) 
Dobersberg (1817, Fig. H.A. d. 19. Jhs., 
Fig. 12, A. d. 19. Jhs.) 10; (A. d. 19. Jhs., 
1820) II, (1832. Fig. 18, 1851, Taf. II. 
um 1845) 13. Waidhofen (1832, Fig. 173, 
1862, 1787, 1788) 169. 

4. Porträtminiaturen auf Elfenbein 
Dobersberg (um 1800) 13; (A. d. 19., 
E. d. 18. Jhs.) 14. 



1. Holz 

A. V o I I s k u 1 p t u r c n 

Aigen (um 1740) 48. Blumau (M. d. 
18. Jhs.) 56. Brunn (1. H. d. 19. Jhs., 
um 1760) 121. Buchbach (1. H. d. 18., 
M. d. 18. Jhs.) 117. Dobersberg (A. d. 
18. Jhs., Fig. 2) 4. (Groß-)Eberharts 
(E. d. 17. Jhs.) 118. (Niedcr-)Edlitz (E. 
d. 15., 2. H. d. 18. Jhs.) 16. (Ober-) 



VII. SKULPTUREN ') 

Edlitz (um 1720, Fig. 19) 16. Engel- 
brechts (um 1500, Fig. 20, A. d. 18. Jhs.) 

17. Eschenau (E. d. 18. Jhs., um 1700) 
118. Oarolden (A. d. 18., E. d. 17. Jhs.) 

18. Garsten (um 1720, A. d. 18. Jhs.) 

19. (Groß-)Gerharts (1811) 119. Grafen- 
schlag (um 1740) 1 18. Jarolten (um 1500) 
102. Jaudling (E. d. 18. Jhs.) 120. 
Jetzles (um 16(X)) 120. Kühfresseit 
(E. d. 15. Jhs., um 1760, um 1700) 129. 



') Steinsktilpturen siehe Bildstöcke und Grabsteine. 
VI 



Liebenberg (1. H. d. 17.. 3. V. d. 15. Jhs., 
Fig. 54, 2. H. d. 16., 4. V. d. 15. Jhs.) 
51. Liebnitz (um 1500, Fig. 108 f., E. d. 
15. Jhs.) 102. Loibes (A. d. 18. Jhs») 
121. Matzeisschlag (um 1500, Fig. 130) 
130. Matzles (M. d. 18., E. d. 18. Jhs.) 
142. Merkengersch (A. d. 17., M. d. 
18. Jhs.) 31. Niklasberg (M. d. 15. Jhs.. 
Fig. 104) 98. Oberndorf (Raabs) (1610, 
Fig. 86, M. d. 18.. 1. H. d. 18. Jhs., 



25 



194 



Sachregister 



Fig. 87) 84 f.; (2. V. d. 18. Jhs.) 95. 
Pfaffenschlag (A. d. 18., M. d. 18. Jhs.) 
51. Pfaffenschlag (1. H. d. 18. Jhs., 
um 1710) 126. Primmersdorf (um 1710) 
114. Puch (M. d. 18., A. d. 18. Jhs.) 
129. Rappolz (M. d. 16. Jhs.) 37. Reinolz 
(um 1750, Fig. 44, A. d. 18. Jhs.) 40. 
(Unter-)Reith (1. H. d. 18., A. d. 18., 
E. d. 18. Jhs.) 60. Schirnes (1. H. d. 
19. Jhs.) 119. Schönfeld (M. d. 17. Jhs.) 
18. Schuppertholz (16. Jh., um 1500?, 
um 1690) 15. (Groß-)Siegharts (um 
1450) 136. Speisendorf (A. d. 18., E. d, 
15. Jhs.) 106. Thaya (um 1770, Fig. 140, 
1. H. d. 18. Jhs.) 141. Ulrichschlag (E. d. 
18. Jhs.) 142. Vestenötting (3. V. d. 
18. Jhs.) 144. Waidhofen (um 1470, 
Fig. 158) 156; (1. H. d. 17. Jhs., um 



1769) 157; (um 1730) 158; (18. Jh.) 
165. (1767, Fig. 168) 165. Waldhers 
(18. Jh.) 41. Waldkirchen (A. d. 16. Jhs., 
Fig. 47, 1747) 44. Weikertschlag (M. d. 
18. Jhs.) 110. Weinern (1. H. d. 18. Jhs.) 
112; (2. H. d. 18. Jhs.) 113. Weißenbach 
(um 1500, A. d. 18. Jhs., um 1700) 35. 
Wienings (um 1750, um 1730, um 1660, 
15. Jh.) 176. Windigsteig (um 1510, M. 
d. 18. Jhs., um 1720, Fig 184, 2. H. d. 
17. Jhs., Fig. 185) 179. Zabernreith (E. 
d. 18. Jhs., um 1800) 114. (Klein-)Zwettl 
(M. d. 18. Jhs.) 22. 

B. Reliefs 
Karlstein (M. d. 17. Jhs.) 26. Matzeis- 
schlag (A. d. 16. Jhs., Fig. 131) 130. 
Ranzles (1. H. d. 19. Jhs.) 119. Waid- 
hofen (um 1510, Fig. 167) 165. 



2. Stuck . 
Stuckdecke 

Primmersdorf (um 1680) 113. 

3. Wachs 

Gilgenberg (E. d. 17. Jhs.) 24. Süßen- 
bach (um 1750) 63. Wiedersfeld (1823) 
117. 

4. Bronze 
Dobersberg (1847, Fig. 6) 8; (1848) 9. 

5. Porzellan und Bisktiit 

Dobersberg (1818, um 1820, um 1815, 
1805, Fig. 9) 9. 



VIII. GOLDSCHMIEDEARBEITEN 



1. Kelche 

(Groß-)Siegharts (um 1710) 136. Waid- 
hofen (um 1760, Fig. 63, 1702) 159. 

2. Monstranzen 

Oberndorf (1770, Fig. 88) 85. Waidhofen 
(1728) 159. 



3. Ziborium 
Waidhofen (A. d. 18. Jhs.) 159. 

4. Reliqiuar 
(Groß-)Siegharts (um 1760) 136. Thaya 



(um 1770) 141. Waidhofen (um 1715, 
Fig. 174) 170. 



5. Beschläge 
(Groß-)Siegharts (um 1760) 136. 



ZUSÄTZE UND BERICHTIGUNGEN 



S. 21, Z. 10 von unten: Die letzten Ziffern der Jahreszahl sind nicht mehr bestimmt feststellbar; nach einer im Laufe der 
Restaurierung aufgedeckten, bereits abgefallenen Inschrift (Hoc opus per . . . actum Udalrico) mag eine Jahreszahl 
zwischen 1404 und 1408 (Regierungszeit des Abtes Ulrich von Zwettl) die richtige sein. — Anläßlich der Restaurierung 
wurden auf dem Kirchenboden zwei Bildschablonen, hl. Maria und Johannes, vorgefunden, die in sehr schlechtem Zu- 
stande sind und der Zeit um 1600 zugeschrieben werden. Auch wurden im Chor Konsekrationszeichen verschiedener 
Type aufgefunden. 

S. 60: Unter-Pfaffendorf. Neolithische Funde: Sehr gut erhaltener Hammer aus Diorit, 25 cm lang, ca. 3 A-g schwer; Hammer 
und Flachbeil aus Diorit, Schlagstein aus Granulit, Nukleus und Klinge aus Hornstein, Spinnwirtel aus dunklem Ton 
u. a. m. Sammlung Kiesslino. 

S. 61: Zemmendorf. Neolithische Einzelfunde: Kleines Flachbeil (Meißel) aus grünem Schiefer, Klopfstein aus Bergkristall (die 
Pyramide des Kristalls ist vollständig abgeklopft und zeigt eine stumpfe Fläche, wie sie sich bei gewöhnlichen Behau- 
steinen findet), Nukleus aus Hornstein mit Quarzeinlagerung und mehrere Hornsteinabfälle. 

S. 99: Rabesreith. Nealithische Funda: Hammer aus Diorit, Stein hobel und eine Anzahl Hornstein-Artefakte, darunter Klingen, 
Schaber; Nuklei und Abfälle. Sammlung Kiessling. 

S. 161: Waidhofen, Pfarrhof. Im Archiv verwahrt: Giebelbekrönung aus Granit, 88 cm hoch, von der früheren Kirche 
stammend; über achtseitigem Pyramidenstumpf quadratische, ausladende Plinthe, darauf ein hockender Widder, dessen 
Vorderfüße gerade auf die Plinthe gestemmt sind; bei Mund und Augen Farbspuren. XIV. Jh.(?). 




ÖSTERREICHISCHE KUNSTTOPOGRAPHIE 

Herausgegeben von dem Kunsthistorischen Institute derk. k. Zentralkommission für Denkmalpflege 

Redigiert von Prof. Dr. Max Dvorak. 

Bisher erschienen: _ Band I: 

Die Denkmale des politischen Bezirkes Krems. 

Bearbeitet von Dr. Hans Hetze, mit Beiträgen von Prof. Dr. Moritz Hoernes und Dr. Max Nistler. 

1 Karte, 29 Tafeln, 480 Abbildungen im Text Preis 35 Kronen. 

Beiheft zum Band I: 

Die Sammlungen des Schlosses Grafenegg. 

• Bearbeitet von Dr. Hans Tietze. 

11 Tafeln, 114 Abbildungen im Text. Preis 10 Kronen (für Besitzer des Bandes I 5 Kronen). 
' Band II: 

Die Denkmale der Stadt Wien (XI.— XXI. Bezirk). 

Bearbeitet von Dr. Hans Tietze, mit archäologischen Beiträgen von Dr. Heinrich Sitte. 
1 Karte, 37 Tafeln, 625 Abbildungen im Text. Preis 40 Kronen. 

Band III: 

Die Denkmale des politischen Bezirkes Melk. 

Bearbeitet von Dr. Hans Tietze, mit Beiträgen von P.-Dr. Eduard Katschthaler, Dr. Hugo Obermaier und 

Dr. Heinrich Sitte. 
1 Karte, 28 Tafeln, 481 Abbildungen im Text. Preis 40 Kronen. 

•Band IV: 

Die Denkmale des politischen Bezirkes Pöggstall. 

Bearbeitet von Pfarrer Alois Plesser und Dr. Hans Tietze, mit Beiträgen von Dr. Josef Bayer und 

Dr. Heinrich Sitte. 
1 Karte, 10 Tafeln, 301 Abbildungen im Text. Preis 25 Kronen. 

Band V: 

Die Denkmale des politischen Bezirkes Hörn. 

Bearbeitet von Dr. Hans Tietze, mit Beiträgen von Prof. Dr. Moritz Hoernes und Johann Krahuletz. 

1 Karte, 21 Tafeln, 679 Abbildungen im Text. Preis 40 Kronen. 

(Auch in zwei Teilen: 1. Gerichtsbezirk Eggenburg und Geras, 2. Gerichtsbezirk Hörn erschienen, deren 

jeder um 25 Kronen einzeln beziehbar ist.) 
Band VII: 

Die Denkmale des Benediktiner-Frauen-Stiftes Nonnberg in Salzburg. 

Bearbeitet von Dr. Hans Tietze, mit archivalischen Beiträgen von Fr.Regintrudis von Reichlin- Meldegg O.S. B. 

33 Tafeln, 281 Abbildungen im Text. Preis 35 Kronen. 
Im Herbst 1911 erscheint: Band VIII: 

Die Denkmale des politischen Bezirkes Zwettl. 

Anfang 1912 erscheint: Band IX: 

Die Kirchen von Salzburg (mit Ausnahme von Nonnberg und St. Peter). 
In Vorbereitung: 

Die Sammlungen des Herzogs von Cumberland in Wien. 

Das Stift St. Peter in Salzburg. 

Die Denkmale des politischen Bezirkes Salzburg Umgebung. 

Die Denkmale des politischen Bezirkes Gmünd. 



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6801 
07 
Bd. 6 



Österreichische Kunsttopographi« 



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